Mr. 79.
Marburg, Freitag, 6. April 1877.
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deut Camphausen wird wohl nicht daS Portefeuile des Ministerpräsidenten erhalten, Camphausea und feine Gesinnungsgenossen im Ministerium dürften wohl bald Ber« anlaflung nehm«, ihr EntlasiuvgSgesuch einzuretchen und die Richtung die alSdann die Oberhand erhält, wird schwerlich den Herren von der nationalliberalen Seite gefallen. Unsere WtrthschaftSpolitik wird jedenfalls bet den bevorstehenden Ministerialänderungen nur gewinnen können. Im Uebrigen mögen wir ruhig der Dinge warten, die da lommen werden. Der deutsche BolkSgeist wird schon dafür Sorge tragen, daß die nationalen Errungenschaften, die uns Bismarcks Sraattleitung eingebracht, nicht verkümmert werden. Der PartikulariSmus wird schwerlich auch nach dem Rücktritte deS Fürsten Bismarck keine Seide spinnen.
voraussichtlich sehr bald nach seinen Besitzungen in Lauen vurg begeben.
Die europäischen Verhandlungen über die orientalische Frage sind zu einem neuen wichtigen Abschnitte gelangt, schreibt die „Prov -Corr." Nachdem die Eonferenz zu Konstantinopel am 20 Januar ohne Ergeboiß geschloffen worden war, weil die türkische Regierung die gemeinsamen Forderungen der übrigen Conferenzmächte abgelehnt hatte und hiernach ein Boden für weitere Verhandlungen mit der Pforte nicht mehr vorhanden war, — hatte die Kaiser- lich russische Regierung durch ein Rundschreiben an die betheiligten Mächte zunächst nochmals hervorgehoben, wie ie die Frage vor Allem als eine europäische Angelegenheit betrachte, w-lche nut durch einmüthiges Zusammengehen der Großmärte erledigt werden könne und muffe. Bevor die Kaiserliche Regierung den von ihr einzuhaltenden Gang der Politik der Pforte gegmüber feststelle, wünsche sie die Absichten der übrigen Eabinete kennen zu lernen, um so weit möglich, auch weiter gemeinsam mit denselben vorzu- gehen und die Ausführung des Willens der Mächte zu ichern. Die Reise de» bisherigen russischen Botschafters Generals Jguatieff über Berlin nach Paris und demnächst auch nach London gab Gelegenheit zu erneuten vertraulichen Verhandlungen, deren weitere Fortsetzung in London sodann dahin führte, daß daS in Konstantinopel zwischen den Mächtm erzielte grundsätzliche Etnverständniß Über die zu Gunsten >er christlichen Unterthanen deS Sultans zu stellenden An- oiderungen nunmehr noch in einem ausdrücklich vereinten Schlußprotokoll förmlich festgef.ellt und als Ausdruck des Gesammtverlangen« der europäischen Mächte der Pforte mitgetheilt wurde. Dieses Protokoll ist von den - Vertretern sämmtlicher Großmächte am Sonnabend (31. tiRStg) unterzeichnet und der Pforte unverweilt mitgetheilt worden. Es knüpft sich daran die Hoffnung, daß diese feierliche
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition b. Blatte» sowie bte Amwneen-Bnreank von S. L- Daube & So. in
Deutsche, «eich.
, 7 41 aPdL Unsere gestrige Notiz über die
KanzlerkriflS wird durch die heute ausgegebene, Proviuzial- Correspondenz" bestättgt, ebenso aber auch die von unbeobachtete Zurückhaltung. Die gestrigen Abend- und heutigen Motgen-Zeitung« bring« vielfach weitgehende Mit« Heilungen, die jedoch ,um Theil sich gegenseitig aufheben. Wie bte „Prov.-Corr, mittheilt, liegt eine Beschlußnahme ©t. Majestät über die Angelegenheit noch nicht vor, und eS ist höchstens als wahrscheinlich zu betrachten, daß eine -osung wie die gestem von uns angedeutete erfolgen werde, nämlich ein längerer Urlaub mit verantwortlicher Stellver- tretung. Die Personenfrage der. Vertretung ist von der
Erscheint tilglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen.Preis für das Onärtäl mit der wöLenÜicken n.Orktii . J1 ....... 1....
