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Marburg, Mittwoch, 9. Mai 1877.
xii. Jajrgaig.
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iaen nimmt entgegen: LLediti°nd.Blattes, ^ied.Annvncen-Bureaux
Th- Dietrich & Co. in ö,ffe( und Hannover; Th. Mirich in Frankfurt a.M.; Stein L Vogler m i..ntjurt a. M., Berlin, S, Köln k.; Rudolf Se in Berlin, Frank- furt a. M- rc.
MWUMtliW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
«.scheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Zluftrirte» LonutagStlatt" durch die Expedition (lkoch'sche Buchdruckerei) bezogen 3x Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches i Mark 50 Psg. (e$L Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Psß. Mr in der Expedition zu ertbellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden Ä5 Ostz. berechnet.
Lage-bericht.
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Der „ReichSanz." schreibt: Die Vertretung der In« ikreffeo der russischen Unterthanen in Aegypten ist nunmehr ,a$ tzen deutschen General-Consul in Alexandrien und die Origen deutschen Consulate in Aegypten übergegangen, nach- ie« die dortigen rusflschm ConsularBehörden ihre AmtS- ihttigkeit eingestellt haben.
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Die drei Reservelandwehrbataillone in Elsaß-Lothringen, die schon vor längerer Zeit errichtet worden, haben jetzt btt Nummern 97, 98 und 99 erhalten so daß man hieraus auf die Errichtung drei neuer Füstlierregimemer zu schließen berechtigt ist, die dann jene Nummern erhalten werden, btt biS jetzt noch nicht ausgefüllt waren, indem auf die preußischen Regimenter bis 96, die sächsischen Regimenter jOn Nr. 100 an folgen. Die drei neuen Regimenter Bethtn in Elsaß Lothringen bleiben, sodoß alSdann 15 Znkanterie-Regimenter nebst entsprechender Kavallerie und Artillerie in den Reichslanden garnisoniren, und das Miß- pnhLitniß zwischen der deutschen und sranzöstschen Truppen „acht an den beiderseitigen Grenzen als einig« rwaßen aus geglichen betrachtet werden kann.
Die „Corresp. Siefani* bringt folgende Nachricht: ,De Beziehungen der bayerischen Regierung zum heiligen Stuhl waren in letzter Zeit und namentlich tu Folge der nichts weniger als versöhnlichen Haltung des päpstlichen Nuntius MSgr. Bianchi sehr gespannt geworden. Der Kardinal Simeoni that, um die Lage ter katholischen Kirche in Deutschland nicht noch zu verschlimmern, Schritte, um sich mit der Regierung zu verständigen. Diese sclkn dm erwünschten Erfolg zwar nicht erreicht, aber das Re- sult-t gehabt haben, daß MSgr. Bianchi von München obberufen und durch den Seeretär der Propaganda MSgr. illoist ersitzt werden soll. Man glaubt, daß MSgr. Bianchi du- durch den Tod Nardr'S erledigte Sekretariat der Bischöfe und regulären Geistlichen erhalten wird/
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ür Mittelländischen Meere ebensosehr, als die Errichtung
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Die Hoffnung der russisch-türkische Krieg werde loeali- firi bleiben, war unserer Meinung nach immer nur eine skhr schwache, da die Jutereffeu Englands und Oesterreichs m denen Rußlands in der orientalischen Frage zu sehr obweichen, als daß sie jemals auf friedlichem Wege auS- pzlichen werden können. Seit dem Ausbruch deS Krieges ist dies in so ausfälliger Weise hervorgetreten, daß alle Bemühungen, diese Sachlage zu vettuscheu gar nichts nützen. Der Untergang deS osmanischen Reiches, welcher doch in
-L- Wahrheit und Wirklichkeit das eigentliche Kriegsziel Ruß- icmkr ist, bedroht die englische Weltstevung in Indien und
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; 1871.
