Marburg, Sonntag, 22. April 1877.
XII. )lchtgu-.
„Le die Annoncen-Bureaur ——s m 16- Dietrich & So. in Je*BS."SÄSS'iÄ «•»SS* *äl£
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PsMsche Wiche». Übersicht.
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Ter ReiLStag beschLftigte sich im Lause der veifloffenen Voche mit der ersten Lesung de» elsaß-lothringischen Lan» e-h-uShaltS Etat», genehmigte den Freundschaftsvertrag «ischen dem Deutschen Reiche und den Tonga Inseln und körterte dann in zweiter Lesung den ReichShauShallS Etat, «-besondere den Post- und Marine-Etat, und hat sodann m 17. April die Debatte über die verschiedenen sich um te Gewerbeordnung gruppirenden Anträge geschloffen. Da gelben einer Commission zur Prüfung zugewiesen werden, o wird der Reichstag die Frage erst in seiner nächsten Sofien erledigen können. Staatsminister Hofmann erklärt« »jhrend jener Verhandlungen, in zustimmender Weise an im Rede Rickert'» anknüpfend, daß man in der bestehen- l(n WirthschaftSpolitik weder schwanken noch schwenken, ondern bei den erprobten Grundsätzen der Gewerbefreiheit wd der Freizügigkeit stehen bleiben werde. Der Gesetz- «twurf über die Ausgleichs-Abgaben ist vorn Bundesrathe
■roi Reichstag zugegangen. Fürst Bismarck ist mit seinem 10118- besten Sohne, dem früheren LegationSsekrelär in Wien, lach Lauenburg abgereist; noch vor seiner Abreise hat er «S den verschiedensten Gegenden Deutschlands Adresien
rhalten, in welchen ihm der Dank dafür ausgesprochen »ird daß er auch in Zukunft an der Spitze der Deutschen
Reichsverwaltung bleiben wird.
urch das vierzigjährige Dieustjubilium des Erzherzogs
Ein letzter Versuch deS Grafen Andrasiy, eine 93er« eä @e= «ittiung zwischen Rußland und der Türkei anzubahnen, schwer- ft, wie zu erwarten stand, gescheitert. In Ungarn ra« 1*®*- «ertlich hegt man Besorgnifle, daß die Militärpartei tu Lien die Oberhand gewinnen und den Kaiser zu einem
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, . Sorgehen gegen bte Türkei veranlassen könnte. Umlaufende 1 tn Det Serüchte über eine bevorstehende Mobilistrung Oesterreich» A ntbehren jedoch bis jetzt der Bestätigung. In hohem 1,1), prade wird da» Jnterefle der Hof- uud Militärkreise
♦ »brecht gefesselt.
Im italienischen Parlament stehen lebhafte EiLrte- vngm über die orientalische Frage bevor; inzwischen ist ut Ergänzung deS GrüvbuchS eine Anzahl Aktenstücke 3E> orgelegt worden, die den Beweis führen, daß JtalikN die ’y «kannte freiwillige Erklärung Rußlands angeregt habe, |18 tas Protokoll an dem Widerstande Englands zu fchei- MÄlem drohte, und daß die Regierung sich für den Fall, daß Has Piotckcll für null und nichtig erkläre, freie ) Sa- tait Vorbehalten habe.
lavier Die in ganz Frankreich am 9 Ap il eröffnete Sis
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«athi, deS Schultheißen Enkelin.
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Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau. (Fortsetzung.)
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Ml» Golthold vom Lchrvorstande da» Zeugniß der W zum Abgänge zur Universität nach Tübingen erholen hatte, ließ e» der erfahrene Pfarrer und der besorgte !atn nicht fehlen an Ermahnungen und BerhaltungSmaß Wln und letzterer begleitete ihn nach der Universitätsstadt. °o er im Kreise einer anständigen Familie bereitwilligst Ausnahme fand. Schon nach dem ersten Semester hatte !äft. Gotthold, einer LIeblingSneigung zufolge, für eine viffenschast entschieden, und al» er deu Lieben daheim chrieb, daß er gesonnen sei, Jurisprudenz zu studiren, Urschte Frmde und Jubel im Pfarrhause, denn längst 102 M°ttr der würdige Pfarrer die Einsicht gewonnen, daß -- sottbolb bei seinem sanguinischen Charakter unb seiner . <6ratn Jnclination für bie Freuden unb Genüsse ber gßj^lt zum geistlichen Staube nicht paffenb sei.
