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Marburg, Mittwoch, 18. April 1877.

xii. Jihrgaii.

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WMMeIckung.

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en nimmt entgegen: n d. Blattes, „ ... Annoncen-Burcaux Th. Dietrich & So. in

M.x Jnvalidendanl, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz» let in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die toelitton » Blattes sowie btt Annoneen-Bureanx von 9. L Daube & So. in

«rscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Ulnßttirtes «»nntagsblatt" bur» die Srvebttion («och'sche Buch drucket et) bezogen 31 Mart, durch bie PostLuter beS Deutschen Reiches 3 Hext 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Znle 10 Pf,. * 8&t in bet Expedition zu ertbetfenbe Auskunft und Annahme von Äbteffen werden 35 Pf,, betonet 1 °

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; - Ion ber Mehrheit der Nation unterstützte Politik des ReichS- ! i fmzler» zu kreuzen, sondern fich auch bestreben, durch Lüge ;[tab Verleumdung Mißtrauen zu säen und persönliche 11 Schwierigkeiten zu schaffen.

;; Wiederum bereitet fich da» parlamentarische Schauspiel 11 tot, welche» wir bereit» seit einigen Zähren regelmäßig piederkehreu sehen; die beiden handelspolitischen Parteien | [ uS Reichstag» gehen daran, ihre Kräfte zu messen. Dem 11 Reichstage gehen jetzt täglich Petitionen bezüglich der Etsen- ]' ollfrage zu. Das neueste Verzetchniß der Petitionen weist

[ licht wenige» al» 65 Schriftstücke auf, in welchen um die

1 Tagesbericht»

--- Der „Reich«-Anz." publirirt die nachstehmde Verord- mn8: §. 1. Auf denjenigen Bundesstaat, in deffen Ge-

»*'* Set das Reichsgericht seinen Sitz hat, findet §. 8 de» finführungSgesetze» zum GerichtSverfaffungSgesetz keine An- pendung. §. 2. Das Reichsgericht nhält feinen Sitz In rämiev Leipzig.

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Innen Wie un» von zuverlisstger Seite versichert wird, schreibt rungeniie »Post,* ist die in einem Artikel der »Köln. Ztg." ent« welcher Mme Andeutung, der Reichskanzler denke au eine Am« lerung der bisherigen Kirchenpolitik, vollständig aus der n Aus. stift gegriffen. Unserem Gewährsmann nach hat vielmehr hschasp »er Fürst Bismarck noch in letzter Zeit gegen hochstehende Persönlichkeiten ausdrücklich betont, daß er gesund oder . dank in jedem Fall in dem Moment in die Geschäfte wieder «tret« werde, wo ernstlich der Versuch eine» System« »echselS mit den dadurch bedingten Personalveränderungen Ms diesem Gebiete gemacht werden würde. Die Quelle tot» Artikel» ist demnach eine höchst unlautere, die ihren --ksprnng nur in den der Reichsglocke verwandten Kreisen >***. |aben kann, welche seit Jahren bestrebt find nicht not die

—tzlkuntgste Wiedereinführung der EingangSzölle auf Eisen, 975;; Stahlwaaren und Maschinen, einschließlich eines Roheisen- M in der Höhe von 50 Pf. per 50 Kilo gebeten wird. -----Intet den Petenten befinden fich: die Bürgerschaft der riß* fltadt Oberhausen (2400 Unterschriften), die Handelskauf igUI lern zu Bochum, Duisburg, Dortmund, Düffeldorf, Effen.

dagegen find von freihindlerischer Seite (landwirthschast- dhm Vereinen, einigen Handelskammern) 21 Petitionen (^gegangen.

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Die Aufmerksamkeit der politischen Welt ist gegenwärtig otzugSweise auf Oesterreich - Ungarn gerichtet, von deffen stltung in den Orientwirren die Entscheidung der Frage ffingt, ob der Krieg localisttt bleibt, oder sich zu einem

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Dir Belagerung bin Straßburg.

panscht Erzählung aus dem deutsch-ftanzösischen Kriege 1870/71 von W. Betuhatbi.

