unten mitgetheilten neueste Nachrichten sind noch folgende in der Orientkrists beachtenswerthe Telegramme etngegangen:
Eine Petersburger Meldung der „Pol. Corr/ vom Dienstag bezeichnet die Version, daß Rußland der Pforte einen Termin zur Entscheidung über die Frage der Entsendung eines Special-Gesandten nach Petersburg gefetzt, al» ebenso unbegründet, wie die Meldung, daß schon in dm uächsten Tagen das ruffische Kriegs-Manifest erscheinen werde. Die Entscheidung über die von Rußland zu uehwmde Stellung gegenüber der türkischen Circular- Depesche ist für morgen zu erwartm. Die Situation ist hochernst.
Aus Paris wird telegraphirt: Es gilt als sicher, daß die Türket das Ultimatum Rußlands, zum 13. d. M. eine definitive Antwort zu ertheilen, zurückweist. Der Sultan hat der Königin von England direkt telegraphirt und feinen Dank für die Avstrmgung und Vermittlung Englands ausgesprochen, aber die Volksstimmung in der Türkei verhindere die Annahme der Propofitionen des Protokolls.
Deutsche- »ei«.
Berit», 11. April, lieber die Beurlaubung des Reichskanzlers schreibt heut die „Prov.-Corr/: „Da- Abschiedsgesuch des Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck ist von Sr. Majestät dem Kaiser nicht genehmigt worden: das Ober Haupt des Deutschen Reiches hat in Uebereinstimmung mit den Kundgebungm der öffentlichen Meinung, wie sie auf die Nachricht von dem Gesuch des Fürsten überall lebhaft und dringlich hervorgetreten sind, als den höchsten Gesichts punkt für seine Entschließungen erachtet, dem Kanzler jede zeitweise nölhig erscheinende Befreiung von feinen Geschäften eher zuzugeftehen, als in seinen wirklichen Rücktritt zu willigen. Der Kaiser und das deutsche Volk können und wollen fich nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß der Staatsmann, aus deffeu gewaltigem Denken und Schaffen die Gestaltung unseres nationalen Gemeinwesens hervor- gegangen ist, und der die Entwickelung deffelben seither durch alle Schwierigkeiten von Stufe zu Stufe glücklich hindurchgeführt hat, seine Hand von der weiteren Leicuna deffelben zurückziehen sollte, so lange diese Hand nicht wirk- sich erlahmt und erschlafft ist; — der Kaiser konnte aber zu der stets bewährten treuen und patriotischen Hingebung de» Kanzlers das Vertrauen hegen, daß er ungeachtet der schweren Erschütterung seiner Gesundheit auf den Rücktritt von seinem erhabenen Berufe verzichten würde, so lauge die Hoffnung begründet erscheint, daß er die unerläßliche Erfrischung und neue Stärkung zu weiterem Wirken und Schaffen ohne jene volle Entsagung wieder gewinnen werde. Wenn der Reichskanzler selbst, in dem peinlichen Gefühle, den gehäuften und aufreibenden täglichen Anforderungen seines Berufes nicht mehr in einem feinen eigenen An sprüchen und Wünschen entsprechenden Maße gewachsen zu sein, in seiner strengen Gewissenhaftigkeit es für seine Pflicht hielt, dem Kaiser seine Entlastung und die Wahl seines Nachfolger» anheimzustellen, — so konnte et sich doch dem Verlangen Sr. Majestät nicht entziehen, zunächst noch ein mal den Versuch zu machen, in einem längeren Urlaub seine Kräfte neu zu beleben und zu stärken, einstweilen aber sich und seine unersetzliche Autorität dem Reiche zu erhalten. Um dem Wunsche des Reichskanzler» auf volle Entbindung von allen amtlichen Geschäften und Sorgen, wenn auch nicht dauernd, doch wenigsten» für einen längeren Zeitraum zu entsprechen, mußte zur Erwägung kommen, ob nicht
