ZNaröurg, Sonntag, 6. Mai 1877
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xn. Lahrgsig.
OberheUche Zeitung.
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1 WeL™. fia,etaen nimmt entgegen: ;en Leilr^»r»ebtttDn b. Blatte«, — j, die Annoncen-Bureauk xh. Dietrich & Co. in erf und Hannover; Th. " • * in Frankfurt a. M-; fenfiein & Bögler in a.M,Berlm,Letp- Rudolf Moste
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Verhandlungen bildete, welche Moltke'S Rede im deutschen Reichstage in der Presse hervorgerufen hatte. „In der orientalischen Frage", lautete der Schluß der Erklärung von Dec tzeS, „muß die vollkommenste Neuttalität, gewährleistet durch die gewissenhafteste Enthaltung, die Grundlage unserer Politik bleiben. Frankreich will den Frieden, den Frieden mit Allen, und wir wissen, daß wir auf Ihre Mitwirkung rechnen können, um die Wohlthaten des Friedens zu sichern." In diesem Punkte sind Minister und Mehrheiten bis auf Weiteres einig, nur die Rechte konnte die auf Donnerstag angesetzte Interpellation Leblond'S wegen der Uebergriffe der Ultramontanen in das Gebiet deS Staates nicht abwarten; ihr Wortführer Mun erhob bereits in der Eröffnungssitzung ein Geschrei über die Verfolgung der Kirche in den Anhängern deS vergewaltigten Papstes und fragte, ob die Regierung die Solidarität mit den Feinden der Religion anerkenne. Simon entgegnete trocken, daß er jede Solidarität mit den Feinden des ChristenthumS ablehne, dagegen eS für Pflicht halte, die unverjährbaren Rechte des Staates zu schützen.
Der spanische Finanzminister Barzanallano hat den Cortes das Budget vorgelegt. Einnahmen und Ausgaben stehen mit 735 Millionen im Gleichgewicht. AuS Bilbao wird gemeldet, daß die Junten von BiScäya auf Befehl des Generals Quefada p ötztich aufgelöst woroen sind, und zwar wegen Widerstandes gegen das Gesetz vom 21. Jult. Es herrscht große Aufregung.
Die Befürchtungen, welche in England schon gleich nach erfolgter Kriegserklärung laut geworden, daß es Großbritannien kaum möglich fein werde, dem Kriege fern zu bleiben, wollen selbst jetzt noch nicht schwinden, nachdem oificiell die vollständige Neutraltät verkündet worden ist. Sicher ist jedenfalls, daß die Regierung sich für alle Fälle vorsteht, scharfe Wacht über Englands Jntereffen, namentlich in Ast-n, hält und daß binnen Kurzem das in Malta stationtrte Geschwader in den östlichen Gewässern erscheinen wird; auch ist schleunigst Fertigstellung aller im Bau be findlichen Schiffe angrordnet.
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sünfundzwanzigjährigen Regierung«.Jubiläums seines hwiegersohneS, de- Großherzogs Friedrich von Baden, flzunehmen. Auch die Kaiserin Augusta war von Baden I zum Feste erschienen. Am 1 Mai hat sich der Kaiser Hagerem Besuche — bis zum 10. Mai — in die
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Unser Kaiser begab sich am Sonnabend über Darm« )t, wo er mit dem Kronprinzen zusawmentraf, nach rlSruhe, um hier au der am Sonntag begangenen Feier
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~T li-ichStag ist am Donnerstag geschloffen worden.
irangy Die letzte diplomatische Thätigkeit deS Grafen Andraffy mitthä kzoz sich, wie aus mehreren Anzeichen hervorgcht, auf IM Srilegung eines serbisch-türkischen ConfliciS, der wegen ünbet inet Besetzung Serbiens durch türkische Truppen drohte, xn* Ja wie weit diese Bemühungen deS österreichischen Cabt-
3., lei« bei dem nunmehr entbrannten Kriege erfolgreich sein «tbro, bleibt abzuwarten. Dem Vorgänge Deutschlands FaßlÄ. eigen*', hat Oesterreich-Ungarn sich entschloffen, den Bot- [1101 chafterposten in Konstantinopel wieder zu besetzen; Graf ——- franz Zichy senior wird auf seinen früheren Posten zu- «HrSckkehrm, doch ist der Tag der Abreise noch sehr zwei- elhast.