(Schlntz).

«Dieser Jude besaß da» edelste Herz; er leistete mir ««undschastsdienste, die ich ihm nie vergelten kann. Er Phrte mich auch in seine Familie ein.

j »Statt ihm durch meine Dankbarkeit Glück zu bringen 5® mein Erscheinen da« Unglück dieser bisher so glück- pöi Familie."

h^,Manafle hatte eine Schwester, Helene, ein reizende» VMine» Wesen vom reinsten Charakter und von makel- Tugend."

»Ich lernte fie kennen und leider auch lieben."

»Arme Helene! Dein Herz schlug für den Christm wie *7 lkinige für Dich, die Jüdin, schlug. Leider kamen wir rur Besinnung, al» e» zu spät war."

s^Du arm, ich reich; Du Jüdin, ich Christ. Welche k^inbarm und unversöhnlichm Gegensätze. Wehe, daß ftnd, wehe, daß dieser Schein von Weltordnung zwei ffkrzeu trennen durfte, die einander angehörten.

^Helenen« Eltern hätten e» nie zugegeben, daß fie einen Mstrn heirathete. Sie sahen mit blutendem Herzm die i^wde ihrer Tochter, aber lieber ertrugen fie diese.

»Ich selbst befand mich in der gleichen Lage." ^»Erhaben über die Anschauung« der Priester, gleich- E®8 gegen deren Glaubenslehren, wäre ich, um meinen rwn Schatz zu gewinnen, ohne Wettere- zum Juden übergetteten."

»86« mir drohte der Fluch meinet Eltern.

L»We« hätte ich ertragen, nnr nicht den Schmnz derje« deren tHeuer steö Gut ich war. So, gewaltsam an»« “^er gehalten, mußten wir un» trennen.

.Vfene gebar eine Tochter, indem fie chr da- Leben t starb sie.

allgemeinen europäischen Kriege erweitern wird. Zu hoch dürfen wir unsere Erwartungen in Bezug auf die Locali» strunz de» russisch-türkischen Krieges nicht spannen. Denn die äußerst« Anstrengungen, welche die Durchführung der Aufgaben erfordert, die der russischen Regierung gegenüber der Türkei zugefallen find, machen die Ausstellung einet großen Reserve«Armee unweit der österreichischen Grenze erforderlich. Man wird e» daher der österreichischen Regie« rung nicht verdenken können, wenn diese bei Zeiten Vor» fichtsmaßregeln trifft, um fich gegen Ueberraschungen von russischer Seite her zu sichern, und e» wird wohl nicht lange mehr dauern, bis eine theilweise Mobilistmng der österreichischen Armee eintritt, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Zwar ist nicht zu befürchten, daß Oester­reich die Rolle eine« Secundanten der Türkei bei deren ritterlichen Todesgange spielen wird, aber Oesterreich will seine besonderen Jntereflen wahren, und da diese von denen Rußland» in den Orientangelegenheiten sehr abweichen, so wird man gut thun, wenn man sich auf den Ausbruch ernster Verwickelungen zwischen Oesterreich und Rußland vorbereittt, die da» Dreikaiserbündniß nicht zu hindern vermag.

Da» „Mömorial diplomatlqne" glaubt zu wiffen, daß der englische Botschafter in St. Petersburg von seiner Regierung angewiesen worden ist, dem Czar zu eröffnen, daß die Regierung der Königin den Eintritt russischer Truppen in die Moldau (Rumänien) al» eine Verletzung de- Vertrags von 1856 und al» einen Fall de» Frieden«« bruch» (cas de rupture) ansehen würde.

Nachrichten aus St. Petersburg zufolge werden der Kriegserklärung Rußland« an die Türkei folgende Forma­litäten vorhergehen. Rußland wird in einer an die Mächte gerichteten Note die Situation erörtern Dann wird es seine Botschaft au« Konstanttnopel und alle feine Consula au« dem ganzen türkischen Reiche znrückberufen, nachdem e« vorher die dort ansässigen russischen Untertanen unter den Schutz der anderen Botschaften gestellt hat. Dann wird der Kaiser, wie man sagt, sich nach Kischeneff begeben, von welchem Orte die Kriegserklärung datirl werden dürfte.

