Marburg, Mittwoch, 2. Mai 1877.
xii. Jahrgang.
ObcrhcfW Znlmig.
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Tagesbericht»
alle Zeiten auch zu behaupten.
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Neber den Zustand deS Papstes schreibt die „Sarcel", ..... medicinisch-wistenschastliche» Blatt in Loudon: „Zwei eyDptomr nehmen die Aufmerksamkeit der Aerzte deS Papstes in Anspruch: Di« härtnSkkize Anoxerie und die hiaedeid)t«te Wastergeschwulst der unteren Extremitäten, tyera ^ Sonntag war er außer Stande, mehr als ein wenig Mppe zu genießen, und am Montag, den 16. d. konnte <tt nur einige Drachmen nicht gares Fleisch kauen, nicht ichere, iPnnnterschlingm. Die Neigung zu passiver wässeriger tErqießung ist so markant, daß aus dieser Ursache eine ISchirnkrankhett ernst besorgt wird. Se. Heilichkeit entbehrt se. -des Nacht» eine» erquickenden SchlaseS und während de» ----Mze» bekundet er Müdigkeit, die nur theilweise nach tut«
ijew Schlummer im Laufe deS Nachmittags und Abends eachläßt. Seine geistige L-btzastigkeit hält indeß an, und
r WaS wir gleich, nachdem die Moltkcsche Rede über tie Trvppenausammlungen zwischen Paris und der deutschen VSrenze gehalten, behauptet, daß die deutsche Regierung der iftanzdstschen die Alternative stellen werde, entweder die Wslokatton ihrer Armem zu verändern, oder ober die fPerstäikung der deutschen Garnisonen an der Grenze ge- Lj.jutn zu müssen, ohne dagegen remonflriren zu dürfen, fat sich vollkommen bestätigt. Der französischen Regierung i ft btIdte durch dm deutschen Botschafter in Paris die Ptittheilung gemacht, daß in Elsaß. Lothringen und den RheN'audm die Zahl der Garnisonen erheblich werde ^^k stnmehrt werdm, um daS Mißverhältniß zwischen der deutschen und französischen Truppenstärke an den betdersei- Grenzen anSzugleichm. Die dieSbezüglichm Maßregeln ^rbtn schon in der nächsten Zeit stattfinden und wir "— 2naen schon heute unsere neulichen M «Heilungen über V- B«stLrkung der elsaß - lothringischen Besatzung dahin ,n«inzm, daß auch die Garnisonen in Mainz, Cöln, Frankfurt a/M. werdm verstärkt werden, da leiver nicht iccbenisoaenommett werden kann, daß die Franzcsen ihre Truppen- ^jstsllangen in dem Bereich deS 6. und 7. Armeekorps nwäßigm. In jenen beiden Corpsbezirken, deren Haupt« .aaitiet in ChalonS und Besancon ist, stehen über 66 Zafanteriebrtaillone, 12 Regimenter Cavallerte und zahlreiche stiull-rie. Ueberhaupt befinden sich fast sämmtliche Ca- dalleriebivrstonen zwischen Paris und Nancy u. s. w. Sind tie erforderlichen DiSlokationSverinderungen durchgeführt, o wird sich die franzvfifche Nation schon beruhigen und üeasalls werden die VorfichtSmaßregeln der deutschen tegierung das Gute haben, daß die Franzosen das Be- »ußtsein erhalten, daß die Deutschen ihre ganze Kraft daran Kuben, ihre im letzten Kriege schwer errungene Stellung
Käthi, deS Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Well na u.
(Fortsetzung.)