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SLthi, de» Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
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In diesem Augenblicke traten die beiven Aerzte ein und itteuteten dem Pfarrer, daß es der Zustand seines Kindes dringend erfordere, daß Niemand dasselbe mit etwaigen ■«tagen behellige, oder von dem Zustande ihres vermeint liien Todes und dergleichen zu ihr oder auch nur in ihrer Gegenwart spreche, vielmehr sei eS wünschenswertb, wenn Later und Mutter sich auf ein paar Tage fern hielten und dar Zimmer Margarethens gar nicht von ihnen betreten »Srde. Trudine sei sattsam von ihnen in der ferneren Bs Handlungsweise der Kranken unterrichtet und habe die strengste Evrge zu tragen, die Leidende vor jedweder Aufregung zu hüten, sowie ihr alle mögliche Pflege und Erleichterung Wfommen zu lassen.
Bon den unaufhörlichen Bitten der PfarrerSleute 6r» wrmt, entschloß sich der alte Ebermeyer noch selbigen TageS ßch auf den Weg nach Tübingen zu machen und Gotihold die siöhlichc Kunde zu bringen, daß Margarethe, die er so ***8 und innig geliebt, von den Todten auferstanden sei ?tb ihn von H rzen willkommen heißm würde, wenn et R entschließen könnte, dem Vater zu folgen und der dem ^ben Wiedergegebenen unter die Augen zu treten.
Dreimal selig aber pries Pfarrer Hunold den Tag, an ^lrem der Herr ihm sein TheuersteS, seine Margarethe, - geschenkt hatte. In seinem stillen abendlichen Ge-
, vergaß er nicht zu danken für die Gnade, durch welche Gott den abgefallenen Freund wiedergewonnen und Herz auf’« Neue ihm zugewendet hatte. Ganz be- , ^eta aber gedachte er der Retterin feine- Kinde- zu danken, die ' sist st, durch seine Fürsorge zurückgekchrt in da- Hau»
der slavischen Vasallenstaaten auf der Balkanhalbinfel die österreichischen Interessen zu sehr verletzt, al« daß eine solche Staatsbildung jemals freiwillig von Oesterreich zu« gegeben werden könnte. ES kann deshalb nur eine Frage dcr Zeit fein, wann diese beiden Staaten actio gegen Ruß land auftreten werden. In England scheint bereits der Zeitpunkt gekommen zu fein, wo feine Neutralität Über Bord geworfen wird, denn wenn Persien und Afghanistan mit Rußland gemeinschaftliche Sache machen, so bleibt England nichts weiter übrig als den Fanatismus der Mo« hamedaner in Indien gegenüber Rußland zu verwerthen. England wird also in beiden Welttheilen in Asien und Europa Krieg gegen Rußland führen wüffen, was Rußland längst vorausgesehen und sich darum gegen England in BertheidizungSzustand gc fetzt hat.
Daß die englische Regierung j tzt alle Hebel in Bewegung setzen wird, um in Europa Verbündete zu bekommen, begreift sich leicht. Aber die Zeiten sind andere geworden, und die englischen Subsidien vermögen heut zu Tag bei weitem nicht das, waS sie im Anfang dieses Jahrhunderts vermochten. England kann keine Armee mehr auf dem (Kontinente ttlcutiren und daS deutsche Reich intereffht sich nicht mehr für die englische Weltstellung, weder in Europa noch in Asten. Frankreich aber ist gelähmt, und Oesterreich wagt nicht ohne die Zustimmung Deutschlands gegen Rußland offen vorzugehen. Auf der anderen Seite ist das tückische Staatswesen so vor aller Welt kompromittirt, daß die öffentliche Meinung in Europa nirgends, auch nicht in England für die Türkei offen Partei nehmen kann. Die Chancen stehen demnach für England keineswegs so günstig, wie für Rußland, das für die Befreiung der Christen vom türkischen Joche kämpft, während England lediglich f ine einseitigen Handelsinteressen verfolgt.
