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Marburg, Mittwoch, 4. April 1877.

77.

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Olmhcßisthc Jrilmii)

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JA . (geb. 1. April 1851) bevor. Des Prinzen Mutter war > 7(ybie erste Gemahlin des regierenden Herzogs von Meiningen, o ^Georg, Charlotte, Tochter des verstorbenen Prinzen Aibrecht i ... ?,6on Preußen, also eines Geschwisterkindes mit dem Kron ^,d-»/rtnzen. Der Erbprinz ist Hauptmann in dem in Berlin ""^'stzarnisontrenden Garde-Füfilierregiment.

Am ersten Osterfetertage begann der deutsche Reich» - ^kanzler sein 63. Lebensjahr. Wie eS heißt, soll es der des Fürsten gewesen fein, diesen Tag in der Stille

Tagesbericht.

Kaiser Wilhelm hat, wie aus Rom gemeldet wird, auf da» Glückwunsch-Telegramm, welches der König von Italien ihm aus Veranlassung seines achtzigsten Geburtstages ge sandt hat, Folgendes erwiedert: Da» freundschaftliche und liebenswürdige Telegramm, welches Ew. Majestät an mich gerichtet haben, hat mein Herz auf das Angenehmste be­rührt, weil ich in den darin ausgesprochenen Wünschen den Ausdruck der Freundschaft für mich und mein Land wieder finde, welchen Ew. Majestät mir bet jeder Gelegen­heit wiederholen. Genehmen Ew. Majestät den aufrichtigen Dank für diese» neue Pfand freundschaftlichen Andenken».

Daß der diesjährige Geburtstag unseres Kaisers ein nationaler Festtag im wahren Sinne des Worte» gewesen, beweist schon, daß an diesem Tage die große Zahl von 1008 Glückwunschtelegrammen auf der Telegraphen-Station deS Königlichen Palais nicht bloS au» allen Theilen Deutsch­lands, sondern auch von in außerdeutschen und in über­seeischen Staaten lebenden Deutschen für bett Kaiser einge­gangen find. Außer diesen Telegrammen trafeu aber auch noch mehrere Tausend Glückwunschschreiben bei dem Mo­narchen ein.

Nach einem seit Wochen, namentlich in militärischen Kreisen, verbreiteten Gerüchte, steht die nahe Verlobung der ältesten Tochter deS kronprinzlichm Paares, der kürz­lich konfirmirten Prinzesstn Charlotte (geb. 24. Juli 1860) mit dem Erbprinzen Bernhard von Sachsen-Meiningen

wei- tsache seine ) nur s zur rdheit Werk eine «iqi rpern xperi- 'äufig mten, »Dr.

i be lenen. ' Ver­benen . wie ackten daher >opn» lende, zhier aufen m 10 von -ipzig e aus reiten roncc 2489

wuriflcx ntamt entgegen: MHtiwMtto* I. Blatte» sowie die Annonem-Bureaux von G. L. Daube & So. in

