Marburg, Donnerstag, 19. April 1877.
XII. Za-kgug.
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»ohen- esigev rtliche
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n Berlin, Frankfurt a. M. re.
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Lage-bericht»
Der BundeSrath hat ben Gesetzentwurf, wonach für letoiffe Sorten von Eisen, Stahl, Fabrikaten aus Eisen Nd Stahl AuSgletchS-Abgaben zu erheben sind, in der von Preußen beantragten Faflung angenommen. — Die ver inigten Ausschüsse deS BundeSratheS für da« Landheer md die Festungen und für Rechnungswesen hielten Dienstag Vormittag eine Sitzung und beriethen ben Gr- etzentwmf wegen Verwendung eines Theils des Reinge- ,iunS aus dem Werke der großen Generalstabes »der deutsch- ranzöstsche Krieg/ — Die Commisstoneu haben, wie wir fiten, der Vorlage zugestimmt.
Die Debatte über die Gewerbefrage wird heute, Mittwoch, lachdem sie den Reichstag drei Tage in Anspruch genommen at, zu Ende kommen. ES ist wohl nicht zweifelhaft, daß n von dem Abg. Ackermann gestellte Antrag, sämmtliche u dieser Frage vorliegende Anträge, an eine besondere iommisfion zu verweisen, angenommen werden wird. Wenn nan von der Stimmung im Hause Consquenz-n ziehen rill, so ist dieser Ausweg, welcher von deutsch eonservativer Seite in Vorschlag gebracht ist, der einzige, welcher geeignet B, allen Parteien gerecht zu werden. Auch mit seiner julfe wird eS möglich, dem Anträge der CenlrumSfraktlon, -eicher, wie schon am Montag Minister Hofmann hervor- ob, an thatsächlichem Material vollständig atm Ist, bei der krathung dieselbe Berechtigung zu Theil werden zu lasten, »le ben übrigen Anträgen. Daß auS allen biefen An« rügen schon in dieser Session ein greifbares Resultat hervor- then werde, wird auch von keiner Seite jetzt ermattet »erden. Da» einzige Resultat welches man aus der Com lissionSberathung erwartet, ist die Uebetroeifung des ge> mimten schätzbaren Materials an den BundeSrath für die ieteits vom Staatsminister Hoffmann in Aussicht gestellte tzewerbenovelle, welche dem Reichstag in der nächsten kefsion vorgelegt werden solle. — Am nächsten DonnerS- iz wird der Reichstag dann in die Berathung der Zoll- nb Steuerfragen treten. Man erwartet, daß bis dahin «ch das Gesetz über die Retorsionszölle dem Reichstage »gegangen fein wird. Wie die Beschlüste des Hauses bet diese Frage ausfallen werden, läßt sich jetzt noch iwer Voraussagen, jedenfalls steht fest, daß die Majorität nlche erzielt wird, eine nur geringe ist. Wir glauben, «6 sie im freihändlerifchen Sinne ausfallen wird.
lle in eiches, welche Kaiser Al-xander in dem türkischen Kriege
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*) Nachdruck verboten.
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Küthi, drS Schultheißen Enkelin.
Schwäbische Dors-Novelle von Rudolf Well na u- *)
ES war ein rauher stürmischer Oktobertag. Die Mehr- chl der Einwohner de» Dorfes Sundelfingen war zum sirchweiskste nach einem Rachbardorfe gewandert, um Theil
Es ist das vierte Mal, daß in diesem Jahrhundert iußlaud daS Schwert ergreift zur Zerstörung d<S OSmanen
«ran zu nehmen an den Freuden und Genüsten, die dort ligen cboten wurden. Wie auSgestorbeu erschien am befugten latbmittage gar manche Hütte und in den Bauernhäusern . »leite heute der Knecht den Herrn, die Magd die Frau, nun es die Schwieger- oder Großmutter nicht vorg zogen W* vte, daheim zu bleiben und Acht zu haben auf den Buben > der Wiege. Selbst die Dorfgaste war heute nicht belebt; ■ lärmende Jugend, die sonst hier ihr Wesen trieb, war 10 htnaufgezogen zur Kirmes, um die dortigen ReprSsen« wteu deS Faustkampfes, die zugleich schulkameradschaftlich : seid! «einander verwandt waren, zu begrüßen und sich schmecken flffl den herrlichen Kirmeskuchen, den die Mutter verwahrt er. 1Ite für etwaige Gäste.