Vom astatischen Kriegsschauplatz lasten die eingegangenen Nachrichten ein stetiges Vorschreilen der russtschen Abthet langen erkennen. Zugleich drängt sich immer unzwetdeu tiger die Wahrnehmung auf, daß die Bevölkerung von türkisch Armenien sich den Rusten gegenüber nicht nur nicht feindlich stellt, sondern denselben, in einzelnen Theilen deS Lande- wenigstens. Beweise von Sympathie gibt. Konnte schon da- widerstandslose Aufgeben von Bayasto die Ber- muthung erwecken, daß die türkische Mscht keinen rechten Boden in der dortigen Einwohnerschaft hatte, so bestätigen die z ernlich unausg-haltenen Bewegungen der JnvaflonS armee während der letzten Tage diesen Eindruck noch mehr, namentlich wenn man dabei im Auge behält, daß der Krieg in einem schwierigen, unwegsamen Gebirgsterrain geführt wird, wo fanatisch erregte, be waffnete Volksmasten den Angreifer auf Schritt und Tritt hemmen und ihm die giößtcn V rlcgenheiten bereiten
des harten Großvaters, wie em lichter, zur Rettung feines Töchterleins besonders ausersehener Engel erschien.
lieber der Sorge um die zum Leben wieder erwachte Margarethe ist die eigentliche Hauptperson unserer Geschichte, die Enkelin des Schultheißen, auf Augenblicke in den Hintergrund gedrängt worden, indem wir dieselbe auf den Steln- ftufen vor der Thür deS Pfarrhauses verließen.
Erschreckt von dem lauten Rufe des Pfarrers war die Magd aufgesprungen und an die offenstehende HauSthur geeilt, wo sie Säthi in einem ohnmächiigen Zustande, zitternd an allen Gliedern, zusammen gesunken fand. Den angestrengten Bemühungen der kräftigen Magd gelang eS endlich nach vielen vergeblichen Versuchen, die Ohnmächtige zum Aufstehen zu bewegen und sie in daS Haus zu führen, wo ihr in der großen Wohnstube ein bequemer Sitz von der inzwischen dazu gckornmenen Pfarrerin angewiesen ward, die, mit Riechfläschchen und sonstigen guten Hausmitteln versehen, bemüht war, die Schwäche Käthi's zu bef. tilgen. Nach und nach kehrte auch die volle Besinnung derselben wieder und das erwärmende Feuer des Ofens wirkte wohlthätig auf ihren durch Nässe und Kälte erstarken Körper. Den vielfachen an sie gerichteten Fragen der Pfarrerin vermochte sie nicht länger ausweichend zu begegnen und in kurzen abgebrochenen Sätzen bereitete sie die in Thränen schwimmende Mutter auf ote ihrer harrenden Freude vor. Indem erschien jetzt auch Trudine. Der Lärm hatte sie und den Vater im Morgenschlafe gestört, weshalb sie sich behende aus den Federn gemacht und der Schulmeister, der sofort an das Fenster getreten war, hatte den Pfarrer mit der Blendlaterne in der Hand der Kirche zufchreiten feben. Irgend ein Unglück fürchtend, fei ihr Vater dem Pfarrer auf dem Fuße gefolgt, sie aber angelockt durch dm frühzeitigen Lichtfchim wer, fei schnell hierher ins Pfarrhaus geeilt, «m sich Auf«
könnten. Den ebenso unklaren als in ihrem Zusammenhang unvollständigen Meldungen Moukhtar Pascha’S gegenüber stimmen alle anderen Nachrichten darin überein, daß das von Alexandropol aus Kars unter General Loris Melikoff vorgerückte Coips diesen Platz cernirt und mit Bombardements-Batterien umgeben hat, daß ferner Moukhtar Pascha mit 9 Bataillonen, welche er bet Besatzung von KarS entnahm, den Rückzug auf Erzernm antrat und auf demselben namentlich von der russischen Kavallerie scharf gedrängt wurde. Bei dieser Gelegenheit scheint der letzteren die Zerstörung einer 10 Werst langen Strecke der Telegraphenleitung zwischen Kars und Erzernm gelungen zu fein. Ans dem Vorhergehenden darf wohl gefolgert werden, daß General LoriS Melikoff, nachdem er den kleineren Theil seines Detachements zur Einschließung und Belagerung vor KarS zurück« gelaffen, mit dem größeren Theil auf der Straße nach Erzernm vordringt und, Mukhtar Pascha zurückwerfend, dahin strebt, die Operationen sämmtlicher kouvergirend vorgehenden Abteilungen schnell gegen Erzernm zu richten. Das Achalzft'iche Detachement hat mit rem vor Kars gerückten, bereits Verbindung gewonnen.