! Fraktion im Reichstage ist das erste äußere Ergebniß der : deutsch-konservativen Bewegung, sie ist das erste bedeutende l Resultat, in dem da» Streben, die zerstreuten Elemente wieder zu fester poltttscher Thätigkett zu sammeln, hervor­tritt. Die Fraktton ist mit ganzer Kraft in die Arbeit eingetreten und hat u. A. durch das Einbringen einer Novelle zur Gewerbeordnung, auf die wir westerhiu noch zu sprechen kommen, mit der Verwirklichung des Programm» einen Anfang gemacht. Es wird nun darauf ankommen, daß wir unausgesetzt daran arbeiten, das Verständviß unse­rer Ziele in immer weitere» Kreisen zu fördern. In po­litischen Dingen gilt eS, ununterbrochen auf der Wacht zu stehen und rastlos zu arbeiten; hier ist Stillstand gleich- bedeutend mit Rückgang! Aus den zahlreichen Zuschriften und Kundgebungen, die dem Wahlvereiu der Deutsch-Kon- servattven aus allen Theilm des Vaterlandes zugehev, läßt stch entnehmen, daß noch immer die Zahl derjenigen Kon­servativen, welche stch wirklich an der Wahl betheilig«, viel geringer ist als die Zahl der thatsächlich vorhandenen GestnnungSgenofien. Bon vielen Seiten wird diese Er­scheinung auf allgemeine Ursachen zurückgeführt, auf den Ueberdruß an demewigen Wählen", auf Unlust zu der immerhin mehr oder weniger aufregenden Betheiligung am öffentlichen Leben u. s. w. Wir dürfen dem gegenüber nicht müde werden, an der noch immer mangelhaften Aus­breitung unserer Organisation zu arbeiten. ES gilt nicht nur unmittelbar vor den Wahlen zu wirken, sondern auch jetzt das Juterefle lebendig zu erhalten. Unsere Freunde müffen es stch angelegen sein lassen, die organisatorische Arbeit kräftig zu unterstützen durch persönliche Thättgkeit, wie durch opferwillige Bereitstellung der Mittel, ohne welche überhaupt politische Thätigkett unmöglich ist. Die Socialdemokraten bringen jetzt nach mäßigen Schätzungen jährlich für ihre Zwecke ein« Summe von etwa 100000 Thalern auf! DaS ist eine Thatsache, die gegenüber dem, was bisher für konservative Partetzwecke disponibel gewesen ist, geradezu beschämend wirken muß. Immer und immer muß darauf hingewtesen werden, daß die Thätigkett einer Zentralstelle allein zur Lösung unserer Aufgabe nicht genügt. Die Organisation der Conservativeu Elemente in Lokal­vereinen für die einzelnen Wahlbezirke ist eine der bedeutensten und wesentlichsten Aufgaben; nur durch ste allein wird r« gelingen, auch entsprechende Resultate zu erreichen. Sie muß die geistige Verbindung unter den Gefinoungögeuoss« in den einzelnen Gegenden wieder Herstellen, die nur allzu sehr fehlt. Wer irgend ein Berstiudniß hat für die großm und gewaltigen Aufgaben, die auf allen Gebieten de» Volkslebens noch zu lösen find, der kann nicht darüber zweifelhaft fein, daß für lokale Thätigkett auch außerhalb Narr nicht lange auf da» Resultat seine» Entschlüsse» warten lassen, denn ungestörte Ruhe ist die süßeste."

Beide standen eine Weile in Anschauen versunken, al» der Engländer plötzlich wieder rief:

Goddam, bin ich nicht eia guter Prophet, Master Forni? Schaut, unser Betender hat stch erhoben und setzt soeben zum verzweifelnden Sprung in eine andere Welt an.

In demselben Augenblicke marschirte eine bunte Schaar von Soldaten auf und hielt in der Nähe jener Stelle, wo man die knieende Gestalt de» Greise» erblickt hatte. Aber in der nämlichen Minute polterte auch das Gewand de» Alten in der Luft und das aufspritzende Wasser schlug zischend über dem Selbstmörder zusammen.

Bald wurden abwechselnd der Kopf und die Hand de» mit dem tobte Ringenden über den Wellen sichtbar, ohne daß jedoch Jemand Anstatt zn machen schien, dem Unglück­lichen zu Hülfe zu eilen.

Da stürzten sich zwei junge Männer welche au» dem Knäuel der Soldat« hervorsprangeu, in dm Graben hinab und tubetien, mit kräftigen Armen die Fluthen thelleud, der Stelle zu, wo e» galt, ein Menschenleben zu retten.

Bei Victoria, unserer gnädigm Frau Königin", be- theuerte bei diesem neuen Ereignisse der Sohu de» Insel- landes ,diese Taucherkuust fängt an, mich zu belustigm. uebeihaupt gehörten die ©eenen eine» Schauspiel» für mich stet» zu den überraschmdsteu, wo Versmkuugen vor» kommen; aber seht, der eine der kühnen Schwimmer hat sein Ziel bald erreicht."

Der Andere wird r» hofferttlich auch nicht verfehlm," entgegnete Master Fomi, welcher ein Banquier und daher sehr mhig war,wmn er auch nicht so glücklich sein mochte, wie sein Gefährte."