während einer ausgedehnten Beurlaubung eine volle Stellvertretung des Kanzlers in Bezug auf alle feine verfastungS- mäßig'n Befugnisse zu ordnen wäre: in solchem Falle würde einem für die gejammte innere Verwaltung des Reiches und Preußens einzufetzenden Stellvertreter, behufs vollständiger Entlastung des Fürsten, auch die nach der ReichSversaflung dem Kanzler zustehende Gegenzeichnung und Verantwortlichkeit für die Anordnungen und Verfügungen deS Kaisers zu übertragen gewesen fein. Im Hinblick auf die Mei uungSkämpfe und Schwierigkeiten aber, welche die Regelung einer so weit ausgedehnten Stellvertretung darbieten konnte, hat der Reichskanzler auch darin den Wünschen des Kaisers gewillfahrt, daß er zunächst während eines kürzeren, mehr- monatlichen Urlaubs den Zusammenhang mit der Leitung der Reichsgeschäfte nicht absolut aufgeben, vielmehr dem Kaiser auf Verlangen mit seinem Rath zur Seite stehen und die verfastungSmäßige Gegenzeichnung der kaiserlichen Anordnungen, insoweit erforderlich, übernehmen wird. Die Vertretung deS Fürsten in allen übrigen Beziehungen ist für die inneren Reichsangelegenheiten dem Präsidenten des Reichskanzler-Amtes, für die auswärtigen Angelegenheiten dem Staatssekretär im auswärtigen Amte, die Vertretung in der preußischen Verwaltung dem Viceprästdenten des Staatsministeriums übertragen. Durch diese Anordnungen dürfte dem vollauf berechtigten Ansprüche des Kanzlers auf Ruhe und Wiederauftichtung seiner erschütterten Gesundheit und gleichzeitig dem Jnterefle des Reichs und den Wünschen des deutschen Volkes soweit möglich Befriedigung gewährt sein: so schwer auch die zeitweilige Abwesenheit des Kanzlers, namentlich während bet soeben wieder aufgenommenen Reichstagssession, empfunden werden wird, so dürfte doch auch die Reichsvertretung das Vertrauen und die Unterstützung, welche ste dem Kanzler jederzeit gewährt hat, auch in diesem Augenblicke durch die volle Rücksichtnahme auf die unausweichlichen Schwierigkeiten i der Lage und durch die Bereitwilligkeit zur Erleichterung derselben bethätigen, und sich mit dem Kaiser in dem Wunsche vereinigen, den hochverdienten Kanzler bald mit erneuter und frischer Kraft zur vollen Ausübung seines Berufs für Preußen und Deutschland zurückkehren zu sehen."
Wie», 9. April. Die Nachrichten ans der türkischen Haupistadl eröffnen keine guten Aussichten auf die Erhaltung des Friedens. Die Pforte scheint nicht geneigt, in der Weise, wie e« die Mächte wünschen, zum Londoner Protokolle Stellung zu nehmen. Sie erklärt, im Protokoll eine Durchlöcherung des Rechtsbodens, eine Verletzung des Pariser Friedens zu erblicken, und gegen die Belege, mit welchen ste diese ihre Ansicht unterstützt, ist im Grunde wenig etnzuwenden. Inzwischen arbeitet die europäische Diplomatie, zumal die engl sche und österreichische, mit Hochdruck, um die leitenden Staatsmänner in Konstantinopel gefügiger zu machm. Manche der Gründe, mit welchen oie Vertreterder Protokollarmächte dem Minister des Aeußern, Savfet Pascha, zu Leibe zu gehen, hören sich in der Thal nicht übel an. Der Pforte wird zu Gemüthe geführt, daß das Protokoll beiläufig nur dasselbe enthalte, was in der Andraffy'jcheu Reformnote vom 31. Dezember 1875 stand, und doch habe die Türkei vier von den fünf Punkten de» Andrassy'scheu Vorschlags unverändert, einen mit Veränderungen angenommen. Ja, noch mehr: in das Protokoll seien aus ben Beschlüssen bet Konstantinopeler Konferenz nur diejenigen aufgenommen worden, welche die türkischen
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Rom, 11. April. Der von den Truppen angegriffen, Hause Internationaler ist keineswegs vernichtet; er setzt di, lasset Streifzüge fort. Eine Abtheilung Internationaler zog nach klare Zerstörung des Archivs in Lettino nach Gallo, wo ste bk Ziel Steuerkasse beraubten unb ein bet Gemeinde gehöriges @t> bände niederbrannten. Auch vor Capriati erschien ein Trupp Internationaler, der sich jedoch zurückzog, da die Bevölkerung fich bewaffnete. Die Mitglieder der Internationale» vertheilen Geld, um Leute an sich zu ziehen, jedoch — wk es den Anschein hat — ohne Erfolg. Die Behörden trefft Maßregeln, die Straßenübergänge zu besetzen und auf dies, Weise ein Entkommen bet Anführer zu verhinbern.
