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Lange hat eine französische Ministnkrifis nicht mehr eine so gespannte Aufmerksamkeit erregt, wie der Sturz de« LadinetS Simon. Mit dieser Aufmerksamkeit verbindet stL da« bestimmte Vorgefühl, daß die Republik Frankreich

er nicht bedacht Hütte, daß eS ein Blindes, der Großvater seiner Käthi war, der die ihn beschimpfenden Worte und Reden im Munde führte. Erst, nachdem die erste Hitze stch gelegt, die ZorneSaoSbrüche etwas gelinder und die Redensarten gemäßigter wurden, ging die Base darauf ein, die Sache, die dm Schultheiß schon so früh auf die Beine und in Harnisch gebracht, näher zu erörtern und der Schultheiß begann nun deutlicher zu werden und die Muth- maßungea der beidm Hörer in Erstaunm und Verwunde­rung zu verwandeln. Ein Langes und Breites erzählte er, wie er hmt ganz in der Früh« stch aufgemacht, da die Fensterflügel in Kätht's Kammer durch den Wind so stark an­einander geschlagm haben, daß die Scheiben hättm zerspringen müsim, wenn er nicht aufgestandea wäre und fie befestigt hätte. Bet dieser Gelegmheit sei er dem Lager Käthi'« näher getreten, da eS ihm Wunder gmommm, daß dir Maid über dem Lärmen nicht aufgewacht fein sollte, und zu seinem größten Erstaunen und Leidwesen habe er ge- fundm, daß das Bette derselben für diese Rächt nicht be­rührt worden sei.

,86«*, fuhr der Alte in der wieder auflodernden Hitze fort,Ihr spielt mitsammen auS einer Ratte l Habe mir'« gleich gedacht, daß eS so ein fein angelegter Plan war, als Ihr mir an jenem Abende vorspiegeln konntet, der Bursche habe sich'S überlegt und wolle mir zu Gefallm und der Dirne zu Liebe davon abstehen, nach Amerika auszuwandern. Nun habt Ihr die Käthi vorausgeschickt und Der, dem ich'S Jawort gegeben, macht heut oder morgen hinterdrein und denkt in seinem Sinne, 'S Mädel und 'S Jawort hab ich, das HeirathSgut soll mir der Alte schon schicken! Aber, der Teufel soll mich holen, wenu'S dahin kommt! Jetzt in dieser Stunde geh ich vor'» Ober­amt, dort muß mir Recht werden, wmv ich die Schleich­wege zu Protokoll gebe, auf welch« Ihr in mein Haus

Lesepublikum dtrselbm verlangt, weder auS Asten noch von der Douau. Au der Donau gehört, da nur eine Eisenbahn vorhanden, viel Zeit dazu, um eine wirkliche Armee mit der« Zubehör in Linie zu bringen. In Ast« wird ans Plateaus von 4 bis 6000 Fuß Höhe operirt. Die Päffe bieten ihre besonderm Schwierigkeiten. Bor Rurzern lag noch viel Schnee, und das Regenwetter erschwerte die präliminaren Beweguugm. Alle-, was von Anstürrnm gegen Rot» gefabelt wird, muß als Fabel hingenommm werden. Ebenso wird es noch eine Zeit währen, bis die Armee die Donau überschritten haben wird. Jetzt ist die Zeit der RekognoSzirung»« und Vorbewegungen. Da» Publikum denkt an die Mastmbewegungen zwischen Wörth und Metz, aber die Berhältnifle find ganz andere. ES wird also wesentlich zu unterscheiden sein zwischm dem, wa» sensationell von Konstantiopel oder von Wiener Blättem verbreitet wird, und dem, wa- wirklich vorgeht. Die großen Attionm find schneller auf dem Papier gemacht, al» in der That, und die Nüchternheit unserer Rriegführuug wird unser« Erfolg nicht schmälern.

