f Nr. 104.
Marburg, Sonnabend, 5. Mai 1877.
xii. Jahrgang.
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Xajeigcn nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie bte Limoneen-Bnreanx von 9 L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung in Framfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä- Sete- meyer in Berlin; Sari Schütz» ter in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
eigen nimmt entgegen: >tr Kr-editton d. Blattes, u-ie die Annoncen-Bureanx ° jj. Dietrich & So. in Uel und Hannover; Th- Dietrich 'N Frant^rt a. M ; Zwienfiein L Segler in ßArta-M, Berlin, Lech» $7 461« ic; Rudolf Stoffe ^Berlin, Frankfutt a. St. re.
Erscheint täglich nutzer den Werktagen nach Sonn- und Ieiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnftrirtr« LonutagSdlntt" durch die Srpeditton (Äoch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Werl, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wert 50 Pfg. (e$L Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr fttt die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertbellende Auskunft und Annahme von Adresse« werde» 35 Psg. berechnet.
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Sestern, den 16. April, wurde im Bezirk von Schuragel vssische Verwaltung eingeführt. Die örtliche Bevö kerung
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' । Such heute find noch keine interrefiante Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz eingetroffen. Wir stellen hier nur ;; kurz folgende im Allgemeinen auf den Krieg bezügliche "Waten zusammen. Die A. A. Z meldet: Nachrichten ! \ |gu« Bukarest zufolge besetzten rumänische Truppen am 29 s April Kalafat, von wo sie sich am 24. Spetl zurückgezogen < ■ hatten. AuS Sophia und Risch gehen über Babtna
1/ >6 gelangte an die EingangSthür der Kirche, die ste un-
öst» erschlossen sand. Mit heiliger Scheu betrat ste bebend
Hriligthum deS Herrn und langsam schritt ste vor f&M, um in einem der Kirchenflühle sich zu verbergen w* ti zum Anbruch deS TazeS. Wie eine heilige G ister- _ «stk wehte und webte eS im Innern deS Gotteshauses
Tagesbericht.
Se. Majestät der Kaiser und König hat, wie die ,R. Dr. Ztg-^ meldet, an den General Feldmarschall Freih.rrn ^. Manteuffel zu deflen fünfzigjährigem Dienstjubiläum iin überaus gnädige» längeres Handschreiben gerichtet.
dem Schreiben ist zugleich der besonderen Auszeichnung «dacht worden, daß der Jubilar fortan a la suite deS 1. Garde - Dragonerregiments zu führen ist, in welches tnjtlbe vor fünfzig Jahrm auf Avancement eingetreten iß, und welchem er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seiner Ernennung zum glflgdat jutanten weiland Sr. Ma- M! König- Friedrich Wilhelm IV. angehört hat. Die SoSzeichnung, ä la suite eines Garderegiments g> stellt zu jprtttn, gehört mit Rücksicht darauf, daß diese Regimenter, wßtt tu der Person des Monarchen und außer den Chef» per Sarde Grenadierregimenter, keinen Ches zu erhalten pflegen, zu den höchsten, welche der oberste Kriegsherr verleiht.
«athi, de, Schnlthrißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
Leise schlich Kithi tiefer in den Säulengang hinein
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^geknüpften seidenen Bänder und Schleifen rauschten und ästerten vom Sturme hin- und herbewegt, der durch die kktrümmerten Fensterscheiben eindrang, an welche der Regen Ä Ungestüm schlug. In den zur Erinnerung an die 10Si Erstorbenen aufgehängten, zum Theil verwitterten Kronen »d Kränzen knitterte und knisterte das Flittergold und 98 k dürren Blätter säuselten so melancholisch dazu wie 251 Kisterlispeln der Abgeschiedenen. Zur Vervollständigung 84i«ese» Mitternachtreigens ließen stch von Zett zu Zeit 10« rrlle Töne vernehmen, wenn der Wind stch spielend in en Pfeifen der Orgel tummelte und das bangende H rz 93 kr Maid pochte fast hörbar, wenn diese Töne gleich W ck —• dmneo deS verletzten Gewissens ihr Ohr berührten. Den»
Vch hatte fie den Muth, die Nabt über hier bleiben zu »llen, um nicht noch einmal die abschläzlichen AntwortiN der >»?'öt 6^atn hören zu müssen oder gar vom Wächter bemerkt zu J87UI- ittstn Und während draußen der Sturm tobte und die “tu Linden auf dem Kirchhofe zu entwurzeln drohte, tropfe» Arend Eulen und Dohlen aufgescheucht ihre Nester ver» " “ßen und ihr Geschrei in da» Gekreisch und Knarrm der
et nicht den geringsten Widerstand geleistet und die ruß Rflfid sche Obrigkeit als eine Wohlthat ausgenommen.
