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ZNarKurg, Mittwoch, 25. April 1877.

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©le Reise de« deutschen Kaisers mit zahlreichem mitt' »Irischen Gefolge nach Elsaß Lothringen, die nunmehr fest deschioflen ist, wird in der französischen Presie sicher zu ttiüschfündlichen Kundgebungen Veranlaflung geben, worauf

bestätigt, daß die persische Regierung trotz aller De-rentI» Vorbereitungen trifft, die Verlegenheiten der Türkei zu eige­nem Vortheil auSzubenim.

Großvater das Haupt gestützt in betve Hände und jeden« stlls tu der aufgeregtesten Stimmung ihrer Heimkehr warte.

Jetzt war guter Rath theoer! Unmöglich konnte Gotthold die Auserkorene seine« Herzen-, der er noch vor «'n gm Stundm mit tausend Eiden geschworen, daß er sie liebe und ihr B istaud sein wolle in Freud und Leid« rath- und hilflos von sich stoßen und sie einer Fluth von Schimpf und Schmähreden, ja selbst thätlichen Mißhand­lungen Preis geben. Wohl war auch ihm von früher her, als der blinde Schultheiß noch im Amte war, die Härte und Strenge deffclben bekannt, und ohne in de« Augen khäti'S zu verlieren, war er gezwungen sie in dieser Nacht vor den Mißhandlungen de- streng rechtlichen rauh« Alten zu schütz«. ___

N rch kurzer Ueberlegung machte er Käthi mit dem Entchluß beklnnt, sie mit sich auf die Pachtung seines Vaters zu nehmen, von wo au sie nach einigen Stunden Schlafs mit dem Frühesten in das Haus ihres Großva­ters, befitn Zorne-gluth bis dahin abgekühlt und fene Ausbrüche weniger heftig ausfall« würden, zurückkehren könnte. Anfangs sträubte sich Khäti zwar ein wenig Legen diesen Vorschlag, aber wa« sollte sie thun, die Nacht war kalt und die Maid nahm Lehre an. Sie hielt eS für da» Gerathenste, zu folgen, obgleich sie sth den Anschein gab, als würde dadurch ihrer Jungfräulichkeit Eintrag gethan und dem Zartgefühle ihrer Weiblichkeit geschadet.

AlS sie Heinau erreicht hatten, öffnete Gotthold das Scheunevfenster und führte die zitternde Maid behutsam und leise in den Flur des Hauses. H'-r ließ er sie einen Augenblick allein, um den Schlüssel »einer Kammer an­der Stube des Vater- zu holen, und beide stiegen alsdann nach oben. Niemand im Hause hat'e ihre Ankunft bemerkt, nur der Haushund schlug einigemal au, wurde aber auf ben bekannten Zuruf seine» jungen Herr« gleich wieder

land zu einer maritimen Action gegen Rußland schreitet. Doch würde auch in diesem Falle Deutschland nicht au» seiner Neutralität herauStreten, vielmehr sich nur auf einige Vorsichtsmaßregeln gegenüber möglichen Eventualitäten be­schränken.

Die LondonerDaily New»" erhalten au» Rustschuk folgmden Bericht, den wir unter dem Kittel einer Kuriosität mittheilen:Murad Effendi, ein Wiener Renegat jüdischen Ursprungs, der jüngst zum Gesandten der Pforte in Stock- Holm ernannt worden, hat Weisungen erhallen, sich nach Berlin zu begeben, um eine letzte Anstrengung zu machen, in der elften Stunde die deutsche Politik von der russischen zu Gunst« der Türkei zu trennen. Er solle einen der Söhne de» gegenwärtigen Großvrzier«, der in Berlin seine Studien beendigen sollj, moralisch al» Garantte für die Aufrichtigkeit seine» Vater» verpfänden/ Der Pariser Berichterstatter eine» anderen Londoner Blatte» will von eiternDiplomaten" die Mittheilung erhalten haben,daß ein geheimer Vertrag zwischen Rußland und Deutschland existire. Dem T.xte diese» Dokuments zufolge würde letztere Macht durch ein Stück von Russisch Polen für irgend eine Gebietsausdehnung, die Rußland an der Donau erwerben dürfte, entschädigt werden." Die Erfindung ist zu erbärmlich, al» daß es fich der Mühe verlohnte dieselbe zu widerlegen.