Pari-, 10. April. Es gibt jetzt schon Stimmet,- welche für nächsten Sonnabend Ablauf de» Waffenstillstandes, Nichtannahme de» Protokolls, Krieg mit Montenegro und sofortiges Einschreiten Rußlands Voraussagen DaS scheint etwas eilig; nach dem, wie man aus russisch«! Kreisen vernimmt, sind die Russen, so wenig ste stch entschließen können, einen herzhaften unb unzweideutig« Schritt im Sinne deS Friedens zu thun, doch auch keineswegs begierig nach sofortiger Action, und gegenüber bei ablehnenden Haltung der Pforte macht stch bei ihnen schon wieder ein Zaudern bemerklich. — Das TageSereigniß ist die Petition der Katholiken. Die „France" klagt, daß man durch solche Manöver Italien in Deutschlands Arm treibe; die „Rvpublique" bezeichnet die Petition al» eint wahnwitzige Schmähschrift; der „Temps" wendet stch gegen den Inhalt derselbe» und erklärt, daß eine diplomatisch« Intervention zu Gunsten deS heiligen Vater» diesem nicht«
.Bevollmächtigten in der Conserenz als annehmbar etigfl i hatten. Das find Anschauungen, die Manches für M haben mögen, ob sie aber im Stande sind, über das *
, wurzelnde Mißtrauen in Konstantinopel hinwegzuheby I steht dahin. Die Pforte beklagt sich bitter, daß die MäH den Frieden mit Rußland von dem Frieden mit Mont« gro abhängig machen. Nun scheint e», daß e» unter m Mächten mehrere gibt, welchen diese von Rußland ootjt schlagene und hartnäckig festgehaiiene AbrüstungSbedingi« ! keine große Freude verursachte, allein auch diese macht, ! endlich gute Miene zum bösen Spiel. Sie mochten lieb, i wenig erhalten als gar nichts. Die Stelle über Montenegv in seiner Zusatzerklärung wollte Schuwaloff unbedingt ntq streichen lassen. Am schwächsten scheint da» Sebent, der türkischen Regierung gegen die lleberwachung Es tenS der Gesandten und Consuln der Mächte zu sch Im Protokolle sprechen die Mächte nur ihren „Vorsatz au«, die Art, wie die Reformen auSgeführt werden, du« ihre Vertreter in Konstantinopel und ihre ßocalogenlt sorgfältig beobachten zu lassen. AehnlicheS ließen und taffe stch andere Staaten zu allen Zeiten gefallen und könne, eS nicht wehren. Man kann den Rachbar nicht hindei» daß er un» in die Fenster guckt. Ein Unterschied ist, freilich, ob man dazu dem Nachbar eine schrijiliche Erlaub niß ausstellen soll, wie daS jetzt von der Türkei verlang wird. Indessen was hier die Mächte sich „vornehmen' ist nur bet schwache Abglanz ber Controlcommisston ander sogenannten „Garautieen", auf welchen sie frühen bestanden hatten. Daß die Pforte mit Rußland direkt übet, die Abrüstung verhandeln soll, ist gewiß kein Eingriff j, ihre SouveräuetStSrechte; im Gegentheil. Hier ist bet heikle Punkt nur der, ob man von ihr verlangen kann,- daß ste einen besonderen Bevollmächtigten nach PeterSbm^ schicken soll, ober ob bie ordentlichen Botschafter zu unten handeln haben.
«in rnsfisch,türkischer Krieg.
(«u« bet „Äbta. Big.")
Selbst ba» neue Londoner Protokoll hat e» nicht vermocht, die politische Lage so weit zu klären, daß eine Zukunftsbetrachtung , welche ihre Begründung in der Möglichkeit eines Kriege» zwischen Rußland und der Türkei hat, schon unzeitgemäß erscheinen müßte. Eine solche aus der Feder eine» bewährten Schriftstellers herrührmde Betrachtung legen wir in Nachstehendem unfern Lesern vor:
Ein Krieg zwischen Rußland und der Türkei kann nur al» ein große» europäisches Unglück , welche» in sei neu weiteren Folgen und Nachwirkungen gar leicht die Ruhe unsere» ganzen Welttheüe» erschüttern und zu bi»
weiter begeben sollte, um im Kugelregen des Schlachtfeldes auch ferner mein eigene» Leben für Andere in die Schanze zu schlagen. Ich blieb, und ich rufe Jhnm nun zu: „Retten Sie fichl"
„Wie, mein Herr," rief Helene betroffen, „Sie rufen mir zu, mich zu retten, — mir!"
„Allerdings Ihnen, mein Kind!"
„Aber ich verstehe da» nicht."
„Kein Wunder, weil ich eben mehr weiß als Siel"
„Droht mir benn Gefahr?"
„Eine schreckliche, entsetzliche Gefahr, au« der nur ich Eie retten kann."
„Was wäre dies für eine Gefahr?"
„Dieselbe, welche Ihren Vater bedrohte!"
„Meinen Vater! Gut, daß Sie mich an ihn erinnern.
Ich Undankbare hatte einen Augenblick den edlen Greis vergessen. Dieser ist in Gefahr, was kümmert e» mich, wo» mir droht, ihn allein gilt eS zu retten."
„Aber e» ist unmöglich!"
„Unmöglich? O nimmermehr! Der Liebe eine» Kindes ist nichts unmöglich!"