Längst schon dunkelte eS und noch immer kehrte die _ _ , gliche Menge nicht heim, obgleich der Himmel sich mit tqftl dvärzljchkn Wolken überzogen hatte, die ver ungesellige, 77. «t Herbstwind dahinjagte, daß eS einem schier bänglich 66 Herz ward, wenn man der Ausbleibenden und deS «nt. kraoziehenden Unwetter» gedachte.
. Die Glccke im alternden Thurm deS Dorskirchleins 'S oU» Endete die neunte Stunde. Der Wind hatte sich stärker len. ffgemacht und den Regen der bereits durch einige tröp
_ Vorboten sich angek^digt, vettrieben. Nur hie und ^sah man au» den Feastern spärlichen Lichtschimmer, w Heller flackerte im Kamin da» Feuer, bei welchem *> ben Heimgebltebenen die Abendsuppe bereitet wurde, 1 Nt zurück kehrenden KirmeSgäste «wärmen sollte. Ab« tefr wieder vnrann eine Stunde und die seholichst Er-
von 1807—1812 und Kaiser Nikolaus zweimal Ende dn zwanzig« Jahre und im Krimkriege »ergeben» angestrebt hatte. Ob da- Ziel, da» sich die russische Politik vorgesetzt, die Türken au» Europa zu treiben, diesmal von größerem Erfolg gekrönt sein wird, diese Frage hängt von der Stellung ab, welche England und Oestnreich - Ungarn im Verlaufe de» bevorstehenden Krieges annehmen »«den. Was Oesterreich anlangt, so haben alle in Wien maßgebenden Persönlichkeiten flch für strikie Neuttalität entschieden, so lange Rußland leine Eroberungen machen und sich lediglich auf die Befreiung der Christen in dn Türkei beschränken werde. Die Stimmen derer, welche ein entschei« dende» Eingreifen der Oesterreicher zu Gunsten der Türkei »«langen derart, daß Oesterreich eine Armee in Sieben bürgen und eine andere in Galizien aufstelle, stad sehr verttnzelt und fallen kaum ins Gewicht gegenüb« »en Entscheidungen, die bereits getroffen, um nicht von Verabredungen zu reden, die zwischen dem Petersburg« und Wiener Cabinet schon seit längerer Zeit zu Stande gekommen sein sollen, und wonach Oesterreich sich zur Besetzung Bosniens verpflichtet haben soll. Letzteres erscheint uns unwahrscheinlich, gewiß ab« ist, daß der Kaiser Franz Joseph und der Erzherzog Albrecht sich auf da» Beftimmleste gegen eine ruffensemdliche Haltung Oesterreichs entschieden haben, und daß die österreichische Regierung z. Z. fest entschlossen ist, alle Bestrebungen niederzuhalten, welche von den Magyaren hartnäckig verfolgt werden, um eine mächtige Volksbewegung in Ungarn hervorzurufen und Oesterreich in den Krieg htneinzutreiben. In wie weit eS jedoch Oesterreich gelingen wird, der Situation in Ungarn unter allen Umständen Herr zu bleiben, ist freilich eine andere Frage. Sollte England wirklich actio eingreifen wollen zu Gunsten der Integrität der Türkei, und einen großen Theil feiner indischen Streitkräfte auf den Kriegsschauplatz in Europa werfen, so wäre es nicht unmöglich, daß an Oestnreich die Versuchung hn« antrete, die „gebundene Marfchroute" aufzugeben und offen Front zu machen gegen Rußland. Doch «scheint es gegen« wärtig müssig zu sein, sich in Kombinationen über die weitere Entwickelung b« orientalischen Frage zu ergehen. Einstweilen darf an der Hoffnung festgehalten werden, daß der Krieg locolifirt werde, und daß die englische Politik weniger auf ein direkte» Eingreifen zu Gunsten dn Türkei al» auf eine Wahrung der englischen Interessen im Orient hinausläuft. Die letztere braucht durchaus nicht zu einem Conflikte mit Rußland zu führen und wird e» auch schwerlich nicht, wenn Rußland seine eventuellen Siege üb« die Türken nicht zu materiellen Eroberungen auf der Balkan« Halbinsel ausnützt, wa» schon um des Degen unwahrscheinlich ist, weil die sämmtlichen übrigen Märte in der Nega«
warteten kehrten nicht zurück und schienen dieselben gar nicht wieder heim zu wollen.