Inzwischen war in ber Heimalh eine merkliche Vetän- ik'uug vorgegangen War bas Verhiltniß zwischen Gott- loij und Gretchen mit ben Jahren ein immer innigere» >nd festere« geworben, hatte jeber Besuch Gottholb's in Heimath nur dazu beigetraqen, die liebliche Pfarrers 62 ®wtet von seiner Neigung, trotz dem Strudel de» lustigen m b tt enIt6fn8' drm er sich nicht entziehen konnte unb süIBu. immer wehr zu überzeugen, und hatten auch bte i04 bie "nste Liebe ber Kinder nicht unfreundlich be- 46i *l;i «nd im Herzen bereit» den Segen barflter gesprochen, 13t trat jetzt ein Umstavb ein, bet für die Liebenden vou »nbnfcl chKm Wirkung war.
bä «t net Eommunalbttathung war zwischen dem Pächter ^.Pfarrer eine Meinungsverschiedenheit hervorgetreten, tt 4*2. einen unseligen Zwist zwischen beiden Männern zur - ’"A ’L?®' vatte. Der Pächter, ben wohl etwa» Egoismus bei starren Bttsechtung seiner Ansicht leiten mochte, unter —* an) der würbige Pfarrer, dem nur da» Wohl der
ston der Generalräthe ist ruhiger al» in früheren Jahren abgelaufen, da sich die Verhandlung diesmal wirklich aus ihr vorgezeichuete» Gebiet, die Local-Angelegenheiteu ihres Departements, beschränkten. Desto mehr wurde, wie verlautet, hinter den Couliffen gehandelt, um die bevorstehenden Wahlen der zu ersetzenden Hälfte des Senats vorzubereiten.
Die Verhandlungen de» englischen Parlaments wurden auch in der verflossenen Woche vorzugsweise durch Debatten über die orientalische Politik der Regierung auS- gefüllt. Am 14. April vertheidigte der Staatssekretär des Krieges, Hardy, da» Cabinet im Unterhause gegen zahlreiche Angriffe de» Marquis von Hartington, und am 16. trat der Minister des Auswärtigen, Lord Derby, selbst im Oberhause der ton Lord Granville geführten Opposition entgegen. Derby gab in seiner Erwiderung eine übersichtliche Schilderung über die diplomatische Thätigkeit vor und bei Abfaffung des Protokolls. Bon besonderem Jnterefle ist es, daß die britische Regierung gerade jetzt in dem Augenblicke, wo Rußland unter dem Vorwande, die durch die Türkei bedrückten Christen zu schützen, zu den Waffen greift, mehrere amtliche Aktenstücke veiöffentlicht, welche sich aus die Belehrung der polnischen Uniaten beziehen und die eine Unzahl russischer Gewaltmaßregeln und Greuelthaten zur allgemeinen Kenntniß bringen. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Stimmung in England mit jedem Tage antirusstscher wird.
Der Kaiser von Rußland begiebt sich in Begleitung des Thronfolgers und des Generals Jgnatieff von Peters bürg nach Kifchineff ins Haup'quartter der Südarmee. Die Truppen des Petersburger Militärbezirks haben Befehl erhalten, vom 22. d. an sich kriegsfertig zu machen.
