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«•tiaen nimmt entgegen: ierpebitio« d.DlatteS, ^iv-Ännoncen-Bureaux ? Th. Dietrich & Co. in °-,i und Hannover; Th. Äch in Frankfurt a.M.; Bein & Vogler m rjtfurt a. M., Berlm, SJ Köln 2C.; Rudolf T in Berlin, Frank-
JIlaüBurg, Dienstag, 15. Mai 1877.
XII. Jahrgang.
OlWWc jcitniig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
' Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- nnd Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wdchenüichen Beilage „UluftrtrteS L»U«tag»tl«tt" durch die Srpedttiou (Aoch'sche Buchdruckerri) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- Ä Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
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Aar Lage.
England hat der Pforte angezeigt, daß eS in dem Kriege „itral bleiben werde nnd den Vice-Admiral Hobart Pascha ^gefordert, bei dem türkischen Marinewinisterium seine Snllasiung einzureichen. Sir Layard, der englische Bot« iL-ster in Konstantinopel bringt durch seine eisige Haltung t-r türkische Regierung zur Verzweiflung. Den Liebhabern j‘ctr correcten Politik mag dies erfreulich zu hören sein; nsg aber flößen die officiisen Mittheilungen ein sehr ge- ,h,geS Vertrauen ein. Die englische Politik gibt dem Be- Mzvermögen derjenigen, welche keinen Antheil an den NIMM Jnteresien haben, eine harte Nuß zu knacken. Warum hat England die beiden feindlichen Staaten zum jkiieg getrieben? England hat auf der einen Seite Ruß» M gereizt und auf der anbeten die Türkei gesteift. Niemand Iireifelte daran, daß England der Türkei im Nothfalle Helsen uLrde. Heute stellt sich John Bull furchtbar entrüstet fiter die Frucht seiner herrlichen Politik: die russische Kriegserklärung, aber gleichzeitig sagt er der Türket, daß rr ihr nicht helfen könne. Heute würde eS ein Wagstück sein, Üt Tiefen der englischen Politik ergründen zu wollen, — ,-lleicht sehen wir in einem halben Jahre klarer. Daß tznzland den Krieg wünschte, ist ohne Zweifel, aber warum Moschte eS ihn? DaS ist die große Frage. Dem libr. taten England schwebte eine ganz andere Politik vor. Eng lanb sollte sich nicht dem Strom entgegenstellen, sondern tzn zu leiten suchen; England sollte allen europäischen Stationen vorangehen und die ganze Fülle seiner Macht wsbieten, um aus der Balkanhalbinsel ein neues, humane» nnb kräftiges Regiment an die Stelle der faulen öS. «oischen Dynastie zu fetzen. So etwa schilderte Herr Gladstone die Gedanken feiner Partei. Das Ministerium Btotoniflelb - Derby hat sicherlich auch seine bestimmte Pläne, jeder einzelne Schachzug mag ein wohlberechneter fein, aber das Spiel ist ein weit anssehmdes und gefährliche», und das schließliche Ergebniß könnte mögliche,«eise John Boll doch einige Ueberrafchung bereiten.
Fürst BiSmarck bemerkte am 5. D-cembcr, daß er rin Leitergreifen des Krieges nicht für nothwendig halte; die englischen und russischen Interessen mögen sehr schwierige Berührungspunkte haben und der Ausgleich unter sich sehr ittatetig sein; ob aber eine Kriegführung zwischen zwei so ittiltigen Staaten, von denen keiner doch geographisch in btt Lage ist, dem anderen einen vollen Zwang anzuthun, selbst wenn er siegreich sein sollte, gerade die Verständigung »der die wuuden Punkte fördern würde, ob nicht beide slbft zu der U berzeugung zu bringen sind, daß sie bester ipm, sich im friedlichen Ausgleich ihrer Interessen gegenseitig zu verständigen, da» muß die Zukunft lehren.
DaS Argument ist schlagend, aber John Bull entsteht
sich dieser Erwägung. Der englisch-russische Krieg ist die anscheinend zwingende Eonsequenz de» russisch - türkischen. Warum hat aber das Meerungeheuer den Bärm zum Kampf herausgefordert? Das ist heute noch ein Räthfel.