'• M Nach vielem Hin- und Hergerede wurden alle die Neben» ■ _ umstände, welche sich hie und da herausstellten, noch be- i 1O2( sckigt, von den glücklichen Tagen der Zukunft geschwatzt l R nab der ihrem Vorhaben möglicherweise entgegenstehenden » 9$ ^wittigteiten «eiter nicht gedacht. Bastian, so wurde ' [Q2) »erabrebet, sollte Morgen in aller Frühe nach Suudelfingen ) 50 kommen und dem Schultheißen die Sache vorftellen und t 97, an seine Einwilligung zur Heirath der Enkelin nachsuchen. «Die Vas« solle aber vorläufig von dem ganzen Handel * 61i nichts erfahren.
j 98 Eben war Käthi daran, den Unrath der Fliegen von 263 ben Fenstern hinweg zu putzen, als die Thür aufging und w die Vase mit seltsamer, aber jedenfalls höchst wichtiger Amt»
«lene in'S Zimmer trat. Erst fertigte sie dm Bastian ab, 126 tam sie fyjne endlich einen Käufer zu seinem Webstuhle 93 gtfunben, und als dieser sich hinausbegeben in sein Stüb __tot, schaute sie der Käthi scharf unter di« Augen und frag, 1871- * denn von dem Tode der Pfarrerstochter in Sunde!
feigen nichts bekannt sei. Die Maid ward blutroth und mviderte verlegm, wie ste Margarethm verlafim habe, sei t.7»,7. W&e auf dem Wege der Besteruug gewesm. Der alten
’JS der man nicht leicht ein X sür'n U zu machen im 973 Staube war, kam die Sach« bedenklich vor, denn ste hatte 88'8* mit Bestimmtheit den Tod Margarethen'S erfahren, bereits in der Nacht erfolgt fei, und Käthi, die des
®tge6 von Suudelfingen gekommen sei und bei der UarrerStochter gewacht haben wollte, wußte kein Wort >en» btbon zu vermelden. So oft nun aber auch dir Base bei —• Wettrrmädel aus dm Busch klopfte tmb sich mit Fragen
bei den Empfängen, öffentlichen oder privaten, die er fast täglich gibt, erfüllt er die Besucher mit einem stärkeren Glauben an seine Lebensfähigkeit, al» sein Zustand vor und nach diesen Audienzen überhaupt rechtfertigt.
Die englische Politik, die scheinbar für die Verbeflernng der Lage der christlichen Bevölkerung der Türkei eingetreten, hat bekanntlich den Widerstand gegen die Forderungen Rußlands und der übrigen europäischen Mächte in Wirklichkeit stets ausS Wirksamste unterstützt. Jetzt nachdem der Krieg nun auögebrochm, hat die englische Regierung vollends die Maske ganz abgeworfen. Die Erhaltung der Integrität der Pforte ist heute wie vor zwanzig und fünfzig Jahren das Programm der englischen Orientpolitik, daher setzen englische Diplomaten in Wien, Part« und Rom alle Hebel in Bewegung, um eine europäische Coa- lition zu Stande zu bringen. Diese Bemühungen werden aber unzweifelhaft scheitern, da Oesterreich trotz aller seiner Entschlossenheit, seine von ben russischen ganz verschiedenen Jntereffen zu wahren, doch nicht wagen wird, der Bildung einer wcstmächtlichen Koalition Vorschub zu leisten, die Rußland und Deutschland in eine entschieden setnbliche Stellung zu Oesterreich bringen müßten. England wird daher künftig, wie bisher, mit seiner hohen Politik FiaSco machm, und die Ankündigungen der englischen Joumale, daß daS britische Reich entscheidend in den Gang der türkischen Angelegenheiten eingreifen, Konstantinopel besetzen werde u. s. w., werden sich als leere Prahlereien Herausstellen.
Nach dem „Liverpooler Courier" wäre die britische Regierung von Oesterreich aufgefordert worden, ihre Verbindlichkeiten in Gemäßheit des TrtpelallianzvertrageS von 1856 zum Schutze der Integrität deS ottomanischen Reiches zu erfüllen. Darauf sei in einem KabinetSrath der Beschluß gefaßt wordm, Schritte im Einklänge mit dm nationalen Verbindlichkeiten zu thun. DaS Kabinet hat beschloffen, als ersten Schritt die russische Regierung förmlich zu ersuchen, Erklärungen über den Zweck der gegenwärtig gegen die ottomanische Regierung unternommenen militärischen Operationen abzugeben und die Ausdehnung zu d. statten, welche st« diesen Operationen zu geben beabsichtigt. Auch daS „Memorial diplomttique" weiß davon zu erzähirn, daß die Vereinbarung zwischen den Kabinetten von London und Wien Über die wesentlichsten Punkte der orientalischen Frage ein fait accompli sei.
