Marburg, Sonntag, 29. April 1877.
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unb hielt am 23. in Kischenefs und am 24. bet dem Grenzorte Ungheni Heerschau, gleichzeitig war ein erklärendes Rundschreiben Gortschakcff's an die Vertreter Rußlands im Auslande abgegangen, am Abend des 23. verließ der russische Geschäftsträger Nelidoff sammt dem ganzen BolschaftSpersonal Konstantinepel, nachdem er den Minister deS Auswärtigen Savfet, durch eine Note von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen benachrichtigt hatte; am gleichen Tage wurde dem türkischen Botschafter in PeterS> bürg, Tevfik Bey, die Abholung seiner PSfle frei^estellt, woraus derselbe am 25. die Stadt verließ. Die Ereignisse und diplomatischen Actenstücke überstürzten sich an diesem Tage, denn eine Note Savfet Pascha'S, welche den Vertretern der Pforte im Auslande den Ausbruch deS Krieges mittheilt, ist eben so wie das im Petersburger ReichSan- zeiger erschienene Kriegsmanifest vom 24. April datirt. Schon am 21. d. war eine Abtheilunz Kosaken und Sap- pcurs in Bukarest cingetrvffen, aber erst in der Nacht vom 23 auf den 24 erfolgte an drei verschiedenen Stellen der Uebergang größerer Heeresmafsen über den Pruth und eine Proklamation des russischen Oberbefehlshabers, Großfürsten Nikolaus, an die Rumänen, welche die Türken in der näLstfolgenden Nacht mit der Besetzung deS von den Rumänen geräumten Kalafat und der Benachrichtigung an die serbische Regierung erwiderten, daß sie Kladowa an der Donau besetzen würden, damit die Rusten dort nicht von Rumä im aus in das Fmstenthum ein dringen könnten. So wohlgerüstet die russische Armee auch sein mag und so sehr ihr die vertragsmäßige Ueber lastung der rumänischen Eisenbahnen bei der Borwärtsbe- wegung zu Gute kommen mag, so dürfte ein größerer Zusammenstoß doch für die nächste Zeit noch nicht zu erwarten sein, obwohl eS in Asten — n-choem die Rusten auch dort bei Al>xandrcpol die Grenze überschritten hatten — schon zu einem kleinen Scharmützel g° kommen ist. Im Jahre 1828 erfolgte die Kriegserklärung am 28 April, der U-bcrgang über den Pruth, am 7. Mai, der u bergang über die Donau am 8. Juni und der Marsch über den Balkan erst dn volles Jahr später. Eigenthüm lich im höchstcn Grade ist die Lage und daS Benehmen Rumäniens. Durch eine Verfügung deS Fürsten vom 20. d. wurde die gesammte Armee mobilisirl, nachdem die Reserven schon vorher zu den Waffen gerufen worden waren. Auf die Aufforderung Savfet'S, gemeinsam die Schritte zu berathen, welche einen Einmarsch der Rusten abhalten könnten, erwiderte Bratianu, daß er nichts ohne Billigung der am 26. d. zusawmentretcndea Kammern unternehmen könne. Dem inzwischen erfolgten Einmarsch der Rusten trat man mit einem Protest entgegen, der erklärte, daß man der Gewalt weiche, und zog die Armee vcm Pruth und der Donau noch Bukarest und Krajowa zurück. Auch scheint Fürst Karl eS für politisch vorsichtiger gehal ten zu haben, nicht mit dem Kaiser Alexander zusammen- zutreffev. Mitten in diese aufregende Zeit fielen zudem am 21. d. die SenatSwahleo, welche meist zu Gunsten der Regierungspartei ausgefallen sein sollen. In Serbien bilden sich angeblich schon Freischaren zur Unrerstützung der Rusten, mit den Montenegrinern ist es noch zu fdnem Kampfe gekommen — falls nicht etwa die Nachricht richtig sein sollte, daß die Türken den Duga Paß genommen haben —, dagegen sollen die Mirivrten schon wieder Halbwegs unterworfen sein. Deutschland hat officiel die Vertretung der russischen Jnteresten in der Türkei übernommen