tet^daj leichSlände, zunächst nach Straßburg, begeben. Der freudig mentri^regte Empfang war auch in der Stadt Straßburg ein i über Erwarten allgemeiner, noch einhelliger aber zeigte ürswot. ejne begeisterte Freude unter der Landbevölkerung um
-ttaßburg, in der sich besonders die Reservisten zum Ein- Srftt in die festliche Reiterschaar drängen, welche dem Kaiser
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en. BeW [einen LesichtigungSzügen von Fort zu Fort vorre-teu is Bade-Lg. Der LandeSsuSschuß hat durch seine Vertreter, seinen LnfrageiE ^{ntcn Schlumberger an der Spitze, dem Kaiser gleich m 1. Mai seine Ehrfurcht und Treu- bezeigt. Der deutsche
Die italienische amtliche Zettung veröffentlicht eine ßktification der Regierung, in welcher erklärt wird, daß er Kriegszustand zwischen Rußland und der Türkei der »aar« vlienischen Regierung so wie.den italienischen Bürgern die rengstei KrPflichtung auferlege, die Pflichten der Neutralität ge-
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ibe. Nitz den bestehenden Gesetzen und den allgemeinen Prin L ttzi'n deS Völkerrechts gewflenhD zu b obachten. Auf
In Dänemark hat der König sich in dem dort zwischen der Regierung und der Opposition obwaltenden Zwist persönlich dahin ausgesprochen, daß, so sehnlich er auch einen Ausgleich wünsche, doch die Forderungen, welche ein Theil der Volksvertretung stelle, nicht erfüllt werden könnten, weil dieselben aus eine Abänderung deS Staats- grundgesetzeS hinauSgingen.
Der Aufmarsch deS russischen Heeres in Rumänien ist zwar durch starke und häufige Regengüsse erschwert worden, vollzieht sich aber, so wett sich bis j tzt übersehen läßt, wenigsten« an der unteren Donau, ohne daß ihm von den Türken Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Ein Versuch, die Donau zu überschreiten, ist von den
Denkschrift der preußischen Bischöfe wegen der neuen lrcichen Prozesse, die in Preußen gegen die den kirchen- chen Gesetzen widerstrebende Geistlichkeit geführt wor seien, erwiderte der Vatikan, er müsse den Bischöfen stellen, jene Mittelstraße einzuschlagen, welche sie im ff- der Kirche für angemessen hielte«, jedoch ohne lttzung heiliger Principien.
Am 1. Mai wurde in Versailles die Sommersesston ßasranzösischen Kammern mit einer Erkürung über « Haltung Frankreichs in der orientalischen Frage er« die gewissermaßen eine Ergänzung zu den lebhaften
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4Kt|i, bei Schultheißen Enkelin.
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Schwäbisch« Dorf-Novell« von Rudolf Wellnau. (Fortsetzung.)
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"ttD> der so reich war an Versprechungen und so ! ^iner wahrer Liebe, der Margarethen vor Gott ^'chen versprochm, ihr allein zu gehören. Und näch liche B suchet, der eben die Kirche verlassen, Tobten begangenes Unrecht reuig bekannt und
Migthurn verlaffen, schöpfte sie frischen Alhem und die Äugigkeit, die vorher Besitz genommen von ihrer Seele, Mchte einer heiligen Herzensandacht Platz.
l St-ll und in sich versunken hatte Käthi ihre verlassene ^ttstätte wieder ausgesucht; ohne die mindeste Furcht zu W*» bettete sie sich auf'» neue in der Nähe des Sarge-, *!$et die Leiche der PfarrerStochter in sich schloß, mit ^ste j, im Leben so innig und sreundlich verkehrt Richt fhr hinwegzuleuznen war eS, auch st: hatte srevrlnd ein FMBart« Unrecht begangen an der Dahin geschiedenen, auch F »«te leichtsinnig ihren Kummer und ihr Herzeleid ver- rw» al« sie in unkeuscher Umarmung mit dem leichiser- S0 Bersührer eine Nacht verschweigt, mit dem Flatter-
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W von dem Sarge der Entseelten gegangen, und ««derer wxr, al- der Pächter Ebernuyer auf Heina«,
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Jetzt erkannte Käthi sowohl, »en sie in dem nächtlichen iirchenbesucher vor sich habe, al- auch weffen sterbliche «benefte der aufgestellte Sarg in st- barg. Noch einige Routen.blieb der Alte tniecnb am Sarge liegen, dann J "hab er sich langsam und schweigend, schlug noch einmal ——■ Kreuzeszeichen an Stirn und Brust und schritt feier«
”, wie er gekommen, dem Ausgange der Kirche zu.
