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Kaum war die Base zur Hauslhür hinaus, so begann der Bastian sich seines Nnmuths zu entledigen und über die wunderliche Frau loSzuziehen, obgleich er auch die guten Seiten der Alten her vorhob. Er meinte, Käthi könne sich glücklich schätzen, daß sie nicht tagtäglich mit der Bas' um­zugehen habe, sonst würde eS bald um die Rosen ihrer Wangen geschehen sein.

Wie der Bastian erschrak und im ganzen Leib erzitterte, als er das Wort glücklich herausgebracht l War er doch selbst zur heurigen Rose geworden über die Kühnheit, die er eben gez>igt und glaubte er doch, die Maid werde Mund und Ras' aufsperren ob seiner grausam schönen Redensart.

Die aber dachte nicht einmal daran, in den Worten Bastian's so etwas gar Absonderliches zu finden, sondern erwiderte, wie er ja nicht glauben solle, daß eS ihr daheim bester erginge. Ihr Großvater sei rin aller launenhafter Mann, ein Eigensinn und eingefleischter Zankteufel, der oft nicht recht wiste, was er wolle und sie am Gängel- bande führe wie ein Kind, das noch der Ruthe bedarf. Er, der Bastian, fei doch sein eigener Herr und könne nach Belieben schalten und walten, und wenn eS ihm nicht anstünde, zu bleiben, seines Ganges gehen. Sie aber sei gehalten zu bleiben und sich stets nach den Grillen und Launen des wunderlichen Schultheiß n zu richten und wüste zu jedem Ausgang sich erst die Erlaubniß nachfragen. Und nun, setzte sie noch hinzu, würde er erst recht frei, denn in Amerika würde sich nicht leicht wieder eine solche HauSfeau finden, die jeden seiner Schritte mit wachen Augen beobachte.

Ja, meinte daraus der Bastian, und blies sich immer tiefer in die dicken Qualm- und Rauchwolken seines dampfen­den Stummels hinein, das wäre alle» schon recht nach seinem Sinne, doch hält' er'« auch schott reiflich erwogen,

wie ihm die Ba>' der Käthi denn doch manchmal recht sehr fehlen würde. Ganz absonderlich lieb wäre eS ihm ge­wesen, hätte er stch gleich eine eheliche Hausfrau mit hinüber nehmen können, mit welcher er im neuen Welttheile Freud und Leid hätte theilen können. ES sei aber nun einmal nicht anders, er wüste daraus Verzicht leisten und allein übersiedeln, denn die Stadtmägde trügen die Rasen heutzu­tage gar grausam hoch, so daß es einem ordentlichen ehr­lichen Burschen, und hätte er noch so viel Lieb' im Leibe, rein unmöglich sei, hinan zu reichen.

Die Käthi darauf entgegnete, wie sie früher auch schon einmal gewilligt gewesen sei, mit einer Familie auSzuwan« dern, wie eS ihr aber des Großvaters wegen wieder leid geworden sei und sie sich durch seine Bitten habe bestimmen lasten, zu 6ld6.it. Wenn aber jetzt stch wieder eine solche Gelegenheit darböte und Jemand käme, der es ernstlich »eine, ste würde sich keinen Augenblick bedenken, so ver­haßt fei ihr die Strenge des Schultheißen.

Diese, von Käthi vielleicht ohne alle Absicht hkngewor- fene Redensart blieb gleichwohl nicht ohne Eindruck aus unfern Bastian, der e» nun in seiner schwäbischen Unbe­holfenheit versuchte, seine Person ein wenig hervorzuheben und ins rechte Licht zu stellen, beiläufig aber auch von dem Erbtheile sprach, welches ihm zugesallen und verwöge besten er fich drüben in Amerika, wo ein Fürstenthum mit &nb und Leuten, Städten und Dörfern kaum ein paar hundert Thaler koste, ein nicht unbedeutende» Befitzthum käuflich zu erwerben gedächte. Dann spannte er andere Satten auf, sprach von der Brummbärigkeit de» Schultheißen, die überall bekannt sd, von der Hirte destelben, mit welcher er die Enkelin in Zucht halte, so daß diese bald verfallen würde wie ein Schemen, wenn nicht ein glücklicher Zufall sie au» der Kuechterd de» bärbeißigen Alten entführe. Und zuletzt warf er sich in Positur, nahm alle seine Courage

$r. 1OO.