«-»»ruck.r.i) bezogen N Mark, durch die Post-ml« deS Lutscht Reiches'“59
8ür ru der «xpedttwu ,« ettherleude Auskunft und Annahme von «dreffen werben to Pf,, berechntt/ ®eUe "'*•
Tagesbericht.
Die „Prov.Lorresp." schreibt: Dn ReichSkanzln Für Bismarck, besten Gesundheit in Folge bet anstrengende und aufreibenden Thätigkett bet letzten Zeit von Neuem I schwer angegriffen ist, hat Sr. Majestät bem Kaiser ben j dringenben Wunsch zu erkennen gegeben, von seiner amtlichen Stellung im Reiche unb in Preußen entbunben zu werben. Obwohl eine endgültige Beschlußnahme Sr. Majestät über dieses Gesuch noch nicht vorliegt, so darf doch als wahrscheinlich gelten, daß dem Reichskanzler zunächst ein längerer Urlaub unter vollständiger Entbindung von aller Betheiligung an den Geschäften ertheilt und demzu folge eine volle Vertretung desselben einerseits für die Lei-
DaS AuSscheidm deS Fürsten Bismarck aus dem Staats- luud Reichsdienste, das zunächst in die Form eines einjähri- >Nd ei-flen Urlaub- gekleidet ist, drängt alle anderen Vorgänge (4Zsanf dem politischen Gebiete in den Hintergrund. Der Meichskanzler ber andnhalb Jahrzehnte bie Geschicke Preußens unb DeutschlanbS gekettet und einen Einfluß auf die Angelegenheiten dieses WelttheilS ausgeübt, wie kein Staats- monn vor ihm, hat die Zügel ber Regierung niedergelegt, allerdings nur auf ein Jahr unb angeblich lebig- ■“"W aus Gesundheitsrücksichten, indessen wirb schwerlich emand, ber über bie Motive unb Ursachen deS Rücktritts inigermaßen unterrichtet ist, baran glauben, baß Fürst SiSmarck je wieber seine Funklionen übernehmen werbe. Die rückwärts gehende ReichSfluth, die Vorgänge im Bun eSrathe bei ber Diskussion über daS Reichsgericht, bie kntscheibung des Kaisers in Bezug auf die Differenz des Reichskanzlers mit bem Marineminister v. Stosch haben ' TOnben längst gefaßten Plan beS Fürsten, feinen Abschied zu oaerjK&men, zur Reife gebracht. Welche weittragenden Folgen picht bloS auf Preußen und Deutschland, sondern auf ganz Europa dies Ereigniß haben wird, läßt sich heute noch sticht übersehen, jedoch scheint schon so viel festzustehen, . daß die Strömung die au maßgebender Stelle schon längere ~?°Beii hervorgetreten, eine neue Aera in Bezug auf unsere 010 Innere Politik wenigstens inaugutiren wird. Daß auf die )auer auch nur einiger Monate unter ben heutigen Ver-
europäischen Mächtm unb namentlich zwischen England und Rußland im Zntereffe des europäisch« Friedens auf jede Weise angelegen sein kaff«.
