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Marburg, Freitag, 20. April 1877.

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schen Konsulate existiren, wird Oesterreich für den Schutz der russischen Uuterthanen eintreten. Deutsche Konsulate existiren nicht in Canea, Damaskus, Erzerum, Mostar, Skutari, Trapezunt, während in allen diesen Orten Agenten Oesterreichs ihren Sitz haben.

Das anonyme Manifest enthält keine directen Unwahr­heiten. Die Türkei hätte den Krieg vermeiden können, wenn sie gewollt hätte. Auch England hat auf den Krieg hiugearbertet, das ist nicht zu leugnen. Jedenfalls wäre das Berfahrrn Lord Derby« wenn es die Erhaltung det Friedens bewirken sollte eia hirnverbranntes, när­rische. Die demnächstige Haltung Englands wird wohl zeigen, ob Lord Derby der Pforte ein ehrlicher Rathgeber war, wir werden sehen, warum England auf den Krieg speknlirte. Einstweilen glaubt man, daß England unmittel­bar nach Ueberjchreitung deS Pruth durch die russischen Truppen, die Insel Kreta okkupirea werde. Dagegen wird Oesterreich Bosnien und die Herzegowina al« Faustpfand nehmen, wahrscheinlich aber erst dann, wenn die Russen irgend einen Erfolg über die Türken errungen haben. Wenn heute nicht ganz Europa in den Flammen des Kriegs auflvdert, wenn Oesterreich ruhig bleiben kann, Frai kcetch mw England ruhig bleiben muffen, so ist dies ein Ber dienst der Politik des Fürsten BtSmarck. Sehr richtig bemerkt ein Berliner Blatt: wären heute die Thaten von 1871 und 1866 ungeschehen Deutschland wäre der Schauplatz des gräßlichsten VölkerringenS um die Balkan- haldtnfet. Auf deutschem Boden würde die orientalische Frage auSgekämpft; Kosaken, Panduren, Kroaten, Baschi-

Der Krieg zwischen Rußland und der Türkei ist zwar bi« zu dieser Stunde noch nicht erklärt, aber er ist bereit« fest beschlossen und eS handelt sich fitzt nur noch um di« Erfüllung völkerrechtlicher und diplomatischer Formen. Da« gestern von St. Petersburg mitgetheilte offiziöse Telegramm steht einem KrtegSmanisest auf« Haar ähnlich. ES heißt da: »Die schroffe Art, in welcher die Türkei vas Londoner Protokoll verwirft, würde von Rußland einen Rückschritt verlangen, der sich durch Nichts motiviren läßt. Die Türkei will den Consiict und drängt zum Kriege, sie hat vm europäischen Mächten da« Recht und die Möglichkeit abgesprochen, irgendwie innere Reformen im türkischen Reiche veranlassen, gewährleisten und beaufsichtigen zu können... Die Türkei hat alle gebotene Gelegenheit den Dingen eine friedliche Wendung zu geben, zurückge- wlesen, sie drängt auf Waffcnenlschetdung, das unter den Waffen stehende Rußland, da« seine Friedensliebe be- kundet hat, kann nicht zurückweichen/'

ES ist dies ein merkwürdige« Dokument, das man in dir Welt schleudert, wie ein Kind ohne Namen, e« ist ein Brief ohne Auf- und U iterschrtft, aber doch kann man deutl'.ch ersehen, daß man die öffentliche Meinung Europas auf die Kriegserklärung vorbereiten will.

Senaenschimmer, der den Feierabend unseres Leben« er­hellen und erwärmen sollie, belassen I Kannst Dich getrost und mit Gott zu Bette legen, Mutter, der Herr und ich halten getteultch Wacht!"

Bei diesen Worten gab er der Pfarrerin die mitgr- brachte Leuchte in die Hand und schob die Widerstrebende sanft zur Thür hinaus; dann setzte er sich behutsam dicht zur Seite der Kranken am Bette nieder, um schnell zur Hand zu sein, wenn dieselbe ein Begehren äußern sollte.

