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Marburg, Sonnabend, 28. April 1877

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lung der Dinge etngreifen zu können. Eigenlhümlich ist fern-r der Umstand, daß Graf Schmvaleff, der rusflshe Botschafter in London, einen Urlaub nachgesucht hat, und noch eigenthümlicher die Motivirung, welche dieÄgence Rüste* diesem Urlaubsgesuch zu Theil werden läßt. Der

begonnen werden, der eine so hervorragende Stel der Hierarchie einnimmt wie der Cardinal Le-

auSgebildeten Soldaten erreichen, die für die Completirung der Linienarmee vorgeschrieben ist, während die französische Territorialarmee mit ihren 435 Bataillonen zum größten Theil aus dem Papiere steht. Die letztere Armee kann, was ihre KriegStüchtigkeit anbetrifft, nicht entfernt mit der deutschen Landwehr verglichen werden, die aus in dreijäh­riger Dienstzeit ausgebildeten Leuten besteht. Die Zahl der vollständig ausgebildeten Soldaten in Deutschland überragt überhaupt bei weitem diejenige der französischen Mannschaften. In Frankreich sind seit dem Jahre 1857 bis 1870 jährlich wenig mehr a'S 50, bis 55,000 Sol­daten ausgehoben und ausgebildet. In Deutschland wur­den bis zum Jahre 1859, wo der Grund zur preußischen HeereSorganisarton durch doppelte Aushebungen im Früh­jahr und Herbst gelegt wurde, ca. 70,000 Maun auSge- hoben, seit 1859 bis 1866 in Preußen und Deutschland 90000 Mann. Seit 1866 sind durchschnittlich bi« 1876 jede- Jahr 120,000 Mann ausgebildet. Rechnen wir nun die Abgänge der letzten 22 Jahrgänge, auS denen die Linie, Landwehr und Landsturm in Deutschland besteht, ab, so sind mehr als zwei Millionen Mann kriegStüchtiger Soldaten vorhanden, während in Frankreich in den letzten 20 Jahren höchstens 1,300.000 Mann vollständig ausge­bildet sind.

Wie dieNazione* von Florenz meldet, soll dem Car­dinal Ledochoweki vertraulich der Vorschlag gemacht worden sein, freiwillig auf fein Amt al« Erzbischof von Posen Ver­zicht zu leisten. Dieser Akt würde vom Berliner Cabinet als erster Schritt zu einer friedlichen Lösung der zwischen dem Vatikan und dem Berliner Hofe schwebenden Fragen betrachtet werden. Der Cardinal Ledochowski hat die Ent­scheidung darüber dem Papst anheim gestellt, aber Piu- IX. hat sich dahin ausgesprochen, daß der Vorschlag zurückzu^ «eisen sei, denn die Unterhandlungen mit Berlin dürften nicht mit dem Akte der Erniedrigung von Seiten eines

nommen, und die auch j-desmal die Velföhnung zwischen Großvater und Enkelin vermittelt hatte.

Mit ihren ernsten Entschließungen und guten Vorsätzen war eS nun auch wieder schnell vorbei. Ihr gewöhnlicher Leichtsinn erhielt schnell von Neuem die Oberhand, da er eS war, der über Angst und Bangigkeit leicht hinwegsührte und sie abhiclt, die Folgen ihrer Leichtfertigkeit ernstlich zu bedenken. Absichtlich verweilte sie bald hier, bald dort, damit sie nicht zu frühzeitig die Base störe und diese nicht Uarath merke, ehe sie noch die Nothlüge, wie sie meinte, angebracht, die sie unterwegs meisterlich einstudirt.