Ja der That bewegte sich der eine von dm für Men- schmrettuvg, wie e» schien, so begeistert« Jüngling« mtt außerordmtlicher Gewandheit tu dem fiüsstgm Elemente

Sronffxrt e. R.: Jäaer'sche Buchhandlung in Frankfurt e. R.; Juvalideudauk, L- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler m Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

gewirkt, noch ferner avSzuharrea; hoffen wir aber nament­lich, daß Gerüchte, welche seit einig« Tagen in Berliner politischen Kreisen umgehen und welche davon sprechen, daß es wiederum einmal in der Abstcht einer gewissen Coterie liege, dem Reichskanzler die Frmde an der weiteren Fort­führung feines großen Werke» zu verleiden hoffen wir, daß diese Gerüchte haltlos bleibm. Die deutsche Nation kann der kräftigen sicher« Hand, welche seither ihre Ge­schicke führte, noch lange nicht entbehren; kann ihrer noch weniger entbehren in einem Augenblicke, wo der politische Horizont nicht klar und Gewitterwolken stch In Ost und West aufthürrnen. Daß wir mit unserer Befürchtung nicht allein sehen, beweist der letzte Leitartikel derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung", welcher unter Hinweis auf da» be­vorstehende Osterfest, eines Festes der Auferstehung und des Frieden», die Hoffnung auSspricht, daß die am Vor­abend deS Feste» auftauchmden Friedenszeichen stch erfüllen mögen. Sollte dies aber nicht geschehen, sollte Unvorher­gesehenes nme Gefahren heraufbeschwören, dauu hätten wir Deutsche noch nicht die geringste Veranlassung, uns darob zu beunruhigen. Eine sichere Hand lenke das Steuerruder der Geschicke Deutschlands. Nur muthwillige Herausfor­derung könnte uns aus dem bisher verfolgten Fahrwasser verdrängen; wer aber werde eine solche wagen? Das ge­nannte Blatt schließt diesen Artikel mit dem Wunsche: möge unser Kanzler dem Vertrauen seines Monarchen und der dankbaren Verehrung seiner Mitbürger auf der Höhe seiner Stellung noch lange erhalten bleiben".

Währmd in Betreff der Angelegenheit de» Zerwürf- niffe» zwischen dem Reichskanzler und dem Chef der Ad miralitit Gmeral v. Stosch von den verschiedensten Seiten hervorgehoben wird, daß dieselben ihren vollkom, enen Aus- gleich erfahren haben, bezweifelt man in gewiss« Kreisen neuerdings dasselbe und glaubt Grund zu der Annahme zu hab«, daß die Angelegenheit noch in anderer Form wiederum auf der politischen Bildfläche erscheinen werde; ja, man meint sogar, daß die neue Form, in welcher sich diese Frage präsentiren werde, einen viel akuteren Charakter annchmen könnte, als sie bis dahin gezeigt habe. Wünschen wir, daß die Befürchtungen, die man hier und da au«- Iprechea hört, sich nicht bewahrheit«. Wir geben diese Mittheilung mit aller Reserve, weil wir die Verpflichtung zn haben glaub«, auch nach dieser Sette hin unsere Leser auf dem Laufenden zu erhalten.

Ein neueste»- Flugblatt des Wahlvereio» der deutschen Konservativen präcistzirt die Aufgaben de» Wahlvereins in folgender Weife:Die Bildung einer deutsch konservativen

Lange hatten schon zwei Männer, die eine» Nachmit­tags auf den Wällen umher spaziert waren, dem lebhaften Verkehr der Truppen zugeschaut. Sie waren an einer einsamen Stelle angelangt, von wo ste selbst ungesehen, einen weit« Umkreis überblick« konnten.

Da« mit einem Fernrohr bewaffnete Auge be» Selter« verweilte mit sichtbarem Interesse bet ben vor ben Thoren bet Stadt aufgehänstm MunitionS- unb Proviantvorräthen bei Jüngere aber ließ seine fast verdrießlichen Blicke von einem Ort zum ander» schweifen, als suche er eium unter- hatteuden Gegenstand, die Langeweile zu verscheuchen, an der er unverkennbar litt.

Beide traten über das mittlere Lebensalter hinaus; sie gehört« ihrem Aeußern nach, dm höheren Ständen an und schienen Engländer zu sein, Beide trug« da» röche Kreuz der Genfer Convention am Arm.

WaS hattet ihr von jener Gestalt dort, auf dem Walle, am rechten Ufer de» Grabens, mein edler Lord?", begann jetzt der «eitere zu seinem Nachbar, ihm da» Fern rohr verbindlich darreichend.So viel man in Folge der Entfernnng mit blosem Auge erkennen kann, kniet ein Mensch in weißem Gewände auf der bezeichneten Stelle, da» Gesicht dem Wasser zugewendet und bit Hände auf bei Brust gefaltet."

