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JRatßurg, Sonnabend, 14. Aprll 1877,

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Berlin, 12. April 1877.

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Anzeigen nimmt entgegn: btTenntttox d. Blatte» sowie die Hmwnttn-Bureaui von ® L- Daube & So. in

Imetgen nimmt entgegen: Me «rpebtttox d. Matte«, fotoie die Annoncen-Bureaux non Th. Dietrich L So. in gefiel und Hannover; Th- Dietrich in Frankstlri a- M ; tzeasmstein & Segler in Z^dfnrt a M, Lettin, Sein* tia. SHn rc; Rudolf Messe inBerlin, Frankfutt a. M. rc

Ein Berliner Correspondeni derMagdeb. Zig/ hatte diese« Blatte geschrieben: »Die deutsch > eonservativen Ab geordneten halten sich überzeugt, Fürst Bismarck werde die Geschäfte des Reichskanzler« überhaupt nicht wieder über­nehmen und den Deutsch-Consttvativen scheine gar viel daran gelegen zu sein, daß der Reichskanzler beseitigt werde." Die Nordd. Allg. Zig." hatte diese Aeußerung abgedruckt und derselben hinzugesügt, daß diese Insinuation, welche Alle« hinter sich lasse, wa« von hämischer Lüge und Anschwärzung bisher gegen die Deutsch - Eonservativen geleistet worden, wohl eine Aeußerung aus der Mitte der Fraetion selbst veranlaffen werde. In Folge dessen ist dem Chefredakteur derNordd. Allg. Ztg." von dem Borstande der Fraktion der Demsch-Conservativm folgende« Schreiben heute zuge-

Ew. Hochwohlgeboren

haben in der heutigen Nummer derNordd. Allg. Ztg." auf eine Korrespondenz derMagdeb. Ztg." au« Berlin aufmerksam gemacht, die sich mit der angeblichen Stellung und den Wünschen der deutsch - eonservativen Abgeordneten bezüglich der Beurlaubung de« Herrn Reichskanzler« be schäftigi. Wir können nur dankbar dafür fein, daß Sie diese Insinuationen bereit« mit dem richtigen Namen be­zeichnet haben. Unsererseits kann nur ein Bedauern aus­gesprochen werden, wenn der Gesundheitszustand be« Kanzlers dem Reiche die feste leitende Hand entziehen sollte, deren e« jetzt nach Innen wie nach Außen dringend bedarf. Daß unsere Fraktion und ihre Stellung im Reichstage zu den Vorgängen, die auf die Entschlüsie des Fürsten Bismarck etwa einen Einfluß geübt haben, in absolut keiner Beziehung stehen, ist eben so gewiß, als daß von Seiten der Fraktion keiner- lnKundgebung and keinerlei autoristrte Aeußerung in der Presse erfolgt ist, in welcher dem Gedanken AuSvruck gegeben wäre, daß uns der Rücktritt des Reichskanzlers erwünscht sei. Gerade für die Reform der ©teuer- und Sozialgesetzgebung, die wir erstreben, tonnen wir dem Herrn Reichskanzler nur die volle Kraft der Gesundheit wünschen. Die von ihm öffentlich ausgesprochenen Ansichten laffen es nicht zweifel­haft erscheinen, daß er für seine Ptäne aus diesem Gebiete von unserer Seite des Hauses auf eine kräftigere Unter stützung rechnen kann, al» von der Seite, deren Jatereffen bisher dieMagdeburger Zeitung" vertreten hat.

Der Borstand der Fraktion der Deutsch Eonservativen. Graf Moltke. v. Seydewitz. v. Helldorf. Ackermann.

Graf Kleist.

Tagesbericht.

