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Mr. 83.

Marburg, Mittwoch, U. April 1877.

XII. MrMg.

Inytgen nimmt entgegen: Mtexvebttiox d. Blatte», fönte die Annoncen-Bureaur oon LH- Dietrich L So- in affet und Hannsver; Th- Dietrich in Frankfurt a. M-; üaasenstein & »ogler in ItanHutt a. M,»erlm,Lerp« .iS, liöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

ObcrhtMe Icilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die EÄedittvn d. Blatte» sowie die Annonren-Bureanx von <8. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Framfurt a. SR.; Jnvalidendank,L Stete« meyer in Berlin; Sari Schütz« ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Ortieint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilageziustrirte» G,mtta,»»latt" durch die Srvedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen Wart, durch die Postämter deS Deutschen SieicheS 2 Wart 50 Pfg. (ejl. Bestellgebühr). - JnfertivnSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.

Hbftplhinitflt auf das 2 vmarial wer j|JipllUUIl||ni dm von den Postanstalten noch angenommen

Da wir noch eine Anzahl Exemplare des Jllustr. Sonntagsblattes haben nachge­liefert erhalten, find wir jetzt wieder int Stande eine kleine Anzahl vollständig liefern zu können.

Die Bestellungen bitten wir jedoch baldigst machen zu wollen.

Die Sxp. d. Oberh. Ztg.

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Tagesbericht.

In Betreff derKanzlerkrists* melde» einige Blätter, e» sei eine Lösung derselben in dem Sinne e, folgt, day Fürst Bismarck Reichskanzler bliebe, während er hinsichtlich seiner Stellung im preußischen S'aUSministerium entlaßen werden soll. Gegen diese Nachricht spricht indeß ein Kri­terium, da« Fürst BiSmarck selbst gegeben hat. In der ReichStagSsttznng vom 10. März d. Z«., welche sür die Beuriheilung der gegenwärtiger. KrisiS von hohem Jnteteste ist. sagte der Reichskanzler: »Ganz gewiß ist nach meiner Ueberzeugung, daß ich den Haupteinflnß, den eS mir ge­gönnt ist zu üben, bisher nicht in der kaiserlichen Macht, sondern in der königlich preußischen Macht gesunden habe. Ich habe versucht, ich habe eine Zeit lang anfgehürt, preu­ßischer Ministerpräsident zu sein, und habe mir gedacht, daß ich alS Reichskanzler stark genug sei. Ich habe mich darin vollständig geirrt; nach einem Jahre bin ich reuevoll wieder gekommen und habe gesagt: entweder will ich ganz abgehen, oder ich will im preußischen Ministerium da- Prä sioium wieder haben. DaS war auch ganz richtig, aber eS genügte nicht. Ich war die einzige Person darin, und der Beweis gegen die Theorie der Reichsministerien liegt schon darin. Aber schneidm Sie mir die preußische Wurzel ab und machen Sie mich allein zum ReichSmtnistcr, so glaube ich, bin ich so einflußlos, wie ein Anderer.*

Die Socialdemokratie steht der Kanzlerkrists kühler wie der Ultramonlanismu« gegenüber,, da sie sich offenbar selbst sagt, daß dieselbe, wie sie auch enden mag, Alle« eher, alS eine Aenderung in dem Verhallen der Regie­rung ihr gegenüber zur Folge haben wird. Die social- demokratischen Blätter begnügen sich, zu konstatiren, daß das Blut und Eisensystem in der Person seines vornehm- sten VertretersBankrut* geworden. Dabei sucht das eine oder andere Blatt denSturz BiSmarck-* als einen Akt historischer Gerechtigkeit, als einen selbst den Dümmsten einleuchtenden Beweis der Ohnmacht oeS Individuums

gegenüber der allgemeinen politischen und socialen Ent­wickelung hinzustellen.Die absolute Omnipotenz hat ihre absolute Impotenz eingestehen müssen*, da- sind Phrasen, denen wir begegnen und denen derVorwärts* noch dadurch eine besondere Würze giebt, daß er hinzufügt: das wiid das Loos eines Jeden sein, der die Vorsehung in Menschengestalt spielen, die Geschicke der Völker nach seinen Launen lenken will*, eine Redensart die im vor­liegenden Falle genau so paßt, w e die Faust aufs Auge.