Oeffnungen zu 19 Metern, je vier auf jeder Landseite, und 2 Oeffnungen zu 47 Metern, die da» eigentliche Strombett bezeichnen. Gelänge eS den Türken, den mittleren Strompfeiler zu sprengen, so würde die Brücke auf wenigsten« 94 Meter Länge zerstört werden. Zu beiden Seiten der 246 Meter langen Szerethbrücke ist das Terrain auf eine Strecke von 21 Kilometern überschwemmt und bildet der Bahndamm hier gegenwärtig da» einzig trockene Land. Mit Rücksicht darauf, daß somit behufs Rekonstruirung der Brücke durch einen hölzernen Nothbau nirgend« genügender Platz vorhanden ist, um eine sogenannte Baustelle zu errichten, würde diese Arbeit wie Fachmänner der ,9?. Fr. Pr.* versichern, mindestens einen Zeitraum von drei Monaten erfordert. Die Zerstörung dieser Brücke würde für den Verlauf des Feldzuges eine weittragende Bedeutung haben. Die rumänische Bahn wäre in zwei Theile geriffen und der in der Walachei liegende Theil für die russischen Operationen vollständig werthlos. Die Rusten wären dann gezwungen, Belagerungsgeschütz, Munition, Proviant rc. mittelst Zugthieren an die Donau zu schaffen, und würde der Verlust der Eisenbahnverbindung, da die russische Armee in diesem Feldzuge nicht wie in vorangegangenen KriegSjahren die Pentusflotte zum Transportdienst verwenden kann, überaus lähmend auf den Verlauf der russischen Operation wirken.
Aus Alexandrien wird berichtet: Der Khesive soll be- schloflen haben, dem Sultan ein neucS Korps von 20.000 Mann unter dem Befehl« deS amerikanischen General- Stone zur Verfügung zu stellen. Alle diese egypltschen Truppen, welche mit den auf dem Kriegsschauplätze bereit- befindlichen 15,000 Mann ein Armcekoips von 35,000 Mann bilden, werden vollständig auf Kosten de- Khedive unterhalten. Der General-Gouverneur von Syrien hat soeben hierher angezeigt, daß 40 Redis Bataillone zur Einschiffung bereit sind. ES heißt, die Pforte wolle da- Armeekorps von Bagdad, woselbst augenblicklich die Pest herrscht, über Kvnstanlinopel nach Erzerum befördern lasten. Da die Pforte eine Einsprache der Mächte dagegen besorgt, hätte sie den Zeitungen verboten, dieser Maßnahme Erwähnung zu thun.
lapisei nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureanx 6»n 8. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.;Jnvalidendank,A. Siete- meher in Berlin; Earl Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Tagesbericht.
Die Rusten haben berciis am 25. d. M., Galatz, di- Szerethbrücke bet Barboschi und Braila (Jbrail) besetzt. Sie haben damit für ihren weiteren Vormarsch in die Drobulscha wichtige Stützpunkte gewonnen, aus denen ste zur Eisenbahn immer neue Nachschübe von Truppen erhalten können. Besonders die Szerethbrücke ist für die Rusten ton großer Wichtigkeit und deßhalb bereit« mit 15 Geschützen schwersten Kaliber« besetzt worden. Uebcr diese Eisenbahnbrücke lesen wir in Wiener Blättern folgendes: Hier setzt die von Jasty noch Bukarest führende Bahn, nachdem sie eine kurze Zweigbahn nach Galatz entsendet hat, über dm Szerethfluß, der eine kurze Strecke unterhalb der Brücke in die Donau einmündet. Die Kanonenboote und Monitor« der türkischen Donauflotillc können die Brücke leicht zusammenschießen; auch kann der Brückenbau durch Anwendung von Tynamllstatronen leicht zerstört werden. Die Brücke bei Barboschi ruht auf elf Pfeilern, ist au« Eisen mit Parabelträgern und ähnlich konstruirt wie die große Eisenbahnbrücke nächst Wim. Sie hat acht
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*®ru !rge sei, über die Haltung der Monarchie beim etwaigen lvSbruch und im Verlaufe eine« russisch tü kischen Kriege« tuekun't zu rrthrilen; und im Falle der B.jahung, welche Ziele und Zwecke von dec Regierung ins Auge gesoßt »erden würden und wie ste dieselben zu erreichen gedenke. In der italienischen Abgeordneeukammer kam cs
■ 23 b. zu einer anscheinend vorher genau verabredeten lllSeinanderfetzung über die orientalische Frage, in welcher a Politik der gegenwärtigen Regierung eine lebhafte Bildung Seiten« der früheren CabinetSmitglieder zu Theil »mde.
