Marburg, Freitag, 13. April 1877.
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der Socia!dl>mokratrn bilden wird. Die Socialdemokroten
haben einen sormulirtrn Antrag zwar noch nicht eingebracht,
fte werden aber jedenfalls mit ihren bekannten Forderungen I den ersten Wochen des Monat Mat zum Abschluß gelangen aus diesem Gebiet nicht zurückhalten. Die Organisation«»ante. Ja Abgeordnetenkreisen hegt man diese Zuversicht
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Die Berathung des RetchShauShaltSetatS nimmt gegen* Bärtig die erste Stelle unter den Gegenständen ein, mit welchen sich der Reichstag zu beschäftigen hat. Die Erledigung dtffelben dürste noch etwa 12 — 14 Sitzungen erfordern, und die Arbeiten der Budgetkommifflon sind soweit gefördert, daß dieselbe wenigstens über einen Thetl der ihr überwiesenen EtatStitel berichten kann, so daß eine Unterbrechung der EtatSberathung vielleicht zu vermeiden sein wird. Unter diesen Umständen ist heute noch nicht abzusehen, zu welchem Zeitpunkte sich der Reichstag den wirth- schaftlichen Fragen wird zuwenden können. WaS speciell
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der Gewerbekawmern und Gewerbegerichte würde sich nach den Ideen der Soctaldemokratm allerdings wesentlich anders gestaltm, al« nach den Wünschen der übrigen Parteien Denn wie die Socialdemokratie überall den Begriff der „Arbeit" auf die Thitigkeit des ausführenden Handarbeiters beschränkt, der von allen übrigen Claffen ausge- beutet werde, so wollen sie auch hier allen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ohne Unterschied des Vermögens gleichen Antheil an der Entscheidung der gewerblichen und Arbeiterfragen geben, allerdings der bequemste Weg, um die Forderungen zur Geltung zu bringen, da die Besitzlosen natürlich gegenüber den Besitzenden in der großen Mehrheit sich befinden. Jndeffm wird wohl Niemand von den Führern der Socialdemokratte erwarten, daß irgend welche parlamentarische Körperschaft auf solche Anträge eingehen wird, welche, wie die Einführung deS gleichen directeu allgemeinen Wahlrechts in der Commune dem großen unwissenden Haufen die Herrschaft in die Hände spielen würde. Auch die Anträge der Cent-umSpartet bezüglich der Veränderung unserer socialistischen Gesetzgebung haben mehr einen agitatorischen Charakter, als daß sie auf die wirkliche Ver- befferung der Lage der gewerbetreibenden und arbeitenden Clafle abzielen. Zu hoch wird man überhaupt die Hoffnungen auf die Resultate der Berathung der wirthschaft- lichm Fragen im Reichstage nicht spannen dürfen; einmal ist eine Einigung gerade bezüglich dieser Frage, in der die Ansichten der ReichStagSfractionen so sehr auSetnandergehen, schwer zu erreichen und andererseits ist leider nicht zu ver kennen, daß die augenblickliche Strömung in den entschei- denden Kreisen der ReichSbthörden dieser Reform nicht ae- rave günstig ist.
Der Antrag Löwe, welcher eine Wiederherstellung de» am 1. Januar d. I. weggefallenen EssenzolleS im Betrag von 75 Pfennigen pro Gentner bezweckt, jedoch mit der Maßgabe, daß die zur Herstellung von Lokomobilen und landwirihschastltchen Maschinen erforderlichen Materialien und Maschinenthkile zollfrei aus dem AuSlande bezogen werden dürfen, ist, wie die ,N. L. C" mittheilt, Gegenstand der Berathung im preußischen Staatsministerium gewesen. Doffelbe hat beschloflen, ihn auS eigener Initiative im BundeSrathe einzubringen. Auch ihm BundeSrath soll die Angelegenheit bereits behandelt fein und der Löwe'jche Antrag im Prinzip Zustimmung gefunden habm.
gerade nicht, man fürchtet sogar, daß, wenn die sämwtlichen Vorlagen, welche jetzt dem Reichstage gemacht find, durch- berathen werden sollen, bann die Zeit bi» zum Pfingstfest, das auf den 20. und 21. Mai in diesem Jahre fällt, nicht genügen wird, und der ReichKag nach Pfingsten seine Be« rathungen noch fortsetzeu muß.
