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Marburg, Donnerstag, 26. April 1877

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WerheflHe Jritimg.

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1867, allen ands.

Verfolgung seiner Stege abzuhaltrn, jedoch ist da- Alles nur unter der einen Voraussetzung möglich, daß Deutsch­land hierzu seine Zustimmung girbt. An dem Eintritt dieser Voraussetzung dürfen wir aber zweifeln, weil dies einer völligen Verzichtleistung auf seine mit schwerm Opfern errungene Machtstellung in Europa gleich käme. So lange der russisch-türkische Krieg localistrt bleibt, wird Deutschland nicht aus seiner Reserve herauStteteu, wenn aber Oesterreich in die Aktion tritt und Anspruch erhebt, die Entscheidung in den Ortentangelegenheiten zu geben, so wird auch Deutschland so bescheiden sein, einige Wünsche gegenüber Oesterreich zu äußern. DaS Blut, welches in Strömen auf der Balkauhalbinsel fließen wird, darf nicht vergebens vergossen sein; die Lage der christlichen Bevöl­kerung muß unter allen Umständen verbessert werden, und wenn dies nicht anders geschehm kann, als daß die Zahl der Kleinstaaten slavischer Nationalität vermehrt wird, so muß man eben in die Bildung solcher Staaten willigen. Das civtlisatortsche Interesse muß allen anderen Sonder­interessen vorangestellt werden und ein dauernder Friede kann eben nur dadurch erzielt «erden, daß die Christ« in der Türkei den Muselmännern gleichgestellt werden. Ist diese Gleichstellung unmöglich unter der Herrschaft des Halbmondes, so muß eben diese Herrschaft gebrochen wer- dm, und Deutschlands Sympathien werden immer auf Seite derjenigen Macht stehen, weiche diese Zwecke verfolgt, die Politik der österreichischen Regierung wird daher auf die Wünsche Deutschlands einigermaßen Rücksicht nehmen müssen.

Anzeige» nimmt entgegen: die EÄrditto» d. Blatte» sowie die Aimoneen-Bureaur mm <8 L. Daube & So. in

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rmläsflger Quelle stammt, kann eS sich dem Vorstehenden qenüber nur um den Unterschied zwischen Designation Id Berufung handeln.

Wie wir schon immer betont haben, wird die Haltung er österreichisch-ungarischen Regierung für den AuSgang 6 russisch-türkischen Krieges entscheidend fein. Hätte )tsterreich sich zur Verständigung mit Rußland herbeige« issen und letzterem gestattet das türkische Festungsviereck l umgehen und seine Heere an der österreichischen Grenze

Frenckfuri a. M.: Jäger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. SR.; Jnvalidendan!, A Siete* meyer in Berlin; Carl Schütz*

(et in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

nie die Annoncen-Bureaux nt Th- Dietrich & So. in Strf und Hannover; Th KchinS?anktzrta.M.; «n L Bögler in

11 ich Dienstag Mittag nach dem auswärtigen Amt, wahr- m heinlich zu dem Zweck, die Circulardepcsche deS Fürsten ... Hortschakoff mitzutheilm.

Die Journal-Nachrichten, nach welch« die Ernennung » m Prinzen Reuß zum Botschafter in Konstantinopel voll " *e. Mtn fei, sind verfrüht. Allerdings wird bestätigt, daß er bisherige Botschafter, Baron Werther, in Ruhestand ritt und Prinz Reuß für den Fall ter Widerbesetzung in wstcht genommen sei, doch ist über den Zeitpunkt, wann str Botschafterposten in Konstantinopel wieder besetzt wird, wch nichts bestimmt. Die Uebernahme der Vertretung kr russischen Unterthanen in der Türkei durch Deutschland t14 B In dem Bewußtsein der mit dieser Aufgabe verbundenen f870 Hwierigkeiten erfolgt.

Da unsere gestrige, hierauf bezügliche Nachricht auS

Käthi, tzeS Schultheiß« Eukeli«.

Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

, Pfarrer Huuold stand eben einen Augenblick am offmm Oer und schaute mit nass« Augen die Dorfgasse ent» ®8- Er brachte heute den ersten Biss« über seine Lippen * saft wäre ihm dieser im Munde steck« geblieben, als 1 »iebet hinausblickte und die hohe, breitschulterige Figur ? blinden Schultheißen gewahr ward, der mit seinem sich tappend den Weg suchte und justament auf das WtthauS lossteuerte. Jedermann bog fast sch« zur Seite, Ma in dem Angesicht des Schultheiß« zuckte eS wie Mnleuchten, Wuth und Ingrimm entstellten dasselbe und ^großen tobten Lugen rollt« in ihren Höhl«, daß eS 2*® fast unheimlich in feiner Nähe ward. Jetzt hatte g^ie Pfarre erreicht, auf den wenigen Stiegen, welche zur Mr hinaufführten. wandte er sich und versetzte dem ihm senden Sptzhund einen Schlag, daß dieser Heulmd davon- Mg. Dann klopfte er mit gewichtiger Hand an die Ar des Zimmer-, in welchem der Pfarrer sich befand. Rn öffnete und der Schultheiß trat ein.

^.Grüß Gott, Herr Pfarrer 1" begann er mit feiner Neu tiefen Baßstimme zu sprechen; »Gott hat Euch Ar letztes Kind genommen und Beelzebub, der Oberste ^Teufel, mir die Enkelin, meine Käthi! Ich wollte Tätlich den Fried« und dm Schmerz Eures Hauses nicht stören, aber eS ließ mir keine Ruhe und meine Brust f ixier zum Zerspring« voll, ich muß mir Luft ver-

und Kühlung, dmn auch im Kopse wirbeltS und

gemacht, um die Pforte zu Reform« zu veranlassen, welche die Christ« in Bulgarien, Bosnien und der Herzegowina sicher stellen konnten vor der Willkür der Localbehörden. Die Ausführung dieser Reformen ging in absoluter Weise auS dm früheren Verpflichtungen hervor, welche die Pforte feierlich dem gesammten Europa gegenüber eingegangeu war. Unsere Bemühung«, obwohl unterstützt durch diplomatische Vorstellungen, welche in Gemeinsamkeit mit anderen Mächten gemacht wurden, haben indessen das gewünschte Ziel nicht erreicht. Die Pforte ist unerschütterlich geblieben in der kategorischen Zurückweisung jedweder Garantie für die Sicherheit der Christen, sie hat die Beschlüsse der Confermz von Konstantinopel abgelehnt, welche von dem Wunsch geleitet war, alle möglichen Mitte! der Versöhnung anzu- wend«, um die Pforte zu Reformen zu bewegen. Wir haben dm anderen Mächten vorgeschlagen, eia Special- Protokoll abzufassen, welche» die wesentlichsten Bedingungen der Confermz in sich begreift, und die Pforte aufzuforderv, sich diesem internationalen Arte anzuschließen, welcher die äußersten Grenzen unserer frievlichen Forderungen bezeich­nete. Unsere Erwartung indessen hat sich nicht erfüllt. Die Pforte hat dem einstimmigen Wunsche deS christlich« Europas nicht nachgegeben, sie hat dm Beschlüssen deS Protokolls sich nicht angeschlossen. Nachdem wir so alle friedlichen Bemühungen erschöpft haben, sind wir durch die hochmüthige Halsstarrigkeit der Pforte genöthigt, zu ent­scheidenderen Acten überzugehen. DaS Gefühl der Billig­keit, daS Gefühl unserer eigenen Würde legt uns dies gebieterisch auf. Durch ihre Ablehnung hat uns die Pforte in die Nothwendigkeit versetzt, zur Waffengewalt unsere Zuflucht zu nehmen. Auf da» tiefste überzeugt, von der Gerechtigkeit unserer Sache und indem wir in Demuth uns der göttlichen Gnade anvertrauen, lassen wir unsere treuen Unterthanen hierdurch wissen, daß der Augenblick, welch« wir vvrauSsahm, al» wir jene Worte sprachen, auf welche ganz Rußland mit so großer Einmülhigkeit antwortete, daß dieser Augenblick nunmehr gekommen ist. Wir hatte« die Absicht ausgesprochen, selbständig zu han­deln, jobald wir eS für nothwendig halten {ölten, und die Ehre Rußlands eS erfordern sollte. Indem wir heute den Segen Gottes auf unsere tapferen Armeen herabflchen, er- theilm wir ihn« dm Befehl, die Grenze der Türkei zu überschreit«. Gegeben Kischmeff, 12. (24.) April deS Jahres der Gnade 1877, im 23 Jahre unserer Regierung. Gez. Alexander."