Marburg, Dienstag, 1. Mai 1877.

xn. ZahkMg.

überhaupt überlegen, da die vierzehn Klaffen der dgent- lichen annee active, ihrer Reserve und ihrer eigentlichen Territorialarmee nahezu 1,800,000 Mann ergeben, wobei die Feldarme zu 800,000 Mann, die Depottruppen zu 220,000 Mann, und die Territorialarmee zu 700,000 Mann berechnet ist. Daß diese Zahlen uns nicht zu schrecken brauchen, werden wir unseren Lesern nicht weiter auSeinanderzusetzen haben. Zwischen einem Haufen bewaff­neter Leute und vollständig krtegStüchtig ausgebildeter Mannschaften ist blkrnntlich ein großer Unterschied, die Zahl der letzteren ist aber eine erheblich größere als die- jmige unserer Nachbarn jenseits der Vogesen.

Wie derCorresp. Universelle* aus London gemeldet wird, hat die Rede des Feldmarschalls von Molike eine sehr beklagenSwerthe Wirkung erzeugt. Der französische Botschafter, welcher in der hohen englischen Gesellschaft dne so sywpatische Aufnahme gefunden habe, empfing eine große Zahl von Besuchen hochstehender Persönlichkeiten. Der Graf Derby, Lord Beaconsfield, Lord Stanley os Alderley seien die ersten gewesen, die stch nach der fran­zösischen Botschaft begeben.Frankreich, so sagte der Mar- qaiS von Harcourt, wird die unbedingteste Neutralität be­wahren; seine korrekte Haltung ist das entschiedenste Demmti jener Angriffe und Jnsinuationm, die man im AuSlande erheben mag.*

Telegraphisch wird noch gemeldet:

Köln, 28. April. DerKöln. Ztg." wird auS Rom gemeldd. Mit der gestern eingetroffenen Sgyptstchen Poft hierher gelangte Informationen bezeichnen die Nachricht über den Abschluß des Friedens zwischen Oberst Gordon im Namen dcS Khedive und dem König von Abessinien als verfrüht. Bisher seien 5000 Mann Aegypter zur türkischen Armee abgegangen; der KriegSmintfter rüste weitere 20,000 Mann für die Türkei au». Aegypten habe die Türkei auch mit Geldmitteln unterstützt.

Wien, 28. April. DiePol. Corresp.* erhält fol­gendes Telegramm au» Bukarest vom heutigen Tage: Die Regierung beabsichtigt, demnächst bei der Kammer einen Gesetzentwurf einzubringen, wonech die Verfaffung suspendirt, der Fürst mit diScretionärer Gewalt auSgestatteb und die Kriegsrüstungen in größtem Maßstabe durchgesührt werden sollen. Zu Silistrta wird eine größere Truppenbewegung wahrgenommen. Man befürchtet eine türkische Invasion. Stimmung gedrückt.

London, 28. April. Nach einer bei Lloyd'» ringe gangenen Depesche aus Galatz von heute kreuzen türkische Panzerschiffe vor dem Hafen von Galatz. Zahlreiche russische Truppen hätten Galatz pasfirt. Die Schifffahrt sei eingestellt; neutrale Schiffe dürften nach Verlauf eines

zur Beendigung ihrer Ladung geeigneten Zeitraums die Weiterreise antreten; flußaufwärts dürft von morgen an kein Schiff mehr fahren.

Petersburg, 28. April. Oesterreich hat gutem Vernehmen nach bei der Pforte Vorstellungen gegen den beabsichtigten Einmarsch türkischer Truppen in Serbien erhoben. Die Mächte werden, wie man hier annimmt, da» jüngste Rundschreiben de» Fürsten Gortschakoff nicht beantworten. Fürst LhahvwSki, Befehlshaber de« 11. Armeekorps, besetzte gestern Ismail und Kilia; die Truppen werden überall mit Begeisterung ausgenommen.

Moskau, 28. April. Auch die Kaufmannschaft hat eine Million Rubel, die Kleinbürgerschaft 75,000 Rubel zur Unterstützung der Verwundeten und ihrer Familien aogeboten.

