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Marburg, Donnerstag, 10. Mai 1877.
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«„zeigen nimmt entgegen: dieErpeditiond.Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m sfflffel und Hannover; Th. Tielrich in Frankfurt a.M.; Ka-senstein & Vogler tn Zrankfurt a. M., Berlin, Leirzig, Cöln rc.; Rudolf Mvffe in Berlin, Frank- y i flirt a. M. rc.
MtcheMk ZritW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhand!, daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
Erscheint tiglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. PrerS für das Quartal mit der wöchentliche» Beilage „3I«fhrtxtei G,«»ta,4»l«tt" durch die Expedition (jkoch'sche Buchdruckerri) bezogen 34 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wext 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für die gespaltene ReUe 10 Wt ’ ’ Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werde» 35 Psß. berechnet.
II
Tagesbericht.
Unsere Mittheilungen über die Ausgleichungsmaßregeln mr mtlitSrischen Sicherung der deutschen Wcstgrenzen können wir noch dahin ergänzen, daß außer der bereits erwähnten Verstärkung der Garnisonen in Elsaß Lothringen und in der Rheinprovinz auch die Truppentheile, welche in der Provinz Hessen Nassau garnisonirt sind, demnächst Verstärkung erhalten werden.
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Lurch die Blätter geht neuerdings die Nachricht, der deutsche Botschafter in Rom, Herr von Keudell, sei in einer Mijfion über Triest nach Wien gereist. AuS sicherer Quelle wird uns diese Nachricht als unrichtig bezeichnet.
Prinz Heinrich VII. Reuß hat sich derKrzztg. zufolge gestern mit seiner Gemahlin nach Wien begeben, von wo er »ach zweitägigem Aufenthalt seine Reise nach Konstantinopel fortsetzen wird.
Zn neuerer Zeit tauchen wieder Projekte auf, welche sich darauf beziehen, einen Platz für das zu errichtende Reichs tagSgebäude zu gewinnen. Was in dieser Beziehung, in die Presse gekommen ist, verdient in der That wenig Beachtung und ist nur darauf zurückzuführen, daß Spekulanten und Gründer bei der allgemeinen GeschäftSkalamität be müht sind, ein Terrain zu kombiniren — denn thatsächlich ist ein solches innerhalb der Stadt Berlin augenblicklich wohl nicht vorhanden —, welches den nöthigen Raum zur Errichtung deS ParlamentShauseS darbietet. So, wie diese Frage augenblicklich liegt, ist man an geeigneter Stelle all diesen Projekten bis jetzt vollkommen fern geblieben; b:e8 gilt sowohl von dem kürzlich von unS erwähnten Projekte des Dr. Zachlicke'fchen ConfortiumS, durch Ankauf des Graf RadczynSki'fchen Palais und der Grundstücke 5—9 der Sommerstraße und 43—47 der Dorotheenstraße, als auch von dem neuerdings aufgetauchtev Projekt, welchem daß genannte Eonfortium ebenfalls nicht fernstehen soll, die Anhallstraße mit einem Theil der daran grenzenden Gebäude der Wilhelm- und Köntggrätzerstraße, zum Abbruch zu erwerben. Dieses letztere Projekt dürfte überhaupt schon wegen deS in der Nähe befindlichen Bahnhofes der Berlin Anhalter Bahn am wenigsten die Zustimmung deS Kaisers erhalten. Wie wir hören ist überhaupt die Frage wegen deS Baues eines definitiven ReichStagSgkbäudes vorläufig vertagt worden. AuS diesem Grunde hat auch der Gesammtvorstand deS Reichstags vor SLluß der Session dm Beschluß gefaßt, im Laufe dieses Sommers Erweiterungsbauten an dem gegenwärtigen RetchStagsgebäude vor- zunebmen.
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wertete letzterer, daß er der Hausmann der Base in der Stadt, der Bastian Stailinger von Reutlingen und gekommen sei, um die Hand seiner Enkelin, der Käthi, mit welcher er sich gestern in der Behausung der Base ver- Iprochen, anzuhalten.