Daß die Kriegserklärung Rußlands an die Türkei noch immer nicht erfolgt, die Rufien den Pruth noch nicht über­schritten haben, ist, wie wir schon neulich angedeutet haben, lediglich auf militärisch-strategische Gründe zurückzuführeu. Die Vorbereitungen aus den Krieg find noch längst nicht vollendet, wozu denn noch der Umstand hinzutritt, daß da­von den Türken bedrohte Rumänien, welche» jetzt entschlossen ist, seine ganze Kraft mit derjenigen Rußland» zu vereinigen, mindesten» noch acht Tage nöihtg hat, um seine Armee cowplet zu machen. Im Uebrigen mehren sich die Anzeichen, daß Die türkischen Va,allen die Gelegenheit wahr zu nehmen suchen, um sich von der Türkei vollständig unabhängig zu machen. So wird un» al» zuverlässig mitgetheilt, daß der Vicekömg von Egypten, welcher wiederholt von der Pforte aufgesordert ist, die Hülfstruppm bereit zu halten, die er im Falle eine» Krieges vertragsmäßig feinem Sou erän zuführen muß, in den letzten Tagen die Forderung der Pforte, Truppen und Geld zu senden, abgelehnt hat, na türlich in der Absicht, die Schwierigkeiten der Pforte für seine Unabhängigkeit zu verwertheu. An ähnlichen Ver­suchen der übrigen Vasallenstaaten an der afrikanischen Küste wird e» nicht fehlen. Buch bezüglich PerstenS wird un»

L>ger sich aufrichkete, um Den Tod, den langersehnten, der schon zweimal vergeblich anj kleine Fenster gepocht hatte, die welke Hand zu reichen.

Da stand leise der P'arrer auf und schritt auf da» Fenster zu, und Gotthold war gezwungen hinabzusteigen, wollte er nicht erkannt sein. Da» Bessere regte sich jetzt noch einmal gewaltig in seinem schon bebeutenb entartet-n Innern. Tausendmal verwünschte er den unselige« Zwist, um deswillen er von seiner Welt, von Margarethen lassen mußte, die ihn so heiß und treu geliebt.

Noch vor wenigen Augenblicken waren seine Gefühle und Empfindungen ganz anderer Art, jetzt hatte er den Tod in seiner ganzen schauerlichen Gestalt vor Augen ge­habt und shweigsam und in sich gekehrt schritt er in der flämischen kalten Nacht auf Heinau zu. Seine Gedanken beschäftigten fich mit Margarethen» züchtigem, sistigem Bilde und Vergleiche mannigfacher Art zwischen ihrer reinen Liebe und Kikhi'S freier Hingabe nahmen ganz Besitz von seiner Seele. Er hatte e» vorgezogen, daS Dorf zu umgehen, und befand fich eben auf der entgegengesetzt« Seite de» selb«, als der Wächter die zweite Morgenstunde abries. Gotthold verdoppelte seine Schrllte, er bedurfte einige Stunden der Ruhe und überdies machte der kalte Wind seine Glieder srösteln.

Wie er so rascher dahineiite und immer noch in Be­trachtungen versunken war, sprang auf einmal, wie ein aufgescheuchte» Reh, Käthi hinter einem Strohschober her­vor und hing im nächst« Augmblicke weinend am Halse ihre» Geliebten. Diesr, erschrock« über da» unvermu- thete Begegnen gab sein Befremd« zu erkmnen, konnte aber vor lautem Schluchzen Käihi's lange keine Antwort von ihr erhalten. Eudlich, nachdem fb sich einigermaßen erholt und beruhigt, erzählte sie unter immerwährenden Thränen, wie ihre Vermuthung sich bestätigt, wie Licht in der Stube ihre» Großvater» sei und dieser selbstwachmd am Tische säße. Unter Thränm schluchzte sie, wie der

>ü>zv! Äleil 1 M. f. an, alle« i do» "zieh. i von

ässe!

17.

I, )6.

Aathi, lei Schultheißen Enkelin.

Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

Durch diese allerdings nicht sehr erbiulich« Betrach, hmgen stumm gemacht, und da der Trübsinn Käthi'» end lich auch auf Gotthold wirkte, und auch dieser verstummt eet, war« beide lautlos bei der Mauer de» Kirchhof» tun Sundelfingen angelegt. Hier mußte geschieden fein, sollten si; der Aufmerksamkeit des Wächter» entgehen, der borgenden Tag» sonst mit beredter Zunge da» Abenteuer in btt KirmeSnacht den Nachbarn zum Besten gegeben hätte. ~ Mit dem Versprechen, den bewußten Ort und die be- llmmte Stunde für den nächsten Abend nicht zu vergessen, riß sich Käthi endlich lo» au» Gotthold'S leidenschaftlicher Ätatmung; noch einen letzten Händedruck, noch einen letzten timtenlangen Kuß und sie schied« bewegt von ein-

Gotthold, unschlüssig, ob er die Dorsgaffe passiren sollte, «neeilte noch einige Augmblicke, bi» die Fußtritte Kilhi'S »«hallt waren. Dann bog er um die Ecke der Maner Ab, ohne e» zu wollen, befand er sich an der Hecke, die ttn Hinteren Garten de» Pfarrer» umschloß. Der düstere Schein eines Lichtes drang durch die halbverhüllten Fenster; Aargarethen» bleiche, abgehärmte Gestalt stand vor seiner Seele und blickte ihn sterbmd noch mit einem Lächeln der Me an. Er bunte ja ihr« Kammer, dm Keim ihrer krankheit: er wußte ja nur z« gut, daß er die Quelle tat Leiven war. Plötzlich tauchte ein Gedanke in seiner Seele auf, den er nicht wieder lassen durfte. Mit BlitzeS- ichvelle schwang er sich Über b« nieder« Zaun, eilte Ater das Fenster und stieg an dem Weingeländer empor, Seg geräuschlos die Ranken auseinander und sah die treueste Freundin, die reinste Liebe, die er im Leb« gehabt hatte, f 1 dem Augmblicke, wo sie zu« letzt« Male von ihrem

Lrntsche« «eich.

Berlin, 23. April. Nachdem die Orientfrage durch dm bevorstehenden Krieg zwischen Rußland und der Türkei in eine neue Phase getreten, haben sämmtliche Großmächte beschlossen, ihre nach der Conferenz zurückberufenen Bot­schafter wieder nach Konstantinopel zu schicken. Dieser Schritt ist nicht etwa al« eine Parteinahme für die Türkei zu brat«, sondern hat sich als eine Nothwendigkeit bei bet gänzlich veränderten Sachlage herauSgestrllt. Preußischer- seit» wird nicht der frühere Botschafter, Herr v. Weither, sondern der Prinz Reuß nach Konstantinopel gehen. Der­selbe dürfte als früherer Botschaster in Petersburg mit den einschlägigen Verhältnissen besonder» vertraut sein. Die Germania" stellt an die Sp'tze ihrer SonntazSnummer einen Bericht über die Verhandlungen de» Provinzialland- tagS zu Düsseldorf betreffend den Antrag de» Provinzial- rath» 30.000 Mark zur Veranstaltung von Festlichkeiten z« Ehren de» Kaiser» gelegentlich seiner Anwesenheit in der Rheioprovinz während der diesjährigen Manöver zu bewillige«. Aus dem Bericht ist klar zu erkennen, welche Wichtigkeit die ultramontane Partei diesem Vorfall im Zu­sammenhänge mit ihrer Agitation zu geben sucht. Man erinnert sich, daß Freiherr v. Schorlemer-Alst in der 1 tzten Landtagssesston den höchsten Trumpf gegen den Staat mit der Aeußerung auszuspielen versuchte, daß selbst da» Ver- hältniß des Volke» zur Dynastie durch den Kulturkampf erschüttert sei. Diese Drohung sollte die Opposttion der Uftramontanen gegen den obenerwähnten ProvinzialrathS- antraz zur greifbaren Thatsache machen. Al» Gründe für die Nichtbewilligung der 30000 Ma k sind im ultramon­tanen G gmavtrag angeführt: 1) die Kosten der neuen Selbstverwaltung, 2) der R ickgang bet wirtschaftlichen unb industriellen Verhältnisse, 3) daß der Kulturkampf den größten Theil der rheinischen B. kernig mit Schmerz erfülle, endlich daß durch die Bewilligung der Summe der Schein erweckt werde, als ob die Mehrheit der Bevü.kerung mit dem augenblicklichen Stand der Dinge zufrieden sei. Trotzdem dieser Antrag im Provinz'alausschuß die Majo­rität für sich hatte, ist er doch im Lardtag mit 52 gegen 13 Stimmen gefall« und demnach die Summe mit bedeu .tevder Majorität bewilligt. Jetzt wirft dieGermania" die Frage auf, ob der Kaiser ein solches Fest arnehmm werde. Da» wird allerdings abzuwartm sein, aber die öffentliche Meinung wird Überzeugt sein, daß, wie die Ent,

