xii. ZchrgiRz
Marburg, Freitag, 18. Mai 1877.
r. 111
CIichesWe Jritiiiiii
alt«.
»
at
' pego
Pfuvt
501
91
Xi
Ȋft
e*
1(9
10* in
96
96i 253
1«
15
fen. ag
14 8*
2
4
3
6
1 2
an, hab« auf denselben Gebieten, die auch durch die vor« liegenden Anträge berührt werden, Reformen in'S Auge gefaßt. ES handele stch ersten« um eine festere Gestaltung de« LehrltngSwefeuS, zweitens um eine bessere Regelung der Kinder- und Frauenarbett tu den Fabriken, in Verbindung mit weiteren Bestimmungen über die Arbest tu deu Fabriken überhaupt, also um ein Fabrikgesetz, und drittens um die Einsetzung gewerblicher Schiedsgerichte.
Der Minister glaubte zustcheru zu können, daß dem Reichstage jedenfalls in der nächsten Sesston eine Vorlage über Reviston der Gewerbe-Ordnung, welche die drei bezeichneten Gegenstände umfasse, zugehen werde.
Aus dieser Stellung der Regierung ergab stch, daß derselben die im Reichstag gestellten Anträge, soweit dieselben stch auf dem Loden der bisherigen Gesetzgebung bewegen, nur erwünscht sein können; nur dm Antrag der Ultramou- taoen mußte fie zurückweisen, well derselbe namentlich nach seiner Begründung nicht anders aufgefaßt werden konnte, dmn al« eine Herausforderung der Regierung, als ein schwerer Angriff gegm die gesammte bisherige Wirthschast»- Politik.
Das officiöse Blatt knüpft hieran eine Darstellung der im Plenum des Reichstage- gepflogenen Berathung« und der Behandlung, welche die sämmtlichen Anträge schließlich in der Commission erfahren und kommt dann zu folgender Schlußbemerkuug: „AIS Ergebniß der tu dieser Sesston gepflogenen Erörterung« über die gewerbltchm Fragen darf man mit dm Worten eines der bedeutendsten liberalen Abgeordoetm feststellen: ,daß fast da» ganze Hau« prakttsch darauf eingehm will, auf der Grundlage der Gewerbe- Ordnung diejenigm Berbeflemngen einzuführen, welche auf dem Wege der Freihest, mtt deu Hilfsmitteln, die der Staat zu gewährm befähigt ist, erreicht werden köonm, damit der HaadweÄerstand selbst in Micher Arbeit seine gebührende Stellung zurückerobere/ So find denn in Wahrheit die Erörterungen der vergangenen Sesston nicht vergeblich gewesm, sondem mit dem vollstm Rechte kann zunächst auf dem gewerbltchm Gebiete in Folge der ringe« treten« Klimng der Auffaffungen und Bestrebungen die Anbahnung praktischer Neugestaltungen für die nächsten Sesston« in bestimmte Aussicht genommen werd«."
im Hause herbeizuführm, damit eine Gesetzgebung auf Grund derselben möglich sei.
I« der That wurde bald darauf von zahlreich« Abgeordneten der nationalliberalm und der deutsch« ReichS- partet zunächst ein Anttag in Betreff der LehrliogSsrage und der gewerblich« Schiedsgerichte eiogebracht, welcher stch dem Anträge der Conservattven in Bezug auf die Zielpunkte wesmtlich näherte.
Wetter wurde von der ultramoutanm Partei ein Antrag vorgelegt, welcher von der Behauptung ausgehend, daß die gegenwärtigen wirthschaftlichea Mißstände auf einer grundsätzlich falschen WirthschastSpolttik überhaupt beruhen, ohne Bezeichnung bestimmter faßbarer Ziele eine umsaffmde Untersuchung und Neugestaltung der gewerblich« Verhältnisse in Aussicht nahm.
Die Socialdemvkratm dagegen legten ihrerseits einen Antrag vor, welcher stch cheilwetse mtschiedmer, als man es von dieser Sette erwartete, auf deu Boden der That« suchen stellte.
Bei der Berathung dieser verschieden« Anträge, welche am 16 , 17. und 18 April in eingehender Weise stattfand, wurde nun durch den Präsidenten de« ReichSkanzler-AmteS, Staatsminister Hofmann, eine bestimmte Erklärung dahin abgegeben: daß die verbündet« Regierungen an der Grundlage der Gewerbe Ordnung, an dem Princip der Gewerbe- frecheit festhaltend, dazu bereit seien, die beffernde Hand überall da anzulegen, wo stch auf Grund der bisher gemachten Erfahrung« ein Bedürfntß zur Sendemng herauS- gestellt habe.
