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Wr. 8A

Marburg, Donnerstag, 12. Aprll 1877.

xn. Zgtzrgarg.

iBMtaot nimmt entgegen: die «xpedition d. Blatte», sowie die Lnnoncen-Bureanx ,on Th- Dietrich & So- in Raffel und Hannover; Th Dietrich in Frantfurl e- M.; Saasenstein L Bögler in stranlfnrt a. M, Berlm, Leiv- im, SSln «; Rudolf Moste in Berlin, Frautfurt a. M- er-

ObkchrMe Jrilung

von e L Daube & So. in

M.; Jnvalidendanl, Ä- Siete* ♦ meyer in Berlin; Sark Schüß-

ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Soim- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Ulnftrirte« C»BaU»»*latt“ durch die Ervedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen Sß Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf». (e$L Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene 8nle 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf», berechnet.

Die velagrr«»L bau Straßburg.

Historische Erzählung auS dem deutsch-ftanzösischen Kriege 1870/71 von W- Bernhardt.

(Fortsetzung.)

„<5ic sprechen immer noch nicht davon, wie Zhr angeb« licher Freund um daS Leben gekommen fei*

„Wir warm im Dimste auf einem der jetzt zerschossenen Wälle, als wir plötzlich bemerkten, daß ein Greis sich in den außerordentlich tiefen Graben stürzte, augenscheinlich um sich deS Lebens zu eutledigm, das ihm eine Last war. Wir Beide, William und ich, sprangen ihm sofort in die Liefe nach. Der Alte und ich, wir kamen wieder an'S Land. Nicht so William; derselbe ging unter. Ich gab dem Sergeanten vabiuaud eine Summe Geldes und ver­sprach eine reiche Belohnung, wenn man William retten würde. DieS war der einzige Fall, wo ich mich seiner Börse bediente; ich selbst, soebm auS tiefer Ohnmacht er­wacht, war nicht im Stande, selbst einm Versuch zu seiner Rettung zu machen. Ich, — o ich würde ihn gerettet haben. Aber als ich, aus'S Neue zur Kraft gelangt, das Ruder führen konnte, glitt mein Nachen über die glatte, unbewegliche Wassei fläche; nichts mehr war davon zu schm, daß das heimtückische Element ein junges, blühendes Lebm vernichtet hatte. Ich flieg aus; noch lag der Alle regungs­los im Sande. Ich brachte ihn zum Lebm zurück, ich führte ihn nach Haufe, in die Arme seiner Tochter, und nach einigen gläcklichm Stund« verließ ich seine friedliche Wohnung, nm ste nicht wieder zu sehen.

Am letzten Tage des Belagerungskampfes war ich ver- toutttct worden. Nirgends bot stch eine Hülfe dar. Meine Wnn.e, welche mehr schmerzhaft als gefährlich war, zwang Aich z <m Rückzüge. In dem allgemeinen Trubel blieb ich

unbeachtet, der Blutverlust hatte mich geschwächt, meine Sinne schwanden, — ich stell Als ich erwachte, befand ich mich unter der Pflege dieses braven Mannes, ohne den ich auf der Straße verschmachtet und vielleicht umgekommen wäre. Dies ist Alles, was ich zu sagen weiß!"

Der Auditeur wandte stch jetzt zum alten Manafle.

„Was haben Sie dieser Aussage hinzuzusügm?" „Kein Wort, mein Herr!" antwortete der alte Manafle. „Wie? Kein Wort? Der dringende Verdacht spricht gegen Sie. Als Sie verhaftet worden waren, hat man Sie visttirt und gefunden, daß bedeutende Geldsummen in Ihre Kleidungsstücke eingenäht warm!"

„Das lmgne ich nicht!"

„Wie kommen Sie zu solchen Summm, wenn nicht durch Verrath und Unterstützung der Spione?"

„Das Geld gehört mir nicht!"

„Wem denn?"

„Einem Freunde, der es mir zur Aufbewahrung an­vertraute!"

„Wo ist dieser Frmnd?"