Wie ein zündender Blitz hattm die Worte Bastian's ous den Schultheißen gewirkt, deficn GrflchtSmuskeln bereits konvulsivisch zuckren und die innere gereizte und fast kirimmig erregte Stimmung deflelben ausdrückten. Lange chien jedoch der Schultheiß nicht an sich halten zu können, tenn schon waren seine Fäuste krampfhaft geballt und ^rvheten jeden Augeobl ck dem kühnen Freier, der in seiner Harmlosigkeit natürlich nickts davon ahnen konnte, sondern
ganz unbefangen am Fenster niedergelassen hatte und bitweise durch daflelbe einen Blick auf die Straße that,
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Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellna«.
lFortsehung.)
Der wahrscheinliche Besitzer deS Fuhrwerkes nahm den Blinden sanft bet der Hand und führte ihn iu'S HauS, langsam hinterdrein gehend. Auf die Frage deS Schultheißen, wer sein Führer und welcher Art fein Anliegen sei, ant-
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1^1 5® sein mitgebrachteS Fuhrwerk beobachten zu können, die i« Überzeugung zu verschaffe«, daß er fehl geschossen und an Unrechten gekommen sei. Aber noch hielt der Alte an ——* um nicht durch abermaliges Lärmm und Toben aus's
den Nachbarsleuten dir Mäuler voll zu geben. Den ürch war seine Ruhe eben nur eine erkünstelte und im “m st k Tone sprach er endlich zu dem gespreitzt dasitzen- 53 । ® und arglos und gemüthlich seinen Ulmer Stummel
lwwauchendm Bastian, wie e» doch von Anbeginn der insbesondere des heiligen Ehestandes Sitte gewesen
Wie wir vernehmen, soll die Erklärung, welche die österreichische Regierung in Wien wie in Pest auS Anlaß der Jnteipellation bezüglich der Haltung Oesterreichs in der Orientfrage abgegeben, vorher der russischen Gesandtschaft in Wien mttgetheilt sein. Die slavischen Journale tn Oesterreich sind denn auch durch die Erklärung einigermaßen beruhigt. Man begnügt sich damit, daß Oesterreich einstweilen neutral bleibt und hofft auf bedeutende russische Waffenerfolge, mit deren Eintritt die Lage vollständig verändert wird und eS der österreichischen Regierung schwer werden würde, geschehene Dinge ungeschehen zu machen. Denn wenn die Türken in Bulgarien geschlagen, eine pro visorische Regierung eingesetzt und ein slavischer Vasallenstaat errichtet wird, so wird Europa wohl oder übel seine Zustimmung dazu geben. UebrigenS erhält sich noch immer das Gerücht, daß zwischen den Höfen von Wien und Peters bürg geheime Abmachungen beständen, wonach Oesterreich der Besitz von Bosnien gewährleistet fei.
Wie uns versichert wird, soll die russische Regierung die größten Anstrengungen machen, die österreichische Regierung dazu zu bewegen, gemeinschaftlich mit Deutschland eine starke Flotte im Mittelmeer aufzustellen, welche der englischen einigermaßen das Gegengewicht hält. Die österreichische Regierung will jedoch aus ihrer scheinbaren Neutralität nicht herauStreten und erst den wetteren Verlauf des Krieges abwarten.
Wie wir schon gestern angedeutet, rückt der Zeitpunkt immer näher, wo daS englische Weltreich und die russische Weltmacht in Waffen gegen einander überstehen. Denn daß die diplomatischen Verhandlungen zwischen den beiden Mächten bald abgebrochen werden, kann kaum noch einem Zweifel unterworfen sein, nachdem die englische Regierung vor ganz Europa die Erklärung abgegeben, daß Rußland durch seine Invasion In die Türkei sich von dem Einvernehmen der übrigen Mächte getrennt und England die Haltung Ruß- landS mißbilligen müsse und russische officiöse Journale die Engländer darauf vorbereiten, daß die russische Regierung auf die Erklärungen der englischen Regierung gar nicht mehr antworten werde. Die englischen KriegSvorberettungen werden denn auch mit immer größerem Eifer betrieben; die englische Flotte ist von Korfu nach Kreta abgesegelt, am Eingänge des Suezkanals wird ein englisches Truppenlager errichtet, und schon verlautet, daß die englische Regierung mit dem Plane umgehe, ein FreiwilligenkorpS in der Stärke von 20 bis 30,000 Mann zu errichten.