DerReichsanzeiger* publizirt das Gesetz vom 19. März 1877 betr. die Theilung der Provinz Preußen.

Der Etat für den deuffchen Reichstag auf das EtatS- jahr 1877/78 ist von dem Gesammtvorstande de» deutschen Reichstag- vorgelegt worden. Derselbe führt auf: Ein­nahmen 462 M. Fortdauernde Ausgaben 319,700 M. Einmalige Ausgaben (für die Bibliothek) 30,000 M.

Gutem Vernehmen nach sind im preußischen Justizmi­nisterium die Arbeiten für die Organisation der Gerichte gemäß der neuen Reichsjustizgesetze im vollen Gange. Wie wir hören wird eine eigene diesbezügliche Vorlage dem preußischen Landtage nicht zugehen, sondern eS werden die getroffenen Einrichtungen dem Landtage nur bei Gele­genheit des Etats zur Genehm gung unterbreitet werden. Eine definitive gesetzliche Regelung deS Gegenstandes soll einer späteren Zeit vorbehalten bleiben.

DerOffervatore Romano* brachte jüngst die allge­mein mit Unglauben aufgenommene Nachricht, daß die deut­sche Reichsregierung von Italien die Auslieferung deS Kar­dinals LedochowSki verlangt habe. Welchen Zweck das ultra montane Blatt durch Verbreitung dieser Nachricht verfolgt, ist nicht ersthtlich. Aber die Kurte muß irgend ein ge­heime« Interesse haben, jene Gerüchte verbreiten zu laffen, und dieselben durch scheinbare Beweise zu unterstützen. Der Kardinal Leoochowski hat nämlich aus dem Vatikan die Anweisung erhalten, seine Wohnung aus dem Palazzo Mattei hinter St. Peter nach dem ersten Stock im Vatikan also dem päpstlichen JmmunitätSbezirke zu verlegen. Der Umzug wurde am 4. d. bewerkstelligt. Das Manöver hatte aber eine Wirkung, die im Vatikan wahrscheinlich nicht erwartet worden war, denn allgemein bestärkle sich die An­sicht, daß der Kardinal ein Verbrechen begangen habe, welches die Forderung der Auslieferung begründe. So schrieb derPepoio Romano*:Da in Deuischland der Vertreter des Kardinals für die Sprengel Gnefen und Posen verhaftet worden ist, scheint eS, daß man bei einer Haus­suchung eine Correspondenz entdeckt hat, welche den Kar otnal durch ein Real ernsteren Charakters kompromittirt,

als der einfache Ungehorsam gegen die Staatsgesetze und für welches man mit gerechterem Grunde die Auslieferung anrufen könnte. Auf Grundlage solcher Notizen soll die vatikanische Kanzlei dem polnischen Purpurträger angerathen haben, sich für dieses Eceiguiß in den Gemächern des Va­tikan- in Sicherheit zu bringen.* Begreiflicher Weife hat diese Auslegung im Vatikan eine große Entrüstung erregt und erschien sofort imOffervatore Romano* folgende Note:Ohne un- um die verleumderischen Insinuationen zu kümmern und in der Erwartung, daß die Zeit denselben ihr Recht widerfahrm laste, können wir sagen, daß der heilige Vater, weil er von den Gerüchten, daß die AuS« lieferung des Kardinals verlangt werde, unterrichtet war, wollte, daß derselbe seinen Wohnsitz von dem anstoßenden Palazzetto di San Matta nach dcm vatikanischen Palast verlege, um auf diese Weise eine neue Beleidigung der KatdinalSwürde und einen neuen Schmerz zu ersparen, der zu jenen käme, welche der berühmte Purpurträger bereits zu erleiden hatte.*

Deutsche» Reich.

