XII. MkMg.
Marburg, Mittwoch, 16. Mai 1877.
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<I"* 8n * b t! “r e“ 6?iOgen21 *«? durch diePostimte? deS Deutschs Reiches 2 *«wt 5» Vf,, (exl. Bestellgebühr). - IuserttonSaebühr für die gefreite» ZÄe !• VI*.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Vf*, berechnet.
gegeben, die Proclamirung der Unabhängigkeit Rumänien* zu vertagen und zunächst die weitere Entwickelung de* Kriegsganges abzuwarten. Rumänien wird daher von jener Verkündigung einstweilen abstehm.
Wie dem „Bureau Hirsch" aus Belgrad gemeldet wird, gewinnt die dortige KrtegSpartet immer mehr die Oberhand und beschäftigt sich bereits mit der Abdankung des Fürsten Milan falls dieser einer Kriegserklärung entgegen sein sollte. Die Entscheidung wird in maßgebenden Kreisen für nahe bevorstehend gehalten. Dagegen wird der Time* au* Belgrad telegraphirt: „Die russtscheu panslavisttscheu ComiteS haben e* abgelehnt, den bosnischen Insurgenten weitere Hülfe zu gewährm und ihnen den Rath ertheilt eine Deputation nach Wien zu senden und die Okkupation Bosnien* durch österreichische Truppen nachzusvchen. Man spricht viel über einen Ministerwechsel in Belgrad, und daß Marinowitsch, der flch augenblicklich auf einer Mission in Rumänien befindet, ein neue* Kabinet bilden werde. Riftitsch hat sich geweigert, mit b en Vertretern der Bel grober Slavenkomites in Unterhandlungen zu treten.*
Hinsichtlich bet Stellung be* englischen Botschafters in Konstantinopel werden über Paris Nachrichten in Umlauf gesetzt, die wir nicht ganz mit Stillschweigen übergehen können, obwohl ste keine anderweitige Bestätigung erhalten. Die Stellung des interimistischen Botschafters in Konstantinopel, Sir Layard ist völlig erschüttert. Die Tory'* bringen in Lord Derby, den Posten in Konstantinopel, ohne Zögern dem früheren Botschafter Sir Elltot wieder zu übertragen und Lord Derby, um nicht die Majorität im Parlamente zu verlieren, soll versprochen haben, Sir Layard von Konstantinopel o6jubeiufen. In Folge dessen wird der letztere nur noch drei Wochen in Konstantinopel verbleiben.
Die Erfolge der russischen Waffen in Kleinasien, wo die türk sche Centralstellung ernstlich bedroht erscheint, hab« in England große Beunruhigung erregt. Man säugt an zu ahnen, daß die Ruffeu ihre Heereömacht nur deshalb an der unteren Donau concentriri, nur darum die Befreiung der Christen vom türkischen Joche als das eigentliche Ziel ihrer Orientpolitik verkündet haben, um desto nachhaltiger ihre Pläne in Kleinasien verfolgen zu können. Die Türken haben zur Vertheidigung ihre* europäisch« Besitzstände* ihre Heere au* Asien herangezogen, während nun die Russen mit überlegenen Kräften in Kleinasien stehen und sich hier eine bequeme Operationsbast* zu schaffen streben, um die Küsten be* schwarzen Meere*, vor Allem va* vortrefflich gelegene Saturn zu erobern. E*
leuchtet ein, daß auf diesem Wege Rußland da*, wonach e* seit einem Jahrhundert strebt, weit leichter erreich« kann, al* auf dem Wege durch Rumänien und Bulgarien nach Konstantinopel. Eine Erweiterung der russischen Machtstellung in Kleinast« müßte Rußland die Wege nach dem Bosporus und den Dardanellen ebnen, ohne daß e* eine Koalition in Europa gegen sich zu fürchten hätte. Selbstverständlich würde eine solche Machterweiterung die englisch« Jntereffen auf'* empfindlichste verletzen und so steht man sich in Großbritannien ängstlich nach Bunde«- genoflen um, die das osmanische Reich in Asten wie in Europa gegen Rußland verlheidigen sollen. Aber Oesterreich, das seine Kraft wohl für die Wahrung seiner Jntereffen an der Donau einsetzen wird, interesfirt fich zu wenig für die Verkeilung des Küstengebiets am schwarzen Meer in Asten, al* daß e* dort für England die Kastanien au* dem Feuer holen sollte. Frankreich, da* ohnehin durch die Erwerbung be* Suezkanal* von Seiten Englanb* auf letztere* eifersüchtig geworben, wirb ebenfalls für seine Nachbarn jenseit* be* Kanal* keine Hand aufheben, und somit wäre bann Englanb gezwungen, einen großen Theil seiner Laub- und Seemacht auf ben asiatischen Kriegsschauplatz zu werfen, um seine Verbindungen mit Indien zu sichern. Ob seine militärischen und maritimen Kräfte aber ausreichen, um die Ruffen au* Kleinasteu zu treiben, scheint sehr fraglich zu sein, ba bet Türkei die Reserven fehlen, währeub Rußland durch stete Nachschübe au* seinem Inneren seine dort stehende Kriegsmacht nahezu verbopp-ln kann.
