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Marburg, Dienstag, 17. April 1877.

xn. Jatrgaig.

Ameisen nimmt entgegen: tz^Erpebttion d. Blattes, lowie die Lnnoncen-Bureaux on Th. Dietrich & So. In jtafiel und Hannover; Lh- Dietrich in Frankfurt o. M.; Saasenstein & Sollet in

ttfeetlin, Frankfurt a.M.re.

OberhcfsHr Mung.

Anzeigen nimmt entgegen: die «gelitten d. Blattes sowie die Annoncen-Bureanx von G. L Daube & So. in

Feankfutt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Framfutt a. M.; Jnvalidendani, L- Stete» meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

«scheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlnftrirtes Lountagsblatt" durch die fcBebition (Soch'sche Buchdruckerei) bezogen Äh Mart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» S Mart 50 Pfg. (e$L Bestellgebühr). JusertiouSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden Ä5 Pf», berechnet.

Tagesbericht»

DerReichS-Anzeiger" publicirt die Ernennung von Puttkamer'a zum Oberprästdenten von Schlesien. Die gtorbb. Allg. Ztg" bemerkt gegenüber den Meldungen verschiedener Blätter, uach welchen Bismarck als Bedingung seines VerbleibmS im Amte einen großen System- und Personenwechsel aufgestellt, wobei auch Camphausen'S Er­setzung im Amte für nöthig befunden würde: eS sei notorisch, daß Bismarck Camphausen als seinen Stellvertreter vorge- chlagen habe und könne versichert werden, daß etwaige Vor- chläge, betreffend einen System- und Personenwechsel, nicht gemacht wurden.

Der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten in Berlin hat in dem am Sonnabend publicirtm Urtheil die Absetzung ZaniSzewakt'S von seinen Aemterv als Weihbischof von Pose« und Domherr ausgesprochen.

Zu dm Segnungen, welche uns die Apostel der wirth- schastlichen Freiheit gebracht haben, gehört auch die Wucher ftriheit, die liberale Nationalökonomie hat die Lehre von der freien Konkurrenz, welche überall die ökonomische Har monie herzustellen geeignet sei, auf die Bewegung des Kapitals übertragen und zum Sturmbock gegen das Ver bot des Wuchers gemacht. Indem sie da» Gold sür eine Waare erklärte und jeder anderen Waare gleichstellte, be­stritt sie dem Staate das Recht, dm Preis dieser Waare bestimmen zu wollen, ste wies außerdem auf die Erfahrung hin, welche zeigt, daß jedes gesetzliche Zinsenmaximum bis her immer nur zum Schein bestanden, der Vnkehr sich stets über diese ihm gezogene Schranke hinwegzusetzen habe. Die liberale Oekonomte lehrte also, daß Wucherverbote ebmso unberechtigt al» unnütz seien, ste lehrte sogar, daß ste positiv schädlich seim, indem ste den freien Verkehr deS Geldes hemmm, und e» dadurch vertheuere. Diesem in der modernen Gesetzgebung wiederholt zur Geltung gekom menen Standpunkte haben neuerdings verschiedene Juristen den Rechtsstandpunkt entgegmgestellt und auf die im Volke lebendige Rechtsüberzeugung hingewiesm, welche gar keine ZinStaxe und kein ZinSmaxtmum, wohl aber Verbot und Ettase auf dm Wucher fordert, wie ihn das Volk versteht: auf die verworfene systematische Ausnützung der Nothlage der Nebenmenschen. Beim Wucher so lesen wir in einer vom Grafen ChorinSky, LandeSgertchtSrath in Wien, herausgegebenen Schrift kommt eS auf die Fixirung eines großm ZinseumaximumS nicht an, nicht die Höhe der genommenen Zinsen an sich macht den Wucher aus, fon> dem der Sprachgebrauch hat unter dieser Benennung stets solche Menschen begriffen, welche nicht bloS zu höheren Prozen- tm ausleihen, sondern welche die Vortheile ihre» Kapital«

Die vel«tzerm»r Bau Straßburg.