(Fortfetzuua folgt)
jetzt noch unabsehbaren Verwickelungen führe« kann; aber in rein militärischer Hinsicht wird ein solcher Krieg ein allgemeines Interesse bieten und viele neue Schauspiele bringen. ES wird ein Krieg, in welchem Rußland, welches die sonst so dankbare und meist siegreiche Rolle des Angreifers übernimmt, gleich von vornherein mit ganz ungeheueren Schwierigkeiten kämpfen muß. Will Rußland die Türkei auf europäischem Boden angreifen — und ohne Zweifel wird dies geschehen, denn die Zusammenziehung der jetzt etwa 300,000 Combattanten zählenden russischen sogenannten „Süd-Armee" in Bessarabien hätte sonst gar keinen Zweck gehabt — so muß zuerst ein Donau Uebergaag stattfinden. Die jetzt versammelten russischen Truppen, deren Hauptquartier in Kischenew ist, werden demnächst über den Pruth gehen und in Rumänien einmarschiren. ES wird stch bei dieser Gelegenheit wiederholen, was stch im Laufe der Geschichte schon in unzähligen Beispielen gezeigt hat: daß die Neutralität Keiner schwacher Staaten von großen, mächtigen Staaten in einem Kriege nur so lange geachtet wird, als e» in deren Nutzen liegt; aber ohne Weiteres verletzt und gemißbraucht wird, wenn dies nicht mehr der Fall ist. Dazu kommt nunmehr, daß in dem politisch zerrissenen Rumänien eine sehr starke Partei entschieden russisch gesinnt ist und eine Betheiligung dcS rumänischen Heeres an dem Kampfe gegen bie Pforte verlangt. Mag dieser Krieg enden wie er wolle, der Thron deS Fürsten Karl von Rumänien würde jedenfalls auf daS äußerste erschüttert werden, und Rußland stch wahrscheinlich durch Einverleibung des FürstmihumS für seine Ärieg»- kosten zu entschädigen suchen. Etwas Andere» wäre es, wenn bie übrigen Großmächte die Neutralität Rumäniens verbürgten und die Unverletzbarkeit seines Gebietes unter ihren Schutz nähmen. In diesem Falle könnten Rußland unb die Türkei nur in Asten und auf dem Meere, nicht aber auf europäischem Festlande Krieg mit einander führen, da hier, wie die Landkartm zeigen, ihre Gebiete nirgends einander berühren und an Truppenlandungen noch lange
nicht zu denken ist. Da aber trotz aller freundschaftlich« Verstcherungen und diplomatischen Diner» es an einem aufrichtigen Einvernehmen unter den Großmächten fehlt, so wird wohl eine kräftige und einmüthige Verbürgung bet rumänischen Neutralität schwerlich erfolgen, Rußland seine Heere über den Pruth führen und in Rumänien einrücken lassen. Die Stadt Bukarest dürste bann die zweifelhafte Ehre haben, ber Sitz be» russischen Oberfelbhenn zu werben und Fürst Karl von Rumänien die bescheidene Rolle spielen, dessen Befehle auszuführen.
Um aber aus Rumänien in die eigentliche Türkei nach der Bulgarei und in die Dobrudfcha zu kommen, muß vor Allem die Donau überschritten werden, und hiermit beginnen sofort die großen Schwierigkeiten für bie russische Landarm«. Es müssen, um diese Ueberschrcitung der breiten und rechenden Donau für große Heere von mindestens 200,000 Mann — denn mit geringerer Streitmacht dürfen die Russen in die Bulgarei nicht einmarschiereu — mit den ungeheuren Massen an Munition, Lebensmitteln und sonstigem Kriegsmaterial zu ermöglichen, mindesten» fünf oder sechs große Schiffbrücken geschlagen und in gutem Stande erhalten werden; wa» für bie russische Armee eine schwere Aufgabe sein würbe. Hindernisse verschiedener Art stellen sich hierbei den russischen Pontonieren und In ge -ieur-Offizieren entgegen. Zuerst kommen die Bodenverhältnisse in Anschlag. Auf der ganzen Strecke der Donau, von ber Suliuamünbung bi» nach Silistria, ist ein Uebergang großer Heere und ein Operiren mit bedeutenden Truppenmassen geradezu eime Unmöglichkeit; ba« Land ist rechts wie link« von dem Flusse sehr morastig und besitzt wenige feste Straßen, auf denen bedeutende Truppenmaflen marfchiren können. Zwar könnten bei Braila und Galatz ziemlich leicht Schiffbrücken über die Donau geschlagen werden, allein wenn auch Truppenmassen hier übers-tzten, so würde der gänzliche Mangel größerer Heerstraßen ihnen den Weitermarsch bald abschneiden.
(3otif*wg folgt)
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