Tagesbericht.
Die „Magdeb. Ztg." schreibt: Wie ernst Kaiser Wil» Helm seine Regentenpflichten auffaßt, davon giebt eine seiner Aeußerungen beredten Beweis. ES war während einer festlichen Gelegenheit in Straßburg, als Se. Majestät nach aufgehobener Tafel mit mehreren Herren ein Gespräch anknüpfte. Die Rede kam auf die Julitage des Jahres 1870 Se. Majestät erzählte nun tiefbewegt feinen Zuhörern wörtlich etwa Folgende»: „Als die Rede des Herzogs von Grammont in Ems eintraf, befand ich mich im hellerleuchteten Kursaale. Der Kronprinz stand unter lern Kronleuchter und las die Rede vor. Als er geendet hatte, sagte ich sogleich zu mir: „Darauf gtcbt es nur eine Antwort." Ich wandte wich zu Moltke, der hinter mir stand, und frug: „Moltke, bi» wann kann die Mobili- sirungSordre für die ganze Armee unterzeichnet fein." „BIS Abends 10 Uhr, Ew. Majestät!" war die Antwort. „Gut!" erwiderte ick, „ich werde sie unterzeichnen." AlS ich nun aber am anderen Morgen erwachte, da wurde mir» doch schwerer umS Herz. Ich fühlte, welche ungeheuere Verantwortung ich auf mich genommen. Als ich aber auf dem Wege nach Berlin überall de» Volkes Jubel sah, das mich freudig begrüßte, und al» ich endlich in Berlin mit höchster Begeisterung empfangen wurde, da wußte ich, daß ick das Richtige getroffen, und ich war wieder ein fester Mann."
In Asien haben die Ruffen in verhältnißmäßig kurzer Zeit große Erfolge erstritten. Die Ruffen haben dort an vier Punkten die Grenze überschritten und zwar in der Richtung von Osargetu gegen Datum, von Achalzych gegen Ardahan, von Alexandrapol gegen KarS, und von Eriwan gegen Bahasid. Rur in Batum stehen 34 türkische Bataillone, während in KarS 11 Bataillone, in Ardahan 11 und in E-zerum 13 Batallone stehen. Diese auffallende Minder, zahl der türkischen Truppen verurthetlte dieselbe von vornherein zur strengsten Defensive. Die nach Bagastd verlegte Garnison wurde zu Ende des vorigen Monat» auf zwei Bataillone reduzirt, was die natürliche Folge hatte, daß die Rusten ihre Operationen gegen die schwach besetz ten Punkte KarS und Bahasid mit möglichster Raschheit und Energie eröffneten. Bahasid ist bereits von den Rusten genommen. Die wichtigste Festung KarS ist cernirt und nut Datum und die nördlich vorliegenden SeefortS werden
aller Wahrscheinlichkeit nach noch am längsten halten. — Auf dem europäischen Kriegsschauplatz ist in so fern eine Veränderung eingetreten in der letzten Zeit, al» durch daS gesammte Aufgebot der rumänischen BolkSkraft und deren Verwendung für russische Kriegszwecke die russische Ope- rationSbasiS in Rumänien erheblich verstärkt, und auch der Uebergang über die Donau wesentlich erleichtert worden ist. Die Anstrengungen der rumänischen Regierung sind darauf gerichtet, mehr als 100,000 Mann Hilfstruppen den Rusten zu stellen.