Endlich aber gelangte sie doch zur Stadt und stand bald vor der Wohnung der Bas'. Unten im Hause der­selben standen Kisten und Kasten gepackt und säst hatte e« den Anschein, al« wollte die gute Frau zu Mark e ziehen. Mit dem freundlichsten Gesichte von der Welt betrat'ht das Zimmer, und als die Bas' ihre Verwunderung über den frühen Besuch aussprach, rück e die Maid mit dem feingksponnenen Gewebe ihrer Lügen hervor und erzählte der Bas' mit möglichster Unbefangenheit, wie sie mehrere Tage der kranken Pfarrerstochter Margarethe etwas auf- g-wartet und als es schlimmer geworden, Nachts am Bette bei ihr gewacht habe, da die Pfarrerin vom langen Wachen selbst unpaß gewesen, jetzt aber wieder wohlauf sei. Da habe ihr nun der Großvater einen Trg frei gegeben, um sich zu erholen, und sie gedächte diese Zeit nicht b.fler und nützlicher anwendev zu können, als wenn sie ihrer lieben Bas' in der Stadt einen Besuch abstatte.

Die von Herzen guthmüthige Base nahm natürlich Kächi'S Worte baare Münze und sagte ihr unter 8 iberem, daß ft zu einer gelegneren Zeit nicht hätte kommen können, denn sie habe alle Hände vollauf zu thun, da ihr HauSmann, der lediglose Bastian Stailing der vor wenig Wochen majorenn geschrieben und sein Erbtheil

Tagesbericht.

Der Kronprinz reist Freitag Abend nach Darmstadt, von dort nach Karlsruhe, von wo er den Kaiser nach dem Elsaß begleiten wird. Der Kaiser trifft am 28. d. MtS., von Wiesbaden kommend, in Darmstadt ein und reist nach kurzem Aufenthalt noch am nämlichen Tage nach Karls­ruhe weiter.

Der Hirtenbrief des Bischofs von Regensburg, in welchem auf die allgemeine Bewegung der Katholiken des Erdbälle« zu Gunsten der Uiabhängikeit de« PapstihumS hingewiefm wird, soll, wie wir hören, zu Reclamationen von Seiten der preußischen Regierung bei der bayerischen geführt haben.

Die Rede des Feldmarschalls Moltke hat selbstverständ­lich in Frankreich die größte Sensation erregt, indeffen nehmen die Franzosen die Mime au, als ob die fragliche Siede nur der friedlichen Politik der deutschen Regierung lsttSdruck gegeben habe. Die Seußerungen Molike« über die ungeheuren Summen, die das französische Militärbud- get verschlinge, werden von der französischen Priffe, tobt geschwiegen, offenbar in der Absicht, um nicht die Miß­stimmung über die französische HeereSorganisation, die in »eiten Schichten deS französischen Volke« vorherrscht, zu vermehren. WaS die französische HeertSorganisation selbst an« betrifft, so ist dieselbe allerdings, im Wesentlichen durchge- sühit, insofern die Cadre« für die einzelnen Waffengat­tungen hergestillt sind, aber die Summe der Mannschaften die dadurch repräsenttrt wird kann unS im Mindesten nicht nschrecken, da die französischen Soloaten, welch« jene Dtbre« auSzusüllen bestimmt sind, zum großen Theile noch auf dem P -Piere stehen, mindesten« aber nicht hinlänglich ausgebildet sind, um den «nforderungm zu genügen, die «Kriege an sie gestellt werden Die französische Linien« atmet würde erst im Jahre 1879 die Z hl der vollständig

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erhalten habe, gesonnen sei nach Amerika auSzuwrndern und am Samstag seine Reise anzutreten gedächte. Da sei nun der Besorgung viel auc ihrem Halse und de« Laufens und R nnenS nehme gar kein Ende. Ihre ganze Wirth- schaft, meinte sie, blieb« dabei liegen und Käthi möge sich doch vor allen Dingen anschicken, ihr HanSwesen wieder in die Reih' zu bringen. Bereitwilltgst übernahm die Maid diesen Auftrag und suchte sich den Beifall der Base zu verschaffen. Ab und za fragte diese nach der Krankheit der armen Margareth und Kärht erzählte, wa» sie darüber gehört. Vom Tode derselben wußte sie kein Sterbewort und doch war der Fall schon in der Stadt bekannt.

