Marburg, Freitag, 27. April 1877
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Aber e* trübte sich ihr Blick, als ste fitzend blümten grünen Rande des Erlenbach* ihr Bild Silberspiegel der langsam dahinfließenden k-aren beschaute — da vermißte fie den jangfriulichen vom Mieder, er war verloren und nimmer kann
jurückerhalten l — Still und traurig saß ste da und dachte m die Vergangenheit, und erinnerte sich mit Wehmuth eines Liedes, das sie oft mit den Zuzendspielinnen und Näzden des Dorfes gesungen, wenn sie an schönen stillen Abenden unter dem großen Nußbaum vor des Großvaters Thür gesessen. Wie schön war es damals, wie hrster das
seligkeit auSgegosten. War ste sonst schon das schönste Mädchen auf weit und breit in der Runde, heute war sie noch um vieles schöner. — Ihr ganze« Wesen athmete L ebreiz, und Gehobenheit der Stimmung in der Erinnerung der erlebten süßen Stunden hingebrnder Liebe.
Al« der Tag zu grauen ar-fiag, führte Gotlhoid leise und vorsichtig die Maid auf dem nämlichen Wege zurück durch da« Scheunenthor in der Pachtung. — Folgen wir lieber der Maid und begleiten diese auf dem Weg« zum Dorse, vielleicht gelingt es uns hier, fie zu belauschen und aus ihrem Selbstgespräch der Quelle jener Seufzer, die so tief und schwer von Zeit zu Zett ihrer Brust entstelgm, auf die Spur zu kommen.
Am stillen Erlenbusch vorbei fließt der Dorsbach, besten klares, spiegelhelles Wast-r da- Rad der Hüttenmühle in Bewegung setzt und zu regem Fleiß und betriebsamer
Die »Agence HavaS" meldet: Die Pforte richtete an die Mächte eine lange Circular-Depesche als Antwort auf das russische Manifest und die Circular-Depesche deS Fürsten Gortschakoff. Die Pforte sucht darin nachzuweisen, daß die Türkei Rußland in keiner Weise zum Kriege provocirt habe; ste erinnert an die «nstrmgangen, die ste gemacht, das LooS der Christen zu Verbestern und den Mächten Genugthuung zu geben, und fügt hinzu, daß ste den rus« fischen Antrag nicht verstehen könne und daher den Pariser Vertrag anrufe und an die Medtatton der Garantiemächte appellire.
Telegraphisch wird noch gemeldet:
Wien, 25. April. Der Krakauer CzaS meldet, der Czar habe au« seinem Privatvermögen 200 Millionen Rubel für Kriegszwecke gegeben. (Der CzaS ist von allen pol« nifchen Zeitungen ein höchst unzuverlässtgeS Blatt. D. Red.) Aus Konstantinopel wird der Neuen Fr. Preste gemeldet, die Pforte habe ein Rundschreiben erlassen, worin die Vermittelung der Mächte in Anspruch genommen wird. Der Preste zufolge begiebt stch der österreichische Botschafter Graf Ztchy demnächst auf seinen Posten nach Konstantinopel zurück.
Jassy, 24. April. Bis heute Mittag waren 36 Eisen- bahnzüge mit 15,000 Mann russischer Truppen hier eingetroffen. Dieselben sind sofort «etter gerückt. 45,000 Mann folgen nach. Von allen Seiten wird der Masteneinmarsch dec Rusten gemeldet.
Orsowa, 24. April. Gerüchtweise verlautet, daß die Türken Kalasat besetzt haben.
atm, omi, leister, •ause,
theker, jeher,
ste machen würde, aber nicht den Fall, daß die Pforte die Forderungen Europas zurückweisen würde. Zur gleichen Zeit ist durch die Declaration, welche Lord Derby zu dem Protokoll abgegeben hat, constatirt worden, daß, da die Regierung Ihrer Majestät der Königin von England nur im Hinblick auf die Jnteresten deS allgemeinen Friedens in die Unterzeichnung des Protokolls gewilligt hätte, e« stch von vorn herein verstünde, daß in dem Falle, wo dieser Zweck nicht erreicht würde, nämlich die gegenseitige Abrüstung und der Friede zwischen Rußland und der Türkei da« Protokoll alS null und nichtig betrachtet werden solle.
Die Ablehnung der Pforte und die Motive, welche ihr zu Grunde liegen, lasten keine Hoffnung, daß die Pforte den Wünschen und Rathschlägen Europas entgegenkommen werde und schließen auch jede Garantie dafür auS, daß die für die Verbesserung de« Loses der christlichen Bevölkerung ins Auge gefaßten Reformen zur Ausführung gelangen. Sie machen auch den Frieden mit Montenegro und die Ausführung der Bedingungen unmöglich, unter denen die Abrüstung und Pacificalion herbeigeführt werden könnte.
