Marburg, Freitag, 4. Mai 1877.
r. 108
xn. ^o|rg«ig.
(i">brrhrllifd|f Ickung
In all,
lac.
a«e^
Tagesbericht.
8.
M.
>de.
ppi
I Abend erfolgen kau», wird Herr Forckenbeck lag aoderaumen; an >
welche sich dann die Schlußfeier-
lemenl
Raum
ran co I
HÜchew
ert.
7.
Sollte dies nicht der Fall fein, eine Sitzung auf Freitag Vor-
then.
Nachtr,
tt 5*A b760|.
«affe! . 1877. uSdea
IttUUg
;e 655.
selben bezieht sich auf die Gegenstände, die in dm An- trägen v. Seydewitz, Rickert, Hirsch und Fritsche behandelt sind, — und eS wurde daher beschloflen dieselben zugleich mit jenen Anträgen der RetchSregierung als Material zu überweisen. Eine kleine Anzahl von Petitionen, welche die Wanderlager betraf, wurde mit Bezug auf einen Beschluß deS Reichstages vom vorigen Jahre, der eine En- quv e in dieser Hinsicht beantragte, ebenfalls als Material überwiesen, und ebenso einige Petitionen, welche strengere Bestimmungen über Concefliontrungen von Schenkstätlen verlangten, und zwar erfolgte die Überweisung mit Bezug auf die Erklärung deS Präsidenten des Reichskanzleramtes, daß man stch mit Aenderungen der etnschlagenden Bestimmungen der Gewerbeordnung beschäftige. — Nur über die Petition einiger JnnungSvorstände, welche darüber klagten, daß die Gewerbefreiheit die Petenten in dir größte Bedrängniß gebracht hätte, und die so unvorsichtig waren, die Beseitigung dieser Gewerbefreiheit zu verlangen, wurde zur Tagesordnung übecgegangen. — Man beschloß hierauf mündliche Berichterstattung, und wurde der Abg. Geisel als Referent bestellt. — Da die ganze Sitzung nur etwa IV2 Stunden währte, war von einem tieferen sachlichen Eingehen auf die BerathungSgegenstände nicht die Rede. Daß die Berichterstattung über die Resultate der Commis- sionSberathuog noch im Plmum zur Besprechung kommen wird, ist nach der Lage der Sache wohl nicht mehr zu erwarten.
1 in da -------------
k Die Berathungen des Reichstags werdm hmtr (Don-
m rstag) bei Tage und dann wahrscheinlich in einer Abend«
vag fortgesetzt werden, um so schleunig a!S irgendmöz- —> 1 die Geschäfte zu erledigen. Falls der Etat von Elsaß-
Ihringen nicht eine zu langandauemde Debatte hervorruft,
M.; Jnvalideudant, Ä- Sete» meyer in Berlin; Carl Schütz» (et in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Prinz Heinrich VIJ. und die Prinzessin Rmß haben Weimar vertäfle«; fie werden noch einige Tage sauf thrm Gütern verwcilm und gegen Ende der nächsten Woche stch in Triest einschiffen, um sich nach Konstantinopel zu begeben.
Die nmeste „Prov.-Corr/, anknüpsend an die Rede deS Feldmarschalls Moltke, constatirt, daß in Frankreich die lebhafte Beunruhigung einer ruhigeren und richtigeren Beurtheilung gewichen sei. Um so mehr aber sei zugleich die wirklich hohe Bedeutung dieser Aeußerungen als ernste FriedenSwahnung zur Geltung gebracht worden. Nicht wegen einer augenblicklichen parlamentarischen Wirkung habe der sonst so zurückhaltende Feldherr dir Rede gehalten. Als er das Wort nahm, wußte bereit» Jedermann, daß die betreffende Budgrtforderung ohne weitere Anstrengung be« willigt werden würde. Wenn Graf Moltke trotzdem an diese Mehrforderung anknöpfte, um einen Blick auf die militärische Lage zu werfen, so geschah es offenbar, um Deutschland und Europa bestimmt und klar auf Thatsachen hinzuweisen, welche uns ungeachtet der unzweifelhaften Friedens-Tendenzen unserer Politik [doch fortwährend zu der größten militärischen Wachsamkeit und Vorsicht auffor der«. Die Thatsachen, welche er ansührte, sind von keiner
Summe den Namen der Maio tn die Rächt h neta, aber Niemand antwortete auf sein Rufen. Nur der treue Haushund schien ihn verstanden zu haben und schmiegte stch wedelnd an ihn an, der bärbeißige Alte aber versetzte ihm einen Fußtritt, daß das treue Thier winselnd sein Lager aussuchte. Dann verriegelte der Schultheiß die Thür, schütte im Ofen nach und suchte den vcrlaflenen Sitz im Lehnstuhl wieder auf, wo er au,'« neue sich seinen Gedanken hingab und in dumpfes Hinbrüten versank.