Die Kanzlerkrtst« ist nunmehr beendigt und Fürst Bis­marck bleibt in allen feinen Aemtern. Seine Beurlaubung ist übrigens nur von unbestimmter Zeitdauer, vermathlich deshalb weil die Entwickelung der Orientverhältnifle nach dem nunmehr unvermeidlich gewordenen russisch-türkischen Kriege sich nicht berechnen läßt und eS sehr wohl möglich ist, daß durch den Gang der Ereigniffe auf der Balkan Halbinsel Deutschland schon in ben nächsten Monaten ge­zwungen sein könnte, entscheidenden Antheil an der Leitung der un« heute noch wenig interesstrmden Angelegenheiten zu nehmen. Für diesen Fall müßte natürlich der Reichs­kanzler schon früher die Staatsgeschäfte wieder übernehmen, al« er gegenwärtig wünscht. Inzwischen wird, wie allem Anschein nach zu erwarten ist, Fürst Bismarck seine Muße dazu benutzen, die verschiedenen Denkschriften, die demselben in Bezug auf die wirthschaftlichm Angelegenheitm und deren Behandlung theilS zugegangen, tbeil« noch zugehen werden, zu studlrm, und sich über die Veränderungen schlüssig zu machen, die auf dem witthschastlichen und socialistifchen Gebiete längst von ihm in« Auge gefaßt sind.

Die Fraktionm de« Reichstage« haben am Mittwoch die Frage berathen, wie sie sich zu dem Anträge be« Abg. Dr. Hänel auf Besprechung be« Schreibens be« Reichs kanzler« stellen wollm. lieber baS Resultat bieser Be sprechungen unb über ihre Entschließungen bewahrten bie Fraktionen noch tiefe« Geheimniß. In Betreff bet Be schlöffe bet beutschen konservativen Fraktion glauben wir recht unterrichtet zu fein, wenn wir mittheilen, baß bie Fraktion, sofern e« zur Abstimmung darüber gelangt, ob da« Schreiben zur öffentlichen Debatte gestellt werden soll, sich ablehnend verhalten wird, weil sie sich von einer solchen Besprechung durchaus kein irgenbwit praktisches Resultat versprechen zu können glaubt.

(Fortsetzung.)

Sowie Sie für bie Rettung Ihre« Vaters etnzutteten versuchen, »erben Sie ihn nur verderben."

Helene bebeckte ihr Gesicht mit ben Händen und schluchzte hörbar.

r'iMein Batet, wein armer, unglücklicher Batet I Was soll ich thun?"

Was ich Ihnen schon einmal sagte, mir folgen!"

Und wohin?"

In bat Gasthof bet Frau Wiegerist. Ich wohne dott; unt r meinem Schutze werden Sie vollkommen sicher sein."

So nklären Sie mir doch"

»Ich sage Ihnen nur das Eine. Ze länger wir auf offener Straße stehen unb die Zeit verschwatzen, um so drohender nihett sich Ihnen bie Gefahr, um so sicherer wirb Ihr Batet barin umkommen."

Sie schritt neben Herrn von Fibi einher.

Ganz in Gedankm über da« Schicksal ihre« Batet« nnb übet ihre eigene so ttübe erscheinenbe Zukunft, achttte sie nicht daraus, daß mehrere Vorübergehende sie und ihren Begleiter mit sonderbaren Blicken onsahen; sie merkte e« nicht, baß besonder« zwei junge Herren, die ebenfalls das rvthe Kreuz trugen, an ihnen voäbergehmd bedenklich die Köpfe schüttelt« und, nachdem sie noch ein paar Schritte gegangen waren, umkehtten und ihr nebst ihrem Begleiter folgten.

Sie langte mit demselben in dem erwähnten, uns schon betraten Gasthofe an.

Herr von Fibi schrttt voran und trat, von Helene ge*

Kopf- i, das jeför- elben viele i von iiber- i 60

erneuert wirb, so werden die Feindseligkeiten auf der west» lichen Seite der Türkei bald wieder beginnen. An diesem Tage wird zugleich die Kriegserklärung Rußlands an die Türkei erwartet, nachdem die russtscheu Vorschläge abgelehnt und Rußland nunmehr kein anderer Ausweg übrig geblieben ist, als das Schwert zu ziehen. .