Telegraphische KriegSnachrichten:
Petersburg, 14. Mai. Der „Agmce Russe* zufolge machten die Debatten im englischen Parlamente über die Gladstone',chen Resolutionen hier beu günstigsten Eindruck, besonder* die Erklärung der Minister, baß bie Politik Englands sich lebiglich auf bie Wahrnehmung britischer Jntereffen richten werbe. Die „Agence Ruffe* sagt, bie Intentionen Rußland» bebrohten roeber birect noch inbirect, weder bie Jntereffen Englands noch die Jntereffen anderer Mächte. — Die von türkischer Seite verbreiteten Nachrichten über angebliche türkische Waffenerfolge geben Angesichts der diesseitig vorliegenden Nachrichten einen Beweis, bis zu welchem Grade der Erfindung bie türkischen Krieg* buUetin* gehen.
Bukarest, 13. Mai. Die Türken versuchten heute Nacht bei Oltenitza zu lanben. Der Versuch würbe aber burch bie Gegenwehr rumänischer Truppen vereitelt. General Manu verlangt Verstärkung.
Lonbon, 13. Mai. „Reuter'* Bureau* melbet aus Erzerum vom 12. Mai: Kosaken gingen bi« Baschky vor,
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Tagesbericht»
We wir hören, wirb ber Reichskanzler Fürst Bismarck dieser Woche in Berlin wieder eintreffen, sich bann einige „e daselbst aufhalten unb zum Pfingstfcfte nach Varzin gtben, wo er mehrere Wochen verbleiben wirb.
Der russische Boffchafter in London, Graf Schuwaloff, Met am Sonntag den Fürsten Bismarck in Friedrichs- 4 besuchte, hatte bald nach seiner Ankunft am Montag । Striin mit dem russischen Botschafter v. Oubril eine esorechung, sollte bann vom Kaiser empfangen werden id wird Dienstag Vormittag nach Petersburg abreifen.
Zn ber nach bet „Magdeb. Ztg.* auch von uns gestern
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Die Pariser „Correspondenz Mansaid* schreibt: „Der ist von Bismarck wirb demnächst in London erwartet, , «, fich bereits einige Mitglieder seiner Familie befinden.
b®[0Ito man in dieser Reise be» großen Reich »kanzlet« ben ™73, lernet» einer möglichen Allianz zwischen Preußen unb 7161 aglanb erblicken, von ber man seit einiget Zett so viel 701 fttod&en hat?* Wir können tiefe Meldung nur al» • m neuen, wenngleich ungeschickten Versuch eines Lttmta- z° 61 gegen ben Dreikaiserbund ansehen.