So saß er bereits eine We.le und blickte still und traurig in das liebliche Antlitz der Tochter, als plötzlich sich ein Geräusch draußen am Fenster vernehmen ließ; das Weinlaub, da« noch spärlich an den Ranken hing, ward zurückzcbogen und ließ das Gesicht eines Menschen sehen, der im Augenblicke wieder verschwand, als der Pfarrer im Begriff war aufzustehen und ans Fenster.zu gehen, um zu erfahren, was jenes Geräusch verursacht haben könnte.

Margarethe war erwacht, halte sich halb emporgerichtet im Bette und starrte tea vom Fenster zurückkehrcnden Bater, der der Erscheinung draußen gefolgt war, seltsam an. Mit schwacher, gebrochener Stimme unterbrach fie dir herschende Stille und sagte leise:

Warum laßt ihr den Tod nicht herein, mein Vater? Zweimal schon hat er angeklcpft, mich heim zu holen in da« Land de« Friedens!"

Margarethe, mein liebes Kind," erwiderte sanft der Pfarrer und suchte das finkende Köpfchen der Kranken aufrecht zu erhalten,warum willst Du «nS denn ver­lassen? Sieh, Deine Mutter, ,dir Dich unter Schmerzen geboren, trägt das Leid nicht, wenn Du von hinnen gehst."

Last mich, mein Vater!' entgegnete mit matter Stimme die Krank«,ich weiß raß ich sterben muß ich sterbe gern den Tod für meine Liebe!"

Und lässest uns mit unser« Kummer hinieden?" sagte bekümmert der afte Mann. Willst von vn» g-h-n, wo da« Alter d ückt und wir Deiner jo sehr bedürfen?"

In Bezug auf die Angelegenheit de« inhaftirten Re­dakteurs Kantecki ist es in Folge unablässig fortgesetzter UatersuchungS - Maßregeln der Postbehörden gelungen, den schuldigen Beamten, einen Postagenten, zu ermitteln. In Folge dessen hat der Generalpostmeister die sofortige Zurück­nahme der Requisition des Oberpostdirektor« zu Bromberg an das Kreisgericht Posen hinsichtlich de« ZeugnißzwangS« Verfahrens gegen Kantecki telegraphisch angeorduet.

Di« öffentliche Meinung in Frankreich scheint den kom­menden Ereignissen mit weit weniger GemüihSruhe entgegen zu gehen, als dies in Deutschland thatsächlich der Fall ist. Dafür scheint eine hochoffiziöse Notiz des amtlichen BlatteS zu sprechen, welche besagt, raß der Herzog DecazeS aus Berlin Versicherungen der friedlichen und versöhnlichen Ge­sinnungen Deutschlands gegenüber Frankreichs erhalte« habe und diese Versicherung sei auch durch den deutschen Bot­schafter, Fürsten Hohenlohe, bestärkt worden. Hieraus muß man doch schließen, daß im französischen Publikum die An­sicht vorherrscht, Deutschland werde die gegenwärtige Lage der Dinge zu einem Angriff auf Frankreich auSnützen. WaS mit einem solchen Angriff erreicht werden könnte, ist uns total unerfindlich.

Sobald die russische Botschaft und die Konsulate an­der Türkei zurückgezogen sein werden, werden die diploma­tischen Vertreter Deutschlands den Schutz der russischen Uuterthanen übernehmen. In solchen Orten, wo keine deut-

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Wollt Ihr mir die letzten Stunden verbittern? Soll Euer Klageto« mir das Geleite geben in den Himmel? O nein, mein Vater, so hart könnt Ihr nicht sein! Habt Ihr nicht selbst mich, Euer Kind, gelehrt mit Fried und Freud zu scheiden, wenn der Herr eS uns gebeut? So laßt mich denn mit Fried und Freuden ziehen!"

Gteb Dich zufrieden, reinste Seele, ich loffe Dich!" antwortete der Vater.Noch steht die Hoffnung tröstend uns zur Sette, Du lebst! Noch hat der Tod keine Ge­walt über Dich! Aber e« ist der uverforfchliche Rath und Wille des weisen Lenkers aller Dinge, daß er auch Dich nn« nimmt, so ergebe ich mich demüthig in seinen Willen! Ich lasse Dich!"