Inzwischen hatte Käthi unter dem überbauten Gedache eines Stalles in der Nachbarschaft Schutz gefunden vor dem herabströmenden Regen. Nachdem sie stch von ihrem ersten Schrecken erholt und die Betäubung, in die ste der Empfang des Großvaters versetzt, vorüber war, hatte sie stch aufgemacht und an das Fenster bet einer Bäuerin geklopft, die nur drei Häuser von dem ihrigen entfernt wohnte, und welche in früheren Jahren als Magd bet ihren Eltern gedient hatte. Hier hatte ste um ein Obdach für diese Nacht gebeten, war aber abschläzlich beschieden worden, weil man de« Schultheißen harten Sinn und unbeugsamen Charakter kannte und von demselbm nichts Gutes für diese LtebeSthat zu erwarten hatte. Und noch an eine andere Thür hatte Käthi geklopft; denen, die im Hause wohnten, hatte sie schon manchmal aus der Noth geholfen, doch jetzt öffnete Niemand; man konnte es stch denken, wer da klopfte, die Doanerstimme de» Schultheißen hatte die Nachbarschaft au« dem ersten Schlummer anfgeschreckl, man hatte den Namen der Maid rufen gehört, aber —- man fürchtete den Zorn des Großvaters mehr, al» man seine Enkttin liebte.
In der Dunkelheit der Nacht, vom Regen durchnäßt, zitternd au allen Gliedern vor Frost, tappte die Unglück» ltche Käthi weiter und bereute in ihrem Herzen tief ihre Unbesonnenheit und ihren Leichtsinn, verwünschte ata auch
«iithi, M Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau- (Fortsetzung.)
d m Hause dtS Großvaters stand. Da« Licht brannte düster in der Stube, er selbst saß im Lehnstuhl am Ofen, in welchem noch lustig das Feuer knisterte. Mit zitternder Hand öffnete Käthi die Thür und trat tn den Hausflur. Kaum jedoch hatte da« scharfe Ohr deS blinden Großvaters da« Geräusch draußen vernommen, als derselbe wie ein Beseflener aussprang, die Thür ausriß und mit seiner weithin tönenden Donnerstimme srug, wer da sei? — Klein laut antwortete die Maid:
„Ich bin's l Käthi entbietet Euch den Gruß der Base!"
Und als wollte der Alte den stärksten Elchbaum fällen, so holte er aus und schwang den Prügel über seinem Kepfe, der Dirne den Willkommen zu verabreicheu. Diese aber, von dem durch die geöffnete Thür dringenden Lichtschimmer begünstigt, wich geschickt dem Schlage aus, indem ste zur Seite sprang, öffnete behend die HauSthür und mit einem zweiten Sprunge war ste hinaus und verschwand in der Dunkelheit der Nacht. Weithin aber noch vernahm st; daS gewaltige Toben des Schultheißen, dessen fürchterliche Stimme dahindröhnte durch das Schweige« der Nacht, als wolle er die tobten aus ihrem Schlummer zur Auferstehung wecken.