_ . züchten angeblichen Aeußerung, welche Se. Majestät ber W glta während einer festlichen Gelegenheit In Straßburg lF rttjan haben soll, bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg*: Die Mt der Anekdote ist unstreitig eine gute, wa» jedoch al, sj,, Glaubwürdigkeit anbelangt, so hätten bie betreffenden itbauti littet sich eigentlich doch daran erinnern müssen, daß weder ir Kronprinz, noch Graf Moltke mit dem Könige in Em» e fürs «esen sind, sondern mit dem Reichskanzler Sr. Majestät e hob it bi» Brandenburg entgegenfuhren, daß Gramrnonr am
, Juli 1870 seine herausfordernde Rede hielt und die •n a« iobilmachung bet norddeutschen Bundesarmee in der Nacht [H e 15. zum 16. Juli angeordnet worden ist. Diese Daten -----■ Wen berücksichtigt werden müssen, wenn nicht schon die de an etnen Mühlbach',chen Roman erinnernde Faffung u Anekvote Zweifel zu erweck« vermöchte.
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Dem Vernehmen nach soll der italienische Senat bei : Beschlußfassung über den Gesetzentwurf, betreffend bie ißbräuche be* Klerus burch bie Drohung eingeswüchtert
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b Wen sein, daß ber PapsteRom verlaffen unb in Spanien ftaam 1 Asyl suchen würde, sobald bet Senat ba- Gesetz vo- ,z un it haben würbe.
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~ Der rumänischen Regierung ist von Seiten ber be- ■---- mbtten Mächte Rußland unb Deutschland ber Rath
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Äät|i, M Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
tt 9-1 dmtreffens zwischen einem beklagenSwerthen Vater unb ii'l dstm entarteten Sohn zu sein.
79 V Nachdem Gottbold rintae Minutm vergebens ben Aus-
Nachdem Gotthold einige Minutm vergebens ben Aus- 76,« tog bet Treppe gesucht, hatte er endlich diesen gefunden. )urch bra plötzlich unb unerwarteten Anblick seines alten »ters wie burch einen elektrischen Schlag vom Weinrausch ^nüchtert, gelang eS ihm ohne viele Mühe, baS Gleich- tvicht zu erhalten unb ben Stiegen bet freilich etwa* —** tilen Treppe zu jdgen, baß sie ihm nnterthan seien. Auf
j Nach kurzer Zett langte Gottholb in feiner Wohnung ■ nnb fragte die Wirthin mit lallender Zunge:
„Wo ist ber Wechsel?*
„Droben in Eurem Zimmer I* antwortete bie Gefragte.
Kurz Überlegt ergriff hierauf ber Studiosu* ba« Ge fafcer bet Treppe unb setzte seinen schwerfälligen schwan- tben Coipu« in Bewegung, bie WmdtSmutter schob hin
zu m nach unb so gelangte et glücklich bi* vor bie Thür 97 tuet Stube. Al* er biefelbe aber geöffnet, überfiel ihn irtz seiner Beranschtheit ein panischer Schrecken, ber ihn Ä 4 zu Boden geworfen hätte. Da* Licht auf dem Tische 98 «r angezündet und beim Scheine desselben erkannte et 263 M dem Sopha sitzmd — seinen Vater!!
Wie zur Bildsäule erstarrt stand Gottholb einen Angeu- Eilk regungslos da, bann kehrte feine Besonnenheit zurück; tnell wanbte er sich um, warf mit Ungestüm bie Thür 9Ü Bieber in’* Schloß, drehte ben Schlüssel um unb rief: —S» «WenbtSmutter, ben Wechsel acceptir ich nickt!* ; Letztere war aber bereit» mit bet Leuchte verschwunden, ’ * nicht unberufene Zmgin eine» herzergreifmden Zusarn»
leichtere Weise, al» er vorhin hinausgekommen war, hatte er ben Hausflur ohne von irgenb Jemand angeh alten zu werden erreicht und betrat, frischen Athem schöpfend, die Gaffe wieder. Sein Rausch war vollständig verflog«. Klar vor seiner Seele stand ihm da» Entsetzliche seiner Lage; denn ohne Zweifel war sein Vater gekommm, rin verschärfte» strenge» Gericht über ihn ergeh« zu laffen weg« der Verführung ber Enkelin be» Schultheißen, welche biesem jebenfall» Alle» eingestanden hatte. Auch über so manche» andere, was dem Vater von den Streich« be» leichtsinnigen Sohne» zu Ohren gekommen sein mochte, wollte er gewiß mit ihm rechten unb — nut mit Schmach unb Schande konnte er bestehen! — Etwa» Ungewöhnliche» mußte es sein, was ben Vater so unverhofft und wider alle» Erwarten hierher gesührt, das sagte ihm seine Ahnung, daß die» aber unter all« Umständen nichts Erfreuliches, nichts Gute« fein könne, da» sagte ihm sein Gewiffm! — Darum fort, fort aus den Augen be* Rechenschaft fordernden Vater», diesem Gerichte mußte er entflieh«, wenn e» ihn nicht zerschmettern unb vernichten sollte!