Dom Kriegsschauplatz kann das vollständige Gelingen der Ccrnirung von Kars nicht mehr in Abrede gestellt sei, daß zum Hetratheu allemal ihrer Zwei sein müßten, der Bräutigam und die Braut, wie ihm nun aber von seiner Enkelin kein Sterbenswort bewußt wäre, daß dieselbe eine solche sei.
Da machte sich nun der Bastian breit und erklärte dem Schultheißen in echt ehrlich schwäbischer Weise, daß eS ihm während zweier Stunden blutsauer geworden sei und er seine ganze Beredsamkeit habe aufbieten müssen, um die Maid für sich eiuzunehmeu und ihr Herz zu erobern. Erst als er mit dem Entschluß hervorgetreten, daß er nach Buffalo in Amerika überzustedeln willens, habe sie sich bewegen lassen, ihm Herz und Hand zu versprechen und sei mit dem Ausrufe: „Dann bin ich Dein!" in feine Arme ge- funken.
„Hab ich's nicht gleich gesagt," brummte der Schultheiß laut vor sich hin, „daß da» Wetterwädel nichts Gescheutes ausheckt in der Stadt! Also ein LiebeSkowplot hinter meinem Rücken, geschmiedet io einer Stunde! — Eine Heirath verabredet ohne mein Wissen und Willen! Einem Burschen tn die Arme gesunken, den fie nur flüchtig kennt? — Und ich nicht dabei, mich nicht einmal gefragt! — Und über das Alles nach Amerika auöwandern — flugs heute — Alle» im Fluge! — Daß Dich das MäuSlein beißt! — Ich will des Kukuks fein, wenn aus der ganzen säubern Geschichte etwas wird!"
Während der letzteren Worte hatte sich der Schultheiß erhoben und war dem Freier der Käthi hoch aufgerichtet näher auf den Leib gerückt.
„Sagt einmal," begann er dann mit rauher, unfreundlicher Stmme, „ist der Äanen, und der Gaul, der mir da draußen den Kies aufscharrt, Euer Etgenthum?"
„Nein," antwortete verlegen und kleinlaut der Bastian „hab Beides gedungen auf einen Tag vom Sägmüller in der Stadt!"
werden. Nach einer Mittheilung soll das Hauptquartier des rufsifchen Centrums bereits zwei Meilen westlich von Kars fein. Die Türken covcentriren sich auf ihrer zweiten VertheidigungSlinie bet Sogonlugh; unter diesem Namen finden wir aus der Karte einen Bergrücken Halbwegs zwischen KarS und Erzerum.
Au der Donau werden bis jetzt immer nur noch einige Schüsse gewechselt, auch haben Baschi-Bozuks kleine Raub- züge ins Rumänische unternommen. Gelegentlich der Ankunft deS Großfürsten Nicolaus in Galatz und Barboschi schreibt daS türkenfreundltche Blatt, die N. Fr. Pr.: „Der Großfürst kann mit der Sachlage, die er dort vorfinden wird, sehr zufrieden sein. Dank dem militärischen Ungeschick und der fatalistischen Trägheit der Türken haben die Russen innerhalb der vierzehn Tage, welche seit Ueberschreitung der rumänischen Grenzen vergangen find, große Resuliate erreicht, die wichtige Barboschi Brücke unversehrt vorzufinden, und konnten stch ungehindert auf den Höhen bet Braila, Galatz, Reni und JSmail festsetzen, dort Verschanzungen anlegen, dieselben armiren und das zwischen Braila und Reni gelegene Knie der Donau durch Versenkung von Torpedos für den eventuellen Brückenschlag gegen die Unternehmungen der türkischen Monitor« sichern.