Die Stärke der russtschen Heere auf dem europäisch«, wie dem astatischen RriegSschauplatze wird vielfach ganz verschieden angegeben. Man spricht von 400,000 Mann, welche die Rufi« gegenwärtig außerhalb ihrer Reich«- grenzen stehen hab« und berechnet die Südarmee au der Donau auf 250260,000 Mann, während die kaukafische Armee mehr al- 150,000 Stretter haben soll. Beide» ist durchaus übertrieben. Nachdem das 4., 13. und 14. Ar« meecorp» der Südarmee etnverletbt wordm ist, besteht die letztere au» 18 Divisionen, von denen jede Division 12 Bataillone Infanterie hat, die nach dem Sollbestand aller­dings 1000 Mann stark sind, in der That aber nur 600 bi» 650 Mann zählen. Gut gerechnet ist eine russische Division mit allem Zubehör kaum 12,000 Manu stark, so daß also die Südarmee wenig mehr al» 200,000 Eom- battanten zählt. Die kaukasische Armee, die über 7 Divi­sionen verfügt, deren Regimenter 4 Bataillone stark sind, kann, da ein Theil der Armee im RaukasuS zurückgeblieben, kaum auf 100,000 Mann geschätzt werden. Somit wäre denn die außerhalb der Grenzen operirende russische Armee in runder Summe nur 300,000 Mann stark. Hinter dieser Armee stehen noch 23 Divisionen im Innern Ruß­lands, nämlich 3 Divisionen de» Gardecoip», 3 Divisionen des Grenadiercorps und 17 Infanterie Divisionen. Wenn man von diesen 11 abzieht, die zur Besatzung in Polen, Finnland u. s. w. zurückbleiben müflen, so blieben noch 12 Division« in der Stärke von 140,000 Mann etwa übrig, die innerhalb der Schlachtmlinie verwendet werden können. Nun soll allerdings nicht gelmgnet werd«, daß

las,

Dacht' ich'S doch/ entgegnete feeunoltch Rächt und trocknete stch den Schweiß von der Stirne,wenn Du die Heimreise antrittst, dacht' ich, da bist Du nicht allein, bann muß der^Gotthold dies Bündel tragen helfen l Doch hört' ich recht, Du sprachst von Durst; komm' laß uns gehen, imRauschenbusch" giebt'S 'nen guten Trunk, dort wollen wir das Weitere überleg« l Doch ein» noch sag' ich Dir, von Deiner Seite weich ich keinen Fuß breit, und schickst Du mich zum Herzog selbst, ich gehe doch niemals ohne Dich!" __________

Nicht wie jüngst am Kirmesfeste hatte der Schultheiß von Sundelfingen da» abermalige Verschwinden seiner Enkelin öffentlich proklamirt, noch viel weniger durch Fluchen und Toben die Nachbarleute aufmerksam gemacht, sondern hatte in aller Stille Thor und Thür sorgfältig verschloffen, dm Stab zur Hand gmommen und war, ohne Jemand« ein Wort zu sagen, der Stadt zugewandert. Hatte er doch schon mehr al» hundert Mal denselben Weg gemacht ohne irgend welchen Unfall zu erleiden, weil er dir Lage jede« Steine» genau kannte und die Borsprünge an den Wein­bergen geschickt zu passtrm verstand.

Die Vase saß eben mit dem Bastian beim Morgmim- biß, al» laute» Sprechen unten im Flur und gleich daraus ein Gepolter aus der Treppe stch vernehm« ließ. Wie erstaumeu aber Beide, nachdem die Thür geöffnet war, al» thn« der Schultheiß mit Donnerworten entgegentrat und aus die Frage der verwunderten Base, warum er denn in aller Frühe schon so grausam ungeberdig stch stelle, in kurzen abgebrochenen Sätzen eine Antwort ertheilte, die für den Bastian wohl geeignet gewesen wäre, sein Gewüth zu erregen und sein Blut in Wallung zu bringen. Ja, e» wäre zu fürchten gewes«, der Bastian werde Gebrauch mach« von dem der Vase zustehend« Hanörechte, venu

Kathi, >el Schultheißen Enkelin.