Es sei da» im Wesmtlich« derselbe Standpunkt, d« die verbündeten Regiemngen eingenommen hab«, al» der Entwurf der Gewerbe Ordnung im Norddeutschen Reichstage vorgelegt wurde. Schon damals wurde erklärt, e» handele stch vor Allem darum, einen Ausgangspunkt für die gemeinsame Entwickelung der Gewerbegesetzgebung in Deutschland zu schaffen; dieser Ausgangspunkt könne nur liegen auf dem Bodm der Gewerbefreiheit; die Gewerbe- Ordnung aber fei nicht zu betrachten al» ein für alle Zett over auch nur auf eine lange Reihe von Jahr« abge- färloffeneö Werk, sondern es müfle der wetteren Entwickelung Vorbehalten bleiben, die Gewerbe-Ordnung zu ergänzen, und, wo eS nothwmdig ist, zu verbeffem. Die Regierungen hab« auch bis jetzt keine Beranlaffung gehabt, dem Grundsatz der Gewerbefreiheit untere zu werden. Denn so viele Klagen über die Folgen der Gewerbe Ordnung laut geworden seien, so richt« sie stch doch im Wesentlichen nicht gegm die Gewerbefreiheit selbst oder gegm solche Zustände, die als nothwmdtge Folg« der Gewerbefreiheit zu betracht« find.
Die verbündeten Regierungen, kündigte der Minister
77.
tt.11'»
681,81
„Nun aber," so schloß Käthi und sah Gotthold scharf in'S bräunliche Gestcht, „setzest Du Deinem letchtstnnigm Wes« und Wandel die Krone auf, indem Du Dich hast anwerb« laffm bet einer Freischaar, deren Bestreb«, wie man mir gesagt, darauf au»geht, Land und Leute zu Grunde zu richten und Fürsten und Staaten zu verderb« l"
Einen Augenblick herrschte lautlose Stille zwischen Briden, dann fuhr Gotthold wir aus einem schweren Traume erwachmd auf, ergriff die Hand Käthi'S und sagte mit zum Himmel erhob«« Blick und einer Stimme, die von seiner gewalttg« inner« Erschütterung zeugte:
„Liebe, theure Käthi, der dort ob« über uns in dm Stemm thront und der in diesem feierlich« Augenblicke auf uns hernieder schaut, ist Zeuge, wie tief Deine Worte mein Herz getroffm und verwundet hab« I Ja, ich möchte umkehren, meinen greis« Vater all' der vekürnmerniß um mich überheb« und gut zu machen such«, wo und was ich gefehlt; ich möchte zurückkehren, zu den Füßen Mar- garethmS niederfinkm, um von ihrem süßen Munde da» beseligende Wort „Verzeihung" zu hör«, um dann auf ewig der Ihre sein zu tonn« — aber, e» ist zu spät! Vinn« wenigen Tag« verlast« wir diese Gegend, um unsere Operation« zu beginn«; ich habe mein Ehrenwort gegeben und kann dastelbe nicht feige und fcharnlo» brechen, ohne mich einer abermaligen Verletzung an Gewisteu, Pflicht und Ehre schuldig zu machen. Ich bin Margarethen» nicht würdig; ich kann ihr nicht» mehr bieten, al» ein« leichtsinnigen Wandel, ein vergredetr», verfehlte» Leb«! — — Bringe d« lieben PfarrerSleut« und meinem guten, threren Vater die letzt« Grüße eine» verirrt« Sohne» und sage ihnen, daß ich sie ewig in meinem Herz« tragen würde. Margareth« aber tröste und sage ihr, daß ich fie herzlich um Verzeihung bitte, daß ich nie aufhören würde, sie zu lieben, bi» der letzte sterbende Hauch meta« farblos« Lipp«
Lage-bericht.
Die Reste de» Kaiser» nach Sm» dürste, wie die Prov. Torr, mittheilt, uach dm vorlänfigm Bestimmungen zwischen dem 10. und 16. Juni erfolg«.
In Bayern macht die Siglsche katholische BolkSpartei immer größere Forstchritte. Die Angriffe gegen die Füh-
Kathi, M Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau-
(Fortsetzung.)