Da trat, die kurze Stummelpfeife im Mund«, der Tuchmacher Sebastian Stailing in'« Z mmer und verwun­derte sich nicht wenig, so früh« schon eine Gehilfin bei seiner Wirthtn anzutreffen, die emsig schaffte und nicht «ufzuschauen wagte. Wohl kannte er Käthi und diese ihn, doch hatten sich beide lange nicht gesehen und waren sich aus den Augen gewachsen. Nach flüchtigem, von Käthi kaum erwidertem G uße, nahm er da» Wort und erinnerte die Lase, es doch nicht länger anstehen zu laffrn und nach dem Verkauf seines Webestuhls sich umzuthun. Da hatte aber der Bastian Oel in'« Feuer gegriffen. Ob er denn nicht ein paar Augen im Kopfe habe, um zu sehen, wie sie fichs angelegen sein lass/, fett g zu werden, kreischte die Alt«. Ob er denn vielleicht dächte, sie sollte seinet­halben ihre Sach' noch gar vernachlässigen und zu Grunde richten und den Leuten zum Gespött werden, wegen feine« PlnnderS, den Niemand gesche kt haben m6Je, geschweige benn umS Geld, und noch dergleichen RedenSartm erbaulicher fielen, wenn die Base einmal im Zuge war.

(Fortsetzung folgt.)

eilgelaufenen Depeschen lasten in den Bezie- Hungen zwischen Rußland und England manchen Punkt als dunkel erscheinen. Das Conseil in London kommt offenbar schwer zu einem Entschlüsse über die Antwort aus daS russische Cirkularschretben und eS scheinen gleichzeitig Vorbereitungen gettoff m zu werden und jden Augenblick tu die Entwicke

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«erben von den allen Postanstalten, sowie Marburg von der unterzeichneten Expedition ent«

Käthi, deS Schultheissen Enkelin.

Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau-

(Fortsetzung.)

Bange Ahnungen erfüllten die gepreßte Brust der Maid, tat Herz war ihr so btt ommen und schwer und ihre Augen schwammen in Thränen. Sie gedachte daran, wie glücklich sie noch am gestrigen Morgen ihr Lager verlaffen und wie ganz anders sich Alles heute gestaltet. Aber bald derscheuchte wieder der Gedanke an Gotthold den Trübsinn Kiihi's und zauberte das wunderliebltche reizende Lächeln «s ihre Wangen zurück und gab aui's Neue ihrem Antlitze die wunderbare Verklärung himmlischer Liebesseligkeit.

«rtcheint täglich außer den Werttage» nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage3«e|hrtrtei t>ea«tag«llttt durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker«i) bezogen «art, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« 2 «art 5» Pfg. <«xl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespalten« Heile 1» Ufa. Für in der Expedition zu ertbeilende AvSkunst und Annahme von Adresse» werden 85 Pfg. berechnet.

«juetgen nimmt entgegen: u. fcpebttion d. Blatte«, die Ännoncen-Bureaux

Th. Dietrich & So- » aaffel und Hannover; DH- Urich in Frant^rt-.M- : figafenfleut & Bögler in

Anzeigen nimmt entgegen: die EÄedition d. Blatte» sowie die Annonren-Bureaux von ® 2. Daube & Co. in Rrantpirt a. w«.: Jägers che Buchhandlung in Framfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete» meyer in Berlin; Earl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

«mit es nicht genäßt würde vorn Morgemhau, wenn sie durch dir Wiesen dahineilte, und schritt mit dem festen Vorsätze, künftighin ihre Flatterhaftigkeit nid ihren ange- htenen Leichtsinn zu bekämpfen und zu beherrschen, dem Dorfe zu. Aber noch ift sie nicht sehr weit gekommen, da kgtgntt ihr deS Heinzelbauers Magd, die frühzeitig zur Stabt Milch tragen will, und sie erzählt der Käthi, wie kt Schultheiß im Hause gleich einem Befcstenen hetnwtobe ttb w e deS Fluchens Mn Ende nehme und daß er ge- totutn fei, ein strenges Gericht mit der Enk.ltn zu halten. Mtft Rede erfüllte von Neuern die Brust Käthi's mit Ncht und Schrecken, obgleich sie es der Magd nicht merken sondern lustig und guter Dinge und ohne ders lben Leiter Rede und Antwort zu geben, den Rück n kehrt, und tatn andern Weg einschlägt. Ihr Entschluß stand jetzt