Schwäbische Dorf-Novelle von Nndolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

Stumm und dl fich versunken stand Gotthold da, UN« schlüssig, wozu er stch entschließen sollte. Räthi'S Worte jetten ihn mächtig erschüttert und ein ernstlicher Kampf tobte in seinem Innern. Jetzt aber schien der Rampf be- «bet und der Steg errungen zu sein. Gotthold erhob den tonen, zu Bod« gerichtet« Blick, frei und Hat, aber schmerzlich lächelnd zu Räthi und sprach:

Wohlan, e» seil Du hast da« Herz mir bezwungen, dielleicht zu meinem Heile! Noch vor einer Stunde hätte keine Macht der Erde, ja selbst nicht die Thränm Der- imigen, die Dich hierher gesandt, mich bestimmen küun-u, einen Plan zu ändern, meinem Entschluß ungetreu zu »erben. Aber Deine Worte Räthi, üben eine Gewalt über mich, bfe ich mir nicht erklären, der ich aber auch nicht widerstehen kann. Auf Dein Wort, liebe Räthi, die Du »on der Vorsehung auSerkohr« zu fein scheinst, über mein aab Margarethen« Geschick al» Schutzengel zu wallen, aus Dein Wort will ich e» wagen unb »lebet mit Dir heim nfcte ziehen, wenn Du e« über Dich gewinn« kannst, durch bie ungeschminkte wahrheitsgetreue Schilderung der Verhältnisse mich de» gegebmm Worte» bei meinen Obern .» entbind«. Nicht kleinliche Furcht oder Zaghaftigkeit Hilt mich davon ab, persönlich um meine Wiedermtlaffung w'chznsnchm, nein, e» ist da» Schamgefühl, welches sich weigert, weil ich mich nicht männlich genug zeige, meinem -rgebmen Versprech« nntrm werde unb durch ein Mäd­chen mich bethör« laffe, da» keine Ahnung von dem Streb« »ach Freihett hat und dm Rampf für die Unabhängigkett ta Volke» nicht zu würdig« versteht!"

vor einer Rrist» der emstesten Art steht. Noch nie ist der dominirende Einfluß der römisch« Rurie auf da» Staat»- leben Frankreichs in einet so erschreckend scharfen Weise hervorgettetm, wie gerade in diesen Tagen. Die Kurie ist eS, welche da» ihr mißliebige Rabinet Simon gestürzt hat. Wenn diese Thatsache in Deutschland Staunen und Bedauern erregt, so wird sie in dem noch näherchetheiligt« Italien geradezu Schrecken verursachen. Man muß fich sagen: wo findet der Einfluß deü Vatikan» ans den Präsi­denten Mac Mahon seine Grenze? Wird der Marschall stark genug fein, der Agitation, welcher er Thüren und Thore geöffnet hat, Einhalt zu gebieten, wmn sie gefähr- lich sür den Fried« Europa» wird? Man darf nicht »et« geffen, daß die ulltamoutane Bewegung, welche Ftankreich so tief erschüttert, ihr« Ausgangspunkt in der Allokutiou Pius IX. vorn 12. März und in der Forderung gefun­den hat, daß dem Oberhaupte da» Patrimonium Petti zurücketstattet werde. Die nächsten Entschließungen Mac Mahon'» werden zeigen, wie weit in der Ausführung ihrer Pläne bie bnrch ihren Einfluß mächtige klerikal-legitimische Partei bereits gekommen ist.

Wir haben schon wieberholt barauf hingewiesen, baß Italien in bem russisch-türkisch« Kriege auf Seiten Ruß­lands steh« werbe schon au» bem Grnnbe, wett e» im Falle einer europäischen Complication Gebietserweiterungen zu machen gebenft. Wo biese letzteren gemacht werben sollen, batübet haben bie Verhandlungen im österreichischen ReichSrathe bezüglich des Anträge» auf eine administrative Trennung SüdiyrolS de» sog«. Wälfchtyrols von Tyrol Aufklärung gegeben. Neben Südtyrol mit Trient speculirt man auch auf Triest von Seiten Italien« unb träte wirk­lich das ein, was Lord Derby neulich im englischen Par­lament angebeutet hat, daß Oesterreich sehr bald in den Krieg werde hineingezogen werden, so müßte ein nicht ge­ringer Thetl der österreichischen Streitkräfte zur Berchei« bigung bet Süogrenze gegen Italien absorbirt werben.

