erschloßene Pfarrer, der mit seinen schtoiternven Füßen die danieder gesunkene Kälhi berührte, welche ohnmächtig auf den Stiegen der Steinrr.ppe lag und keinen Laut von sich zu geben vermochte. Und wieder öffnete der Pfarrer die HauSthür und rief mit lauter Stimme hinein:
„Erbarmt Euch des Weibsbildes, welches hier vor der Thür liegt!"
Dann schritt er hastig der Kirche zu, wo er gleich darauf im Dunkel der Nacht verschwand.
Wer am Morgen nach der Nacht, von welcher wir in unfctm letzten Kapitel berichteten, in Sundelfingen aus der Gaffe gestanden und die verschiedenen Gruppen, die sich fortwährend daselbst bildeten, zu beobachten Gelegenheit gehabt hätte, der mußte gewiß vermuthen, daß ein außer ordentliches Eccigniß pasflrt fein mußte, welches die harmlosen Bewohner des Dorfes, Jung und Alt, veranlaßte, die Köpfe zusammen zu stecken und die Geläufigkeit ihrer Zungen auf die Probe zu stellen, gesetzten Falle- nämlich, daß jener Beobachter eia Fremder sei und von dem Wie dererwachen der Pfarrerstochter von den Tobten nicht unterrichtet ist.
Treten wir ein in das Pfarrhaus. Denn Keiner aus der Menge, die daffelbe umsteht, kann uns genügende Ankunft über den wahren Sachverhalt des Geschehenen et* cheilen.
Ja da- obere Stübchen, wo die Pfarrerin sonst zu ruh.n pflegte, hatte man die zum Leben erwachte Marga- rethe gebettet. Zur rechten Seite ihre- Lager- stand rin schon ältlicher Herr, der sorgfältig da- Athemholen der Jungfrau prüfte, die zwar bleich und entst-llt, aber mit offenen Augen in den Kiffen dalag, während eia zweiter jüngerer Herr vorftchtig den Pul- der Wiedererwachten fühlte und mit bedächtiger Miene dem älteren Winke gab,
sobald ec nach der Taschenuhr gesehen hatte, die sich in seiner Hand befand. Niemand war sonst im Stübchen, Vater und Mutter hatten daffelbe auf wohlgemeinten Rath verlaffen muffen, schwankend zwischen Furcht und Hoffen. Lasten wir die dem Leben Wirdergegebene in den Händen der erfahrenen Aerzte.
Kaum hatten sich die PfarrerSleuie vorn ersten Schrecken erholt, der schnell einem Lichtschimmer der Freude wich; kaum waren die herbeigeeiiten Aerzte an da- Lager der Jungfrau geführt worden, so öffnete sich aberwal- die Thür des Wohngemach- und herein mit bedächtigen Schritten und tiefem Ernst auf dem Antlitz trat — der Pächter Eber- Mky:r, der fett länger al- drei Jahren nicht über diese Schwelle gekommen war. Mit warmem Händedruck und biederer Herzlichkeit empfing ihn der Pfarrer und bat ihn freundlich, an der Seiie seiner eistauntea und erfreuten Gattin Platz zu nehmen. Nachdem in aller Kürze da- Geschehene berührt worden war, begann der Pächter in einer Ungern Rede darzuthun, wie er schon oftmals gesonnen gewesm sei, durch gegenseitige Aussöhnung da» frühere freundschaftliche Verhältniß wieder herzustellen, aber immer theilS durch seines Herzen« Stolz und Härte, theils durch andere in den Vordergrund gedrängte Umstände davon abgehalten worden wäre, seiner Christenpflicht nachzukommen; wie er aber heute bei der Kunde von Margarethen- Wiederbelebung niclt länger habe an sich halten können und nun g kommen sei, um einem längst gefühlten Bedürf- niß seine- Herzen- Genüge zu thun. ES war eine tief ergreifende Ecene, als beide Männer, welche ergraut vor der Zeit, die mannigfachen Schicksale de« LebenS mit Würde ettiagen, sich in ben Limen lagen und mit Thränen in den Augen gelobten, Freunde zu sein und zu bleiben bi« zur Stunde de- Todes.