So groß die Bemühung« der englisch« Regierung auch gewesen find, den Frieden zu erhalten, so hat e» sich doch seit langer Zeit auf den Krieg vorbereitet, denn der in ganz Mittelafim vorberettete „heilige Krieg" ist doch nur das Resultat ber englisch« Politik, er bedeutet eine von England geplante und geförderte Coalttion aller rnuha« medanischen Elemmte in Europa, Asten und Afrika. Durch bie Bemühungen ber englischen Regierung in Indien ist ein vollständiges Einverständnis zwischen Afghanistan und England in Bezug auf einen Krieg Rußlands mit der Türkei erzielt wordm, eine englische Vorhut ist an die wichtigsten Grmzpunkte Afghanistan» aufgestellt, um durch die Päfle von fturtum in Afghanistan einzu- rücken unb eventuelle Operationen bet afghanischen Armee unb ihrer Allürten nach jeder Richtung zu unterstützen. Indien ist in ber Lage in jebem Moment eine schlagfertige Armee von mehr als 100,000 Mann in Pendschel aufzustellen, ohne daß babutch bte Sicherheit der englischen Regierung in irgend einer Weise gefährdet würde. Somit steht also England als anerkannter Beschützer des Moha- medanismns in Mittelasien da, und sollte es znm Kriege kommen, so würbe Rußland auf seiner ganzen Grenzlinie angegriffen «erd«. Sein Plan, in Afghanistan ein asta- lischt« Serbien zu gewinn«, ist als gänzlich gescheitert zu betrachten, kurz bie Position England« in Mittelasien ist eine solche gewordm, daß Rußland von derselben vollständig In Schach gehalten wird.
Aus Pari» wird telegraphisch gemeldet; Die Türket verweigett die Zustimmung zum Protokoll uud verlangt zuvor, daß russtschersettS auf Montenegro friedlich einge- wirkt werde. Es wirke jetzt hindemd auf Montenegro ein. Einen Bevollmächtigten behufs Demobilistrung wird i>ie Türkei erst bann nach Petersburg abfenben, wenn England eine Garantie übernähme.
tung ber auswärtigen Angelegenheiten, andererseits für die obere Lettung der inneren Reichsangelegenheiten, zugleich f Jin deren Zusammenhang mit ber preußischen StaatSregie- 1' Ttung, georbnet werden wird. Der Reichskanzler wird sich
üx. Anzeigen nimmt entgegen: lat" Mt SxpedMo» b. Blatte», roc sowie die Amwuem-Bueeaur loc oon Th. Dietrich & So. in
l in d| Raffel und Hannover; Th
| Dietrich in Frankfurt a M-;
IA Haasenstein & Sooler in Frankfurt a. Berlin, Leiv-
,^'ßicht 1 ist/—
M.; Jnvalidendank, 8L Sete- ♦ meyer in Berlin; Sari Schüß- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
»ölt"^« dne Stellvertretung möglich wäre, daran ist gar l Kundgebung des EinverständniffeS aller Mächte die Pfotte icht zu denken. Die Ereigniffe drängen sich auf allen I nunmehr dazu bestimmen werde, volle Bürgschaften für bie Jäte! ft* ®t0?t?k6aenfl 8ut Entscheidung unb nur einer Erfüllung ber berechtigten Forderungen Europa'» zu geben tSftigeu Hand wirb e» gelingen, bas Staaisruber burch unb dadurch bie bisher drohende Gefahr einer krieaertfchm — !e 38°9en «lücklich hinburchzuleitm. Welche Lösung bet schwebenden Frage zu beseitigen SDietatfer-
--u>°nd d°» Steu-rru^ ergreifen wirb, barüber kaffen sich lich deutsche Regierung h?t sich auch bei d« neuesten Ber^ nstet?ür Zeit nur Muthmaßungen aufstellen. Der Vicepräst Handlungen die Förderung de» Einvernehmen» unter ben
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(Fortsetzung.)
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Nimm deine Guitarre, mein Kind," sagte ber Vater,
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\ eirne," fragte der Vater, indem i d« Thee schlürfte. „Wan
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Entzücken unb Wehmuth, Lust unb Schmerz, Zweffel unb Hoffnung bewegten seine Brust unb schmolzen in ein süße» Weh zusammen, bad ihn in selige Vergessenheit ein- wiegte.
Seine Erinnerung« tauchten lebhaft auf unb es kostete Hm Mühe, ben Zustand seine» Innern zu verberg«.
„Und wenn ich auch nie wieder heimgekehit wäre, liebe Helene," sagte et beruhigend, „Gott würde Dich nicht Der« taffen haben, — und er wird Dich nicht verlaffm, wmn ich einst von Dir getrennt werb« sollte."
Da» Mädchen schwieg.
«bet au« dem seelenvollen Auge, da» mit inniger Liebe an den Zügen de» Vater» hing, rollte eine ThrSne der Wehmuth.