Am 8. d. beschloß der türkische Ministerrath die Verwerfung deS Londoner Protokolls vom 31. März, am 10. ging die ablehnende Antwort an die Vertreter der Pforte im Auslände ab und wurde am 12 in London unb Petersburg überreicht; aber obwohl bamit nach russischer Anschauung der Kriegsfall gegeben war, so hoffte die Psoite doch noch durch schnellen FriedenSschluß mit Montenegro eine Verständigung zu erzielen. Die AbtretungSvorschläge wurden daher, ohne daß man sich über die versaflungSmäßige Zulässigkeit der Sache klar war, von dem hartnäck-gen Parlament an den will-ährigeren Senat verwiesen; aber che noch die Sache zur Beralhung gelangte, war auf der Pforte die Kriegspartei vollkommen zum Durchbmch gelangt. Mau zog die Vorlage zurück und gab den Montenegrinern am 13 und nochmals am 15. b. eine ablehnende A rtwort, so baß diese sich am 16. b. zur Abreise nach
G mcinbe am Herzen lag, trug einen gii-zenden Steg davon. Zornglühend hatte Pächter Ebermeyer die Versammlung verloffen, und von Stund an war da» langjährige Freundschaftsband zwischen beiden Männern zerrissen. — Oftmals versuchte es der biedere und rechtliche Pfarrer, das unselige Zerwürfniß gütlich beizulegen, allein jeder Versuch mißglückte und scheiterte an dem harten Sinne Eber- Mkyer's, ja dieser ging in seinem unwürdigen Haß und Groll so weit, daß er sogar die Kirche des Dorfe» nicht mehr besuchte, sondern zum sonntäglichen Gottesdienst jetzt regelmäßig sich nach der Stadtkirche begab. Hiermit noch nicht genug, schrieb er auch seinem Sohne ein Lange» unb Breite» über die Entzweiung und ertheilte ihm zugleich die ernste Weisung, fortan allen und jeden Verkehr mit der Pfarrersfamilie aufzugeben unb insbesondere sein Verhäit- niß zur Pfarrerstochter sofort abzubrechen und für immer zu lösen, indem er nie zugeben würde, daß er fie zum Weibe nähme.
Gotthold sah allerdings gar nicht ein, was der Zwist seine» Vaters mit dem Pfarrer ihn und Gretchen angehe, und war nicht geneigt, seine Liebe zu derselben aufzuzeben. Obgleich sein Vater ein harte» Wort gesprochen, so hoffte er von Zeit und Umständen eine Milderung desselben und ließ die ganze Angelegenheit auf seine Liebe gänzlich ohne Einfluß bleiben. Al» aber nach nicht langer Zeit ein Brief Gottholb's an Margarethe durch einen zufälligen Umstand in bie Hände de» Pachter» kam und dieser daran» ersah, daß sein Sohn seiner Weisung nicht die geringste Folge gegeben hatte, ward er so erbittert auf diesen, daß er ihm in den härtesten Ausdrücken schrieb: „wenn er nicht sofort olle und jede Verbindung mit der Familie Hunold auflöse, er ihm nicht nur alle weiteren Mittel zur Fortsetzung seiner Studien entziehen, sondern ihn auch ver- stoßm und enterben würde
Wie ein Donnerschlag wirkte dieser Brief auf Gotthold. Er kannte seinen Vater und wußte nur zu wohl, daß et im Staude sei, die Drohung auszusühren, wenn er ihm nicht Gehorsam leiste. Lange kämpfte er mit sich seihst,
Odkfla, wo fie mit dem Kaiser von Rußland zusammen- treffen «ollen, veranlaßt sahen. Hand in Hand hiermit ging die Abreise deS Oberbefehlshaber» Abdul Kerim fammt seinem Stabe zur Donau, die Vorbereitung eine» Brückenschlags bei Kalafat, um sich nölhigensall« dieser rumänischen Stadt al» Brückenkopf für Widdin zu bemächtigen, und ein schärfere» Vorgehen gegen bie trotzigen Miridtten oder Berg-Albanesen, die man noch vor Ausbruch des allgemeinen Kriege» niederzuwerfen hofft. Auch mit ben bo»- nischen Aufständischen haben aberrnal» kleinere Kämpfe stattgesunden. Die Nachrichten von einem bevorstehenden oder schon erfolgten Ministerwechsel in Konstantinopel werden officiell in Abrede gestellt. ES ist kein Zweifel mehr, daß Rußland in nächster Zeit den Krieg beginnen wird, aber wie e» diesen Schritt nach einer hergebrachten völkerrechtlichen Form einleiten wird, ob durch ein letzte» Ultimatum an die Pforte ober auch durch ein erklärendes Rundschreiben an die Mächte, steht noch dahin. Zu Anfang Mai erwartet man ben Vicekönig von Egypten al» Gast in Konstantinopel.