Berlin, 9. April. Auch heute ist von einer Ent­scheidung in Bezug auf die Kanzletfrage noch keine Mel­dung zu machen. Sowohl die Frage der zur Stellvertre­tung etwa zu berufenden Personen wie auch die Regelung der Verantwortlichkeit haben die vielfältigste Erörterung zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler gefunden. Die« selben haben ober eine Entschließung noch nicht reifen laffen. E« darf mit Zuverlässigkeit angenommen werden, daß der Kaiser den dringenden Wunsch hat, selbst ron Maßregeln, wie sie ein einjähriger Urlaub mit voller Verantwortlichkeit fordert, absehen zu können, und manche Anzeichen sprechen dafür, daß man sich mehr und mehr mit dem Gedanken einer einfacheren Lösung von den verschiedenen beteiligten Seiten vertrant macht. Daß der Reichskanzler in nächster Zeit volle Muße zur Kräftigung seiner in hohe» Maße angegriffenen Gesundheit erhalten muß, bleibt allerdings der Punkt, von dem alle Erwägungen «ach wie vor aus- gehen. Aber in wie weit sich hieran außerordentliche Maß­nahmen knüpfen sollen, ist zur Zeit durchaus unentschieden. Das Gewicht, mit welchem an verschiedenen Stellen in offenbarem Zusammenhang mit der Auffaffung deS Reichs­kanzler« selbst die großen Aufgaben der nächsten Zukunft, besonder« auf dem wirthschaftlichen Gebiet, und die sich daraus ergebenden Fragen behandelt werden, bestätigt die Hoffnung, daß Fürst BiSmarck nicht dauernd und srtbst nicht auf JahreSdauer die Geschäfte niederlegen werde. Diese Lage der Sache drückt allen Personal Angaben und Kombinationen, welche von der Voraussetzung anSgehen, daß eS sich nm eine Nachfolge für den Kanzler handelt,

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Dir Belagerung kett Straßburg.

Historische Erzählung auS dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 von W. Bernhardt.

(Fortsetzung.)

Sie etfreuten sich einet reinen Gewissensfreiheit. Im Kampfe, mit den Waffen in der sHand, Auge in Ange sich gegenüberstehen, würden sie keine Semnde gezögert haben, den Freund zu tödten, denn bewaffnet war er ihr Feind. Eie beugten sich der höheren Macht ihrer Pflicht.

Aber sie wußten gleichzeitig, daß, wenn der Krieg vor­über war, ohne einen von ihnen zum Opfer verlangt zu habm, auch die alte Freundschaft von allen Seiten wieder neu anfleben würde.

Nun, Bruder Heinz,* nahm Gustav wieder das Wort, wir haben morgen zu forschen, ob und wie wir unter den Verwundeten noch Hülfe zu bringen haben. Vielleicht, daß der Vater unS Auskunft geben kann, was auS seinem Sohne geworden. Ach, in den wilde« verworrenen KriegSgetümmel ist eS nur zu leicht möglich, daß der eigne Vater un« keine Aufklärung geben könnte.*

DaS ist leider wahr. Aber dennoch ist Dein Plan der richtige; wenn irgendwo, dann ist bei ihm der Ort, wo wir forschen wüsten *

Und nachdem die beiden Freunde, Heinz und Gustav, sich über diesen Plan geeinigt hatten, setzten sie ihr Ge sprich, welche- die Erinnerungen an die Vergangenheit be­traf, mit leiser Stimme weiter fort.

Um so lauter gebehrdeten sich die anderen drei Civilisten, denen wir, und gewiß nicht mit Unrecht, die Bezeichnung ,E lachtenbummler* gegeben haben.

Machen wir unS mit thnm ein wenig näher bekannt. Der Erste, mit seinem mtlstärtschen Barte, war der

Hoflieferant Lachs, ein Mann, der seine Opferfrendigkett seit 1864 stet- dadurch an den Tag gelegt hatte, daß er den durchpasstrenderi Truppen stets mit mehreren Körben voll Butterbrode auf den Bahnhöfen entgegen kam. Im ersten KriegSjahre 1864 zeichnete er mit feinen schon längst heirath-sähigen Töchtern nicht die Dänen ober Preußen, sondern diedeutschen Brüter* an- Oest-tt-ich au«. Die- {<lben nahmen seine Butterbrode und antworteten auf seine Phrasen: Unser Kaiser ist ein Deutscher, wir aber danken für diese Ehre.