Telegraphische KriegSnachrichten:
London, 7. Mai. Reuters Bureau meldet aus Er- zerum vom 2. Mai: 12,000 Russen wurden bei dem Bet such, daS Dest o von Svgnanle bei U rishan zu foteiren, von KarS aus zurückgewiesen, ein zwetjtündiger Angriff der Ruffen auf die Citadelle von KarS abgeschlagen. Die Muffen erlitten beträchtliche Verluste. — Der Kurden - Scheck Abdullah concentrirt 10,000 Kurden an ter russischen Grenze.
Bukarest, 7. Mai. In vergangener Nacht haben die Türken den rumänischen Hasen BeShet bombarokt und fünf englische, sowie mehrere andere mit Frucht beladene Schiffe in Grund geschaffen. BaschidozukS plünderten die umliegenden Ortschaften und kehrten darauf bmtebeladen über die Donau zurück. — Großfürst Nikolaus wird hier erwartet.
Triest, 7. Mai. Der feitherige russische General- Consul in Port Said Petrovitsch i-t mit feiner Familie auf dem LloyStampfer „Pollux* hier eingetroffen.
Petersburg, 7. Mai. Ein Telegramm an den Kriegüminister aus TifliS meldet, daß bei der Armee nichts Neue» vorgckornmen; das Unwetter dauere fort. Am 2. Mai feien 7 feindliche Schiffe vor Letfcha erschienen, hätten sich dort einen Tag aufgehalten und sich dann entfernt, ohne etwas vorzunehmen. Am 3. Mai habe eine türkische Fregatte Poti beschoflen. Die Schüffe hätten ihr Ziel verfehlt.
Konstantinopel, 6. Mai. Gestern bombarbirte und steckte (in tü.kffcheS Panzerschiff das russische Lager bet Reni
ktärung über vas feltjame Ereigniß zu verschaffen, welches ihr nun aus dem Munde KLthi'S die sich mehr und mehr erholte, zu Theil ward.
Noch war die Enkelin des Schultheißen mit ihrem Bericht nicht ganz zu Ende, als sich laute Stimmen vor dem Fenster vernehmen ließen. Gleich darauf ward die Haus- thür geöffnet und hereingetragen brachte man die bereits als tost beweinte Margarethe im Lckchentnche, die keinen Laut von sich gab.
AiS die Lebenszeichen und die normalen Funktionen der Thäligkeit deS Kö-pers bei Margarethe sich immer stärker wiederholten und immer lebhafter äußerten, sprang Trudine eilig und freudig hinab und verkündete den zwischen Furcht und Hoffnung schwebenden und vereint betenden PfarrerSleuten den glücklichen Fortgang der Lebensrettung ihres Kindes. Gleich nach Ankunft deS Pfarrers im Haufe mit der theuren Bürde halte er einen Boten, demselben die größte Eile anbefehlend, nach der Stadt geschickt, um ärztliche Hilfe herbeizuholen. —
Jetzt erst ward der Pfarrer KSthi, der eigentlichen Retterin seiner Margarethe, wieder ansichtig, die im dumpfen Hinbrüten den Platz am Ofen nicht verlassen hatte. Sofort wandte er sich mit dem Ersuchen an Trudine, der armen Käthi daS Geleit zu geben, dieselbe zu ihrem Großvater zu führen und diesen in seinem Namen zu bitten, die Maid mit Schonung und Milde zu empfangen und die Vorwürfe wegen ihre- Ungehorsams au zusparen bi- zu geiegeneter Zeit, zumal unverkennbar eine höhere Hand dabei im Spiele gewesen, die eS gerade so und nicht anders geleitet. Im Verlaufe deS Tages, so schloß Pfarrer Hunold, würde er selbst in die Behausung deS Schultheißen kommen, um sich nach dem Befinden der Lebensretterin seines Kindes zu erkundigen.
Eben begann der Tag zu grauen, als Trudine und