ES ist schon verschiedentlich beklagt »orten, daß die Zufuhr von Seefischen nicht in den für die PreiSverhält niffe der Lebensmittel und den Consum wünscheoSwerthen Quantitäten erfolge, und man hat hier und da u. A. auch die Frachtsätze der Eisenbahnen als Ursache dafür bezeichnet. ES ist deshalb nach dieser Richtung hin von Bedeutung, daß, wie wir hören, jetzt vom Herrn HandelSmintster ein Ausnahmetarif für die Beförderung von frischen Seefischen mit Personenzügen bewilligt ist, und zwar bei Aufgabe von mindesten- 2000 Kilogramm mit einem Frachtbriefe zu 50 Prozent der Eilgutftücktaxeu; bei Aufgabe in geringeren Quantitäten zu 75 Prozent der Eilgutstücktaxen. Di« gedachte Verkehrserleichterung wird jedenfalls bei den unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen auf alle Jahreszeiten ausgedehnt werden.
Frage jetzt olle Parteien Stellung genommen. Von neuen Anträgen hört man, daß der Dr. Max Hirsch allein mit
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Die neueste „Prov.-Corr." hegt die Hoffnung, daß die gegenwärtige Session des Reichstages voraussichtlich in
Tagesbericht.
Der Kaiser hat, wie die „Post" erfahren haben will, en den Rand be« von dem Fürsten Bismarck eingereicbten EntlaffungSgesuchS nur da« eine Wort geschrieben: Niemals I
Dem Reichstage lst am Mittwoch der Gesetzentwurf betreffend die Aufnahme einer Anleihe für die Zwecke der Post-, Telegraphen- und Marineverwaltung vorgelegt worden. Der Gesetzentwurf, welcher von dem BundeSrath; ohne Äenberung angenommen worden ist, fordert für die Zwecke der Post - und Telegraphen - Verwaltung die Summe von 9286,000 Mark, für die Zwecke der Marine-Verwaltung die Summe von 24,577,000 Mark, zusammen also 33 863,000 Mark.
War er also kein Spion, so schien e« doch gewiß, daß er ein Dieb oder Betrüger sei. Da es aber unmöglich war, irgend einen Nachweis zu führen, so wurde er einst weilen in der Haft behalten.
Während sich Alles die« ereignete, hatte Helene, tief bekümmert, sich auf den Weg zum Kriegsgerichte gemacht. Wie sie ihren Vater erretten wollte, sie wußte es nicht. Sie vertraute der überzeugenden Kraft ihre« Wortes.
Herr von Fidi hatte nicht verfehlt, sich auf ihrem Wege einzufinden, und mit gleißnerifcher Freundlichkeit kam er ihr entgegen, als sie sich bereits in der Nähe deS Kriegsgerichtes befand.
Er hatte bereits vernommen, daß die Verhandlung aufgehoben und der alte Manaffe in den Kerker zurück» führt fei.
Es b schlich ihn eine Ahnung, al« würde man die Tochter, wenn sie sich j tzt dort einfände, gle chfalls nicht wieder frei lassen, e« erschien ihm sogar wahrscheinlich, daß bald genug auch gegen sie ein Haftbefehl e lassen werden würde.
Er beschloß, dies für seine schmutzigen Pläne zu benutzen.
Nachdem er st; also mit hinterlistiger Gönnermiene begrüßt, ersuchte er fie zunächst, ihren Weg nicht weiter fort- zus.tzen, sondern ihm zu folgen.
Helene, deren reine» Herz nicht» davon ahnte, daß hinter der wohlwollenden Maske deS Herrn von Fidi die bösartigsten Absichten versteckt waren, blickte ihn betroffen an.
