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^a%r. 76.

Marburg, Sonntag, 1. April 1877.

xii. Zahrgarg.

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte«, sowie die Amumcen-Buteauk eoa Th. Dietrich & Co- ,n Raffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M; Haasensteiu & Bögler tn GaEurt a. M^Berlm.Lew. zig, Söln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Al. re.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Hqreditton d. Blatte« sowie bte Annoneen-Bureaur von ®. L- Daube & So. in

Frankfurt a. M.: Jiaer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Earl Schüß- ler in Hannover; $. Schlotte in Bremen.

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'ar(Arint tllalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Prei« für da« Quartal mit der wöchentlichen VerlageIl n stritt es E»NNta,«»latt" durch die «svedittou (Roch'sche BÄbt ") durch die PostSmter des Deutschen Reiche« 2 Mark 5» Pf«. (e$L Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1» ff*.

Mr in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen «erden Äki Pf*, berechnet.

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28.! Verhandlungen seit dem 24. d. M. einen Stillstand Se-1 iahten, der mit dem «LnzliLen Abbruch der Verhandlui

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Wälzung vot bet Thür stände.

Dem König AlsonS von Spanien wutde während seines Aufenthaltes tn Cadiz von den Osfizieren bet eng­lischen Tiittelmeer - Flotte ein Banket veranstaltet, welches et mit einem Festmahl in bem Arsenal der Carraea erwie- derte.

Der Versuch des General« Jgnatieff, die englische Regierung zur Unterzeichnung eine« europäischen Proto­kolls zu bewegen, ist al« nahezu gescheitert anzusehen. DaS britische Cabinet erklärte, in der Unterstellung, daß den friedlichen Versicherungen Rußlands so lange wenig Glauben geschenkt werden könne, als dasselbe seine gewal­tigen HeereSmoflen unter Waffen halte, die vorherige Ver­pflichtung zur Demvbillstrung als eine unumgängliche Bor bedingung jeder weihten Theilnahme an den Verhandlungen über die Unterzeichnung des von Gortfchakoff erstrebten SchriflstückeS. Die letzte von Petersburg au- nach London gesandte Faffung desselben, welche eine Specificitung bet von der Vorkonferenz geforderten Reformen und Verwal- tungSmaßregeln für Bosnien, die Herzegowina und die Bulgare!, sowie das Recht für die Mächte fordert, im Falle die'kei jene Forderungen ablehnen sollte, execuüvisch gegen bte Pforte vorzugehen, konnte baher von vorn herein kaum aus eine ernstliche Erwägung durch da« englische Cabinet hoffen, weil eben bedeutete, daß Rußland für seine Entwaffnung den Friedensschluß zwischen der Türkei und Montenegro und eine vorhergehende Demobilisttung der türkischen Armee als Bedingung stellt. Die russische Regie­rung soll dann auch den englischen Vorschlag der Abrüstung entschieden zutückgewiesen und dem General Jgnatieff die Weisung ertheilt haben, in Wien sich Über die Stellung des österreichischen Cabinet« zu vergewtffern, um wo mög­lich nach der ablehnenden Haltung Englanv« da« Drei- Kaiser -Bündniß wieder in den Vordergtund bet diploma­tischen Verhandlungen zu drängen.

Die russische Südarmee steht noch immer Gewehr bei Fuß und harrt des BesehlS zum Vormarsch. Zhr Oberbefehlshaber, Großfürst Nikolaus Vater, hat Odeffa

fahren, der mit dem gänzlichen Abbruch der Verhandlungen zu endigen droht, da sich die Pforte weder zur Abtretung von Niksttsch, noch Montenegro zur Abtretung de« Bezirk»

von Waffojewttsch verstehen will. ES spricht Manche« da- für, daß die Ursache der Zurückhaltung de« Fürsten Nikita in russischem Einflüsse zu suchen ist, zumal russische Schiffe große Mengen von Mundvorrath nach Cattaro schaffen und dir ehemaligen Führet der herzegowimschen Aufstän­dischen durch Ptoclamationeu und allerlei Kunstgriffe wieder mehr von sich reden machen. Vielleicht stehen auch die Gerüchte über Unruhm in Konstantinopel, Welche die Rück­berufung Midbat'S zum Ziele haben sollten, damit in Ver. btndung; inzwischen hat sich der gestützte Gtoßvezir über Rom nach Nizza begeben.