„Ich weiß es nicht!"

„Sie find milder, als ihr Mitangeklagter. Sie sagen, daß Äe nicht wiflm, wo Ihr Freund lebe, Jener bezeich­nete den feinigen gleich als tobt!"

„So unglücklich die- Zusammmtreffm ähnlicher Um­stände ist und so verdächtig rt auch erscheint, ich habe nur die reine Wahrheit gesagt."

„Sie haben also den Venvündetm nur aus Mttleid bei stch auf genommen?"

„Nein aus Dankbarkeit l"

„Dankbarkeit, — wofür?"

„Wofür? O nicht etwa, daß er mit das Lebm ret­tete, nein dafür, daß et, indem er wich rettete, mit die Pflicht gegen mein Lind in das Gedächtniß zurückrief.

Urffalhtnflrti auf das 2 Quartal wer- den von den Postanstalten noch angenommen

Da wir noch eine Anzahl Exemplare des Jllustr. Sonntagsblattes haben nachge­liefert erhalten, sind wir jetzt wieder im Stande eine kleine Anzahl vollständig liefern zu können.

Die Bestellungen bitten wir jedoch baldigst machen zu wollen.

Die Sxp. d. Oberh. Ztg.

Uttgesdericht*

Das Gesetz über die Thetlung der Provinz Preußen in die beidm Provinzen Ostpreußen und Westpreußen ist gestern tat „Reichs- und Staatsanzeiger" veröffentlicht wor­den. Der preußische Staat zählt somit gegenwärtig zwölf Provinzen mit einer Bevölkerung von rund 28 Millionen Einwohner (zwei Dritttheile der gesammten Bevölkerung des dmtscheu Reichs). Mit der Volkökrast dieser zwölf Provinzen, derm Territorialeinheit vor länger als einem Jahrzehnt hergestellt, wird wohl das Reich vor allen Ge fahren und Schwankungen bewahrt bleiben, denn der Par- tieularismus deS preußischen Staates, welcher dm Nord­deutschen Bund errichtet und mehr als drei Viertheile der deutsch« Truppenkräfte in dem sranzvfischm Kriege von 1870/71 -auf den ©einen gehalten, ist von jeher in den Dienst der deutschen Nationaliutereflen gestellt worden. Dar wird natürlich noch ferner der Fall sein, da der preu­ßische Staat ohne die Verbindung mit dem übrigen Reiche die internationale Stellung nicht wird behaupten können, die ihm nach dm beidm letzten Kriegen zugefallen ist. Eben deshalb ist aber auch das gefammte deutsche Volk bei der Stärkung der preußischen Provinzen, welche den Kem des Reiche« bildm, in hohem Grade interesstrt. Die drei Pro­vinzen Ostpreußen, Westpreußen und Posen, welche z. Z befl alten dmtschen Bundestages außerhalb des Bundes velbaudeS standm, find ganz besonders der Obhut der ge« jammten deutschen Nation anvertraut, weil jene Provinzen mit ihren zahlreichen polnischen Elementen die meisten Ge fahren für das Reich in sich bergen und eine« besonders kräftigen Schutze« nach Außen bedürfen. Wenn die pol rrsche ultramontane Propaganda danach ausgeht, Posen und Westpreußen dem deutschen Reiche zu entreißen, um sie einem selbstständigen polnischen Nationalreiche einzuver leiben, so wird die deutsche Nation ihre ganze Kraft daran setzen müflm, jene Provinzm dem preußischen Staate und damit dem Reiche zu erhallen.