Lauge schon warm die Töne verhallt, al« er au» seinem Träumen erwachte und die Ang« aufschlug.
Et sah, daß der Alte bereit» auf seinem hatten Sagte ruhte.
Die Eindrücke de» vergangenen Tage» hatten die physischen Kräfte de» armen Manne» erschöpft und ihn tn ein« wohlthätigm Schlaf versenkt.
Auf feiner Wange glänzte eine Thräne und mit den armen hielt er fein Kind umschloff«, welche», da» Soden- köpfchm an die Brust de» krank« BaterS gelehnt, nehm diesm auf einer Fußbank kniete.
Die velagmmg tix Straßburg.
historische Erzählung aus dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 von W. Bernhardt.
7 i Das Zimmer war klein und niedttg, und das Haus- billißnäth, welches sich dattn befand, deutete in der That auf ditto roße Dürftigkeit.
_ _ Ein ärmlicher Anzug, welcher aber vollkommm reinlich Mr, und ber einen blendenden Nacken unb ein Paar ge> link*** ___f. je. r - - - - . . . .. P
—j 3° kurzer Zeit hatte sie ben Thee bereitet unb autae- 1871 «g«, wihrmd sie mit kindlichem Geplauder dm Trübsinn e« Alten zu verscheuL« suchte.
„Aber warum hast Du Dich nicht zur Ruhe aeleat -4 Ael«., . k- i er mit sichtliches 8,
92 9Cöro °tu Lyee schlürfte. „Warum hast Du d«n nicht 85,4jpettmd auf mich wart« taffen?"
»Ach, bie arme Alte war zu müde," versetzte die Tochter, er. Ech «tschloß mich, an ihrer Stelle zu wachen, da
« ohnedies etwas ängstlich wat unb ber Gedanke mich “ ®u würdest diesen Abend nicht zurückkehr«."
__. * « diesm Worten zuckte e» wie ein Dolchstich durch
» v.ust de» Greise». P
. _ Arme unbedeckt ließ, umschloß die jugendlichen welcher feiner Bewegung Herr werden wollte, „und spiele e«ff< ”™'n “J"”?" M-dch,»«. »°ch <««.. SDk änete RM
7. ,, “nb Schulter wogten in reizender Unorb« mich einwirken." * * 0
°unklen Lock« und ihr Harr» braunes Auge Helene griff in die Saiten und fang mit ein« Stimme
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Ohne sie zu stör«, schlich der Jüngling leise äü< dem Hause.
. E« litt ihn nicht länger darin, er müßte Wau» kn da» Freie, hinan» in die Nacht, um in ihrem Schweigen feinen Gefühlen zu tauschen, in ihrem Schatten ben Bildern der Phantasie zu leben. —
So durchwandelte er die große Stadt, bi» da» «wachte Leben mit feinen Mühen und Sorgen ihn daran mahnte, daß e» Zeit fei, in fein Quartier zurückzukehren. '
3.
Morgenroth! Morgenroth!
_ , Leuchtest mit zum frühen Tod.
ES ist in unserer Erzählung nicht der Platz, bie Ge« des Krieges zu bericht«, die noch frisch in der Erinnerung ist.
Die Deutschen befand« stch auf einem unwiderstehliche», unaufhaltsamen SiegeSzuge und Straßburg war bereits cernirt worben.
der Commandant biefer groß« Festung, war entschloffeu, dieselbe unter allen Umständen zu halten, aber wenn die Befestigung« Straßburg» nicht so großartig ge« wes« wären, so würde er mit dem gemischten Corps von ÜsUbtennnd ungeübten Soldat«, das ihm zu Gebote stand, nicht fähig gewes« sein, auch nur drei Wochen der Belagerung auSzuhalt«.
- „lag die» daran, daß Niemand ernstlich geglaubt hatte, die Deuffchen würd« einen Erfolg «ziel«, der sie auf französischen Loden brächte. '
Da« Bombardement auf diese unglückliche Stadt hatte begonnen. T
Entsetzliche Verheerung« richteten dir Kugeln der