Man schreibt der „P. C." auS Rustschuk. 28. April:
!>v'.awa zehn türkische Bataillone nach Widdin, dessen '' Egrnison donauabwärtS gegen die Dobruvscha marschtrt. o I Entgegen den Nachrichten, daß die Türkei einen An !! ßriffSkrieg seitens Perstens nicht zu fürchten habe, erfährt jbai N. W. T. von verläßlicher Seite, daß eine russtsch- <i »nfische Abmachung bestehe und daß schon demnächst von
1 persischer Seite Schritte erfolgen dürften, dir hierüber dntn Zweifel zulassen werden.
Russtsche Blätter enthalten folgende Depesche:
Alrxandropol, 17. April. Nachdem das Gros ivsner Streitkraft am 15. April, Abends glücklich den fluß KarS-Tschat überschritten hatte, schlug eS sein Nachtlager mvbl. if; die Infanterie in Kjurju'k Dara, die Kavallerie in |u ver- khadshi-Wali und Ssubottno. Gesundheitszustand und [1151 Stimmung der Truppen find ausgezeichnet. Die lokale WrNsche Kavallerie ist beinahe vollständig auseinander ge Visen; ein Theil davon ist zu uns übergegangen und »ünscht gegen di« tü k'schen regulä er Truppen zu käm l!rn — der ander« Theil ist nach Hause gegangen.
102t geheimnißvclle Schauer durchrieselten das fröstelnde 971 ^bein der zagenden Maid. Die über den Grabmälern 06s vsaeknüvsten seidenen Bänder und Siltifen rauschten und
Die Befürchtungen der Christen, daß die Bewaffnung der Irregulären Veranlassung zu anderem Unglücke für sie geben könnte, hoben stch leider früher gerechtfertigt, als man hoffen durfte. Gestern find auS einigen Kazas recht traurige Nach richten hier eingetroffen. Zwei größere Dörfer, Trestnick und Dwomogila, find der Schauplatz gräßlicher ©eenen gewesen. Die Territorialmiliz, welche nichts anderes als die früheren BaschibozukS ist, hat eine größere Anzahl von Männern, Weibern und Kindern in der grausamsten Art getödtet, und eine allgemeine Plünderung der genannten Orte vorgmommen. Die erst vor Kurzem erbaute Kirche in Dwomogila ist nach vorhergegangener totaler Ausraubung gänzlich dcmoltrt worden. Die Civilregierung, wie die Militä kommandanten trifft für diese Gräuel keine Schuld. Sie haben alle hier zu Lande denkbaren Maßregeln ergriffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. An strengen Anordnungen und scharfen Drohungen mangelte e» nicht, leider blirben dieselben wirkungslos. Wo der religiöse Fa narismus so aulgestachelt ist, wie eS leider in Bulgarien unter der mohamedanischen Bevölkerung der Fall ist, da find ähnliche Vorfälle unausweichlich. Wer daher kann, verläßt das Land. Viele Bulgaren flächten nach Konstan- tincpel.
Die „Polit. Corr." meldet aus Bukarest, 1. Mai:
Zu den VertheidigungSmitteln für die Brücke von Bar- boschi find neuestens 6 Mitrailleusen hinzugekommen, wie überhaupt dieser Brücke die größte Beachtung von den Russen gewidmet wird. So wurde ein eigenes stabiles Commando für diese Brücke mit einem besonderen Generalstabe installirt, und General Sukaloff zum Brückenkommandanten und General Servatieff zum GeneraistabS - Chef für diesen Posten ernannt. Auch die Nachbarschaft der Brücke von Barboschi wurde von den Russen in den Rayon ihrer fortifikatorischen Anlagen gezogen, indem da» Plateau von Tsisiina innerhalb 48 Stunden durch Schanzen, weitreichende Erdwerke und Batterien, welche mit 8 und 16 Pfänder - Geschützen armirt sind, zu einem großen verschanzten Lager verwandelt worden ist.