Nach der dem Reichshaushaltsetat für 1877/76 beige* fügten Ueberflcht des Standes der Kriegskosten-Entschä­digung verbleiben zur Vertheilung an Baiern, Würtemberg, Baden, Südheflen und den Norddeutschen Bund aus der französischen KriegSkosten-Entschädigung 2,368,230,760 M. Hierin sind aber nicht die Deckungsmittel für die Kosten, welche durch die erst nach dem 1. Juli 1871 erfolgte De- mvbilisirung eine« TheileS des ReichSheereS entstanden sind, und welche sich auf 9 109,227 M. belaufen, mit einbe­griffen , so daß stch also die Gesammtsumme, da die letzt­erwähnte Summe reservirt ist, aus 2 377,340,987 M. be­läuft. Bon dieser Summe entfällt auf Baiern 270,412,520 M. Dasselbe hat aber bis jetzt schon erhalten 270,601,233 M., es hat somit auf seinen Antheil schon zu viel empfangen 188,707 M. Würtemberg hat auS dieser Summe zu empfangen 85,291,980 M., es hat hierauf bereits empfangen 85,202,610 M. und hat somit auf seinen Antheil zu viel empfangen 208,679 M. Baden hat auf seinen Theii zu erhalten 61,287,924 M, es hat aber bereits empfang« 61,388,770 20 M. und hat mithin auf feinen Antheil bisher schon zu viel erhalten 100,846.20 M. Südheflen soll erhalten 28,859,309 M., e« hat bis jetzt erhalten 28,000,922 M, hat somit noch einen Rest von 858,387 M. zu empfangen. Der vormalige Norddeutsche Bund hat aus der Kriegskosten - Entschädigung zu empfangen 1,589,620.771 M. Aus diesem Antheile, welchem noch die Antheile des Rorddeuischen Bunde« an den auf gekom­menen Zinsen und die Erstattungen für geleistete gemein­same KriegSauSgaben aus der Kriegskosten - Entschädigung hinzutreten, sind die Kriegskosten deS Norddeutschen Bundes, sowie die durch besondere Gesetzes- oder Etatsbestimmungen auf dessen Antheil angewiesenen Ausgaben zu bestreitm. Hierauf sind bis j.tzt gezahlt 1,556,540,254 59 M., so daß noch ein Rest von 33,080,516.41 M. zur Auszahlung kommen wird.

Nach Ausweis der in Folge deS Antrages deS Abge­ordneten Richter (Hagen) und Gen. aufgestellten, der Budget- Eommifston deS Reichstages mitgetheilten Nachweisung der Ausgaben aus der französtscheu KriegSkosten-Entschädigung beziehungsweise aus den Antheilen engerer Staatengemein­schaften an derselben ist für die aus der KriegSkosten-Ent­schädigung zu bestreitenden AuSgabm deS Norddeutschen Bundes ein Gcsarnmtbedarf berechnet von 1,485,143,677.82 M. Der Antheil des Norddeutschen Bunde« an der fran­zösischen Kriegskosten Entschädigung ist in der dem ReichS- hauöhaltSetat für 1877/78 beigefügten Ueberflcht des Standes der KriegSkosten-Entschädigung ermittelt zu 1,902 825,149 M>, mithin verbleiben zur Tilgung 417,681,471.18 M. Dieser Betrag erhöht stch noch um die für Rechnung deS Norddeutschen Bundes von den KriegSentschädigungSgeldern

aufgekommenen Zinfm. Dieselbm betragen für 1871: 2,721,741.10 M. Für 1873 und 1874 : 4,007,241 M. Für 1875: 1,242,002 M., zusammen also 426,652,455.28 M. Bis zur Aufstellung des Etatsentwurfs für 1877/78 waren im Ganzen vertheitt worden 399,000,000M., es bleiben mithin noch zu vertheilm 26,652,455,rs Mk. ES erschien um« fomehr zulässig, von dieser Summe gemäß Artikel 3 des Gesetzes, 6etr. den Antheil des ehemaligen Norddeutschen Bundes an der französischen KriegSkosten-Entschädigung vom 2 Juli 1873 zunächst den Betrag von 20 Millionen Mk. zur Vertheilung zu bringen, als dem Norddeutschen Bunde außer den auf 165,027 Mk veranschlagten Zinsen sür die laufende Rechnungsperiode in Folge der Erstattung deS GeldwerthS für die zur Verpflegung der Okkupation«- Armee herangezogenen Naturalienbestände noch eine Ein­nahme von 13,080,516,41 Mk. zufließen wird. Unter Hinzurechnung dieser zur Herauszahlung bereits angewiese­nen 20 Millionen Mk. sind bis jetzt im Ganzen 419 Millionen Mk. an die einzelnen Staaten deS Norddeutschen Bundes überwiesen worden.