Historische Erzählung aus dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 von W. Bernhardi.

(Fortsetzung.)

7.

Die Erlösung.

Wie der Sonnenschein auf Regen, So folgt auf den Fluch der Segen.

Helme hatte mit stillem Danke gegen Gott die hülf- reiche Hand der beidm Retter angenommen und mit ihnen da« Haus verlaffm.

Sie hatte Beiden, da ste ihnen Erklärung schuldig zu sein glaubte, alle die Ereiguiffe erzählt, welche ste endlich in die Wohnung deS Herrn von Fidi geführt. Sie ver­schwieg auch nicht die Art und Weise, auf welche ste zuerst dm jungen Soldaten Ren«: Duval kennen gelernt hatte.

Bei der Nennung diese» Namen» sahm sich die beiden Frmnde bedeutungsvoll an.

Gustav sagte aber zuerst lächelnd:

Leider ist Ihr Vertrauen getäuscht worden. Ihr Vater sitzt noch im Kerker, das ist wahtz) Aber er ist nicht ver- nrtheilt. Man hat eine Menge Geld in seinen Kleidern gefunden und die» erscheint bei seiner bekannten Arrnuth derdächttg. Niemand aber hat ihm ein Unrecht bewiesen. Was Sie bekifft, so hat Niemand daran gedacht, einen Haftbefehl gegen Sie auszurichten. Und wmn Beides der Fall wäre, so würde der Mensch, der fich zu Ihrem Retter anfwarf, der letzte sein, der Jhnm helfm könnte. Ich be» trachte eS als eine höhere Fügung, daß Sie unsere Theil- dohme erweckt«, so daß wir uns zu Ihrer Hülse au[ wachten. Rerve Duval ist unser Freund; ebmso, wie William Fomi e» gewesm itt. Erlauben Eie wir eine Frage?'

besitze« gebrauchen, um den Bedürftigen, dem Schwachen, dem Leichtsinnigen die härtesten Bedingungen aufzuerlegen. Für solche Handlungen ist aber der Begriff deS Straf­baren im Volke auch nicht einen einzigen Augenblick ge­schwunden. Dieser Anschauung pflichten wir vollkommm bei und glauben, daß ste geeignet ist, manchen bisherigen Gegner der Wucherverbote auf eine andere Meinung zu bring«. So lange man sich das Wucherverbot von einem Zinsmmaximum unzertrennbar denkt, kann die National­ökonomie auf die sich die Gegner der Wucherverbote be­rufen, mit Erfolg ins Feld geführt werden, erkennt man aber, daß eine Forderung des RechtSgesühlS die wucherische Ausbeutung deS Nebenmenschen verdammt, ohne daß nach einem Zinsenmaximum gegriffen werden soll, so gewinnt man sofort eine andere Auffassung von der Strafbarkeit deS Wuchers. Wenn ein Wucherstrafgesetz dahin definirt werden würde: die Bevölkernng gegen die rücksichtslose Aus beutung von Zuständen, aus welchen der Einzelne sich nicht leicht mit eigener Kraft retten kann, zu schützen, dem Richter die Möglichkeit zu bieten, der über einen Unglück lichen hereinbrechenden Vernichtung seiner wirthschastlichen Existenz Einhalt zu thun, so würde dadurch das Rechts bewußttein, de» Volks befriedigt werden, das sich über die Straflosigkeit des gemeingefährltcheu Wuchers empört.

Zur Orientkrtsi» brachte der Telegraph folgende Nachrichtm:

London, 14. April. Die Morgenblätter besprechm fast sämmtlich die bevorstehenden kriegerischen Eventualitäten. DieTimes" ist der Ansicht, die Pforte habe durch ihre Circularnote ihr Bestes gethan, die Kriegs - Erklärung zu beschleunigen. Möge auch vielleicht Rußlands Haltung Tadel verdienen, so habe doch die türkische Regierung unstreitig daS Protokoll in ein Kriegs-Instrument verwandelt. Die Morning-Post" fordert, daß die Streitfragen zwischen Rußland und der Türkei durch eine Mediation, wie solche im Pariser Vertrag vorgesehen sei, geschlichtet würden.Daily Telegraph" hingegen bezweifelt, daß die Diplomatie im gegenwärtigen Stadium der Sache noch etwas ausrichten könne.