Die seitherige Kriegführung bet Türken wird selbst von ihren wärmsten Freunden, wie z. B. von der „N. fr. Pr.", auf» schärfste vcrurtheilt. Dieselbe schreibt: In der That können die türkischen KriegScperationen nicht plan- und gedankenloser fein. Anstatt die Serethbrücke bei Galctz sofort zu besetzen und zu zerstören, ließen sie dieselbe in die Hände der Rusten fallen. Auch mit ihren Kriegsschiffen machten sie erst dann Angriffe auf Galatz, Braila und Rcni, nachdem die Rusten Zeit genug gehabt hatten, ihre schweren Batterien am Ufer zu placken. Nun haben die Rusten den größten türkischen Monitor in die Luit gesprengt, ein Schicksal, welches nach und rach auch den übrigen bevorsteht. Noch vor vierziehn Tagen hätten die Türken alle für sie wichtigen Plätze am rumänifchrn Ufer ohne Schwertstreich besetzen und verschanzen können; sie versäumten es und unternehmen jetzt Bombardements, die nicht von dem geringsten Nutzen für sie sind, ihnen dagegen nun auch den Krieg mit den Rumäniern auf den Hals gezogen haben. Am fchwersten wird sich die Versäum« ß der Besetzung von kalasat und Oltenitza rächen; ohne daS Erstere ist die Festung Widdin nichts werth, weil sie von dem höher gelegenen Kalafat bominirt wird und von Oltenitza au« kann bet wichtige UebergangSpunkt Turtukan auf bas wirksamste beschossen werden. E» mag sein, daß an diesen schweren Fehlern die an der Donau comman dir enden Heerführer nicht die Schuld tragen und sie durch Weisungen aus Konstantinopel gebunden waren; wenn aber eine Art von Wiener HofkriegSrath am Bosporus den Feldzug leiten soll, bann kann man ihn schon jetzt für verloren geben.
Dieselbe Kopflosigkeit herrscht in der asiatischen Kriegführung, wo eS noch obendrein an der nöthigen Truppenmacht zu fehlen scheint. Ihre Hauptkräfte — etwa 30,000 Mann — haben die Türken in Barum concenittrt, welches für die Rusten fast unangreifbar ist, fo lange die türkische Flotte daS Meer und die Küste beherrscht. Offenbar denken die Rusten auch vorerst noch nicht an eine Offensive gegen Batum; sie beschränken sich auf unbedeutende Demonstra- tiouen und haben nur die 41. Division in einer Defensiv- Siellung im Grenzgebirge, um das Eindringen der Türken in das russische Gebiet zu verhindern. UeberaH da aber,
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Kithi, lei Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
Allerdings hatte der Schullhe.ß noch mancherlei Ein- lomdungen zu machen, mit denen e» ihm eigentlich kein Wer Ernst mehr war, dennoch that er so und gar manches ®enn und Aber war noch zu beseitigen, bevor er sich voll bindig mit dem Gedanken vertraut machen konnte, seine iithi zu verheiraihen. Der würdige Pfarrer that redlich taz Seine und zerstreute die noch auffteigenben düsteren Sölten beim Schultheißen und wie» ihn in christlicher Weise auf die Erfüllung des Wortes in der heiligen Schrift, sowie auf die damit verbundene Bestimmung des Aeibes hin. Bor Allem aber gab er ihm schließlich zu ^denken, welcher schwere Sorgenste n für die Zukunft seiner Enkelin durch ein eheliches Bündniß gehoben fei.
.Nun," sagte der Schultheiß, „da 's denn nicht anders MN soll und man von allen Seiten auf mich einstürmt, K will ich Eurem wohlgemeinten Rathe Folge geben, Herr Wirrer!*
Und von seinem Sitze sich aufrichtend, fuhr er pathetisch fort:
. »Sebastian Stailinger, vergiß des Vorfalls von heute ® ber Früh; als Entschädigung dafür geb' ich Dir mein PttersteS Kleinod auf Erden, meine Käthi! Die Maid sei ’kln, mit dem einzigen Vorbehalt, daß mir da» Recht °^ibt, den Hochzeitstag zu bestimmen!"
Pfarrer Hunold drückte dem Alten die Hand und be- Kckwünschtk dann da» selig berauschte Paar, Bastian und "-thi, die sich gegenseitig nicht anzusehen wagten vor Scham innerer Bangigkeit. Käthi machte zuerst ihrem ge- ^ßten Herzen Lust, fiel laut schluchzend erst dem Groß»
oater, bann aber oer Base um den Hals und küßte ihre vom Alter gefurchten Wangen. Für letztere hatte da» Stillschweigen schon viel zu lange gedauert und im stolzen Gefühle ihres Triumphes, dm sie durch die Schärfe de- zweifchneidtgm Schwertes ihrer Zunge über dm Schultheißen errungen zu haben vermeinte, sah sie die schüchterne Mats flegeSfreudig an und erklärte mit hochbedeutsamer Miene:
„Wenn ich heut richt wacker dazwischen redete, bann kamt Ihr nimmer zusammen!"