Roch hatte der Freund die Aufgeregtheit Gotthold'»
»icht bemerkt, sondern seine ganze Aufmerksamkeit war den Bott« de» kühn«, frerigen Redner» zugewendet, als Totchold, ohne ein Wort zu sag«, stch sanft loSmachte Mb rückwärts sich Bahn brechend, dem Platze zustrebte, »o Käthi ihren Stand genomwm. Hier «dliq angelangt, «griff er hastig und stürmisch die Hand der Maid und
.Bep. oapel- ver- AUe, 0 von oder gen wur- i-und ruft aurig n die
stockihett feine» leichtsinnigen, wetterwendischen Herzen» der Nagel zu ihrem Sarge geworden wäre; wie aber die Hand de» allmächtigen Gotte» über Margarethe gewaltet, und diese, nachdem sie bereit» im Sarge gelegen, der in der Kirche zur letzten Einsegnung ausgestellt gewesm, wieder zum Leben erwacht sei und seiner Heimkehr in Liebe und in der getrosten Hoffnung einer schönen und glücklichen Zukunft entgegensehe, da der Segen beider Väter aus ihren Kinde« ruhe, der Väter, die sich nach dem Will« Gotte» vor deffm Augen feierlich die Hände auf» Neue gereicht zur Verföhnung ihrer schwer geprüft« Herzen.
Und a!» Käthi fortfuhr zu erzählen, wie Totthold'S Vater nur allein au» dem Grunde nach Tübingen gereist sei, um den einzigen Wunsch Margarethen» zu erfüll«, b« Geliebt« ihrer Seele an ihr Lager zn führen, damit fie diesem in die sonst so treuen Augen blicken könne, daran» fie so oft gelesen die Empfindungen und Gefühle seine» liebenden Herzen» — da fiel der Schleier von Gotthold's Augm, e» renete ihn rtef und bitter sein unseliges Thun und Treiben, Käthi'S Worte hott« einen gewaltig« Eindruck auf ihn gemacht und vor feine Seele trat Margarethe, das Bild verfchmiheter Liebel Er schämte sich der Thränen nicht, die unaufhalstam sein« Augen entströmten, al» KLihi auch de» Kämmerleins Erwähnung that, vor deflm kleinem Fmster des Zeisig» Bauer hing, der stiller Zeuge gewesen, wie er, Gotthold, trotz seine» Schwures der Treue an Margarethen, der durch die Veruneinigung der Väter nicht quitt gemacht werd« konnte, diese Treue dennoch gebrochen und durch falsche Vorspiegelung« und schöne gleißnerische Worte den Strauß vom Mieder einer Maid geraubt, die nun gezwungen ist, mtt einem Manne, der zwar des best« Rufs genöffe, dennoch aber nicht ganz nach bet Wahl ihre» Herzens fei, ein eheliche» Band ein» zugehen;
e». '14 94 U 64 54 44 14 94 64
24
fcfAeint täglich mtler den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Qnartal mit der wvchentlichen Beilage ,,31*fhrtxte» ««nntagS-Uttt" durch die Expedition (Rech'fche »uchdruckerei) bezogen 84 Start, durch die Postämter deS Deutsch« Reiche» 8 Start 5» Pf,. (e$L Bestellgebühr). — JnsertiouSgebühr für die gespaltene Zette 1» Pf«. Für in der Expedition zu erthetteude Auskunft und Annahme von Adressen werd« 86 ff», berechnet.
rttf» Hau4 .ya iii- on dft [1261
Die Klärung der Anflchten über die wirthschaftlichen Fragen W «ährend der letzt« Session zunächst und vor Allem «f dem Gebiete der gewerblich« Gesetzgebung erfolgreich tt-vnn«, und in dieser Beziehung namentlich sind bereit» - ^tonnte praktische Neugestaltungen ausdrücklich in AuS- genommen, schreibt die neueste „Prov.-Corr." ES wirb ureerbing» vom Standpunkte de» Partriwrsm» brr Versuch gemacht, da» Wesen und die Bedeutung der Mttfftnb« Erörterungen und der erzielten Ergebnisse zu lagueu und herabzusetzen; deßhalb erscheint e» nicht Über- Mg, die parlamentarischen Thatsachen, welche den AnS- ,<M»punkt der känsttgm Erwägung« and Arbeiten bilden joto, nochmal» klar und bestimmt hervorzuhebm
Die erste unmittelbare Anregung zur Erörterung der Mlblichen Gesetzgebung und wünschenSmerther Abände- kwgen derselbm ging im Reichstage von der conservativen Intet aus, welche ein« ausdrücklichen Antrag, namentlich b Setreff der Berhältniffe der Gesellen und Lehrlinge stellte.