Die „P. C " meldet telegraphisch aus Cattaro, 2. Mai: Fürst Nikolaus von Montenegro befindet sich augenblicklich bei seiner Südarmee (in Albanien) um dieselbe zu in,picken. Nach erfolgter Besichtigung begiebt er st b in die Herzegowina. Verläßliche Meldungen wollen wissen, Suleiman Pascha sei bereits im Vorrücken gegen den Dugapaß, und daß in Folge dessen bald ein Zusammenstoß zu gewärtigen sei.
Telegraphische KriegSnachricht-n:
London, 3. Mai. Ein Telegramm an Lloyds aus Sulina vom 30. April meldet: Die Donau ist unterhalb dec Pruthmündung durch Torpedos gesperrt, alle donau-
Wetterfahne mischten, hatte Käthi ein Obdach gefunden und sich eine. Lagerstatt bereitet an den Stufen des Altar». Mit dem Gedanken an die Geister ihrer Lieben droben, die schützend sie umschwebten in dieser grauenvollen Nacht, die dem jüngsten Tage vorherzugehen schien, war Käthi endlich von Müdigkeit und Abspannung überwältigt eingeschlummert
Kaum aber empfand ste die ersten er q lickenden Wirkungen deS Schloss, der nun schon seit zwei Nächten ihre Augen nicht geschlossen hatte, als der Helle Schein irgend eine» Lichtes in dieselben drang und die Entschlummerte wieder erwachen machte. Schnell aber bedächtig stand das höchlich erschrockene Mädchen auf, schlich leise hinweg und verbarg stch im Hintern Raume des Altars, während ihre überaus erregte Einbildungsk.aft mit geheimem Grauen Alles um sich her gespensterhaft bewölkerte. Hier kauerte ste stch zitternd und bebend an allen Gliedern nieder, bis die Erscheinung des Lichtes näher kam und die geweiht« Stätte des Altars magisch beleuchtete. Immer deutlicher vermochte Kilhi, welche alle ihren Muth zusammen nahm, zu unterscheiden, daß eS kein Geist sei, der zur mitternächt lichen Stunde die Kirche durchwandle, sondern eine Menschen gestalt war, die irgend welches Gelöbniß hier abzuthun hatte, oder welche sonst ein Zweck zu so ungewöhnlicher Z it hierher führte. Ein ältlicher Mann mit schneeweißem Haupte, eine kleine Blendlaterne in der Hand, schritt langsam mit feierlichem Ernste daher. Eine Art Mantel hing nachlässig über seine Schultern, «ährend der tief in die Stirn gedrückte niedere Hut fein Gesicht nicht erkennen ließ. Neugierig und nunmehr weniger furchtsam beobachtete Käthi die seltsame Erscheinung, als d(r Alte j tzt stehen blieb, den rechten Arm erhob, das Zeichen des Kreuzes vor Brust und Stirn schlug und die Worte leise, für Käthi aber doch verfländlich und hörbar, vor sich hinmurmelte: ,80e guten Geister loben Gott ben Herrn!"
aufwärts gehenden Fahrzeuge werden peremtorisch zurück - gewiesen. Der Sulina-Hafm ist frei.
Odessa, 2. Mai. Der Kaiser ist mit dem Großfürsten Thronfolger und mit dem Großfürsten Wladimir hier eingetroffen und Nachmittags 2 Uhr nach Kiew weiter- gereist, nachdem er zuvor die Truppen und die Flottille besichtigt hatte.
Petersburg, 3. Mai. Aus Tiflis vom 2. wird gemeldet: Am 28., 29. und 30. April hat die russische öaeaBerie die Gegend südwärts von Kars durchstreift. Einzelne Abtheilungen find bis Litschagirt vorgerückt, wo sie Telegraphen Leitungen in der Länge von 10 Werst zerstörten. Acht türkische Bataillone sind vor der russischen Cavallerie gepflüchtet und ließen Munition in deren Händen. Am 30. April hat ein Gefecht zwischen der russischen Cavallerie und Artillerie und einer aus Kars auSmarschirten Abiheilung Türken stattgefunden. Die Bevölkerung empfängt die russischen Truppen freundlich. Einzelne Einwohner haben stch gemeldet, in den russischen Dienst ein» zutreten.