(Fortsetzung folgt.)
dem Papiere 50,000 Mann stark ist, könnte in Wirklichkeit keine 20,000 Mann stellen, die außerdem aus'« schlechteste ausgerüstet und bewaffnet sind. Dagegen ist die egyptlfche Armee, wenn auch numerisch schwach, vorttefflich bewaffnet. UkbrigenS wird nach den positiven Eckiärungen, die der Vicekönig von Egypten abgegeben, der letztere seine Armee wesentlich verstärken und dem Sultan zur Verfügung stellen.
Die Zahl der Freiwilligen, die stch in den letzten Wochen bei den türkischen Gesandtschaften in Europa und in Konstantinopel selbst zum Eintritt in türkische Militärdienste gemeldet haben, ist eine so bedeutende, daß hieraus reichlich eine Brigade gebildet »erbat könnte. Die türkische Regierung Hot denn auch jetzt schon ihren Gesandten und den Vertretern die Bedingungen mitgetheilt, unter denen die Aufnahme der Freiwilligen stattfindet, und die Erklärung abgegeben, daß auS den Freiwilligen eine Fremdenlegion gebildet werden soll. Wie wir vernehmen, soll die englische Regie« rung sich sehr für diese Werbungen interesstren, was mit anderen Worten soviel heißen will, als daß England der Türkei Substdien zur Begünstigung jener Werbungen zahlen dürfte.
Al- der erste, durch türkische Nachrichten wenigsten- biSher noch nicht bestrittene Erfolg von einiger Bedeutung, w lchcn die Russen in dem nun seit zwö.f Tagen erklärten K-iege errungen haben, ist die Einnahme von B-yafld zu verzeichnen, deffen Besatzung stch vor der anrückeuden russischen Uedermacht zurückziehen mußte. ES ist eben kein R.hm für die türkische Kriegführung, daß sie eine Stadt wie Layrstd, welche in den Jahren 1828 und 1854 wiederholt bet Schauplatz folgenschwerer Kämpfe gewesen und heute mit Rücksicht auf die demonstrative Haltung Postens von erhöhter Wichtigkeit ist, mit nur 1700 Mann besetzte. Die „TageSpreffe" sagt: „Wenn vaS G öS der ru,fischen Armee so glücklich, wie die Avantgarde gejkfen ist, sein sollte, in Bayastd einzurücken, bann aller ding- würde bies die Situation der Türken in Kleinastrn sehr erschweren. Bayastd ist eine ziemlich starke Festung gegen die persische Grenze hin und knapp an dieser gelegen. Durch die Wegnahme dieser zum Schutze gegen die Perser ausgerichteten Forts wäre die Türkei gegen Persien hin so gut als schutzlos, und man weiß, daß die Neuttalität Persiens nicht felsenfest steht." D ßhald kann da- genannte Blatt auch nicht ohne Weiteres an die Richtigkeit der russischen Meldung glauben und denkt, eine türkische Lorrectur derselben werde noch nachkommm.
Telegraphische Krieg-nachrichtev:
London, 5. Mai. Die „Morning Post" schreibt:
Die Regierung hat Angesicht« etwaiger Eventualitäten Im
O.ient beschlossen, möglichst schleunigst alle kleineren Thurm- schiffe mit Mannschaften zu versehen. — Die „Time-" veröffentlicht eine Liste derjenigen Truppen, welche, fall- die orientalischen Ereigniffe es erheischen würden', unverzüglich nach Malta eingefchifft werdm sollen; diese Liste umfaßt 7 Cavallerie Regimenter, 4 Artillerie-Brigaden und 59 Infanterie-Bataillone.
Bukarest, 5. Mai. Da- „Amtsblatt" veröffentlicht ein Schreiben de- Fürsten an den Minister-Präsidenten, wodurch derselbe den Oifiziereu der Armee auS der Eivil- liste ein Geschenk von 100,000 Frc. zu ihrer Feldausrüstung macht. — Der Senat hat ebenfalls die Vorlage wegen des Moratoriums angenommen. Die Deputirtenkammer hat ihre Zustimmung zur Organisirung der Milizen und Reorqanisirong der Bürgerwehr gegeben.