Wiener Nachrichten melben, es fei jetzt die im Proto« koll vorgesehene weitere Verständigung angeregt, indeß habe England die Theilnahme hieran abgelehnt, «eil die Pforte das Protoll verworfen habe, letzteres mithin für England also null und nichtig sei. Aus Bukarest wird der Bor- matsch der Südarmee, an« Athen daS baldige Eintreffen bet englischen Flotte in bet Bestka Bai sigualisirt. Die Diplomatie hält ttotzdem ben Aufschub be« Kriege« noch für denkbar.

«Sh Cf. aus»

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(Rai betStils. Ztz.")

Die ganze türkische Dobrubscha ein uncultivttteS Sumpf« land, in welchem nur halbwilbe nomadistrenbe Tataren mit fljren Vieherden Hausen, ist sonst ohne Straßm und feste Wohnorte. Nur von dem türkischen Städtchen Jsaktsch, nicht «eit von dem rumänischen Galatz gelegen, führt eine größere HeeteSstraße über Babadagh nach dem Hafenort Köstendsche, der mit Tschernawoda an der Donau durch eine Eisenbahn verbunden ist; sonst find in der ganzen Dodrudscha keine Straß«, auf denen auch nur eine Batterie fahr« tonnte,

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«rfcbeürt täglich außer dm Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3I«fhrtrte« Cionnta|«llatt durch die SrBebition (Koch'sche Suchdruckerei) bezogen 24 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pf«, (eil. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeue 10 Pf«. Für in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werde« 35 Ufa. berechnet.

Frankfutt a. M.: Jäaer'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnoalidendank, A. Äete- meyer in Bettin; Satt Echüß»

let in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Iflbllltltflfll auf das 2. Ouartal wer- U den von ben Postanstalten noch angenommen

Da wir noch eine Anzahl Exemplare des Jllustr. Sonntagsblattes haben nachge­liefert erhalten, sind wir jetzt wieder im Stande eine kleine Anzahl vollständig liefern zu können.

Die Bestellungen bitten wir jedoch baldigst machen zu wollen.

Die Exp. d. Oberh. Ztg.

Lmtschü» »eich.

Berlin, 12. April. Die Ordre, durch welche der Kaiser da« Abschiedsgesuch des Fürsten Bismarck ablehnt, motivirt diese Ablehnung damit, daß Se. Majestät die Hoffnung nicht aufgebe, die Gesundheit deS Reichskanzler« wiederhergestellt zu sehen, zu diesem Behuf« werde ihm ein sogleich anzutretender Urlaub ertheilt Die zahllosen während der KristS aufgetauchten Bermuthungen über die Beweggründe für das EntlaffungSgefuch de« Reichskanzler« erweisen stch mit Bestimmtheit ausnahmslos al« hinfällig. So hat beispielsweise die Kirchenpolittk in den ganzen Ver­handlungen niemals eine Rolle gespielt und ist nicht einmal zur Sprache gekommen. Ebensowenig ist jemals die Rede davon gewesen, dem Kanzler in feinen Function« eine größere Machtvollkommenheit beizulegen. Zn der franzö­sischen Presse spielt die Angelegenheit deS Ches« der. Ad­miralität v. Stosch noch immer eine hervorragende Rolle, die doch vor Einreichung de« EntlaffungSgesuch« bereit« erledigt war. ES ist wiederholt zu versichern, daß, nach­dem die Sache durch die ihrer Zeit bekannt gewordene Kaiserliche Ordre zum Abschluß gebracht worden war. Nie­mand mehr auf dieselbe zurückgekommen ist. Im Reichs­tage sollte ursprünglich die erste Lesung der wirthschastlich« Anträge in dieser Woche auf die Tagesordnung gebracht werden. ES scheint jedoch, daß da« Präsidium entschlossen sei, zuerst die Berathung deS ReichShauShalteS so schnell als nur möglich zu fördern. E« erscheint dieses Verfahr« um so mehr geboten, als irgend eine unvorhergesehene Ber- zögeruug der HauShalt-berathungen die Folge haben könnte, den Abschluß bis zum 1. Mai unmöglich zu mach«. In Betreff der Reis« de- Kaisers herrscht ein anscheinender »ud Sie zu retten; ich besitze dieses Mittel, sagte der Baron lauernd.