Das politische Leben hat in Pari« wieder begonnen: m nächst.« Montage gehen die Osterferien dec franzö- ischen Kammern zu Ende und schor ist die Mehrzahl » Senatoren und Deputirten, die an der Session der kneralräthe Theil genommen, zurückgekehrt, um den Vor- «sthungen zur Sommersession anzuwohnen. Der Budget» »«schuß hat auch bereits am 24. April wieder eine Sitzung chalten und beschlvsten, scharf in den Bewilligungen für «ltuserfordernifle vorzugehen; eben so ist es beschlossene Sache der drei Abtheilungen der Linken, die Regierung in « nsten Tagen des Mai über ihre Haltung gegen die lttromontanrn zur Rede zu stellen. Simon selbst wünscht «ch eine feierliche öffentliche Erklärung die italienische rgierung beruhigen und die Anstifter der Katholikenpetition hucken zu können.
Das spanische Ministerium trägt sich, wie es heißt, >it dem Gedanken, mit Hülfe des Vatikans eine Verschmel- «g der alfvnstftischen und der carlistischen Partei zu »tonte zu bringen, zu welchem Zwecke eine neue große Aoestie für die bisher noch nicht begnadigten Oifiziere U Soldaten aus dem lrtztm Aufstande erlaffen wordm • Die Corte« find am 25. d. mit einer Thronrede des kinigs AlfonS eröffnet worden.
Im englischen Parlament erklärte Lord Derby, er »te, indem er auf Herbeiführung d.« Friedens hingear ün, stets die U-berzeugung gehabt, daß er bezüglich der eziehungen zwischen der Türkei und Rußland auf die ijung eine« uniöSbaren Problems sich eingelaffcn heb', »leugbar macht sich jetzt nach dem wirklichen AuSbruch' * Krieges ein immer stätkerer Umschwung der ganzen imUichen Meinung Englands im anti-russischen Sinne eilend.
, .Fabrikaten, die in Frankreich ein« Ausfuhrprämie geni.ß-n, favrjk |jt einer Ausgleichsabgabe (75 Pf) bei ihrer Einfuhr in [HO: putsch land belegen will, am Sonnabend und am Montag
7-TT ortgefitzt. Die Budgetberathungcn wurden beendet, damit 94p zum 1. Mai das RetchShauShaltSgefitz verkündet wer- »tn kann. Prinz Heinrich, der zweite «sohn des Kron- »rinzen, ist in die deutsche Marine eingetreten und der
128' ®ct stit der russischen Mobilmachung vom 11. 92 ^kmber de« verflossenen Jahre« mit Gewißheit voraus- eschene russisch türkische Krieg ist endlich zum SuSbruch klangt; denn daß die, durch rin türkisches Rundschreiben i. ^er Hinweis auf den Artikel 8 deS pariser Vertrage« l,9|. e8ttujtnt Vermittlung der Mächte noch zum Ziele führen krbe, nachdem die beiderseitigen Truppen die rumänische lrevze überschritten haben, wird von allen Seiten in Abrede chrüt. Am 20. verließ der russische Kaiser die Hauptstadt
Deutsche, »eich.