Erscheint täglich außer bat Werktage» nach Bonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage3l«fhrtrte» L»UUta,S»latt" durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 8fr «ar», durch die Postämter deS Deutsch« Reiches 3 Mark 60 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnfettionSgebühr für die gespaltme Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und »nnakme von Ldresteu «erd« 35 Pf,, berechnet.

«über durch Serbien nach Thracim und Konstantinopel 11 dirigiren, so wäre der Sieg den Russen ohne große hier verbürgt. Aber Oesterreich hat jede« Gedanken «r Cooperation mit der slavischen Macht weit von sich «liefen und die Sprache der Organe dcS Wiener Cabi- M läßt keine Zweifel übrig, daß Oesterreich weder terri- »riale Eroberungen im Orient durch Rußland, noch faatenbilbungen auf der Balkanhalbinfel zulassen wird, Ache durch Petersburger Entschlüsse hervorgerrusen wer- offen Rußland würde also, selbst wenn es auS dem Kriege " ' nt bet Türkei als Sieger hervorginge, in diesem Kriege int Lorbeeren etnbten, wenn auf Oesterreich ankäme, nb die Lage der christlichen Bevölkerung wäre nach dem ---- kriege fe ziemlich dieselbe, wie vor demselben. Wir wollm aufen w zwar nicht leugnen, daß Oesterreich die Macht dazu ixped. ßv, Rußland in dm Arm zu fallen, und dasselbe von der 1063

Das erwartete Kriegsmanifest des Kaisers von Rußland ist erschienen und die von dem Kaiser an die Südarmee gerichtete Ansprache (s. unten Kischeneff) sind Thatsachm, die die Situation zur Genüge kennzeichnen, eS ist bereits der Kriegszustand, mit dem tu» jetzt ab zu rechn« ist.

DaS Manifest des Kaiser» Alexander lautet: »Unsere treuen Unterthanen kenn« daS lebhafte Interesse, welches wir beständig den Geschicken der von der Türkei unterdrückt« christlichen Bevölkerung gewidmet haben. Unser Wunsch, das LooS derselben zu verbessern und zu gewährleiste«, wird von der ganze« russischen Nation ge- theilt, welche sich nunmehr bereit zeigt, neue Opfer zu bringen, um die Lage ber Christen in der Balkanhalbinsel zu erleichtern. Gut und Blut unserer treuen Unterthanen ist uns immer theuer gewesen. Unsere ganze Regierung bezeugt bie beständige Sorgfalt, Rußlanb bte Wohlthatm de» Friedens zu erhalte«. Diese Sorgfalt hat uns unauf­hörlich seit Beginn der traurigen Ereignisse in Bosnien, der Herzegowina und Bulgari« beseelt. Wir hatte« UNS vor Allem bas Ziel gesteckt, auf dem Wege friedlicher Bei Hand­lungen und im Einvernehmen mit den europitfchen Groß­mächten, unfer n Alliirten und Freunden, zu einer Verbes­serung der Sage der Christen im Orient zu gelangen. Zwei Jahre hindurch haben wir unaufbörlich Anstrengungen im alten Hirne brennte siebend heiß l Ihr wißt, Herr Pfarrer, waS ich de« braven Eltern Kätht'S auf dem Sterbe­bette gelobt habe, zu halten ihr Kind, al» wär'» mein eigen. Ich brauche Euch nicht daran zu erinnern, wa» bie leichtfertige Dirne Euch in bie Hand versprochen, als sie bie Weihe be» Bunde» empfing und auf den Stufen des Altar» kniete. Und wie hat sie'» gehalten? O pfui, der Schande, bie fie gehäuft hat auf ba» greife Haupt be» alten Blinben, der da» Unglück hat, ihr Großvater zu fein! Ich wollte, Gott verzeihe mir dm sündigen Wunsch, fie läge statt Eure» Kinde» auf der Todtenbahre; wäre ich doch bann ber schwer« Verantwortung überhoben, ber Wächter einer ehr- unb pflichtvergessenen Dirne zu sein!"