Zünfte gesprochen wirb, bie ben Absichten bet Konservati­ven gänzlich fern liegt. Diese letzteren wollen weiter nicht« al« baß bie technische Inferiorität de« deutschen Geschäfts­betriebe«, in welcher bie gegenwärtige witthschaftliche Mi­sere zum großen Theil gipfelt, beseitigt, unb baß durch eine gesunde Entwickelung unsere« Lehrlingswesen« bet Grund zu einem befferen Verhältnisse zwischen die Arbeit­geber unb Arbeitnehmer gelegt wird. Wenn die Arbeiter durch bie Gesetzgebung genöihigt weroen, fleißig zu arbei­ten unb Tüchtige« zu schaffen, wo« nur durch die Bestra­fung de« Contractbruche« und burch Einführung einer strengen Zucht unb Orbnung unter den Lehrlingen ermög­licht werden kann, so haben davon nicht blo« die Arbeit­nehmer und Arbeitgeber den grüßten Vortheil, sondern die ge­summte übrige Bevölkerung nicht minder. DaS Streben, wirklich Tüchtiges zu leisten wird an Stelle der blofen Gewinnsucht wieder bie Oberhand gewinnen, e« wird ein reget Wetteifer auf dem Gebiete der Gewerbe entstehen unb dadurch allein kann die Concunenzsühigkeit mit dem ' Eine

bet Verwaltung jetzt mit Muße borjubeteiten, am ! März eine längere Reise nach Italien, zunächst nach Be­liebig antritt, obgleich seine erbittertstm Feinde, bie Ultra- montanen, Bünde stiften unb wühlen, al« wenn bie Urn-

Tagesberichl.

Die Anträge bet Deutsch-Cvnsetvativen in Bezug auf bie Revision bet Gewerbeordnung haben selbstverständlich nicht den Beifall der nationalliberalen unb fortschrittlichen Presse gefunden. Die Doktrinen be« Manchesterthurn« unb bet Apostel bet witthschöstlichen Freiheit stimmen nicht zu ben ernsten stttlichen Bestrebungen bet Konservativen, bie auf bie Erhaltung beS gejammten Handwerks und gegen bie Ausbeutung bet fogenonnten kleinen Leute durch ba« Großkapital gerichtet stnb. ES ist daher nur zu sehr be­greiflich, wenn diese Bestrebungm ins LSLerlirpe gezogen werden und von einer Restauration der mittelalterlichen

Ker- ipel- ver- Ule, von »der en vur- und ift urig die

verlasten, um einige Truppmtheile zu besichtigen und bann wiebet das Hauptquartier Kischinew zu beziehen. Ganz genesen ist er noch nicht; bie Füße find ihm noch geschwollen, so daß er nicht zu Pferde sitzen kann.

Der Fürst von Montenegro hat zwar bie von bet

Pforte votgrschlagene Verlängerung beS WaffenÜrllstanbeS ,

bi« zum 13. April angenommen, doch haben bie FriebenS«f auslänbischen Markte wiebet hergestellt werben.

fenbu» Politische W-cheit, Ueter-cht

wurdet! Am Sonnabend vor. Woche hat der D e u t s ch e Reichs­tag, sich für die Osterferien bis zum 10. April vertagt, nachdem er ben Gesetzentwurf, bet Le pzig zum Sitze des künftigen RritSgcrichlS bestimmt, mit großer Mehrheit in bdtter Lesung angenommen halte. Zugleich empfing et

K'nod) bie angenehme Mittheilung, daß für die Starten des 1 vormaligen Norddeutschen Bundes demnächst ein Restbestand n9tl1 von 33 Millionen Mark aus bet französischen KriegSentschäbi- $er$eit flung zur Vertheilung gelangen soll, womit denn für sie bie sk,<k etwa noch erforderliche Erhöhung der Matrikulatbetttäge

-lyl* jedenfalls weit mehr als bloß ausgeglichen ist. DaS Ent- ***\ laffungSgefu^ des Chefs der Admiralität, Generals von

1 (Stofd), hat damit feine Erledigung gefunden, daß der < > Kaiser dasselbe abgelehnt hat, indem er in Bezug aus den ;; sachlichen Anlaß zwar bet Auffassung be« Reichskanzlers IT - > grundsätzlich beigetreten ist, aber zugleich nach den von W*Seiten beS Reichskanzlers unb be« General« vorgelegten * [ Berichten aussprechen konnte, daß der Reichskanzler mit < > seiner betreffenben Aeußetung im Reichstage ben Chef der * Admiralität nicht habe verletzen können.

Wenngleich durch die Retse des General« Jgnatieff dsS Interesse an den «diplomatischen Verhandlungen übet die Ottmtftage sich zeitweilig nach Wien richten mußte, blieb boch bet Schwerpunkt bet Lage stets in London, da zwischen Rußland und England die Frage,ob Protokoll oder nicht", dort zunächst entschieden werben muß. Vot den Fetten erledigten bie beiden Parlamente bet österreichisch-ungarischen Monarchie noch einige nicht unwichtige Fragen.

lieber da» Befinden be» Papstes laufen beunruhigende Nachrichten um, die stet» in Abrede gestellt, stets wieder auf'S Neue auftauchen; es hieß sogar, daß im Vatikan bereits die Gemächer für da« nächste Conclave hergerichtet würden; anberetfeit« wollte man vernommen haben, baß Plus IX. ernstlich an einer Wiederaufnahme des vatika Nischen Concil» für den kommenden Winter arbeite.