Tagesbericht.
Der Kaiser hat feine Abreise nach WieSbaben bi» Sonnabend Abend verschoben, wo gleichzeitig auch die Großherzogin von Baden eintrifft.
Die im Südosten Europa» bevorstehenden KriegSereig- nifle haben die alljährlich um diese Zeit wieder kehrenden Gerüchte über deutsche Rüstungen auch diesmal wiederum belebt. Die „Times* brachte vor einigen Tagen die Nachricht, daß in England befindliche deutsche Angehörige de» Beurlaubtenstandes, plötzlich zu ihren Regimentern einbe- rufen feien, und die Wiener „91. Fr. Press«' läßt sich ans Darmstadt „mit einiger Beunruhigung' melden, daß daselbst plötzlich alle Landwehrleute zu vierzchntägigen Hebungen einberufen wurden. Als dieselben, einen Jrrthum ver- mulhend (sie), bei dem kezirkökommando reklamirten, sei ihnen die Antwort zu Theil geworden, sie hätten dem Rufe deS Vaterlandes unter allen Umständen Folge zu leisten. Die großen europäischen Zeitungen solltm doch nachgerade wiflen, daß alle derartigen Nachrichten nut mit den alljährlichen Hebungen der Reserve und Landwehr de» deutschen H-ere» zusawmenhängen. Unter den Augen ber Militär- bevollmächtigten ber fremden Mächte haben in Berlin und Potsdam soeben Garde-Landwehrbataillone ihre Hebungen abgehalten und find von dem Kaiser, im Beisein ber Mili
aber feine Siebe zu Margarethe war keine ächte, sie btftonb bie Feuerprobe nicht, inbem er schwach genug war, einer ungerechten Forberung feine» von Haß Verblendelen Batet» nachzugeben und fein Berhältniß zur PsarrerStochter abzu- brechen. Mit diesem Bruch, mit diesem Venrath de» H.i- ligsten, wa» e» im Menschenleben gibt, wich aber auch fein guter Schotzzelst von ihm, der in der Liebe zu Margarethe ihn heilig und hehr umschwebt und vor ollen Gefahren bei Herzen» unb bet Seele bewahrt hatte. Alle feine bösen Neigungen wurden rege unb forberten laut unb gebieterisch Befriedigung und Gotthold — gewährte i
Zn dem Gewühie der Lust unb Freude, in dem Strudel de» ausgelaflenen Studentenlebens, dem et sich jetzt in bie Arme warf, vergaß er benn auch halb bie Betheuerungen bet Liebe, die heiligen Schwüre der Treue, die er Margarethen gelobt und suchte in dem Meere von Vergnügungen bie Gewissensbisse, bie sich bei bem Gedanken an feine verrathent Liebe, an seine gebrochene Treue regten, zu verscheuchen und für immer zu begraben.
Margarethe wat ber Verzweiflung nahe, als sie nach vielen vergeblichen Briefen an Gotthold deflen Treulosigkeit erfuhr und obgleich sie aus diesem Treubruch bie Heber» zeugung erhalten mußte, baß. Gotthold sie nie wahr und aufrichtig geliebt haben könne, so liebte sie ihn doch zu tief und innig und ihr ganzes Sein und Wesen war zu fest mit ihrer Liebe verwachsen, als daß fie diesen Schlag hätte verwinden können. — In ber jungfräulichen Brust tobte mit verzehrenber Gewalt ber Schmerz verschmähter, getränter unb verrathener Liebe unb zu schwach, dem Drange dieses Sturme» zu widnstehen, fiechte fie dahin wie ein Schattenbild unb vergrub da» Herzleib im tiefsten Gtnnbe i$rer Seele. Ein Zehrfieber hatte fich bei ihr eingeschlichen unb rieb im Verein mit Kummer unb Gram ihre Lebenskräfte auf. Zu zartsühlenb, um sich Anbeten mitzutheilen, blieb selbst bte ängstlich besorgte Mutter übet die wahre Krankheit der Tochter in Zweifel, ebenso der zu Rathe gezogene Arzt.
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