Diese Aufforderung mußte sie befremben.
Dennoch glaubte sie nichts Arge« und indem sie Herrn von Fidi fragend ansah, war fie nur gespannt, die Gründe zu erfahren, die er ihr angebett würde, um feine Aufforderung zu erklären.
Srlcheint täglich außer den Werttage» nach Son», und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wSchenllichen Beilage h—A die
Buchdrucker.i) bezogen 3k ««k durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 «art 50 MstWhr). - K fleÄ ffiW * "
Für rn der «rpedrtro» zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet. 8 ’ y
HfllfltltllflHi auf bas 2 Quartal wer den von den Postanstalten noch angenommen
Da wir noch eine Anzahl Exemplare des Jllustr. Sonntagsblattes haben nachgeliefert erhalten, sind wir jetzt wieder im Stande eine kleine Anzahl vollständig liefern zu können.
Die Bestellungen bitten wir jedoch baldigst machen zu wollen.
Die Sxp. d. Oberh. Ztg.
•■»eigen nimmt entgegen: die «rpedtttou d. Statte», fottie die Anroaceo-Bureaur eon Th. Dietrich & So. in jteffd und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a M ; S' “ in & Bögler in a. M, Berlin, Leip, re; Rudolf Moste in'Serün, Frankfurt a. M. re.
ielnstweileu zurückbehalten worden, g^pchellt zu werden, sobald er genese, 1031R« in ein heftiges Fieber gefallen. 1Ä Manaffe war in den Kerker zurückgeführt «orten. 63, p- - • - " - - * • ' — -
Herr von Fidi verstand diesen Blick.
„Mein Fräulein," sagte er daher in verbindlichem jTone. „Zunächst müssen Sie sich natürlich wandern, daß
aq Obgleich sich durch jene seltsame Verkettung von Um 260 Maden mit ziemlicher Gewißheit herau-gestellt hatte, daß
innigen vor bas Plenum treten wird, welche eine Ver- RaunJ mittdung zwischen ben Anträgen der Nationalliberalen und
Die Pforte hat in einem an die Mächte erlassenen Rundschreiben die Gründe auSeinanbergesetzt, aus denen sie nicht auf die Conferenzvorschläge derselben glaubt eingehen zu können, fie begnügt sich mit der Versicherung, daß fie die verlangten Reformen in möglichst kurzer Frist ausführen werde und gibt im Uebrigen ben europäischen Kabinetten ben Rath, auf Montenegro ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß diese« sich bei ben Verhanblungen mit der Türkei versöhnlicher al« bisher zeige. Die Montenegriner, hinter denen die Ruffen stehen, werden ober von ihren bekannten Forderungen ans Gebietsabtretung nicht avstehen, und so werden denn bald die letzten diplomatischen Stadien durchlaufen fein, die dem Busbruch deS Krieges vorangehen. Zwar bemüht sich Oesterreich noch den Krieg dadurch zu verhindern, daß feine Regierung der Pforte vorfchlägt, die russischen Vorschläge anzunehmen. Diese Bemühungen sind indessen nicht ernst gemeint, denn trügt nicht aller Schein, so unterhandelt die österreichische Regierung im Geheimen mit dem englischen Eabinet über ben Widerstand, der Rußland für den Fall eines siegreichen Vordringens seiner Heere entgegengesetzt werden soll, wovon natürlich die Pforte unterrichtet ist und weshalb fie denn auch an ihrem starren Widerstand gegen jedwede Intervention in ihren inneren Angelegenheiten sesthSlt.
Außer den unter „Petersburg" und „Konstantinopel" ich, ein Fremder, ein so rege« Interesse für Sie zur Schau trage. Indessen, ich gestehe e« frei, schon ihr erster Anblick erweckte ein shmpathischeS Gefühl in mir."
Helme senkte die Augen zu Boden, ohne zu sprechen.