Such von liberaler Seite wurde schon bei dieser vor- llufigen Erörterung durch ein« der hervorragendsten Führer K «flirt: Bei bet Begründung der Gewerbeordnung sei man P* sich bewußt gewesen, baß mit b« Gesetz«, ble bamal» gegeben worb«, keineswegs Alle» abgeschlossen sein könne: ,ba» Leben selbst sollte weiter b« Fingerzeig geben, ob anb wie auf bem gelegten Grunbe fortzubauen wäre." Den
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von @. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- ♦ daselbst; gncalibenbont in
Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
Vor bet eigentlichen Berathung diese» bestimmten An g trage» würbe von Seiten bet freiconservativen deutschen n/ Ielchspartei eine Anfrage allgemeinerer Art an die Regie rang dahin gerichtet, ob dieselbe zur Beseitigung der unter •h tet da jetzigen Gewerbegesetzgebung entstandenen Mißstände dem l247> diesmaligen Reichstage Vorlagen zu unterbreit« gedenke?
Krisen nimmt entgegen: ^Erptdition d.vlatte», "j,d)Annoncen-Bureaux " Th. Dietrich & Co. in und Hannover; Th.
’A;« ^rnnHurt a.HJu:
Auf diese Anfrage erwiderte der Präsident de» Reichs- dizleramteS, daß solche Vorlagen zwar für die laufende Session nicht in Aussicht stSndm, daß aber die verbün- . , Men Regierungen da» Bedürfnis,, in manchen Beziehung« , M«kiner Aenderung bet Gewerbe-Ordnung näher zu treten, “ unlWm8w«9« leugneten, daß vielmehr bezüglich einiger Punkte bereite umfaffenbe Ermittelungen stattgefunden hätten, In "IW xolge bereu Setten» ber «egierang« da« vedürfniß einer "• p*»anntom‘ "*“■
Mch unsäglich« Bemühungen des Durchkommen« und dielen unsanft« Stößen gelang e« beiden endlich, da« Freie zu erreichen. Nach minutenlangem, stummen neben- einander gehen,, hatten sie bald einen vom Ange der ver famnelten Menge nicht zu erreichend« Ort gesund«, wo 4 da« erste war, daß Gotthold, trunken von seliger Wonne Md fortgeriffen von dem Siutme seiner Gefühle, die Maid i» seine Arme schließen wollte. — Wie erstaunte er aber, 1HÄ< Käthi im vollen Ernste sich ihm entzog und feine H Zudringlichkeit« energisch zurückwie«, indem sie ihm be- 69 deutete, daß die Zett der Tändelei zwischen ihn« vorüber, d»ß fie nicht gekommm fei, seine Liebkosungen und Zärt- teilen zu empfang«, sondern die Heimath nur deSvalb derlaffen habe, um in einer hochwichttg« Angelegenheit gar ernste» Wort mit ihm zu red«.
Und nun begann Käthi mit feierlichem Ernste zu sprech« der Liebe, ble er, Gotthold, ber Pfarrerstochter ge« Wvvrm unb ble er im berauschten Tummel seines lustig« «6m» vergeffm; wie er allein ble drückende Schuld auf man Gewissen habe, sie unglücklich und elend gemacht p hab«, da er ihr Herz gebrochen und Ursache ihre» Itah« Hinwelken» gewes« sei und «blich durch bte 8«*
„utfurt a. M., »erltn, 5 Cöln re.; Rudolf „ Se in Berlin, Frank- 1 ully fort a. M. rc.
chl
. 1 - - — , - — —- y - — - u
... Lestrebung« auf Abänbernng ber Gewerbeordnung wollten rioli ßh daher auch bte Liberalen nicht verschließen, vielmehr sei 1—mn im Begriff, stch über solche Punkte zu verständig«, ist aus bezüglich deren e» bereit» an der Zeit sei, eine positive Ge Eta- setzgebung einzuleiten. Der beste Weg, überhaupt etwa» zu [i2iti Beginnen, sei ber, die seifen Fragen für sich zu behandeln Rer jj Md eine Verständigung zwischen den verschiedenen Parteien