Wien, 5. Mai. Die „Paffe" meldet au» Bukarest: Der türkische Commandant von Tultscha hat einen Befehl erlassen, wonach, da eine Belagerung bevorstehe, alle Ein« wohner, die nicht gehörig verproviantirt find, binnen 3 Tagen die Festung verlaffen müflen. Die Pforte hat verordnet, daß alle stch im türkischen Reiche aushaltenden Rumänier als türkische Untertanen und ihre Schiffe al« türkische Schiffe zu behandeln seien. Bi« gestern haben auf der von Bukarest aus dieffeits Braila liegenden Eisenbahnstrecke keine russischen Truppen Transporte stattgefunden.
Petersburg, 5. Mai. Rach einem Telegramm des Oberbefehlshabers au- Kischeniff vom 4 d. ist bei Leowo der Übergang bet Truppen über den Pmth durch eine außergewöhnliche Anschwellung des Fluffes verzögert worden. Die Meldung fügt hinzu, daß die nothwendigen Maßregeln zur Beseitigung der dadurch entstandenen Schwierigkeiten ergriffen seien und der verursachie Aufenthalt die Truppen- Ccncentration nicht beeil fluffen werde. Vergangene Nacht näherten stch zwei türkische Monitor« der Stadt Braila, entfernten sich aber nachdem sie mit den russischen Ufer- Batterien einige Schüffe gewechselt hatten. Auf unserer Seite keine Verluste.
Odessa, 5. Mal. Nachrichten au« Wladikawkas zufolge wäre Kars vollständig cernitt; die Ruffen hätten b<reit« 24 Belagerungsgeschütze in Position; die Beschießung soll: sofort beginnen.
Kjo n st a n t i n o p e l, 2. Mai. (Verspätet eingetrvffen.) Der Kriegsminister Redls Pascha und Mahmud Damat PasLa haben heute den britischen Botschafter besucht. Wie versichert wird, hätte der erstere die Nachrichten von einer angeblichen Niederlage der Türken bei KarS und der Capi- tulation eine« türkischen Coip« al« unbegründet bezeichnet. Aus Besükwortung de« britischen Botschafters soll Chefkct Pascha, der bereits für eine hervorragende Commandeur- St lle der Donau-Armee ernannt war, nach Bagdad ge- s nd t werden.
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Marburg, Dienstag, 8. Mai 1877.
xn. Mrgasg.
,tn nimmt entgegen:
OberheMc Jrilung
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31 Wrich in Frankfurt a.M.; 75| ^sesstrin & Bögler in
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Tagesbericht.
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Anzeigen nimmt entgegen: die «qmMtie* d. Blatte« sowie bie Amwncen-Bureaur von 0. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jigerstche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Stete» menet in Berlin; Carl Schüß» (et in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
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Die Eiklärung, welche die österreichische Regierung auf Interpellation der österreichischen und ungarischen De- Mlion bezüglich der Orientfrage in Wien und Pest ab auf: bz <«ben, hat in diplomatischen Kreisen einen großen Eindruck Micht, sie wird als eine Antwort auf die dreiste Sprache ^russischen Journale bettachtet, welche von Österreich in je|ttr Zett sehr geringschätzig gesprochen und behauptet btt yfl!, daß Oesterreich durch seine slavische Bevölkerung und Msien im Schach gehalten werde. Denn Oesterreich beruft M in jener Erklärung in einer für Rußland nicht rnißzu — ^stehenden Weise aus die Schlagfertigkeit seiner Aimee B M die Hingebung seiner Völker zur Wahrung der vster- “ Mischen Interessen. In Wien wie in Pest hat die beregte ßckirung große Befriedigung hervorgerufen.
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Uluftrirte» •anetaiiHatt” durch die Erpeditton (lkochfche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen SieicheS S Mark 5» Pf«, text. Bestellgebühr). — JnserttonSgebühr für die gespaltene Zelle 1» Pf,. Für in der Expedition zu ertbetlenbe Auskunft und Annahme von Äbteffen werden 45 Pf,, berechnet.