Mit stillem Lächeln vernahm der Pfarrer die Worte der Base, legte dann die Hände der Brautleute ineinander und sprach den Segen darüber. Bevor er schied, versprach er der Käthi noch, daß Margarethe, sofern sie bet Herr am Leben lasse, baS vrautkränzlein flechten und der Le« benSretterin am Hochzeitstage in’» Haar heften solle.
Beim Traubmwlrth in Tübingen ging» an demselben Abend, an welchem der Schultheiß in Sundelfingen die liebliche Käthi dem Sebastian versprach und verlobte, gar lustig her, Hof und Haus erschallte von Saus und Braus der zechenden Gäste. Lustige Lieder ertönten von Zeit zu Zeit au» den halbgeöffneten Fenster der im zweitm Stock gelegenen Gaststube und veranlaßten die auf der Straße Vorübergehenden zum oftmaligen Stehenbleiben. Auf den Tischen und Tafeln drinnen perlte der Wein in Schoppen- gläsern, der begierig von den daran sitzenden durstigen ©tubentenfeelen in die trockenen Kehlen gegoffen wurde.
Der Grund dieses ungewöhnlich starken Andrangs ober war nicht allein in dem heute etwa ganz besondeiS starken Durst der Musensöhne zu suchm, sondern eS warm politische Agenten aus Baden eingetroffen, die in der „Traube" logirtm und da« blanke Guldengeld nicht schonten, um mit Hülse des berauschenden Göttertrankes Propaganda zu mach«
für ihre Sache u*ö Kämpfer zu gewinnen für Freiheit uns BolkSwohl. Vorzugsweise war eS hier beim Traubenwirth ein blasser, schmächtiger junger Mann, der mit feuriger Begeisterung und glühender, hinreißender Beredtsamkeit von Badens Schmach und Unterdrückung und dem daraus täglich wachsenden Elende des armen, geknechteten Volke» sprach und die zahlreich Versammelten und jedes Wort gierig verschlingenden Hörer zu überzeugen suchte, wie eS unbedingt nothwendig sei, daß das Volk aufstehe und sich seiner schmachvollen Feffeln entledige, in welche e» die Despotie der Fürsten geschlagen und gefangen halte.
Zur rechten Seite des feurigen Redners, er war der Sohn eines reichen Bierbrauers, Namms Dähn in Mannheim und hatte später, nach Unterdrückung des badischen Aufstandes, den er als Offizier bei den Freischärlern mit- gemacht, das Unglück, durch richterliches Eckenntniß mit ffln'fübrigem LandcSverweis bestraft zu werden, — faß Gotthold Ebermeyer, der die bezaubernden Worte des für Badens langersehnter Freiheit glühend schwärmenden Jünglings förmlich verschlang und immer klarer ward eS in seinem Innern, immer deutlicher malte e» sich, wenn auch zum Theil mit trügerischen Farben, die Gaukelbilder einer freien Zeit, einet goldenen Zukunft vor seine mächtig er- griff-ne Seele. —
Vor einer Stunde, als et die Wirkungen des Weines noch nicht verspürte, als der moralische Katzenjammer wieder einmal ganz Besitz genommen von seinem Gemüth, als die wahrhaft tiefe Trauer um den Verlust seiner Margarethe über ihn gekommen war und ihm daS Hetz zerriffm hatte, als das Bild der von ihm Icichtstnnig gemordeten Unschuld Käihi'S an ihn herangetreten und ihn mit thränenden Augm am Richterstuhle de» großen Gotte» zu verklagen drohte, hatte er schier verzweifeln wollen, in sich selbst zet- fiießm mögen vor Wehmuth und Herzeleid. Bor einer