Da «schallte laute» Hundegebell und verrieth da» Herannahen d« Kommenden, die gewiß nur den letzten Reigen noch hatten mitnehmen wollen, wohl totffenb, daß ihnen in d« Winterszeit derartige Vergnügungen nicht geboten wurden. — Treten wir hinaus auf die öve Gaffe des Dorfes, den fröhlichen Zug der Heimkehrenden zu begrüßen und ans Körbchen und Täschchen zu empfangen die gekramten Herrlichkeiten der Kirmes.
Doch welche Täuschung 1 — Nicht wegen de» Lärmen» und Singens, nicht mögen de» fröhlichen Jauchzens und übermüthigen Geplauders d« heimkehrenden Sundelfinger hatte die dörfliche Hundewelt Ällarm geschlagen, sondern die Ursache ihres lauten Bellens, in welchem einer dem andern e» zuvor thun wollte, war ein einzeln«, ältlicher Herr, dn in dn rings herrschenden Dunkelheit bekannt und sicher die ost winkligen und schmalen Gaffen durchschritt und dem entgegengesetzt liegenden Kftchtheil^deS Dorfe» zueilte. Er kam nicht von d« Gegend, von wo aus zeitweise der Wind die Töne d« lustigen Kirchweih- must! üb« die Stoppelfeld« trieb, sondnn sein Weg führte von der Stadt her und mochte ein ernster, gewichtiger Gang gewesen sein, denn eilig und raschen Schrittes trabte er vorwärts, weil man daheim gewißlich sehnsüchtig sein« hante. An dn Gartenthür de» kleinen Gärtchen», der vor b« Fensterfronte de» Pfarrhauses gelegen war, blieb « plötzlich stehen, öffnete bie verriegelte Thür und schritt dann dem Wohnhause zu. Vor b« Thür lüftete er ben über feinen Kopf zus immengenestelten Mantelkragen, orbntte fein vom Winde zerzaustes graue» Lockenhaar und klopfte leise an die Scheiben de» nächsten Fenster», durch welche ein schwacher Lampenschein schimmerte. Nach wenigen Minuten ward dem späten Wand«er aufztthaa und er trat ein, worauf die Thür wieder von innen verschlossen ward.
Lassen wir den lustigen Schwarm, ber von der Kirch
tion russischer ErobnungSzwecke ebenso einig sind, al» in dn Vnurtheilung ber türkischen Mißwirtschaft.
Dttüschr» Reich.