Eine heftige innere GcmüthSbewegung der Kranken machte der weiterm Unterredung ein Ende. Dem Pfarrer war eS genug; er hatte ja das Herz des KindeS längst schon er­forscht; warum noch in den letzten Augenblicken vom Sün­derheiland reden? Margarethe kannte die Freuden deS Jen­seits au« ihren Träumen, warum ihr Wonne und liebliches Leben dort mit matten Farben schildern und verheißen? Vater und Mutter, die Alles daran setzten, daS letzte Pfand ehelichen Glückes sich und dem Leben zu erhalten, hatten eS mit ansehen müssen, wie es nach und nach verwelkte und abstarb und der Vater hatte sich längst mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß auch dies Kind eine Beute deS Todes werden würde, weßhalb ihm die Gewißheit, die j tzt immer näher und näher rückte, wenig» fürchterlich war, als der Mutter, die eS nicht überleben zu können glaubte, wenn der finstere Tod chr auch dies letzte Kind, ihr liebe«, süßes Grethchen, vom liebende« Mutterherzen reiße.

Nach einer Weile wendete Margarethe den Kopf und sprach leise mit großer Anstrengung, indem sie des Vater- Hand, die auf dem Bette lag, ergriff:

O, wie ist Eure Hand so kalt, mein Vater, gleich als wär'« die Hand de« Tode-, liegt fie eisiSkalt jetzt in der meinen l"

«iithi, deS Schultheiß«» (Satellit.

Schwäbische Dorf-Novelle von Rudolf Wellnau.

(Fortsetzung.)

Ach, schon zweimal hatte die liebende Mutter hinweg- 8-küßt den kalten Hauch des Todes von dm blaffen Lippen ta leidenden Tochier und sie wieder erweckt zum Leben! Den spärlichen Rest ihrer letztm, immer mehr schwindenden Stifte hatte die Leidende zufammengeraffl und der schluch- Mdea Mutter die kalte Hand gereicht, die diese mit den Ehesten Mutterthränen benetzt und an daS fürchtend klopfende Hetz gedrückt. Da« Engelsköpfchen zur Seite neigend, e»t tte Kranke jetzt eingeschlummert, träumend, die ihr boiausgeeilten seligen Geschwister streckten vom Himmel ^e kleinen Händchen hernieder, die Schwester hinauszu pthrn in den Kreis der Verklärten; träumend vom Klage» ptön der Mutter, vom Jammer deS VaterS um« letzte Nlkble Kind, da« Elternliev nicht heimwärts ziehen lasten M im Frühling im knospenden, blühenden Mai dcS «beus.

Zwei Stunden waren vergangen; wohf mögen e« dir «Lgst n eines liebenden Mutterherzens gewesen sein, daS ® Schmerz zerflossen schier brechen wollte. Roch schlum- btkrie Margareth, süß eivgewiegt in selige Hirnmelsträume, ^tbete sie aus sonnigen grünenden Som, von denen her * Seligen sieWillkommen" hießen.

Mitternacht war vorüber, da öffnete sich leise die Thür der Pfarrer trat in« Gemach. Ohne ein Wort zur «ttir. zu sprechen, legte er da« mitgebrachte Bibelbuch

bin Tisch, trat dann an das Lager der Kranken und Wfle ihren Schlummer.

, »Margarethe schläft dem Anscheine nach recht saust;" er jetzt im flüsternden Tone zu sprechen,die

tyui übt eine wohlthäti'e Wirkung auf den Gang der St-rnkheil; v cllUch: w,U dcr gütige Himmel unS den letzten