Änidgcn nimmt entgegen: bie SÄeditton d. Blatte» sowie die Amwneen-Bnrmmx von ®. L. Daube & So. in

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"önAeint läatick außer ben Werktag« nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wbchenüichen Beilageziustrtrtes «annta,-blatt" durch die «rnedition («och'fche 8r* 8«(bbt"dTJei) boflen^durch die Postimte? deS Deutsch« Reiches 8 «art 50 Pf-. (e$L Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltme Selle 10 Pf».

Für in der Expedition »u etthell«de AuStunft und »mmime von »dreff« werden 85 Pf-, berechnet.

, Hibltfl®- _________________

! Die russische Regierung hat in Berlin amtlich den Wunsch » ««-gesprochen, daß bei dem Abbruch der diplomatischen Be- ! zjchimgrn Rußland» zur Pforte fich die deutsche Vertretung 'n der Türkei der Wahrnehmung der russischen Interessen ! unterziehen wöge. Diesem Ersuchen ist mit größter Bereit- ! Willigkeit entsprochen, und sofort der deutsche GeschäftS- ' higtr in Konstantinopel sür sich und sämmtliche in der jitlei funktionireuden deutschen Consulate mit der noch-

1 madigen Ermächtigung versehen worden.

» In Ungarn hat die militärische Jubiläumsfeier des Erz- ; hazogS Albrecht wegen der dabei vorgekornmmm Reden Mißstimmung erregt, die F-ier wird al» eine Demonstra- I tum gegen dieungarische Staatsidee" aufgefaßt, da der ^rreichische Soldatengeist, von dessen Pflege der Erz-

i hnzvg Albrecht alles Heil für Oesterreich «tourtet, Ungarn als eine österreichische Provinz betrachtet hat. Außer-

1 dem find die rufien - freundlichen Gesinnungen des Erzher­zog«, welcher einer Cooperation mit Rußland stets geneigt Mr, zu bekannt in Ungarn, als daß nicht der imrnermehr hnoortretende Einfluß des Erzherzogs zu ernsten Bedenken in Ungarn Anlaß geben sollte. Wie wir hör«, werd« deßhatb in nächster Zeit in Ungarn Gegendemonstrationen torbereitet, wobei die Selbstständigkeit Ungarns betont und da entschiedenes Frouttnachen gegen Rußland verlangt wird.

Da die Haltung der englische« Regierung, welche Ru- eioien als eine« Theil de» türkischen Reich» erklärt hat wd Oesterreich Ungarn zur Action gegen Rußland drängt, tet russischen Regierung große» Mißtrauen einflößt, so hat btziere beschlossen, die Ostseeküsten in Vercheidigungszustand p setzen und die baltische Flotte auf ben Kriegsfuß zu ftefltn. Auf bie deutschen Marinevnhältnisse wirb bitfer Entschluß so lang« keine Rückwirkung üben, al» nicht Eng-

Ä.; Jnvalibenbant, A. Sete- menet in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

wir um deswillen schon heute aufmerksam machen, um von vorne herein gegen bie falschen Unterstellungen zu protestiren, ®' »eiche diese Reise, bie burch bie erfreulichen Fortschritte in 1 LonsolidirungSprozeße in ben Reichslanden hervor- \auctt berufen worben ist, hervorbringen wirb. Die Haltung ineofbet Bewohner bei Reichslande bei der Anwesenheit be» Hiser» wird für jene Fortschritte ein vollgültige» Zeugniß