: Erst als sich Käthi durch da- weithin dröhnende Zu« mm der Kirchenthür überzeugt hielt, daß der Beter da-
Gouhord's Baier, dessen unselige Halsstarrigkeit es nicht hatte dahin kommen lassen, uneingebent der Worte der heiligen Schrift, sich mit den PfarrerSlcMen auSzujöhnen, so hoffte auch Käthi jetzt durch brünstiges Gebet ihr Un. recht an der tobten Freundin zu sühnen.
Hier an geweihter Stätte, ungesehen von dem Auge der Welt, doch nicht von dem des Allerhöchsten, hatte eS ber harte Pächter vermocht, seinem unbeugsamen Trotze zu gebieten unb seiner unheilvollen Leidenschaft Herr zu werten, vm die verklärte Jungfrau um Fürbitte bei dem Allvater droben anzuflchm, wodurch er zugleich auch ihre Verzeihung zu erlangen hoffte. Hier wollte denn auch Käthi in gleicher Weise Vergebung unb Versöhnung von ber schwer beleb digten unb gekränkten Freundin sich erringen.
Wohl hatte die Enkelin de- Schultheißen vom Pfarrer sowohl, al< auch bereit» au- eigener Erfahrung gelernt, waS eS heißt, sich von dem zu trennen, was man im Seien so lieb gehabt; wie da», was un- abstirbt, boch nicht stirbt, wa- un» enttlflen wird, doch nicht weicht ober verloren geht, benn ihr Leib ruht ja nut schlummernd in unserer Erde, in dem geweihten Ruhebett der tröstenden Kirche, in dem beseeligendeu Glauben an die Auferstehung der Tobten. Dennoch ging'« ber Maib zum Herzen, wenn Re baran gedachte, wie mit dem Anbruche oes Tage- die irdische Hülle Margarethen- dem kalten Schoße der Erde anvertraut werden sollte, wo sie getrennt von V iter unb Mutter an der Seite ihr vorangegangener Geschwister unter Flieder unb Hollunder den Schlummer der Tobten schlafen sollte und träumen von dem Himmel unb seiner Seligkeit bis zum großen schönen Morgen, wo ber Engel ber Auferstehung sie erweckt unb einführt in bas Reich der Unsterblichkeit, in das Leben in Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Inzwischen hatte bet Sturm draußen mit feinem Wüthen aufgehört, der Stegen tropfte nut noch vom Dache «nd e-
Ruffen bi- jetzt nicht gemacht »erben; sie fahren fort, sich bei varboschi zu concentriren, haben Galatz, Braila, Ismail, Kilia und in sitz ter Zeit den mehr vorgeschobenen Punkt Palciu besetzt. Die rumänischen Truppen, welche bei dem Einmärsche bet Russen alle besetzten Plätze an der Donau räumten unb sich nach dem Nordwesten de- Lande« zntückzogen, erhielten, wie nach den letzten Nachrichten anzunehmen ist, Befehl, nach Kalafat unb Giurgewo zurück- zukehren; auch verlautet bereit«, baß Rußlanb ihre Einreihung in ein russisches CorpS fordere. Den Oberbefehl bet kaukasischen Armee führt der Großfürst Michael, welcher sich mit seinem Hauptquartier von Tiflis zur Armee beg-beu hat. Seine Truppen haben in mehreren (Solonnen die Grenze überschritten. Von einem nennen-wetthen Erfolge kann auch hier noch keine Rede sein, wichtig aber bleibt die Nachricht, daß eS einer größeren Coloune, welche von Eriwan anSrückie, gelang, bis nach Bajazid vorzudringen, welches die Türken mit Hinterlaffung einer großen Menge Munition räumen mußten. In dem Kampfe gegen die Miriditen und Montenegriner sind die Türken dagegen siegreich gewesen. Die Truppen Nikita'- erlitten im Dmiga- paß eine nicht unbedeutende Schlappe. Der Khediv sandte bi- jitzt dem Sultan 5000 Mann unb 20 Millionen L. Der Kaiser Alexander wird am 6. Mai in Petersburg zurückcrwartet. Ob der Sultan, wie verlautet, die grüne Fahne des Propheten entfalten und mit derselben zur Donau-Armee abgehen wird, ist noch nicht entschieden.