Die orientalische Frage, welche fich zunächst zur Krist« zugespitzt, rückt dem Kriege immer näher, der von allen Seiten al« unvermeidlich angesehen wird, die Hoffnung zur Erhaltung de« Frieden« ist so gering, daß fie einer Er» wähnung eigentlich nicht mehr bedarf. Telegraphisch wird Folgende« gemeldet:

Wien, 16 April. Der russische Botschafter Novikoff

Diese« Kind, mein Kind, nahm Manaffe zu sich und erzog e« al« seine eigene Tochtn. Er liebte und liebt eS wie sein eigenes Kind. Bei ihm war und ist Helene gut aufgehoben.

»Ich selbst zog nach Pari«."

»Ich ging dort eine Heirath nach den Wünschen meiner Eltern ein, aber ich blieb ohne Glück. Wohl sammelte ich Reichthümer ans Reichihümer ein. Aber meine Fran starb alle die Meinigen starben, nur Helene lebt." '

S®te bereinß bit Erbin meine« reichen Vermögen«

»Jetzt, da ich, ein Deutscher, au« Pari« vertrieb«, diese Stadt verlaffm muß, übergebe ich mein Vermögen dem treuen Manaffe; ich weiß, er wird e» redlich und treu bewahr«.

„Meiner edel« Tochter Helene wünsche ich, daß fie einen Gatten finden möge, der fie um ihrer selbst willen liebe. Deshalb soll fie atm erscheinen, bi» die Zeit ge­kommen ist, die ich zur Oeffnung diese» Briefe« und zur Uebetgabe des Vermögens bestimmt habe.

„Ihr Onkel, mein treuer Manaffe, ist von allem ©ei­teren unterrichtet und wird meine Wünsche treulich er füll«. EoerS."

Dieser so unerwarteten Aufklärung gegenüber war der Commandmr gerührt und betroffen. Er bewunderte da» treue Pflichtgefühl de» alt« Manaffe und ließ diesen an­dern Kerker herbeiholm.

Al» der alte Jude nach einer Weile hineinwankte, ver« Bitten fich seine Züge bei dem Anblicke de- jung« Mäd­chen-. ES bedurfte ziemlich langer Zeit, ehe ihm alle- da- klar gemacht werd« konnte, wa- fich inzwischen ereignet hatte.

Endlich sagte der Commandmr:

So ist dma Alle- anfgeklätt, bi- auf — auf — Er zögerte.

Daun flüsterte er dem greifen Manaffe in’» Ohr:

hatte gestern beim Kaiser Andimz und confertrte sodann mit Andraffy. In Belgrad wird die Mögltchkeft de» Ein« halten- de» abgeschloffeneu Fried«» bezweifelt. Zn Kischi« neff wird im Palai» Katargiu Quartier für dm Czarm vorbereitet; nach Abhaltung eine« Krieg-ratheS wird der Kaiser an dm Pruth geh«. Der Hafen von Odessa ist für fremde Schiffe geschloffen. Nach Berechnung der Diplo­matie ist der Uebergang über den Pruth durch da« Gro­ber Südarmee kaum vor Ende der Woche zu erwarten.

Pari-, 16. April. Der russische Geschäftsträger in Konstantinopel ist abberufen. Die mssischm Untertanen in der Türkei find unter deutschen Schutz gestellt. Die russischen Flotten im Atlantischen und Still« Meere haben Befehl erhalten, sich im Mittelmeer zu sammeln. Die Eln- tracht Oesterreich« mit Rußland ist sicher, die Besetzung Bosnien« durch Oesterreich wird erwartet.

»«tfche, Reich.