Au» Petersburg wirb unterm 13. Mai von kompetenter Seite folgenbe ortentirende Mittheilung gegeben:

Obschon bie türkischen amtlichen Melbung« bereits Schlacht« verzeichnen, wie bie, wo bei Saturn bie HülfS- truppen vorgestern mehr al» 4000 Ruffen erschlagen hätten, während unsere Berichte einfach zwei Abthetlungeu bet Avantgarbe bet russischen Division Oklobshio bie verschanzten Höhen von Hatzubani stürmen ließ« (Verlust 12 Tobte, etwa« über 100 Verwundete), so muß doch barauf htuge- wieseu werben, baß von großen Schlachten vorläufig nicht leicht die Rede sein wirb. Man wird Nachrichten von Bedeutung nicht sobald erwarten dürfen, als das europäische

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Bor einigen Tag« bemerken wir, baß bie Entschließung M clerikal-legittmtstisch« Rechten des französtschen Senat», ko der Interpellation Franc»« abzustehen, wohl aus andere bloS taktische Erwägungen zurückzuführen sein dürfte, finite hab« wir die Erklärung. Der Marschall Mac Mahon j L wohl aus Anstifter, de» Herzogs von Bioglie, seines toim« Rachgeber», einen Vorwand gesucht, das Eabinet tzimon zum Rücktritt zu nvthigen und er hat ihn gefunden. Der Borwand ist der, daß weder JuleS Simon noch sein j Wege Märtel, der Justizminister, in der Sitzung der [tt 1 Dtputirtrnkammer vom 15. Mai gegen die Aufhebung de» -«s den Antrag Dufaure'S geschaffenen Preßzesetze» pro Hirt hätten. Aus diesen Vorwurf hin, der in einer sehr Lroffeu Form vorgebracht wurde, hat da» Cabinet Simon ttmhtirl. Der Streich war aber vorher geplant und bet «erzog von Btoglie hatte von bemfelben Kenntniß. Deß kalb beschloß bie Rechte be» Senat« stch nicht bet Gefahr einer Niederlage auSzusetzen, um so mehr, al» durch JuleS Simon und Märtel die Träger des Culturkampfe» entfernt würben. In diesem Lichte ist die fravzöfische Ministerkrists ein Eretgniß ersten Range». Die culturkämpferische Be- wtiung hat wenigsten» tat Schoße de» Ministeriums ihr tznd« erreicht. Bermuthlich werden Ls,n Sah, DecazeS, Sathaut in der neuen Mintstercombtnation wieder ihren Llatz find«. Da»Bureau Hirsch" erhält übrigen« au« Bad« folgende« Telegramm:Andiffcet PaSqaier und Du- fiure wurden vom Marschall Präsident« mit der Bildung eine« Cabinet« beauftragt, lehnten j-doch da« Ersuchen ab. Bon der Stalen ist kein Mitglied geneigt, in da« Cabinet Äjutret«. Eta au» der Majorität de» Senat« gebildete« Ministerium dürste wahrscheinlich fein."

Lage-bericht.

znch bet Rath be» britischen Zweige« bet evangelischen rtiatto hat an Kaiser Wilhelm eine Adresse gerichtet mit a-nttouf dessen Vorschlag, im Jahre 1878 eine Conferenz ^Christen verschiedener Nationen in Berlin, wie eine JL im Jahre 1857 daselbst stattfanb, abzuhatten. Nach Eicher Ueberlegung ist btt Rath zu bem Entschlüsse ge- Jftt daß nächste» Jahr zu zeitig für bie proj-ktirte Cou- in Berlin sein würde. Er beabsichtigt die nächste tonfermz der Allianz in Basel abzuhalten, und brückt bie fioffnttng au», fie werbe b« Weg sür eine größere in Striin abzuhaltende Eonsermz bahnen.

Lriaen nimmt entgegen: LUpedtti°nb.Blatt«, K,., o.Annoncen-Bureanx F® jh. Dietrich & Co. in Effd und Hannover; Th. ISricb in Frankftlrt a.M.; &iftein & Vogler tn Bentfurt a. M., Berlin, Ei, Cöln re.; Rudolf in Berlin, Frank-

rfAetnt tlialich cniet den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit bet wöchentlich« BeilageVtaBtztte- Esu«tR,«blatt" durch die »»Eon (Kochlche Bnchdruckerei) bezogen -tz Mark, durch die Postämter de» Deutschen Reiche« 8 Mark 5® Pf«. (e$L Bestellgebühr). Zuf"tto^gebühr für bie gespaltene Zeile 1» Pf».

Für in der Expedition zu erthelleude Auskunft und Annahme von Adreff« werd« 15 Pf», berechnet. ___________________

Anzeigen nimmt «tgegen: bie Expedition d.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube 4 Co- in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.