Die orientalische Frage ist zu einer neuen entscheiden- den Wendung gelangt, schreibt dieProv. - Corresp." (wie bereits in gestriger Nr. io einer Anzahl Exemplare noch telegraphisch mitgeiheilt). Die Türkei hat die in dem Lon­doner Protokoll vom 31. März niedergelegten Forderungen der europäischen Mächte in schroffer Weise abgelehnt. In einem Rundschreiben deS türkischen Ministers der auswär­tigen Angelegenheiten vom 9. April ist da« Vorgehen der Mächte als durchaus unberechtigt und al« ein Angriff auf die Würde und die Rechte der Pforte bezeichnet. Keine Erwägung könne di« türkische Regierung dazu bestimmen, von dem Widerspruche gegen die Zumuthungen de« Pro­tokolls Abstand zu nehmen und dasselbe als im höchsten Grade ungerecht und daher jedes verpflichtenden Charakters baar zu erklären. Im Widerstande gegen feindliche Zu­muthungen, gegen ungerechtfertigte Verdächtigungen und gegen offenkundige Verletzungen ihrer Rechte, die gleichzeitig Ver- letzungen des Völkerrechts seien, fühle die Türkei, daß sie vor einem Kampfe um ihr Dasein stehe. Angesichts dieser Erklärung ist jede Hoffnung auf den Erfolg weiterer Ver­handlungen geschwunven. Gleichzeitig sind aus Petersburg und aus Konstantinopel Nachrichten etngegangen, nach wel­chen mau sich von Seiten Rußlands, wie Seitens der Türkei, auf den unverweilten Ausbruch der Feindseligkeiten vorbereitet. Aus Petersburg wird gemeldet, daß sich Ruß­land durch dir gegenwärtige Lage zum Handeln gezwungen sehe: Die Türkei wolle den Conflckt und dränge zum Kriege. Indem dieselbe den europäischen Mächten das Recht und die Möglichkeit abspreche, irgendwie innere Reformen zu Gunsten der Christen in der Türkei zu fordern und zu gewährleisten, sei eine völlig neue Lage geschaffen. Rußland habe fünf Monate lang Beweise seiner friedlichen Absichten gegeben. Die Tükel dagegen habe all« gebotene Gelegen­heit, den Dingen eine friedliche Wendung zu geben, zurück­gewiesen, sie dränge ans Waffenentscheidung; da« unter den Waffen stehende Rußland könne nicht mehr zurückweichen. Die Abreise de» Kaisers Alexander von Rußland zu seiner Armee ist zum 19. in Aussicht genommen. Wenn somit der AuSbrnch des Kriege« zwischen Rußland und der Türkei nicht mehr zu verschieben ist, so wird da« gemeinsame fried­liche Streben der eulvpätschen Mächte gewiß um so ent­schiedener darauf gerichtet bleiben, irgend eine weitere Aus­dehnung des Kriege« auf jede Weise zu verhüten.

fowie die Aunoncen-Bureaux . ton Th- Dietrich & &>. In kMpfel grfd und Hanne ver; Th.

Dietrich in Frankfurt a. M.; len v« Laasenstein & Bögler in 60r irTntfurt a. M, »edtn, Leip- o : rin, Söln ic; Rudolf Moste

-8 Mk.) ^Berlin, Frankfurt a. M. re.

Anzeigen nimmt entgegen: die Eäwbttivu b. Blatte« sowie die Annoneen-Bureanx von L. Daube & So. in Arankfirrt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Siete- meyer in Berlin; Sari Schuß­ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Bvzuks, Tscherkeffen, TurkvS und Zuavm, in wechselndem KrlegSglück, würden unsere Fluren und Wohnungen ver­wüsten. Heute ist daS deutsche Reich ein festes Bollwerk, unter der Hut unsere« HeereS, zur Sicherung unserer Grenzen und des Friedens in Deutschland. Die Einigung des deutschen Volks, die Aufrichtung des Deutschen Reichs hat Eceigniffen vorgebeugt, die alle Greuel de« dreißig­jährigen Krieges Überboten hätten!

Tagesbericht.

Im Anschlüsse an die neulich von Seiten de« Reichs­kanzlers abgegebene Erklärung, welche eine Vorlage, die gewerblichen und Brbetterverhältniffe betreffend, für den nächsten Reichstag in Aussicht stellt, können wir heute mttthellen, daß im preußischen Handelsministerium die Entwürfe bereits seit einiger Zeit völlig fertiggestellt sind und daß dieselben sich durchgehends nach der Richtung der bei den jetzigen Debatten über die gewerblichen Anttige am m:isten in den Vordergrund getretenen Ansichten hin bewegen.

-4M Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirte» TonntaaSölatt" durch die fnebition (Äoch'fche . 7k7* Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 3 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). JnfertionSgebübr für die gehaltene Znle 10 Pf».

Für in der Expedition zu ettbetlenbe Auskunft und Annahme von Adreffen «erden 15 Pf», berechnet.

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