Telegraphische KriegSnachrichien:
Bukarest, 7. Mat. Fürst Karl nahm heute die Adresse des Senats entgegen. In seiner Erwiderung an die Deputation zählte der Fürst die von den Türken begangenen feindseligen Acte gegen rumänische Häfen, Schiffe, offene Städte und friedliche Einwohner auf und fügte hinzu: Gegenüber dieser aggressiven Haltung wird die rumänische Regierung nicht ihre Vorsicht, aber auch nicht die Energie verleugnen, welche beide Kammern ihr vorgeschrieben haben. Ich sehe jedoch mit Kummer voraus, daß all unsere Mäßigung nichts nützen wird. In diesem Falle werden wir Gewalt mit Gewalt zurückweisen, denn wir haben die Pflicht unser Land zu vertheidigen.
Petersburg, 7. Mai. Aus Alexandrapol von gestern verlautet gerüchtweise: Die Türken haben ihre von Erzerum kommenden Truppen bei Saganlugh concentrirt. — Au« Poti vom 6. wird gemeldet: Das türkische Geschwader hat sich getheilt; ein Theil blieb in Sicht von Poti, der andere segelte nach Fort Nicolai hin ab, von wo gestern eine Kanonade hörbar war. — Ein britischer Dampfer hat in der Nacht die Rehde von Pott verlaflen und er kam glücklich ins offene Meer, obwohl ihn von Poti aus ein türkischer Monitor verfolgte. — Aus Osurg- kett (Georgien) wird vom 5. Mai berichtet: Die Rton- Abtheilunz der KaukasuS-Armee bleibt auf den Höhen von Mukaesta stehen. Gegesteru wurden RecognoScirungen nach
„Und darf man fragen, zu welchem Zwecke?" fragte der Schultheiß weiter.
Und getrosten MutheS und ganz zuverfichtlich antwortete der Bastian darauf:
„Ums HeirathSgut der Käthi in Empfang zu nehmen denn morgen schon müssen wir in Heidelberg ein treff en, fall« wir die Abfahrt des Dampfschiffes nicht verpaffen wollen.
Da verließ den Schultheißen denn doch aber alle Fassung, wie ein lang verhaltenes Gewitter brach der Sturm los und eine Fluth von Schimpfreden ergoß stch über den starr vor Entfetzen geworbenen Bastian, der vor Schrecken und Angst kein Wort zu entgegnen wußte, da er das Gebühren des Schultheißen stch gar nicht erklären konnte, indem er seine H-iraih mit der Enkelin, für eine abgemachte Sache hielt.
„Will Euch die Aussteuer gleich mitgebm, tobte mit brüllender Stimme der Al-e, „wartet nur einen Augenblick, bis ich den Prügel gefunden, womit ich zahlen kann, was Ihr mit der leichtsinnigen Dirne ausgerechnet habt! Will Euch die Quittung auf den Buckel schreiben, davon Ihr die blauen Flecken noch sehen lassen könnt, wenn Ihr im neuen Welttheile angekommm seid!--Nur auf zehn
Minuten mvcht ich daß Licht meiner Augen haben und ich wollt Euch eintränken, waS eS eS heißt, ehrsamer Leute Kind überlisten und zu schlechten Streichen verleiten, Ihr gottvergeßner Bube! Macht, daß Ihr fortkommt, oder ich werfe Euch über Kopf hinaus und liefe ich selbst Ge- fahr, Euch daS Genick zu brechen."
Mtt diesen Worten öffnete der höchlich ergrimmte Schultheiß die Stubemhür, im festen Glauben, der kecke, jetzt aber ziemlich gedemüthigte Freier werde seiner freundlichen Einladung sofort Folg« leisten und spurlos verschwinden. Statt dessen jedoch traten zwei Herren ein, beten vorherige«