Unter diesen Umständen ist jedes Gelingen eine» AuS- gleichungSversucheS ausgeschlossen, und eS bleibt nur die Alternative, entweder den Zustand der Dinge fortdauern zu lasten, welchen die Mächte als mit ihren Jnteresten und denen Europas für unerträglich erklärt haben, oder zu versuchen, durch Zwangsmittel das zu erreichen, was von der Pforte auf dem Wege der Verständigung zu erlangen den einmüthigen Anstrengungen der Mächte nicht gelungen ist.,
Mein erhabener Herr hat befchlosten, da* zu unternehmen, wozu Seine Majestät die Großmächte aufgefordert hatte, in Gemeinschaft mit ihm thäthig zu sein. Seiue Majestät hat seinen Armeen Befehl gegeßen, die Grenzen der Türkei zu überfchrelten. Sie vollen diesen Beschluß zur Kenntniß der Regierung bringen, bei welcher Sie beglaubigt stod.
Indem mein erhabener Herr diesen Schritt thut, erfüllt er eine Pflicht, welche ihm durch die Jnteresten Rußlands auferlegt ist, besten friedliche Entwicklung durch die bestehenden Wirren im Orient gehemmt wird. Se. Majestät hat die Ueberzeugung, zu gleicher Zeit den Anschauungen EurcpaS zu entsprechen, gez. Gortschakoff.
In verschiedenen Blättern begegnen wir einer Nachricht auS Wien, wonach die österreichische Regierung sich mit Rußland bezüglich einer Cooperation gegen die Türkei geeinigt und zunächst befchlosten habe, 5 Armeekorps zu mobi- ltstren. Diese Nachricht wird UNS von unterrichteter Set e als durchaus grundlos bezeichnet. Oesterreich beharrt zunächst in seiner bisher eingenommenen erwartenden Stellung.
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»erlitt, 25. April. Die gestern bei der EtatSbe- rachung (Kap. 24, Ttt. 1, betr. die Mehrforderung für 122 Hauptmannsstellen) im Reichstage von dem Grafen Moltke gehaltene Rede hat folgenden Wortlaut: „Meine Herren! Tie in Rede stehende Maßregel wird deßhalb von vielen Seiten angegriffen, weil, wie uns schon in der ersten Berathung gesagt worden ist, es prinzipiell unzulässig sei, Offizierstellen im Frieden zu bewilligm für Offiziere, welche erst im Kriege nothwendig werden. Darauf ist doch sehr einfach zu erwidern, daß alle Offizierstellen im Frieden bestehen, weil fie im Kriege nothwendig find. (Sehr richtig! Heiterkeit.) E« ist ferner auf den viel schwächeren Frie- denSetat der franzöfischen Bataillone hingewiesm worden; aber man hat dabei vergesten, daß die Zahl dieser Bataillone eine viel größere ist. Die Friedensstärke derselben beträgt 487,000 Mann, während Deutschland doch nicht viel mehr als 400.000 Mann unterhält. Schwache Bataillone find an sich militärisch nicht wünschenswerth; nirgends mehr
für die Monate Mai und Juni auf die
Dderhessische Zeitung
nebst
Muftrirtem Sonniagsklatt
erben von den allen Postanstalten, sowie
532. h bett en. —
Thätigkeit anspornt. Hier finden wir Käthi, kurz nachdem ste Heinau veclaffen, wie sie sich daS schöne voll- Haar glättet und ihren Anzug ordnet, wozu ste in Gotthold's Kämmerlein keine Zeit gefunden. Ihre schönen Augen strahlen in höherem Glanz und auf ihrem frischen, an« muthigen Gesichtchen lag der Zauber unendlicher
sowie die Annonreu-Bureanx Den ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäaer'sche Buchhandlung in Framfurt a. M.; Jnvalidendank, 8L Rete» mryer in Berlin; Carl Schütz- Ire in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnftrirtr« Eountagtblatt" durch die Sietbition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 24 Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu erthrllende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.
«Lthi, M Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.
(Fortsetzung.)
Da vermochte Pfarrer Hunold nicht länger an sich zu kn, er hielt dem Schultheißen eine derbe, eindringliche rafpredigt ob seiner harten SinneSmeinung und sagte t, daß sich die Eltern Käthi'S im Grabe um wenden ßien und man mit Fingern auf die Dirne weisen würde, «i der Großvater die einzige Enkelin den Händen der >lizei ausliefere. Keineswegs billigte er die HandlungS- ^e Käthi'S, aber nicht ehr und pflichtvergeffen fei sie, r jugendlich leichtsinnig und ihrem Naturell zufolge, « etgeuthümlichen Individualität nach lebhaft uud ve- 'glichen Sinnes. An ihren lelchtflnnigen Handlungen, t® mögliche Folgen die Jugend nur selten tu Bettacht st, sei er aber gerade zum großen Thetle selbst schuld. tt aus Furcht vor seiner allzugroßen Strenge sei das idchen nicht zurückgekehrt und suche nun wahrscheinlich * Zuflachtstitte in der Stadt, um seinen Mißhandlungen tntgrhm. Er solle, so schloß und riech der Pfarrer, 1 Sache noch ein paar Tage abwarten; nach Beerdigung «Kinde« wolle er dain mit ihm gemeinschaftlich Maß- tln ergreifen, sollte die Entlaufene bi« dahin noch nicht * Hau« zuiäckgekchrt fein.