Hinaus in Nacht und Sturm hatte der Schultheiß die Enkelin gejagt, ohne die Worte des würdigen Pfarrer» beherzigt zu haben. Hingeriflen von seiner Hitze hatte er die Waise, sein eigene« Fleisch und Blut, aus'« neue der Schande preiSzegeben und ste allen Gefahren de» Leibe» «nd der Seele ausgesetzt. Wohl mochte in seiner Brust, wenngleich nur auf Augenblicke, da« Mitleid rege geworden sein, al» er von Dache herab den Regen rieseln hörte, wohl mochte ihm seine nicht zu rechtfertigende Handlungsweise, zu welcher er sich durch seinen leidenschaftlichen Zorn hatte hinreißen lafle«, leid sein, doch war'» zu spät! Noch einmal machte er da« kleine Fenster aus und rief mit lauter
Seite bestritten, vielmehr durch mannigfache zuverlässige Angaben bestätigt worden. Die Bedeutung derselben zutreffend zu würdigm, ist unbestritten Niemand berufener als Feldmarschall Moltke. Wenn er vor Europa der lleberzeugung Ausdruck giebt, daß au»gleichmde Maßregeln früher oder später geboten sind, so kann es nicht fehlen, daß diese Ankündigung gerade in ihrer Bedeutung für die europäische Friedenspolitik die richtige Beurtheilung und die gebührende Beachtung findet.
Wir haben schon öfters Gelegenheit genommen auf die Bewegung aufmerksam zu machen, welche gegenwärtig unter der katholischen Bevölkerung der abendländischen Staaten herrscht. H.-ute ist es keinem Zweifel mehr unterworfen, daß die Führer der Ultramontanen in Italien, Frankreich, Oesterreich und Deutschland nach einem bestimmten Plane operire«, und daß die Widerherstellung der weltliche« Gewalt deS PapstthumS das Aushängeschild ist, unter welchem der römische CleruS die Kraft der katholischen Länder par excellence zu organisiren strebt, um ste gegen die Staaten zu führen, welche, wie Rußland, Deutschland und Jialie« die Privilegien der römischen Kirche wesentlich beschränkt, oder ganz aufgehoben haben. Daß diese Bestrebungen fruchtlos sein werde«, läßt stch heute schon mit einiger Gewißheit Vorhersage«, da die französische Regierung ebenso wenig daran denkt der römischen Curie ihr Schwert zu leihen, als der Kaiser Franz Joseph Wil- lenS ist, die österreichisch ungarische Monarchie zu einer Unterbehörd« Roms zu mache«. Italien aber wird angesichts der immer schärfer hervortretenden Agitation in seinen Landen die Zügel «och straffer anziehen und die Macht deS CleruS immer mehr einschränken.
Wie dar Benehmen Englands seit langer Zeit i« der orientalischen Frage ein höchst zweideutiges war, die Handlungen der mgltschen Regierung regelmäßig mit deren Versicherungen im Widerspruch standen, so wird man auch j tzt gut thu«, wenn man auf die englische Neutralität« erklärung kein zu großes Gewicht legt. Alle Anzeichen laflen darauf schließen, daß die englische Regierung sich auf einen ernstm Kamps mit Rußland vorbereiiet, die Mfttelmeerflotte ist einstweilen in die griechischen Gewässer beordert worden, die Canalflotte wird bedeutend verstärkt, und die Transportschiffe, welche zur Uebersührung der englisch eu Truppen nach Konstantinopel bestimmt find, werden einer Untersuchung unterzogen. Möglicherweise wird die Thätigkeit der englischen Kriegsflotte eine sehr ausgedehnte werden, da eS den Anschein gewinnt, al» ob Italien fest beschloflen hätte, mit Rußland gemeinschaftliche Sache zu machen, weshalb denn auch jetzt schon in der englischen Prefle Combinationen auflaucheii, die auf eine
L an Remuneration, zur Annahme von HülfSarbeitern rc. ,025 M., an sachlichen Ausgaben und zwar zu ArntS- türsniflen wie Copialien, Reisekosten, Miethe für Ge- iftf local 30,000 Mk. und zur Herstellung von Ver-
iteike Lager
Der Bundesrath wurde Dienstag Nachmittag noch zu am Abend 8 Uhr stattfindenden Sitzung berufen, um t Berichte der betreffenden Ausschüsse über die Gesetz- ,würfe, betreffend den Nachtrag zum Etat deS des ReichS- «izlerlamt» (für das Patentamt) und den Gesetzentwurf । griffend die Eontrole des Staatshaushaltsetats pro 1876 It »d 1. Quartal 1877 entgegen zu nehmen. Diese beiden «skhentwürfe wurden genehmigt und noch schleunig an ta Reichstag zur Erledigung überwiesen.