Tage-bericht.
Die Reich- Schuldenverwaltung erläßt folgende Bekanntmachung: „In neuerer Zeit sind falsche ReichSkaflm« scheine, und zwar in Stücken zu fünfzig, zwanzig und fünf Mark, zum Vorschein gekommen unb angehalten worden. Wir sichern Demjenigen, welcher einen Verfertiger ober wissentlichen Verbreiter solcher Falschstücke zuerst ermittelt und der Polizei« oder Gerichtsbehörde dergestalt nachwetst, daß bet Verbrecher zur Untersuchung und Strafe gezogen werden kann, eine nach Umständen zu bemessende Belohnung bis auf Höhe von 5000 Mark zu."
Wie die „Post" vernimmt, hat der Herr Handelsminister ans den Berichten des bekanntlich vor mehreren Jahren nach Japan zum Studium ber dortigen Industrie entsendeten, Ende 1875 von dort zurückgekehrten jetzigen Pro« feffor Dr. Rein in Marburg Veranlaffung genommen, die zeitweise Uebetfiebelung zweier japantsischer Arbeiter nach Deutschland in das Werk zu setzen, welche mit ihrer heimischen besonderen Art bet öroncesabrikation unb Emailli- tung hinreichend vertraut sind, um unfern b-lheiliglen kunst- industriellen Kreisen eine praktische Einsicht zu verschaffen.
hatte den Anschein, als wären auch die Element« gegenseitig auSgesöhnt. Käthi, angegriffen von ber phantastisch ge!penstischen Erscheinung be« Pächter«, sowie von all dem Ungewöhnlichen in biefer Nacht, gleichzeitig aber auch ber natürlichen körperlichen Mattigkeit erliegenb, hatte da« kleine Köpfchen in da« Busentuch gehüllt unb an ber mit einer Decke behangenen Altarwand gelehnt; ihre Seele dem Allerhöchsten befehlend, war sie eingeschiummert. Kurze, unruhige Träume schreckten sie wiederum auf, wenn sie eben erst vermeinte, zu schlummnn. Ach, nur um ein Stündchen Ruhe bat sie zn Gott, in dessen Händen die Fäden ruhen, die sich zum Gewebe unserer Schicksale einen und durchkreuzen.
Aber — horchI — Wa« war da«? — Rahete abermals eine Erscheinung? — War e« Traum ober Wirklichkeit, wa« von Neuem Kächr's Schlummer störte? Wer klopfte mit unsichtbarer Hand unb machte die Schläfer wach? — Welch' eine wuuberbare Nacht war das? — Seltsam! — Aber von Neuem klopft es veuttich unb stärker al« zuvor aus ben Deckel be« Sarge«. Em lange«, ängstliche« Stöhnen folgt unb bumpfe, gepreßte Seufzer berühren bas Ohr der bereits vor Schreck in Angstschweiß gebadeten, ängstlich lauschenden Käthi. Das war nicht die Hand eines Unsichtbaren, nicht Geisterhauch, der Über entfärbte tobte Lippen kam, das war da« natürliche Klopfen eine» lebenden Menschenhand, das war die matte Stimme eine« hilfsbedürftigen, bedrängten Wesens 1 — Wieder unb immei wieder berührten die erwähnten Zeichen die furcht« fam zufammengesunkeve Käthi, die schauernd und vcrzweif« lungSvoll mit sich rang unb überlegte, wa« sie beginnen sollte. Durch erneutes Pochen unb Stöhnen warb sie aus ihrem S nnen aufgeschreckt unb jetzt, Furcht unb Grauen von sich schültelnb, raffte sie sich muthvoll auf unb schritt leise, aber kühn unb entschlossen ber Gegenb zu, in welcher bet Sarg stand. Einen Augenblick herrschte lautlofe, Pein«