Dem Schultheißen war'« nicht nach seine« S nne, daß Pfarrer ihm nicht in die Hand arbeitete, sonder« so •ibe Saiten aufzog; doch ließ er stch bereden und ver- ta*, noch einen Tag oder zwei zu verziehen.
Der aber beim H-imkehren deS Schultheißen an deffen «« gegangen wäre, der hätte sattsam die Flüche und Nvänschungm hören können, die er tu den Bart mur
M und welche der «ngerathmen Enkelin galten.
Leben der reinen sorglosen Jugend, der unbefleckten Tugend l —
Leise lisp-lte sie da« Lied über ihre frischen Lippen und nur die herbstlichen Blumen auf dem Rain, die fllberklaren Wcllchen de« Bach« vernehmen die schwermüthige Melodie dkffelben. — Du aber, lieber Leser, verehrte schöne Leserin, sollst das Liedlein auch kennen lernen, für Dich schreib' ich eS hierher:
In der Wellen klare» Spiegel Hab' ich oft mein Bild geschaut: Sah'S — mein Herz verschloß ein Siegel, Und mein Auge war bethaut. —
Aus deS Lockenkranzes Fülle Nahmst Du mir das schönste Paar! Mann der Laune, Mann der Grille, Dem ich einst das Liebste war! — Gib zurück mir meine Locken, Ach, Dein Eid ist längst verletzt! Einst hast hoch Du über Alles — Ueber Gold Du mich geschätzt!
Jetzt umflattert eine And're Dein verliebter, eitler Sinn! Gleich ist Dir es, ob ich wand're, Weil Dein Lieb ich nicht mehr bin. — Fahr mich über, schöner Schiffer, Dort am Strande wohnt mein Lieb! Nimm zum Lohne dieses Halsband, E' ist das letzte, was mir blieb. — Doch der Schiffer will nicht lenken, Solch' ein Lohn ist ihm zu klein; All sein Trachten und sein Denken Ist der Strauß am Busen mein. — Schöner Schiffer, laß Dir's sagen: Dieser Strauß ist nicht mehr mein; Ist verschenkt in besser'n Tagen In deS Liebsten Kämmerlein! —
(Fortsetzung folgt.)
Nachstehend theilert wir noch da« Rundschreiben de« testen Reichskanzler« Gortschakoff an die russischen Bct «ster in Berlin, Wien, Paris, London und Rom mit:
Das kaiserliche Cabinet hat mit dem Beginn der orien- tstein- j^en Krise alle Mittel in seiner Gewalt erschöpft, um ter Mitwirkung der Großmächte eine dauerhafte Parisi-
währ- 0« di- »imoncen-Bureaux „ Dietrich & Co. in
ungen Hannover; Th.
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Berlin, Fraiüfilrt a.M. re.
tiou der Türkei herbeizuführen. Alle in Folge deS >ischm den Cabinetten der Mächte hergestellten Einver- nrnifse« der Pforte nach und nach gemachten Vorschläge >d jedoch auf unüberwindlichen Widerstand der Pforte stoßen. DaS am 19/31. März dieses Jahre« in Son- n unterzeichnete Protocoll war der Ausdruck deS Ge- »mtwillen« Europas. DaS kaiserliche Cabinet hatte dazu l zu einem letzten Versöhnungsversuche die Hand ge« tat. Dasselbe hatte durch eine dem Protokoll beigege- ge Declaration von demselben Tage die Bedingungen zeichnet, welche, wenn ste loyal und aufrichtig von der ckischea Regierung angenommen und auSgeführt wurden, eignet waren, die Wiederherstellung und Befestigung de« jeden« herbeizuführen. Die Pforte hat mit einer aber« tilgen Ablehnung darauf geantwortet.
Diese Eventualität war von dem Londoner Protokoll $t in« Auge gefaßt worden. Europa hatte, indem e« nt Wünsche und Entschließungen formulirte, stch darauf öchränkt zu bestimmen, daß die Großmächte, falls ste in ir Hoffnung stch getäuscht finden sollten, die Pforte die ir Berdefferung der Lage der christlichen Bevölkerung Kimwten und einmüthig al» für die Ruhe Europas als tolißlich erachteten Maßregeln mit Energie zur AuS- itrntg bringen zu sehen, stch vorbehielten, gemetnfam die tttel zu bezeichnen, welche sie für geeignet halten würden I Wohl der Bevölkerung und die Jntereffeu de« ölige« ritten Friedens zu sichern.
So hatten die Cabinette den Fall vorauSg'sehen, daß ! Psv'te die Versprechungen nicht erfüllen würde, melde
larburg von der unterzeichneten Expedition ent- «engenommen.
Die Exp. d. Oberh. Ztg.