Bukarest, 3. Mai. Heute gegen 10 Uhr Vormittags wurde zwischen den russischen Batterien bei Braila und drei türkischen Monitors das Feuer eröffnet. Die Türken bombardirten, während die Monitore stch der Stadt näherten, diese selbst, wurden jedoch gegen Mittag gezwungen, stch vor dem russischen Feuer zurückzuziehen. Wie viel Einwohner getödtet und wie viel Häuser in Brand geschossen sind, ist zur Zeit noch unbekannt.
Wien, 3. Mat. Die .Presse" enthält folgendes Telegramm aus Bukarest: Die Deputirtenkammer hat als Erwiderung avf die Thronrede eine Adresse angenommen, in welcher eS heißt: Die Kammer folgt dem Rufe des Fürsten und legt Zevgniß ab für die Größe und Unvergänglichkeit der nationalen Sonverinetät. Die Kammer bedauert, daß der Krieg unvermeidlich geworden und erkennt die Bemühungen der Regierung für die Sicherung der Neutralität an. Die Adresse spricht sich ferner mißbilligend darüber aus, daß die Pforte Rumänien stets Schwierigkeiten bereitet und die Befürwortung von dessen Neutralität bei der Conferenz zu Konstantinopel verweigert habe. Es wird fobann der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Rumänien nicht der Schauplatz des seinerseits nicht provoeirten Krieges werde. Das Bestreben des Landes solle darauf gehm, sich vor Kriegsschaben zu bewahren. Die mit Rußland abgeschlossene Convention verschaffe dem Lande Ruhe, Sicherung seiner politischen Individualität und Respeetirung seiner Grenzen. Die Kammer spreche der Regierung ihr« volle Zustimmung aus, indem ste auf deren Patriotismus und Klugheit vertraue, damit Conflicl« mit sämmtlichen Nachbarstaaten vermieden würden. Zur LandeSvertheidigung und Bewahrung vor grausamer Le-
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Dann bog er um einen der hohen Kirchstühle herum, schritt die Steinstuf n hinab und stand wiederum einen Augenblick betend still. Da durchrieselte eS Käthi von neuem eiskalt und eS bedurfte ihrer ganzen Kraft, um nicht laut aufzuschreien und ohnmächtig zusammen zu sinken. Mit Schrecken gewahrte ste bei dem Scheine der Laterne, der den ganzen Raum vor dem Altar erleuchtete, wie ganz n der Nähe, wo ste kurze Zeit vorher ihr Lager aufge- chlagen gehabt, ein mit Blumen und Kränzen reich ge- chmückter Sarg stand, auf dessen Deckel ein mit Silberranzen besetztes weißes Atlaskiflen und darauf eine frisch« grüne Mytthenkrone befestigt war. Jetzt war der nich.liche Wanderer dem Sarge näher getreten und Käthi vermochte nun beim Schimmer des Lampenlichts feine Züge besser zu unterscheiden. Frommer Ernst, wie er dem Alter geziemt, gepaart mit männlicher Würde, leuchteten auf feinem klugen Antlitze. Er hatte stch auf den Boden niedergelassen und knteenb mit andächtig gefalteten Händen verrichtete et an dem Sarge, der die Hülle eine» jedenfalls für ihn theuren tobten borg, ein brünstiges Gebet. Erst am Schlüsse desselben sprach er laut und mit erhobener Stimme die Worte:
„An Deinem Sarge, theure Margarethe, liege ich in dieser nächtlichen Stunde auf meinen Rnieen und bitte Tich, Du wollest mir verzeihen, ba ich allein bie Schuld trage an Deinem frühen Tode durch meines Herzens H!r« tizkitt und sta ren Eigensinn. Bitte am Throne Gotte» für mich, daß er den Irrenden erleuchten möge mti seiner Gnade, daß er mir Kraft schenken möge an» der Höhe, umttinbelnb einzuwirken auf das Herz meine» Gotthold'», damit dieser in seinem Innern Dir einen Tempel aufbaue zu ewigem Gedächtniß. Schlummere sanft bi» die Morgen- röihe eine» neuen Tage» anbricht, bis der große Auferstehungsmorgen tagt, der unsere Herzen «int unzertrennlich für Zett und Ewigkeit!" (Forts. f.)