Xiudgen nimmt entgegen: Me «Äeditt-n tz. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux am S. L- Daube & So. in
«sssn», r,.. Die Annoncen-Bureaux * xh. Dietrich & So. in M und Hannover; Th. Mch m Franktzrt a.M.; i lenstem & Bögler in
LLrffurt a M , Berlin, Heia-
Rn denkt Präsident von Forckenbeck noch am Abend die ,mt, beiten so zu fördern, daß der Schluß der Session noch
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Emm- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Ulußwirtt» r»uura,»»Iatt" durch die Sxpedttion (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh «ark^durch bte Postgüter deS Deutschen Reiches S Mark 50 »f|. (exl. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für bie gespaltene Me 10 Pf, ’
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden S5 Pt». berechnet. °
Der in dem NachtragSetat des ReichSkauzleramtS pro !. 377/78 enthaltene Etat des neu zu errichtende« Patent-
8—14 nte stellt fest in den Einnahmen 71,250 Mk. an Ein [870 »hmen des Patentamts an Gebühren re. Unter den fort» ----- »Nrnden Ausgaben find aufgeworfen an Besoldungen J Vorsitzender 3000 Mk., drei ständige Mitglieder mit je
>00 Mk., 20 nichtständige Mitglieder mit je 4000 bis HX) Mk. jährlich) 46,875 Mk. (die Stellen des Vor» Mden und der Mitglieder werden al« Nebenämter ver- a!tet, die Besoldungen sind nicht penstonSsähig) ferner aarei r 4 Büteaubeamte, zwei Kanzleisekretäre und drei Kanzlet- cengstn mrr. 15,405 Mk. an WohnungSgeldzuschüflm, 2700
. ikit direkt anschließen würde, die diesmal nicht im weißen ismeat Königlichen Schlosses sondern im Sitzungssaal id“Cföi I Reichstages stattfinden wird.
Die Gewerbekommisstoa hat am Mittwoch eine Sitzung rbeten <n der über die vorliegenden Petitionen referitt ft beschlossen wurde. — Der weitaus größte Theil der-
les Go snrilichungen des Patentamts 7,500 Mk. Endlich weist schwrn( ®tat an einmaligen Ausgaben als erste Rate zur Ec- jt5t blmig einer Fachbiblivthrk für das Patentamt 25,000 t auf. Die gejammten Ausgaben belaufen sich somit auf
Wenden wir un» zur Käthi zurück, die wir kurz daraus, lohanm chdem der Wachtmeister Göppinger sie aus der Haft ent» »ebitios fen, auf dem Wege nach Sundelfingen antreffen. Ein» [1113 ne Tropfen Regen fielen vom nächtliche« Himmel, der ----- mit schwarzen Wolken überzogen war, die ein schnei.
6 kalter Nordwind zusammenpeitschte. Käthi hatte da« $77: ®c saubere SonntagSschürzchen über den Kopf gezogen, welchem Gedanken der Furcht, Scham und Reue mit- le. ttbtt wechselten. Beflügelten Schrittes eilte fie dahin, Secocg 1 8Ö 3eit sich umsehend, ob Niemand sie verfolge.
k war einig mit stch, stark gemacht und ermuthigt durch Worte der Base wollte sie dem Schultheißen Trotz •™ und nicht länger seine Härte dulden. Diese Nacht 1 "och ein Obdach, morgen wollte ste dem blinden Groß tt t ausstecken, das sobald nicht wieder verlöschen te» Fort wollte sie, weit fort, mit dem Brstian über *b und Meer, das fei das Gescheiteste. Dann aber kbe sie wieder zaghaft und nicht da» Grauen der stür- .cii. । Ütti Herbstnacht war e», waS diese Bangigkeit über sie naüt. sondern daß fie mit gutem Gewissen nicht so auf-
w könne, nie die Base meine, da ste ja derselben nicht * berichtet und ihr namentlich ihre eigene Schuld vor- *kßen. So von widersprechendm Gefühle« und Empfinden bewegt eilte sie dahin, al» ste plötzlich ben Ruf Dächtet» vernahm. Sie hatte jetzt erst die ersten ^unen des Dorfe« erreicht. Einige Minuten verbarg üch, bis der Wächter von der Hauptstraße abbog und fwe Seitengasse einlenfte, worauf fie langsam hinter "Wen herging und in den nächsten Augenbltckm vor