△ Berlin, 16. April. Zu der dmtschm Preffe be­gegnet man gegenwärtig nicht selten eingehenden Erörte- rung« über die Stellung der ReichSregierung zum Bunde«- rath, wie fie vrefaffungSmäßig festgesetzt sei und wie fie nothwendigerweise verändert werden müsse, solle die eventuelle Emwickeluug im Reiche nicht unheilbaren Schaden erleiden. Man pflegt an die Worte des Herrn v. Bennigsen bei der Debatte über die Kanzlerfrage anzuknüpfen, daß nicht nur die Stellung von verantwortlich« ReichSministetn für fich und ihr BerhSitniß zu einander, sondern auch die Frage de« VerhültniffeS de« Reichsministerium- zu den Einzel- staaten, zum BundeSrath und deffen Ausschüssen gelockert wnden müffe, und forbert bann, daß die ReichSregierung bas Recht be« Veto erhalte gegen Beschlüffe be- BundeS- rathS, wie ber Reichsvertretung, baß ferner in Bezug auf bie Gesetzgebungsinitiative, bte Reichsregierung nicht durch ben BunveSrath beschränkt werde, bet erster« vielmehr bie planmäßige Leitung der gefammten Gesetzgebung nach einem großen und einheitlichen Gestchtspunkte gestchert werbe, unb tadelt endlich, daß die Reichsregierung auf bie Be- hdrben bet Einzelstaaten nur vermittelst der Regierung« berftlbm Einwirkung üb« könne, baß gegen biefe selbst ihr nur das Zwangsmittel bet BunbeSexemtion zu Gebote stehe, bie wiederum erst vom BundeSrath zu beschließen sei. So wmig wir nun auch die mangelhafte Organisation der ReichSbehörden unb bie mancherlei Anomalie verkennen, bie bezüglich ber Reichsregierung zum Buudesrathe, und zu den Einzelstaaten bestehen, so würden wir e« doch für sehr gewagt halt«, wenn in einem Momente, wo da« Zusammenwirken ber Einzelstaatm mit ber ReichSregierung

„Bi« auf den Sprung in die Tiefe!"

O, antwortete Manaffe gerührt, jetzt, ba Alles vor ber Zeit anfgeklätt ist, brauche ich auch nicht darüber zu schweigen. So wiffen fie beim, baß, als Ever« fich von mir trennte, um in bie Schweiz zu reif«, er mir zurief: Vielleicht komme ich halb wtebet, aber wenn ich komme, bann nehme ich meine Tochtn mit mir! — Eine solche Trennung glaubte ich nicht ertragen zu können, unb des­halb —

Er blickte beschämt zu Bob«.

Aber Helene umarmte ihn und küßte ihm die Scham- röche von ber gefurchten Wange.

Der alte Manaffe war nun »lebet frei unb et begab fich mit Helme in seine Wohnung.

Hier wartete ihrer eine neue Botschaft.

Der Tob beS Evers warb ihm aus der Schweiz ge­meldet. E« lag eine von ihm selbst geschriebene, gerichtlich beglaubigte Vollmacht bet, für Helene Alle» bas zu chuo, was er für gut halten würbe.

Helene »einte ihrem Vater eine Thräne kindlicher Pflicht nach.

Aber ber Verlust »ar für fie minder schmerzlich, als für dm alt« Manaffe, kannte fie doch diesen al» ihr« wahr« Vatre.

Trotzdem da« Testammt vor bet beabsichtigten Zeit zur Kmntniß Helmens gekommen, wat ber eigentliche Zweck desselben ohnedies erfüllt.

Wir wissen, daß das H:rz Helmen» für ihren vetwun- betet Glaubensgenossen schlägt, für ben Solbatm RmS- Duval.

Täglich war fie hn Lazareth zu stoben. Sie traf bot mit Heinz unb Gustav, ihren Rettern, zusammm.

Als Renöe soweit genesen wat, daß er, obwohl für künftige Zeiten kampfunfähig, da« Lazareth verlassen bürste, ba hattm seine beibett Freunde beim General < Commanbvx