„Errö hen Sie darüber nicht," ficht Herr von Fidi beruhigend fort. „Sie brauchen sich beffen nicht zu schämen. Ein edle«, reine« Gefühl väterlicher Hinneigung erfaßte mich für Sie. Man gibt einem solchen Gefühle im gewöhnlichen Leben und unter anderen Umständen selten ober niemals nach. Aber sehen Sie hier l Das rothe Äreuj am Arme bekundet ben Beruf, welchen ich mir erwählte, mitten in ben Gräueln bes Krieges, mitten in bet Verwüstung blutiger Schlachten ben Leidenden zu Hülfe zu eilen, ihnen Labung, Erqiickung zu bringen, ihnen einen notdürftigen Verdanb anzulegen "
„Sie scheinen ein ebler Manu zu sein, sagte Helene schüchtern. „Dennoch —"
Sie stockte. . ;
„Sprechen Sie, mein Fräulein, ohne Furcht. Wo« wollen Sie fagen?"
,Historische Erzählung auS dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 noira' von W. Bernhardt.
gen nimmt entgegen: n b. Blatte» sowie die Annoncen^? ureauz von <1. 8. Daube & So. in Frankfurt a. M.; JLger'sch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete. ♦ menet in Berlin; Carl Schütz-
ter in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
„Dennoch wundert eS mich, Sie hier zu sthen, wo e« für 39« edle Handlungsweise doch gegenwärtig wohl nichts SU thun gibt!" ... ^.Hif
„Hm," antwortete He« von Albi etwas betreten, glaubte eigentlich Dank verdient zu haben, nicht, ab« spitzfindige Frage. Doch ich will mich Ihnen ganz klären. Indem ich mich bet Pflicht widmete, meinen beumeuscheu Di nste zu leisten, öffnete ich mein Herz willkürlich für Jeden, „den ich Iriden sah, mochte er bie Uniform tragen ober nicht. Der tiefe Kumm«, «« sich in Ihren GefichtSzügen aurdiückte, bewegte mich, Ihr ebieS, reines Antlitz empfahl Sie bei mir. Da ich Sie leiben sah, mußte iq JhNM helfen. Ich erfuhr Ihre An- gelegeuheit; ich erfuhr wehr barüber, al« Sie. selbst wissen. Äh schwur mir, Ihnen zu Helsen. 3t« deshalb blieb ich hl«, während ich mich eigentlich gestern Abend schon wieder
(Fortsetzung.)
Das Haar auf dem Haupte Mr. Forni's sträubte fich empor. Eine eisige Kälte durchschau«te feinen Körper. Mit gellendem Lachen schrie er:
„Haha! Sein Tod hat mir zweihundert Pfund eingetragen!"
Mit diesen Worten brach re ohnmächtig zusammen.
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Der Versucher.
faehtr. bie Gewerbegesetzgebung betrifft, so haben zu dieser iehen. ------ —
Ein Fehlkitt ist nur Kleinigkeit, Du hast ja für die Reue Zeit.
Der Verwundete war einstweilen ver Haft als Spion ... blassen; re kam j doch al« Kriegsgefangener in ein beut» 961 che« Lazareth.
10011 Vorgefundenen Briefe und Gelder waren
^stinstweilen zurückbehalten worden, um dem Mr. Forui zu .t»^t.n.-----'— t-i-.iv - genesen fein würde, denn er
\ StiF wirklich war, der von dem französischen Solvaten aus 106 X» Wasser des Festungsgraben gerettet worden, so war 46k >»ch sein ganzes Gebühren ein höchst verdächtige«. Er, > g|. *t als blutarmer Mensch bekannt war, bet, seiner Au». 1 — oze nach, aus Furcht vor betn Hunger, betn seine Tochter <tfaOen würde, dem Leben entsagen wollte, er trug unge- Ktoe Geldsummen, in bie Kleider genäht, bei sich, und «r 9» y9«te sich auf da» Standhafteste, auch nur die geringste «uskunst über bie Art unb 8B*ife, wie er in ben Besitz ).@m, M G-lse« gekommen sei, zn geben.