•• Berlin, 17. April. DaS türkische Circularschreiben, welches auf das Protokoll «folgt ist, ist ein» der schroffsten Aktenstücke, die dte Geschichte dn Diplomatie aufweift, so daß offenbar daran» hervorgeht, daß der Türkei daran gelegen ist, den Kriegszustand so schnell als möglich herbei- zuziehen. An diesem Erfolg ist nicht zu zweifeln, daß aber bie Feinbseligkeiten schon begonnen, wie gemeldet wirb, baß bie Ruffen ben Pruth überschritten hätten, ist al» verfrüht anzusehen. Einem solchen Uebergange müßte eine Concen- tration ber russischen Armee vorangegangen {ein, welche noch nicht erfolgt fein kann. — In mehreren Blättern findtt sich eine gleichlautende Correspondenz, in welcher übet die „vfficISse Heuchelei" Klage geführt wird, welche behaupte, daß bei den Verhandlungen zwischen dem Kaiser und dem Fürsten BiSmarck nie von einem Personenwechsel die Rede gewesen fei. Nich den zuverlässigsten Infor« mationen muß diese Meldung mit aller Entschiedenheit aufrechterhalten weiden. Der Correspvndent stützt seinen Beweis des GegentheilS auf die Rede des Hrn. v. Bennigsen, nach welcher unmittelbar nach der Rückkehr deS Kanzlers in seine Tätigkeit eine Bereinigung des preußischen Finanzministeriums mit einem Reichs - Finanzministerium «strebt werden solle. Man kann daran erinnern, daß der Reichskanzler im Reichstage viel weiter gegangen ist, indem er sogar von einer Theilung der Geschäfte de» preußischen Finanzministeriums in d« Art gesprochen hat, daß die Auftreibung der Staatsmittel und die Bettheilung derselben auf die Staatszwecke besser von verschiedenen Personen gemacht würden. Ab« au» solchen ZukunftSwahr- scheinlichkeiten, die v« Reichskanzler selbst hingeftellt hat und die von and«« Seite auf feine Rechnung vervollständigt und erweitert worden, läßt sich nicht im mindesten folgern, baß derartige Wünsche jetzt zur Sprache gekommen und als unmittelbar zu verwirklichende Maßregeln in Aussicht genommen wären.
Mainz, 14. April. Gestern und heute verhandelte das großh. Ober-Gericht die Bnnfung de» Bischof» von Äetteler und d« Staats-Behörde gegen die Entscheidungen des Bezirks Gerichts in den Anklagen wegen gesetzwidriger Besetzung und B«waltung ber Pfarrei Castet und der Decanat-stelle Heppenheim. Die Verhandlungen waren am 16. März vertagt worben, um es dem Bischof zu ermöglichen neue Beweismittel vorzubringen. Diese bestanden in d« Vorführung von Zeugen in den Personen de»
weih zurückerwartet wird und inzwffchen anlangt, immerhin den Dahetmgebliebenen von dem lauten, gemächlichen Treiben, von den Freuden und der launigen Kurzweil de» heiter verlebten TageS «zählen; sehen wir nicht neidisch darauf, wie auch Keines leer ausgeht, sondern ein Jede» fein bescheiden Theil erhält von den gekramten Raritäten auf d« Kirmse; vielleicht kommt ein andermal auch an und die Reihe. —
Wenden wir vielmehr unsere Blicke nach dem Pfarrhause des Dorfe», in welchem Margarethe, da» letzte steben- zehnjährige Töchterlein eine» tief trauernden Elternpaares, todtkrank darnieder liegt.
Eben fchlugS vom nahen Kirchthurm die zehnte Stunde und der einsame Wächter stieß in fein mächtiges Horn und ließ die rauhen Töne feiner tiefen Baßstimme kräftig dazwischen erschallen. Um das Pfarrhaus heulte dn Wind utib schüttelte gewaltig bie Wipfel ber alten Linden, die dasselbe wie ttestge Wächter umstanden; auf den Dächern knarrten die Wett«fahnen und kreischten ihre schrillenden Töne hinaus in di: Nacht. Drinnen aber im geheizten Stübchen d« Pfanwohnung, von wohn der bleiche Lichtschimmer nach auß:n fiel, lag deS Pfarrn» von Sundel- fingen einzige» ihm gebliebene» Töchterlein, Marzareth. Am Fuße de» Bette» faß die weinende Mutt«, lauschte den langfamen Athemzügeu der geliebten Kranken und blickte von Zeit zu Zeit nach d« Taschenuhr de» Vater», die auf dem Tische lag, wo auch die Srzenei ihren Platz hatte, welche dn alternde Pfarrn soeben selbst au» der Stadt geholt. Dies« hatte auf den Rath seiner Gattin sich zur Ruhe begeben, um nach einigen Stunden «qu cklichen Schlafs die Wacht am Bette Grethchen» zu übnnehmen.
(gortfetung folgt)
Ei« rnsfisch,türkischer Krieg.
(Schluß).
- Di« österreichische Dampf- und Seglschiffsahtt aus ber