•* Berlin, 27. April. Das „Journal de« DäbatS« sucht den großen Eindruck der Mvltke'fchen Rede in Frankreich auf eine Weise abzuschwächen, die denn doch dem Zweck, KrtegSbesürchtungen nicht aufkommen zu lassen, wenig entspricht. Das Blatt gibt sich nämlich den An« schein, e« mag dahingestellt bleiben ob au« aufrichtiger Ueberzeugung, al« habe der Feldmarschall auf den für Deutschland bedrohlichen Stand bit französischen Armre- Dislocation allein zu dem Zweck hingewiesen, um bte Be- willigurg eines Postens im Militärbudget zu erlangen. Viel bedeutsamer für die Zerstreuung der KctegSbefürch- tungen wäre es gewesen, wenn das „Journal des TöbatS* sich in der Lage befunden hätte, die bedrohliche DiSlocation der französtfchen Armee, vornehmlich die Aufhäufung starker Artillerie- und Cavalleriemaffen an der deutschen Grenze, in Abrede zu stellen. Da diese Thatsache leider so sehr außer allem Zweifel ist, daß auch nicht einmal der Versuch einer Abliugnung von französischer Seite ausgetreten ist, so hat Deutschland sich nur auf ein« von beiden zu ver- laffea, entweder die französische Regierung entschließt sich, die DiSlocation der Armee zu ändern, oder aber ste vermeidet wenigstens Alles, um die von dem Grafen Moltke nach feiner Auffaffung als unvermeidlich bezeichnete Ausgleichsmaßregel der öffentlichen Meinung Frankreich« nicht in einem bedrohlichen Lichte darzustellen. — Der Reichstag eilt offenbar feinem Ende zu. Es scheinen bei dieser sichtbaren Beschleunigung die unklaren Parteiverhältmffe für die maßgebenden Führer entscheidend zu fein. Durch die gewerblichen und wirthschaftlichen Fragen ist augenscheinlich eine Lockerung der Patteiverhältntfse eingetreten, und diese B merkung läßt den Parteiführern den Schluß deS Reichstag« angemeffea erscheinen, vermuthlich in der Hoffnung, daß bis zur nächsten Session sich wieder festere Grundlagen des Parteizusammenhalts finden werden. — Di« „Volkszeitung* glaubt nicht bitter genug die unwürdige Lage der Deutschen hervorheben zu müffen, die darin besteht, daß das Volk nichts bestimmtes über dm Gang der orientalischen Politik Deutschlands wtffe. DicS dürfte in keinem Lande auch der unbestrittensten parlamentarischen Regierung der Fall sein, da eS für jede Regierung unmög lich sein dürfte, irgendwie ein bindendes Programm in dieser Beziehung aufzustellen. Man kann in diesen Vor-
krovprinz hat ihn persönlich am Sonnabend (21. April) u Kiel dem Dienst an Bord der Niobe zugeföhrt. An den rare« ^dm vorhergehenden Tagen beehrten der Kronprinz und kngstei ,jc Kronprinzessin de« deutschen Reichs die Start Hamburg iti ihrem Besuche, und diese feierte den hohen Besuch mit ’_____ ut'iolisch - begeisterten Freudenbezeigungen und gliuz-nden
—— fistveranstaltungen.
o f Gleich in den ersten Sitzungen der Parlamente der
«rscheiM täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „dlntotrte» C»nntaH»l«tt“ durch die «rveditton lAock'lwe Buchdruckerei) bezogen 2H «ark durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Start 5» P„. (exl. Bestellgebühr). - Mtti°nSg""hr ftir K gefJene Ke ISPfn. Für m der Cxpedrtton zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. ’
Der Reichstag hat die tielen Rcsormonträge zur Gewcrbe- icdnung an eine Sommisston von 21 Mitgliedern verwiesen, kündet »«schied.ne Wahlprüfungen, Petitionen und Anträge von »t?« Hinterer Bedeutung verhandelt. Dann wurde die erste jtfung deS Gesetzentwurfs, welcher eit e Reihe von Eisen- . nhrifnteii. die in Kronkreick eine fträntie neni.6m
, eichen Regierungen vorgelegt worden. Giskra und Herbst »pel- Bben daS ciSleithanische Cabtnet inte-pellirt, ob e« in der
littUk Politische Wicht,. Uetersicht.
a<*tt Unser Kaiser ist am Sonnabend voriger Woche nach
Wiesbaden gereist, wo er seit einigen Jahren seinen Früh ctUn8i jugsaufenthalt zu nehmen pflegt. Zu des Vaters Gesell- chaft hat sich dorthin auch diesmal wieder die Gcoßher ogin von Baden begeben. Prinz Reuß, der frühere deutsche )otsch«fter in Petersburg, ist auScrsehen, als Nachfolger ikS Freiherrn v. Werther, der die Entlassung vom Raffer ibtten und erhalten hat, nach Konstantinopel zu gehen.
«eietgtn nimmt entgegen:
Expedition d. Blattes, irt hotnie die Annoncen-Bureaux ,rn ih. Dietrich & Co. in larf «affet und Hannover; Th. "-^ttrich in Franks a.M,; Eisenstein & Bögler tn „ IWfnrt a. M, Berlm.Leip. CS!n rc; Rudolf Moffe che«, ^Berlin, Fran! f art a. M. rc.
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