Konstantinopel, 13. April. Die montenegrinischen Delegirten conferirten heute zum letzten Male mit Savfet Pascha, welcher rundweg die Ablehnung ihrer Forderungen erklärte. Hiernach richtete der Großvezir ein Telegramm an den Fürsten von Montenegro, worin er demselben an zeigte, daß, nachdem die Friedens-Verhandlungen resultatlos verlaufen seien, der Waffenstillstand nicht mehr verlängert würde. Die montenegrinischen Delegirten verlaffen Kon- stanttnopel am Dienstag über Barna. ES wird versichert, die türkischen Truppen werden alsbald die Weisung er­halten, Nikstc zu verproviautiren, und wird hierbei der

Wiederbeginn der Feindseligkeiten ermattet. See-Kriegs­schiffe werden theilS an die Suliuamündung, theilS zum Kreuzen im Schwarz« Meere abgeheu, fünf Fregatten im Mittelmeer kreuzen. Der KriegSminister soll nach Srzernm reisen.

Wien, 14. April. DieN. Fr. Pr." meldet: Die Donau «Dampffchifffahrtgesellschaft empfing die Nachricht, daß die Türken heute bei Kalafat begonnen haben, Brücken über die Donau zu schlag«. Die Gesellschaft ließ diese Nachricht durch ihren Vertreter der Fruchtbörse Mitchell«.

London, 14. April. Reuter'S Bureau meldet: Einer Privat-Nachricht au» Petersburg zufolge wird die Kriegs- Erklärung nicht unverzüglich erfolgen. Rußland werde wahrscheinlich erst eine die Situation erklärende Note an die Großmächte richten und seine Botschaft aus Konstan­tinopel, sowie sämmtliche Consnln aus der Türkei abbenxfen. Sodann werde der Kaiser sich nach Kischeneff begeben, von wo erst die Kriegs Erklärung datirt werden dürfte.

W a r s ch a u, 13. April. Sämmtliche Bahnverwaltungm erhielten Ordre, sich für Truppen-Transporte in Bereit­schaft zu halten. Stündlich wird die Sistirung deS Güter­verkehrs erwartet. Die Regierung hat in den letzten Tagen bedeutende Hafer« und Roggenlieferungen für die Armee abgeschloffm.

Petersburg, 14. April. Die Zeitung»«Nachricht, an den bieffeitigen Geschäftsträger in Konstantinopel fei Befehl ergangen, dm Krieg on die Pforte zu erklär«, ist nach authentischer Information völlig unbegründet.

Wien, 14. April. DiePol. Corr." meldet au» Petersburg vom 14. d. M. Die bisherigen Sitzung« der Minister-Comitös haben noch keine Entscheidung hervorge­rufen. Nächste Woche wird eine Circulardepesche Gort» schokoff» den Beschluß der russischen Regierung den Mächten notificiren. Die Beziehungen der Pforte zu Montenegro sind abgebrochen. Geoeral-Consul Ionin ist heute mit In­struktionen nach Montenegro abgereist. Der künftige Orga­nisator Bulgariens, Fürst Tscherkißch, reist nächsten Sonn­tag nach Kischeneff ab. Persien nolificirte der Pforte feine Ansprüche auf Bagdad. Dieselbe Korrespondenz meldet au» London vom heutigen Tage, daß noch immer die Möglich­keit einer diplomatischen Phase vorhanden ist und daß die militärische Action von Seiten Rußlands noch nicht un­mittelbar bevorsteht.