Ach, so geb« Sie es. Sprechen Sie, was soll ich thun."

Nicht doch ich gebe es nicht umsonst."

O, Sie wollm Geld? Ich biete es Zhn«. Schätze, die mir nicht gehören, für das Leben meine« Vaters gebe ich sie Ihnen. Schnell, um welch« Preis wollen Sie ihn retten?"

Um ben Preis Ihrer Liebe!" antwortete Herr von Fidi mit funkelnden Bugen.

Heime, zum Tode erschrocken, trat einige Schritte zurück unb sagte mit beleidigter Würde:

Sie scheinm zu vergessen, mein Herr, daß e» stch nicht um mich, sondern um meinen Vater allein handelt. Können Sie ihn retten?"

Ich kann es, ja. Ich stehe in einem vertraulichen Verhältnisse zu dem commandirmden General; ein Wort von mir und Ihr Vater ist frei. Es würde dies bie erste Bitte fein, die ich an meinen Freund richtete, er würde sie gewähren. Wohlan dmn, schenk« Sie mir Zhre Liebe und ich schenke Ihn« dm Vater!"

(Fortsetzung folgt.)

Mit dem 13 d. M. läuft der Waffenstillstand zwischen der Türkei und Montenegro ab. Da derselbe nicht wieder folgt, in fein Zimmer, das er sogleich nach dem Eintritt deS jung« Mädchens sorgfältig verschloß.

Helene hatte hiervon nichts bemerkt.

Herr von Fidi lud sie ein, stch auf das Sopha nieder- zulasten. Das junge Mädchen war indesten viel zu auf­geregt, um dieser Einladung Folge leistm zu können.

Sprechen Sie endlich, mein Herr, rief fie. Wir sind allein."

Ja, wir sind es, antwortete Herr von Fidi mit wider­licher Freundlichkeit lächelnd. Und wist« Sie, weshalb ich Sie hierher geführt habe?"

Sie spannen mich auf die Folter. Sprechen Sie doch?"

Zu Ihrer eigenen Sicherheit!"

Unmöglich, mein Herr, ich"

So vernehmen Sie denn da- Schreckliche, besten Kmntniß Ihnen ja doch nicht vormthalten werd« kann. Gegm Sie ist ein Haftbefehl ausgestellt wordm; Sie sind zu verhaften, wo Sie ergriffen werden, und Sie werden das LooS Ihres Vaters theilen "

O gewiß," sagte fie mit einer erhaben« Mime, die dem elenden Schlachtenbummler imponirte,ich werde es, welches auch dies LooS fein möge!"

Auch dm Tod?"

Helme erzittette und wurde bleich.

Den Tod, fagm Sie. Ja, ich bin dazu bereit. Doch wozu diese Frage?"

Das Kriegsgericht hat Ihren Vater zum Tode verur- theilt."

Mit einem gellmdm Schrei brach Helme zusammm.

Doch bald erholte fie stch wieder; die Angst um da» Leden eines Thmrm gab ihr« Nerven neue Kräfte.

Zum Tode 1" rief fie.Es ist unmöglich. Dieser edle, brave Greis zum Tode verurthtttt. Nein, nein, und dreimal nein!"

Unb doch ist es so. Nur ein Mittel zieht e«, ihn

Die Behgerene bin Straßburg.

Historische Erzählung au- dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 von W. Bernhardt.