Bukarest, 28. April. DaS Comite der hier lebmdeu Bulgaren erläßt einen Aufruf, die Ruffen als Befreier zu empfangen und eine Sdrefle an den Kaiser Alexander zu richten.

Pari», 29. April. Ein Decret der Pforte befiehlt allen Ruflen, die Türkei zu verlassen. Die Türkei weigert stch, eine Verpflichtung einzugehen, die russischen Häfen, namentlich Ovefla, nicht zu beschießen. Man spricht von englischen Truppensendungen nach Malta.

Auf dem Kriegsschauplatz in Asien haben, wie schon gemeldet, mehrere Kämpfe staltgefunden. Die russische Armee ist hier ungefähr 150,000 Mann stark; ste hat an drei Punkten die Grenze überschrittm. Die türkischen Positionen lehnen fich wie diePresse* schreibt in erster Linie an die befestigten Orte Batum, Ardahan, Kars, Bajastd und in zweit-r Linie an Erzerum und Wau; erstere» bildet dne Eentralstellung für die zuerst genannten Festungen, letzteres den Aufstellungspunkt eines kldneren Eorps, welche» sich vorläufig in beobachtender Position an der persischen Grenze befindet. Zwischen diesen Punkten liegen zur Siche­rung der wichtigsten Wege und taktischen Positionen kleine FortS und Blockhäuser wie Semochana, ArtwiS, Artlja, Baschkadiklar, Gdschewan, Hamurkala u. a. zerstreut.

Die russischen Operationen sind auf die befestigten Punkte Fort Nikolajew (welches identisch ist mit dem ge­meldeten Chesketil, da» von der türkischen Flotte bombst« dtrt wird), Osurgdü, Achalzich und Alexandropol bastrt, hinter denen wieder KutatS und Tiflis in zweiter Linie stehen.

Die bisherigen Scharmützel haben auf türkischem Ge­biete bet Batum, bei Ardahan und bei Kifiltach, nördlich von KarS, stattgesunden; das in einer türkischen Depesche genannte Gumri ist der türkische Name sür die russische Festung Alexandropol.

Vom russisch türkischen Kriegsschauplatz ist Folgende»

©bdjflli(d)f Jalung.

die

Tagesbericht.

Die Reichstags Commission für die Gewetbrordung hat

U

der letzten Debatten über Feststellung der Tagesordnung mgeregt wurde.

Sehandlung der aus dem Reichstag gestellten Anträge be- schloffen hatte, war die Behandlung der Petitionen festzu­stellen, die der Commifston überwiesen find. Dieselben be­ziehen sich in ihrer wett überwiegenden Maffe auf Gegen-

! beschloß mit Majorität zuächst die Bestellung von einem I Referenten und einem Correferenten für die vorliegenden ! Petitionen, sür welche die Abgg. Graf Luxburg und Bauer I ernannt wurden. Die Frage, ob die Berichterstattung über I die in der ersten Sitzung gefaßten Beschlüsse wegen Be- ! Handlung der vorliegenden Anträge sofort erfolgen solle was bei der geschäftlichen Lage der Sache sehr wohl i ausführbar war, und die Besprechung im Plenum ermög- ' licht hätte wurde besonders zur Diskussion gestellt; die ^Commission beschloß mit 11 gegen 3 Stimmen, daß die i Berichterstattung erst nach der Beendigung der Verhand­lungen über die Petitionen erfolgen solle. Es dürfte dadurch constatirt sein, daß man auf liberaler Seite ein l sachliches Eingehen auf die hochwichtigen Anträge zur Ge- , verbeordnung im Plenum des Reichstages ebensowenig wünscht, wie eine Besprechung deS Verfahrens der Majo- ritit der Commission, wie sie von anderer Seite bei einer

M.; Jnvalidendank, 1. Stete* meyet in Berlin; Carl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

sowie bte Annoneen-Bureanx von 8. L- Daube & 6e. in

I« nimmt entgegen: pebitto» d. BUtte»

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageAllnftrtrteS OanutaaStzlatt" durch die chrveditiou (Äoch'sche Buchdruckerei) bergen 8tz Wart, durch die Postämter deS Deutschen SleicheS 8 Wert 5» Pf,, (exl. Bestellgedühr). JnsertionSaebützr für die gespaltene Zelle 1» Pf,.