Paris, 14. April. DerMoniteur" bemerkt bei Be­sprechung der gegenwärtigen Lage der orientalisch« Frage: Das Londoner Protokoll ging aus dem aufrichtigen, aner« kennenswerth« Bestreb« hervor, die Souveränetät der Türkei intakt zu laffen. Man forderte von der Pforte nur die Durchführung derjenig« Reformen, welche sie au» eigenem Antriebe in» Werk setzen wollte. Die Deklaration Rußlands betonte vor Allem die Entwaffnung. Die Dekla«

Jede, mein Herr!"

Vertrauen Sie mir und meinem Freunde aufrichtig?"

Von Herzen; jmer Herr, der mich in seine Wohnung führte, erfüllte mich von vornherein mit großer Abneigung l"

Sie werden mir also offenherzig, ohne Umschweife antworten?"

Ganz gewiß!"

Run denn, so sagen Sie mir das Eine. Ist Ihr Vater de« ihm zur Last gelegten Verbrechens schuldig?"

Bei Gott, nein. Sein Gewissen ist rein, ebenso wie seine Hände es find in Bezug auf Geld, welche» bei ihm gefunden worden ist."

Ich glaube Ihren Wort«, mein Fräulein. So hören Sie denn auch meinen Rach. Gehen Sie getrosten Muthe» hin und stellen Sie sich selber dem Kriegsgerichte."

Dies war meine erste Absicht, in deren Ausführung ich nur durch jenen Menschen verhindert wurde."

Gut denn, Ihren Worten, Ihrem heuen Auge wird man glaub«. E» handelt sich nur darum, zu beweisen, daß Ihr Vater sich auf redliche Weise im Besitze jener Geldsummen befindet."

O," antwortete Helene mit leuchtend« Augen,dies« Beweis werde ich liefern. Es handelt sich um die Offen­barung eines Geheimnisses, ober die Freiheit und da» Wohl­ergehen meines Vaters stch« höher. Ich werde chu be­freien!"

So leben Sie denn wohl, mein Fräulein," sagte Gustav, indem er seinen Frmnd Heinz bei der Hand nahm. Möge da« Glück Ihn« günstig sein!"

Helene entfernte stch.

Komm Freund," fuhr Gustav dann fort,laß uns Rens: Duval aufsuch«. Er ist in das deutsche Lazareth gebracht worden. Er wird mit unfl über William Forni frechen."

ES war gut, daß er starb," sagte Heinz mit trauriger Mime.Als Engländer mochte er nufer Frmnd nicht sein, doch daß er sich zum Spion gegen un« hergab, das betrübt mich."

Laß die Todten ruhen!" sprach Gustav.Komm, laß UNS die Lebenden aufsuchen!"

Und Beide begaben stch nach dem deutschen Lazareth.

Helene aber schritt groben Weges auf die Wohnung de» commanbirenb« Generals zu. Sie ließ stch anmelden und indem ste angab, daß ste in Bezug auf den Ange­klagten Manaffe wichtige Aufklärungen zu geben habe, ge­lang e« ihr sogleich vorgelaff« zu werden.

Der General empfing ste mit freundlichem Ernste.

Auf fein Befragen erklärte ste ihm zunächst, auf welche Art ihr Vater in dm Besitz des Gelbe» gekommen fei, unb au» welchen Grünbcu sie baffelbe in ihre Kleidungsstücke genäht hätten.

Al» Beweis übergab ste den Brief, welcher ihr, wie wir wiffen mit der Weisung anvertraut worden war, ihn erst an einem bestimmten späteren Termine zu öffnen.

Aber da eS die Rettung ihre» Vater« galt, so zögerte sie nicht, ein Geheimniß preiSzugebeu, das ihrer Ueberzm- gung nach Licht in diese verwickelte Angelegenheit bringen mußte.

Der General öffnete da« Schreiben.

E« «ar ein ziemlich lange« Aktenstück unterzeichnet Ewers", und vollen mk ein« kurzen Auszug desselben mittheilm.

Der Schreiber sagte darin ungefähr:

Ich, ein geborener Deutscher, durch Geburt und Er­ziehung Christ, lernte eine» Tages in Straßburg ein« Juden, Namen» Manaffe, kmnm. ,

(Fortsetzung folgt)