Wie eS scheint find der „Russische Invalide" und der „RegiernugSanzciger" (beide in russischer Sprache erscheinend), die bevorzugtesten Blätter, welche die Bulletins 24 Stunden vor den in anderen Sprachen erscheinmdm Petersburger Zeitungen bringen. Diese beiden Blätter vom 28.
bemühte, hinter den eigentlichen Sachverhalt mit Käthi zu kommen, cS blieb alle» ohne Erfolg, denn die Maid hatte immer eine Hinterthür offen, durch welche ste der Alten leicht und gewandt entschlüpfte, wenn diese glaubte, ste gefangen zu haben.
Bastian, der sich freute öfter als sonst zu geschehen pflegte, in den vier Pfählen seiner Hausfrau etwas zu schaffen machte, schwelgte im Ueberrnaß seines Glückes. Die schönste Maid im ganzen Umkreis hatte sich ihm versprochen und ohne Schwierigkeit war es ihm gelungen, ihr Herz zu erobern, währmd er früher schon an andern Orten Viele» in diesem Punkte gewagt und an gar manche» Herz gepocht hatte, sein Klopfen aber unbeachtet geblieben war, weil er in seiner grundehrlichen, töppischm Einfalt die schwachen Seiten der Mädchen ohne Scheu berührte und ausdeckte. Verstohlene Blicke wechselte er fortwährmd mit Käthi; die Base aber die ein Helles Auge hatte in derlei Dingen, verstand auch etwas von dieser Sprache; denn al» es bereit» anfing zu dunkeln und das Dreinreden der Base war umsonst, um so mehr aber wuchs ihr Verdacht, daß es mit Käthi nicht rein stehe daheim oder aber, daß ! dieselbe apart wegen be» Bastian auf Besuch zu ihr ge- i kommen sei.
Endlich war'» um die neunte Abendstunde. Da ward'» 1 der Klien doch bange und ste begann von neuem das Examen mit der Maid und frag, ob dmn daheim etwa» vorgefallm wäre, und die Käthi, der'» immer ängstlicher unteim Brustlatz klopfte und hämmerte, je öfter der Kukuk auf der Schwarzwälder rief, beichtete der Base haarklein ihren Ungehorsam, verschwieg aber mit Bedacht die Stunden der Ruhe ans H inan.
Und die Base welche anfangs bitterbvs gewesen war, schalt die Strenge und Härte des Schultheißen, bet die ' Maid hätte zur Kirmr» laufen taffen können und ste nicht
April enthalten, gleichlautend das folgende Telegramm de» Kriegsminister» aus Kischeneff vom Tage vorher (27): „Bon der kaukasisch-türkischen Grenze sind folgende Nachrichten eingegangen: „Am 12./24. April gleich nach der Kriegserklärung haben unsere bet Alexsndropol unter Anführung deS General-Adjutanten Loris-Melkow versammelten Truppen die Grenze in zwei Kolonnen überschritten, von welchen die linke bi» Mulla Muß und die rechte bis Basch-Schuragen kamen; die Kavallerie ging voran», eine Division deS Nishezorodschcn Dragoner Regiments und die Kosaken hatten ein kleines Tuffen mit der Kurdin'schen Reiterei, wobei die Äurtmen einige Mann verloren und auf unserer Seite ein Pferd verwundet wurde. Auf einem anderen Punkte der Grenze wurden beim Feuergefecht ein Kosak, auf feindlicher Seite vier Mann getödtet. An diesem ersten Tage der militärischen Aktion wurden 7 Offiziere und gegen 100 Soldaten durch unsere Truppen gefangen genommen. — Am 13./25. befanden Rt die Truppen be» Alixandropolschen Korps bei Kistl Tschech-Tschak (auf dem Wege von der Festung Alrxandropol nach Kars, 22 Werst von dem ersten und 47 von dem letzten Ort). An demselben Tage begannen die Truppen deS Rionschen Corp» unter Anführung deS Generallieutenants Okiobsho ben Angriff in 2 Kolonnen: die linke, des Generalmajor» Denibekow, nahm nach heißem Treffen um 6 Uhr Abends das Barakenlager der Türken bei Muchaster und die rechte, des Generalmajors Scheremetjew, welche unter Gewehrfeuer fiegreich vordrang, gelangte auf die Atfchamur'sche Straße; unser Verlust an diesem Tage betrug etwa 30 Mann, darunter verwundet der Kommandeur der 6. Batterie der 41. Artillertebrigade Oberstlieutenant Mußchelow. Außer den regulären Truppen verdient volle» Lob die Drushina von Gurten. Sowohl in dem Rayon von Achal« zych wie von Alexandropol stad die Wege von dem anhaltenden Regen sehr schwierig geworden. Von den anbeten Theilen bet Grenzlinie noch keine Nachrichten. Auf dem Meere zwischen Tschurukffu und dem Posten Nicolai zeigten sich türkische Panzerschiffe."