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fdu würde. „Der große Zweck — fährt das öst-rreiiifte Qtgan fort — der jetzt von dem Wiener Eabinet angestrebt »to, ist die Lokallstrung deS Krieges, und demgemäß richtete A dringende Vorstellungen noch Konstantinopel zu dem tkbufe, der Pforte von der Ausführung ihrer angeblichen
Absicht, das serbisch« Dorf Gladowa zu b,setzen, abzurathen, ba die« Serbien einen Vorwand gegeben haben dürste, wieder die Waff n auszunehmen. Glücklicherweise hat die Pforte mm der Wiener Regierung die Versicherung ertheiit, daß niemals irgend eine Idee hatte, da- in Rede stehende
Dorf zu besetzen."
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it. M, [749
Wo. 7.
Ueber die fernere Haltung Oesterreichs erfähtt „Eastern Wzet," das Beiblatt deS Grafen Beust, Folgende«: „So- mhi da« russische wie ba« türkische Rundschreiben wird nb bet österreichisch - ungarischen Regierung unbeantwortet ^lassen werden, da man in Wien der Ansicht ist, daß, nach- nun der Krieg zwischen Rußland und der Türkei auS- > ein MeinungSauSdruck über die Ge
77.
Daß die persische Regierung mit Rußland in der Orient« ' fragt gemeinschaftliche Sache macht, w>rd jetzt von Niemand «hr bestritten, der Werth der Unterstützung aber, den Ruß Ittb aus derselben ziehen wirb, dürfte ein seht zweifelhafter län, denn Persien bedeutet für Asien nicht vielmehr al« Stellen für Europa bedeutet. Die persische Armee, die auf
ikiithi, de, Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Mellnau.
(Fortsetzung.)
Kälhi, die jetzt schnell in bet Finsterniß forttoppte, ®<mbte sich der Gngang-thüre zu, durch welche sie gekom- *n war. Mit Ausnahme einiger nicht unsanfter Stöße, & sie bei der großen Eile zu erleiden hatte, pafstrte fie großen Säulengang und erreichte glücklich dos Freie. Durch die Hintere Pfortenthür gelangte sie ohne Mühe tef den Pfarrhof, wo sie der dort angelegte Spitzhund W lautem Bellen empfing. Hier hatte fie noch die Pfarre i® umgehen, da die EingangSthür sich auf der entzegen- Mhien Seite befand, die jedoch verschlossen war und ihr
Eingang verwehrte. Da konnte sie nicht anders, sie •$te Lärm machen und foDt n selbst die NachbarSlcute aufgeschreckt werden. Mit zitternder Hand ergriff ” ttn gewichtigen Hammer, der an der HauSthür sich «and und schlug damit dreimal so gewaltig, al« sollten W bie tocten Schläfer auf dem Friedhöfe davon er» ®^en. — Jetzt ward hastig ein» der obern Fenster im Mrrhaufe geöffnet und eine männliche Stimme fragte, da sei? Da ermannte sich die gänzlich erschöpfte Maid ^4 einmal, hob das Köpfchen in die Höhe und tief: L ,Um Gott, Herr Pfarrer, beeilt Euch, die Todten ptn auf! Da« Brausen de« Sturmwinde- in dieser Nacht
Euer Töchterlein Margarethe au« Ihrem Tode-fchium- erwecktI Säumt keinen Augenblick, eilt in bie Kirche i1® Ihr fiitet im Sarge Euer lebende- Kind!" L ®« erfolgte keine Antwort. Der Fensterflügel ward •JMtüm zugeschlagen und Alle- war wieder ruhig. — wenigen Minuten aber wurden Tritte im Hause h-c. Ri die Thür ward geöffnet und heran- trat der greife
Das Berliner Telegraphenbüreau Hirsch will au- St.
Petersburg die Nachricht erhallen haben, daß sich in dor "—■ ttzen tip'omatischen Kreisen beharrlich da« Gerücht erhalte, Rl«r Mst Gortschokoff werde in allernächster Zeit seine De- , piifion nehmen. AIS sein Nachfolger werbe neuerdings ,n gp fttaf Schuwaloff genannt. Nach London würde in diesem [252 Fürst Orloff und nach Pari« General Jgnatieff gehen.