Ueber den Stand der KauzlerkristS verweis« wir auf die zuverlässigen Mittheilungen unserer heutig« •• Kor­respondenz au« Berlin.

Der Landtags Abgeordnete Cremer, früherer Redactmr der „Germania", wurde am Dienstag vom Kammergericht in Berlin wegen Beleidigung deö Königs von Baiern zu einer Gefängnißstrafe von 2 Monaten veruriheill. Das Stadtgericht als erste Instanz hatte auf Freisprechung er­kannt.

Berliner Blätter «thalten ein Telegramm au« Peters­burg vom 7. April, folgend« Inhalts: „In Hofkreisen ist das Gerücht verbreitet, Kaiser Alexander sei an einem Steinleid« erkrankt. Die Aerzte halten eine Operation für unvermeidlich. Jedenfalls ist dem Kaiser die größte moralische Ruhe zur Pflicht gemacht worden" Ehe diese Alarmnachricht noch in weiteren Kreisen Besorgniß zu er­wecken vermag, wollen wir konstatiren, schreibt die „Norrd. Allg. Ztg.", daß dieselbe nicht nur ganz und gar aus der Luft gegriffen ist, sondern daß im Gegentheil, erst im Lause der letzten Tage Mittheilungen vom Kaiser Alexander selbst nach Berlin gelangt sind, welche über das Wohlbe­finden des Kaiser- jeden Zweifel auSschlteßen.

AuS Konstanttnopel lauten die neuesten Nachrichten Übereinstimmmd ziemlich ungünstig; man glaubt, daß die Pforte gegen daS Protokoll protestireu und namentlich bezüglich der Schuwaloff'schen Erklärungen eine ablehnmde, zum mindesten eine ausweichende Haltung einnehmen werde.

Ich war ihm dankbar, daß er mich den ungeheuren Preis meiner Rettung nicht fühl« ließ, denn das werthlofe Leben des Greifes wurde mit dem blühenden Dasein deS Jünglings, seine» FrmndeS, wohl zu theuer bezahlt." „Haben Sie diesen tobten Freund vorher gekannt oder nur gesehen?"

„Nein! Ich weiß nichts von ihm!"

„Weshalb wollten Sie, am Rande des Grabes stehmd, sich tödten?"

Der Greis stockte.

„Nun denn," drängte der Anditmr, „geben Sie Ant­wort auf meine Frage!*

„Wie," entgegnete der alte Jude, „sollte ich Rechen« schäft über meine innersten Gedanken schuldig sein? Und wenn e« mein Tod wäre, dies Geheirnniß würde ich niemals verrathmi"

Ehe der Auditmr etwa« erwidern konnte, hörte man eine laute Bewegung im Vorsaale; das Getön dumpfer Stimmen wurde lauter und lauter. Endlich ging die Thür auf; ein Mann, dm mehrere Soldat« zurückhalten wollten stürzte herein und rief:

„William, William, mein theurer Sohn! Wo bist Du?"

Mr. Fomi war es, der in so unerwarteter und stö­render Weise in dm Sitzungssaal gedrungen »ar, und sich nunmehr rntt angstvoller, gespannter Miene nach all« Seiten unstätm Blicke« umschaute.

Der Auditeur erhob sich und fragte den Eindringling in einem keineswegs freundlichen Tone:

„Wer sind Sie? Was wollen Sie? Mtt welchem Rechte bringen Sie hier ein!"

Mr. Forni trat auf den Sprechenden zu, und indem er stch mit höflicher Mime verbeugte, sagte er;

„Verzeih« Sie dem bekümmert« Herzen eine« Vater«,