Im Jahre 1866 opferte er abermals seine Gaben, aber diesmal schien eS seinen Töchtern intereffant, den gefangenen Feinden, Slowacken und Panduren, denen der Schrecken voran« geeilt war, durch deutsche Großherzigkeit zu im- poniren, und abermals bekamen die preußischen Helden nichts aus dem Butterbrod Füllhorn des Herr« Lachs zu kosten.

Durch gute Speeulationm in allerlei patriotischen Ge werben war es inzwischen Herrn Lachs gelungen, ein Ver mögen zu sammeln, so daß er jetzt im Stande war, seine Zeit zwischen Esten, Trinken und Schlafen, oder als Ersatz für Letzteres, Lesen der Kreuzzeitung zu verbringen. Da brach der Krieg gegen Frankreich au-, und während et eS seinen Töchtern überließ, nun den Zuaven und TurkoS auszuwarten, vor denen sie sich ebenso gegrault halten, wie damals vor den Slowaken und Panduren, zog er, nachdem die ersten Siege errungen, mit dem rochen Kreuze am Arme, gleichsialls auf das Feld der Ehre.

Der Zweite war tiu zurückAefetzter Beamter, bet im CultuSministetiurn bereits einige Stufen auf der Höhen­leitet imporgetlettert wat, plötzlich aber hetunterfiel, weil er sich irgend eine® Vergehens schuldig gemacht hatte. Herr Jst'or Mey r, so war sein Name, übertraf an Frömmigkeit Alle«, wa« selbst ein Knak verlangen konnte, und strebte nun, indem et öffentliche Vorlesungen Über biblische Gegeu-

stände, ja sogar Predigten hielt, sein Vergehen bemäntelt und sich wieder in Stellung zu scheu. Er wat ein ge­taufter Jude und verfolgte seine Pläne mit bewunderungs­würdiger Zähigkeit.

Der Dritte wat Herr von Fidi, ein reichet Gutsbesitzer, Conservativer vorn reinsten Waffer, der sonst feine Ein­künfte in Berlin zu verzehren pflegte, diesmal aber dem Triebe nicht widerstehen konnte, als Schlachtenbummler unter dem rothen Kreuze feine Erfahrungen zu bereichern. Belauschen wir auch das Gespräch dieser Herren ein wenig.

DaS Thema Muß ein höchst intereffanteS gewesen sein, denn Herr von Fidi war ganz echauffirt. Eine dunkle Röihe bedeckte sein Gesicht und Herr Isidor M-yet hatte eben gesagt:

Wundec l Wir wissen'- ja Alle, was Sie für ein gutes Herz haben!*

Herr Lachs aber nahm einen tüchtigen Schluck und sagte bann:

Erzählen Sie doch etwa« Näheres, Herr Baron.*

So hören Sie berat,* sagte Herr von Fidi;schon seit gestern Abmd folgte ich der Sput diese» Engels, aber im Gewirr der mit noch fremden Straße«, im Getümmel der Militärzüge, entschwand sie mit noch jedesmal. Heut morgen aber traf ich sie, al» sie hier in da- Hotel ein« treten wellte.*

H er? Suchte Sie nach Ihnen?*

Das nicht. Eie misten aber, daß hier bet General von ** logirt. Al« ich sie nach ihrem Begeht fragte, sagte sie mit, daß sie ein Anliegm an diesen Herrn habe.*

Oh, da wäre ich neugierig!* tief Herr Lachs.

Auch ich wat e»,* fuhr Herr von Fidi fort;indem ich ihr also sagte, daß ich mit dem General gut bekannt sei und ihr seht nützlich werben könnte, bat ich sie um ihr