Für in der Expedition zu erthellende Auskunft unp Annahme von Adreffen werden 85 Pf,, berechnet.

2 stände, welche bereits in den Anträgen der H. H. v. Seyde- S witz, Rickert, Hirsch und Fritsche berührt sind, nur einige Petitionen beziehen stch auf Wanderlager und Schankcon- ^-ccsstonen. Die Commision, in der die Mitglieder, welche L der Centrumsfraktion angehören, nicht erschienen waren,

finretgen nimmt entgegen: Me Trpedittou d. Blatte», tarie die Annoncen-Bureaux eon Tb- Dietrich & Co. m ».ffel und Hannover; Tb- Dietrich in Frankftrt -. M.; tzaasenstein & »ogler in j rAffurt a. M, »erlm, Lech. § rC6(n k; Ludolf Moste 2 m Berlin, Frankfurt a. M. re.

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S am Sonnabend ihre zweite Sitzung gehalten. Nachdem man bereits in der ersten Sitzung, wie bekannt, über die

Di« französische Nation, die durch eine lückenhaft ge­gebene Analyse der Moltke'schen Rede in große Aufregung ersetzt war, hat sich wieder beruhigt, nachdem ste den voll- ilndigm Text jener Rede kennen gelernt, beten Berichti- ung bezüglich de« Mißverhältnisses zwischen der deutschen mb französischen Truppenstärke in den beiderseitigen Gränz- ebieten noch von keiner Seite versucht ist, was auch wohl licht gut möglich, da die Truppenausstellung zwischen Paris mb der französischen Ostgrenze in der Thal die Stärke *t deutschen Truppen auf einem annähernd gleichen Raum Mit überragt. In Elsaß Lothringen, Baden, Großh. Heffeu mb den Reichslanden stehen 36 Infanterie-Regimenter, 18 Lavallerie - Regimenter und 7 Artillerie-Regimenter, rlhrend zwischen Paris und der Oftgrenze sieben Armee- rrys mit zusammm 231 Bataillonen Infanterie, 28 Ca- lallerie Regimenter und 140 Batterien Artillerie stehen, stumerisch ist bekanntlich die französische Armee der deutschen

«iithi, M Schultheißen Enkelin.

Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

Nachdem stch aber ihre Hitze ein wenig verraucht hatte, rüg sie den Morgenimbiß auf und Bastian, dem'S nicht »b gewesen war, daß'hi e» mit angehört, wie die Hausfrau ihm fdnen Plunder vorwarf, machte gute Miene um bösen Spiel, langte tapfer zu und ließ sich'» trefflich Maden. Auch die Maid trank ein Häfle und einen »eien dazu, obgleich ste noch vom gestrigen Kirmeskuchen * utt halte.

Wie der Sebastian so dageseffen ist im alten Lederstuhl, 's ogen ihm gar wunderliche Gedanken in seinem Kopfe 1 mim. Er konnte sich nicht satt sehen an dem Blitzmädel, u der Käthi, mit welcher Rührigkeit sie jetzt, nachdem das j frühstück verzehrt, Kann' und Hlfle aufwusch und wie es ihr anstand, wenn sie beiden einen Platz anwieS M dem Kannrück über der Thür. Gar zu gern wär' er ** drallen Maid zur Hand gegangen, hätte er dann doch 7 AWens mit ihr schwatzen können, allein er wußte e» 1 $ anzufangen, um fich derselben zu nähern und viel Hai haue er bei den Mädchen auch nicht, »dl et sür ähnlich täppisch und unbeholfen bei derlei zarten Amü- '^gen immer gleich mit der Thür in» HauS fiel. Darum 1 *_**» bewenden, fitzte seinen kurzen Stummel wieder 806 ? Vtand und war seelenzufriedru, al» gleich darauf seine »^sfrau eintrat und fich anschickte auszugehen. Die Bas' P*8 der Käthi noch Verschiedenes auf, waS ste während Abwesenheit zu verrichten habe, gab dann dem Bastian bedeutungsvollen Wink, den dieser jedoch nicht ver- . und warf die Thür hinter stch zu, daß da» Gerith

baa Kannrück erzitterte.