Nicht zum Großvater zum Dorfe zurück, sondern zur Midi will st; j-tzt. Dort wohnt die Bas', von der sie «M oftmals ihrer losen Streiche «egen in Schutz ge«

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Anlaß desselben ist nämlich kein geringerer al- der vor drei Monaten erfolgte Tod des Verwalters feiner Güter. Man steht, daß die russischen Osfiziöfen in solchen Dingen besonders ungeschickt sind.

Die Ruffen, die am 24. April etwa in der Stärke von 17,000 Mann den Pruth überschritten haben, werden wohl noch zehn Tage brauchen, um mit ihrer ganzen Armer auf rumänischen Boden zu stehen. Allen Anzeichen nach wird der Uebrrgang über die Donau an dem unteren Lauf ftattfinden, wie dies in den früheren Kriegen eben­falls der Fall war. Die Türken haben z. Z. die auf dem linken Ufer gelegenen, für sie wichtigen Positionen noch nicht eingenommen, auch steht es fest, daß ste offensiv nicht vocgehrn, vielmehr die Ruffen in ihren festen Stellungen erwarten werden. Die Rumänen haben alle ihre Reserven einberufen, nm sich gegen eveutulle türkische Uebersälle zu sichern, ob st- aber mit den Russen gemeinschaftlich gegen die Türken kämpfen werden, ist sehr fraglich.

Wiener Blätter bringen folgende Nachrichten:

Jafsy, 24 April. Da« Streiscorps der Südarmee, welches die Avantgarde derselben bildet, überschreitet seit heute früh bei Skuljane und Lrova den Pruth und besteht aus 9000 Mann Savotog'schen Kosaken und 24,000 Kau­kasiern. Die R-gim-liter Orlow und Lewys, welche die Grenze zuerst Überschritten, rückten al-ich in der Richtung gegen Galatz weiter. Hütte überschritten auch Truppen des achten Armee-Corps, General-Lieutenant Radezkij, näm­lich die 8. Cavallerie-, die 9. Infanterie- und ein Theil der 14. Infanterie - Division bei Skuliane den Pruch. Vier Escadronen des 8. Kofaken-Regiments durchschwam­men unterhalb der Brücke von Sku jane den Pruth. Das achte Armeekorps wird innerhalb acht Tagen, bei Birlad konzentrirt fein. Der Czar hat bei G legeuheit der Truppen- Revue dem Armee-Kommandanten Großfürsten NckolauS da« jus gladii et gratiandi, da» Recht der Beförderung bis zum General Lieutenant und die Verleihung der Orden feierlich übertragen. Gerüchtweife verlautet, daß drei tür­kische Kanonenboote in den Szereth bei Barboschi einge­laufen sind; dieselben beabsichtigen, die Szerethbrücke zu zerstören.

Zar Beruhigung der Hauptstadt, welche einen Uebersall der Türken fürchtet, giebt der offiziöseRomanul" die Gefammistäcke der türkischen Arme« an der Donau nach verläßlichen Informationen wie folgt an: Widdin und Umgebung 40,0u0 Mann, Sistow 6000 Mann, Rustfchnk nebst Umkreis 15000 Mann, Turtukai Olteuizza 8000 Mann, Silistria 18,000 Mann, Taltscha 6000 Mann, Sulina 6000 Mann, in und um Schumla 20,000 Mann, zusammen 119000 Mann.

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Merhessischk Zeitung

nebst

ZlWrirtem Sonntagsblatt

aeaengenommen.

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