»Zwar klingt mir Eure Rede nicht ganz fremd, Schultm- MatheaS," erwiderte der Pfarrer, nachdem der Schultheiß schwieg unb sich die Hellen Schweißtropfen von der Stirne wischte,öfter schon kamt Ihr ja hierher, Euch über Eure Enkelin zu beklagen und Rath'» zu erholen, wie Ihr das Mägdlein meistern könntet. Allein heut' weiß ich Eure Worte nicht recht zu deuten, denn ganz absonderlich ist heut' Eure Sprache. Laßt'» bewenden heut'! Ihr seid auf­geregt, und kommt ein andermal, dann steh' ich Euch gern Rede und halte nicht zurück."

Schenkt mir nur noch einen Augenblick Gehör, nur ein paar Worte hört noch an!" sagte Schultm - Matheas mit großer Dringlichkeit und etwa» ruhigerem Wesen.Die Sache leidet keinen Aufschub! Denkt nur, 'S Blitzmädel, die Käihi, hat fett gestern zum Spätabend schon das Haus verlass« und ist bis zur Stunde nicht zurückgekehrt. Trotz meines ausdrücklich« und strengen Verbots hat sie es den­noch gewagt, stch hinauf zu machen zum KirmeStanze, allwo

Deutsches «eich.

Berlin, 25. April. Die vereinigten Ausschüsse deS BunveSrathS für Zoll u. Steuerwesen u. für Rechnungs­wesen hielten heute Vormittag 11 Uhr im ReichStagSgrbSude eine Sitzung, in welcher die Aenderung in der Ausstellung der statistischen JahreSnachweise aus Anlaß der Verlegung deS Rechnungsjahres u d der Erhebungen über Zöllner« fie mit oem windig« Sohne des Pächter», oem verDämmten Student«, dem, Gott verzeih' mir die schwere Sünde, der Teufel dafür Zahlmeister sein möge, die Nacht unter wüstem Tollen und Treiben verbracht 1 S' ist zum Gott Erbarmen mit der Dirne! Der böse Keuchhusten weckt mich auf, ich schreie mich schier heiser nach ihr, sie hört nicht, da muß ich endlich aufstehrn, tappe umher, finde Bett unb Kammer leer unb bie Thür be» Hause» verschlossen."

Möge Gott Euch die unchristlichen Worte, bie Ihr ba im Zorne auagestoßen, nicht behalten, Schult« Matheas;" entgegnete mit Milbe unb Sanftmuth ber Pfarrer; bann fragte er:Aber was gebeult Ihr nun anzufangen, um auszukunbfchaft«, wo bie Käthi st ckt, unb wir wollt Ihr ihrer wieber habhaft werd«?'

Ich wollt' Euch schön bitten, Herr Pfarrer," meinte ber Alte,mir ein paar Zeilen aufzusetzen, barlnnen ba» Oberamt Kunde erhält von dem wüst« Treib« be» Mä­del», mit bem'S ja doch kein gute» Ende nimmt! Sep- perl, des Heinzelbauer» Magd, hat fie heut' früh im Sonn- iazSputz der Stadt zuschreit« sehen, und ohne auf ber« Warnung zu hören, hat fie sich in» Fäustchen gelacht, ein Schnippchen geschlagen unb der Magd den Rück« zuge­kehrt. Etwa» Gute» heckt fie dort nicht au», ich möchte darauf schwör«, irgend ein böser Streich wird von ihr unternommen, unb bie schlimmen Folg« davon fallen aus meinen grauen Kopf. Wird nun da» Oberamt zeitig davon unterrichtet, jo fahndet die Spürnase der wachsame« Polizei auf die Maid, ihrem Unwesen wird Einhalt getha«, früher oder später wird fie in Verwahrsam genommen unb nach hier transportirt."

(Forl!etzu»a folgt.)

Tage-bericht.

DerStaatsanzeiger" meldet: Auf Grund der für ;Lg Fall des Abbruches der diplomatisch« Beziehungen xichse« de« Cabinelm von Berlin unb Petersburg ge- [offenen Abmachungen ist nunmehr bie Vertretung ber gteteffen ber russisch« Unterthanen an bie deutsche Bot- iaft und die deutschen Consulate in der Türkei überge- angen. Die kaiserliche Regierung hat sich bereitwilligst es« Aufgabe unterzogen und gerne damit dem zwischen iißland und Deutschland bestehenden freundschaftlichen nhÄmisse von Neuem Ausdruck gegebm.

Der russische Botschafter v. Oubril in Berlin begab