Aus Konstantinopel, 27. April, meldet man dem „N. W T": Die fremden Militärbevollmächtigten haben flch in’« Hauptquartier der asiatischen Armee nach Erzerum begeben. Fortwährend kommen kleine Trupp» Ungarn an, die in die türkische Armee eintreten. Das Anerbieten eine» englischen Kapitän», ein Freicorps von fünftausend Engländern zu bilden, wurde abgelehnt. Die Türken sind seht zuversichtlich. Das Journal „Muzabath" sagt: „Die Regierung hat 800,000 Reguläre, 400,000 Nationalgarben und 400,000 Freiwillige vorbereitet, und wenn der Sultan bie heilige Fahne entrollt, wüsten alle Mohamedanet aus Anatolien, Rumelien, Arabien, Egypten, Tunis, Central-Asien und selbst aus Rußland zu ben Waffen greifen. Wir
vaheim einsperren sollen wie eine Nonne, während Jung und Alt hinaufzogen zum fröhlichen Feste. Dann vermahnte ste Käthi, sich flugS aufzumachen und ben Großvater nicht länger in Ungewißheit zu lasten, wohin ste gestoben und geflogen fei. Morgen, meinte sie, würde ste selbst nach Sundelfingen kommen und die Sache wieder in’» Gleiche bringen. Dem alten Griesgram aber wolle ste dabei ein« aufspielen, daß ihm bie Haare auf bem Kopfe wackeln sollten und er in Zukunft bie Maid wohl ungeschoren lasten würde.
Kaum hatte die Base die letzten Worte beendet, als Bastian wieder in'S Zimmer trat. Er hatte fich'S angelegen fein lasten, wie er sagte, der Hausfrau halben, und war hinaufgestiegen in'« Stübchen, hatte Hut und Stock hervorgelangt, um der Käthi das Geleit zu geben. Allein die Base lenkte begütigend ein und meinte, wie sich'» nicht schicke und ein Gerede gebe unter ben Leuten, wenn ein Bursch eine Maid heimbegleite zur Abendzeit, mit welcher er in keinerlei Berhältniß stehe. Bastian durste nicht widersprechen und war gezwungen zurückzubleiben, obgleich e» ihm anzusehen war, wie gern er gegangen wäre. Einen letzten Händedruck noch der AnSerwählten seine» Herzen», der er im Rausche der ersten Liebe, die er wirklich empfand, Alle» znm Opfer gebracht hätte, und — ste war seinen Blicken entschwunden.
Kaum eine Stunde nach Käthi'» Abgänge warb heftig an die HauSthür der Base geklopft und eine dumpfe Mau- I neSstimme rief:
„Höfneru, macht mal auf!"
Der Base, welche eben im Begriff war, in'» Bett zu i steigen, erlosch da» Licht unter der Hand, so hatte ste flch erschrocken und e» währte lange, bevor fie im Stande war, dastelb« wieder anzuzünden, während der draußm Harrende