Mit schnellen hastigen Schritten eilte Gottholb bet Traube mieber zu Sein Entschluß wat gefaßt unb unwiderruflich stand es fest bei ihm, jede» Hinderniß energisch zu beseitigen, welche» bei Ausführung seine» Vorhaben« ihm hemmend in den Weg treten würde.
Um den Commilltonen kein« Anlaß zum Aufziehen zu geben und sich lächerlich zu machen, erhielt der Trauben- wirth den Auftrag, dm bereit» öfter erwähnten jung« Mann, ber mit ganzer Hingabe an Den Aufschwung seine« Caterlanbe« arbeitete unb zu bem Gotthold ba» vollkommenste V rtrauen gefaßt hatte, ohne bie Aufmerksamkeit ber Stubenten rege zu machen, zu einem Zwiegespräch auf bie Straße zu beschriden. Der Agent Dähne, welcher ber Einladung des Troubmwirih« sogleich Folge zu leist« versprach,
verschwand unbemerkt au« bem Locale und die berauschten Student«, bie eben ein flotte« Commer»lieb angestimmt hatten, vermißten denselbm nicht. Auf ber Straße angekommen, trat Gottholb au* bem Schatt« ber gegenüber liegenben Häuserreihe hervor unb rebete ihn mit keck«, dreisten Worten an.
Leide lenkten, nach kurzer Verständigung, Arm in Arm in ein Seitmgäßchen ein, welche* zu einem ber Thore Tübingen* führte, burch welche* sie bald barauf verschwan- ben. Wir aber wollen bie beiben jungen Männer nicht weiter verfolg«, sonbern un* lieber damit begnüg«, zu überlegen, zu weffen Gunsten biefr abendliche Wanderung ausgefallen sein mag.
Am nächsten Morgen überbrachte bie Wirthin Gott- hold'« dem unglücklichen Vater bie Botschaft, baß Gottholb zur Nacht nicht heimgekommen fei. Der bestürzte Vater bekreuzte sich unb betete ein Pater noster für bas Seelenheil seine* verlorenen Sohne«.
Hierauf, al* er mit sich zu Rache gegangen unb anbere* Sinne* geworben war, machte er sich fing« auf unb ließ bie Lärmtrommel rühren, benn ihm ahnte ba* schwere Ver- hängniß, ba* brohenbe Gewitter, welche* über fein unb seine* Gottholb'* Haupte sich zusammenziehm würbe und da* jetzt möglicherweise noch abzuwendm wäre. — Keine Wirthschast, k ine Studentenkneipe in und bei Tübingen blieb undurchsucht, überall ward Nachfrage nach Gottholb gehalt«, doch ohne ben gewünschten Erfolg. Endlich ließ ber Tronbenwirih sich durch bie Jammergestalt be« alten trostlos« Vater« rühren unb thetlte bemselbm bie Seitens seine« Sohne« an ihn ergangene Aufforderung, einen fremden Herrn, dm er selbst nicht gekannt habe, au« ber Gaststube zu rufen, mit welchem er sich auch «tfernt habe, mit. Auwesmbe Studenten bestätigt« die Aussage des Wirths