Der Loib richtete ba» Gla» fogleich nach dem ange- gebmen Punkte und gab e» nach einigen Augenblicken fei­nem Eigemhümer mit dm Worten zurück:

Der Mensch da scheint ein Sohu de» Unglück» zu sein, der de» Kampfe» mit dem Leben im Greifenalter überdrüssig ist und wahrscheinlich sein heutige» Nachtlager toi Bette be» Grabens aufzuschlagen gedenkt. Uebrigen» glaube ich, da» Silber seines langen Bartes für ein Kenn­zeichen halten zu dürfm, daß meist nur bei Eurm Glau« i benSgenofftn angetroffm wird Master Forni."

Ihr könnt Recht haben, mein edler Freund," versetzte | der Spritzling Israels;hoffentlich wird au» der alte

JJr~aub ganz seiner Familie gewidmet zu verleben. Wenn auch 'j die deutsche Ration seither bemüht gewesen ist, den Wünschen | ihres hervorragendsten Sohnes so viel als irgend thunlich V* zu entsprechen, so glauben wir doch, daß ste sich das Recht nicht hat nehmen lassen, an diesem Tage selbst entgegen bn- den Wünschen de» Gefeierten ihr« Gefühlen Ausdruck zu , .geben. Knüpfen wtt hieran den Wunsch, daß es dem ^^"Fürstm BiSmarck noch lange vergönnt sei, auf demselben kürzHosten, auf dem er seither zum Segen unsere» Vaterlandes h.

n,Tr Die velagermtg Hi Straßburg.

I75Mstorische Erzählung aus dem deutsch-ftanzöfischen Äriege 1870/71 ijer von W. Bernhardt.)

1.

p Zwei Seelen.

[(TI »Zu Straßburg auf der Schanz',

vVU» Da ging mein Trauem an."

< i So friedlich wie in der ganzen Wett, sah e« auch in der Natur au». Die Diplomaten hatten in allen ReichS- Landtag« versichert, daß der Friede niemals gesicherter iroachscj, «iS in der gegenwärtigen Zeit, nicht ein Wölkchen trübe Ten internationalen Horizont und nirgmd» fei schlechtes Bettet zu befürchten.

Aber die Gewitter kommen plötzlich, unerwartet.

ES war zu Ende Juni de» Jahres 1870, al» e» plötzlich hieß: E« giebt Krieg Krieg zwischen den K«r-"öchtigste» Rattonen, Krieg zwischen Frankreich und Deutschland.

ter» ^Lle ein Btttz au« hetterm Himmel kam diese miet* ffartete Botschaft und erfüllte alle Hetz« mit Trauer.

I In Straßburg, dem Herzen des Elsaß, wat zu dieser ----gelt ein rege« Leben Truppen, in den bunten Costüm« «77welche ba« französische Heer trägt, gegen aus unb ein.

®ie ungeheuren Festungswerke waren armirt unb obwohl , .kein Mensch, soweit e« Franzosen gab, daran dachte, daß B^E016 dn Fuß eine« deutschen Krieger» dengeheiligten S7,ör.Eodm* Frankreichs betreten könne, so hatte man doch die 87'izütößte Sorgfalt auf die Befestigungen dieser alten, berühm­ten, urdeutschen Stadt vetw«dtt.

Unabsehbare Wälle breitet« sich um da« Häusermeer tu«; tiefe Waflergribm, fast breit« Strömen gleichend, bildet« dazwischen eine flüssige Maner unb cfl konnte ^ts Sehenswürdigere» geb«, al» diese enorm« Wälle »nd mitt« unter ihnen diese tief« Gräben.

Nachdruck verboten.

/ |5 Anzeigen nimmt entgegen: J He Spedition b. Blatte«, --Howie die Annoncen-Bureaux pftppoon Th. Dietrich & So. in IUM Raffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a M ; Haasenstein 4 Bögler in ter' Franttun a. M^B-ttmLew'

= M sein le; üudolf Moffe Jtn in Berlin, Frantfurt a. M. re.

9 Erscheint täglich außer den Werktage nach ©onu- unfc Seiertagen. Preis für das Quartal mtt der wöchentlichen VellageUluftrtrt« Count»,Mt«t" durch die Expedition (Roch'sche »uchdruckerei! bezogen M Mark, durch die Postämter deS Deutsch« Reiche» 8 Mark 5» Pf,, (exl. Bestellgebühr). JnserttonSgÄthr für die gehaltene Znle 1» Pf,.

Für m der Expedrtton zn ertdellende NnSkunst und Annahme von Adreffm werd« 85 Pf,, berechnet.