Die französischen Kammern traten am 24. März die Osterferien an, die bi» zum 1. Mei dauern Es war tief gefühltes Bedütsniß, daß die Vertretet deS Landes einmal wieder mit ihren Wählern in Berührung kämen und hörten, waS das Volk In der Provinz über den jetzigen Stand der Dinge denkt. Während dieser Zw.schenzeit, in welche die Saison der Generalräthe fällt, wird bet Bubgd ouSschuß jede Woche zwei Sitzungen halten, damit in der C ommersesston die Kammer sofort in die Bubgetberathung eintreten könne. Die Stellung be« Cabinets gilt keines weg« für befestigt; ja, e« gilt für kein gute« Zeichen, daß! der Ministerpeästbent, statt seine zugesagten Reoirnen in]

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In der nächsten Nr. beginnt:

Are Belagerung von Straßburg.

Historische Erzählung aus dem deutsch-französischen Kriege 187071, von W. Bernhardt.

Türkische Geldwechsler.

Unter ben auffallenden Erscheinungen, welche bie Ver wunbetung aller Besucher der Siebenhügelstadt am Bos­porus erregen, nehmen die Geldwechsler gewiß nicht die letzte Stelle ein. Mit Anbruch des Tages find die uner «üblichen Jünger Merkurs auf ihrem Platze, ben sie erst beim Grauen be» Abends wieder verlassen; zwischendurch bildet etwa« Brod, ein Stück Käse ober einige Oliven ihre einzige Nahrung. Nur wenige sinb es, die sich den Luxus eines warmen Frühstücks gestatten. Ein eigeutliLeS Bureau kennen die Saraffen nicht; unter dem Schutze von vor­springenden Thor bürgen, in Haue fluten, Vorhallen unb Magazinen, ober auch mitten auf ben Trottoirs haben sie Geschäfte errichiet, bereu Ausstattung die denkbar einfachste ist, ba sie nur aus einem Stuhl unb verschiedenen hölzer­nen Kasten mit Glasdecke besteht, in welchen, sauber ge­ordnet unb durch kleine Verschlüge getrennt, bie verschie­denen Geldsoden ihrer Umwechstung Hanen. Gewiß würde mancher europäische Banquier sich sehr dagegen sträuben, von den Konstantinopeler Saraffen al»College- betrachtet zu werden unb dennoch brauchen die orientalischen Geld­wechsler, sowohl in Ansehung ihres GeschäftSumfanges al« mit Rücksicht auf Routine und Erfahrung, einen dessallstgen Vergleich kaum zu fürchten. Anscheinend theilnahrnslo« fitzt bet Saraff auf feinem Holzstuhle, gleichgültig die Per- l n seine« Rosenkranzes zwischen ben Fingern drehend, aber s in Luchsauge verfolgt aufmerksam die Vorübergehenden. Er hat etwa« von einer rtrstgen Spinne <m sich, die im

sicheren Hort gtbuibig aus cie ihörichten Fliegen wartet, bie in ihre Netz: sich verwickeln. Ehe noch ein Äunbe sich bem Wech «lettische vollend» genähert, hat der Saraff ihm bereits Herz unb Nieren geprüft. Au bet A.t unb Weife des Gehen«, des DurchbtängenS burch bte Menschenmenge, an den Worten, mit denen der Ankömmling da» Hinlegen deS Geldes begleitet, erkennt der menschenkundige Wechsler ganz genau, ob der Kunde einer der in den Tiefen der verwickelten Gelb- unb CourSverhältn.ffe unerfahrenen Frem­den ist, ober ob er dengeriebenen Jungen" des Landes zugercchnet werden muß. In letzterem Falle ist eine lieber« vortheilung Unmöglichkeit:Ein Jude ist schlauer als sieben Christ«, ein Grieche schlauer al« sieben Juden, ein Ar­menier schlauer als sieben Griechen," sagt bezeichnend ein bodige« Sprichwort. Im anderen Falle nun, da« ist eben derFall" des Saraffen. Je nach dem Grade der größeren ober geringeren U.bekannrschaft mit Sprache unb Verhäliniflen wirb bet Fremde gerupft; ganz ungeschoren geht Keiner von bannen. Wer sich durch Mitnehmen eine» bet zahlreich wie bie Pilze dort wuchernden Hotel Drago- manen zu schützen sucht, fährt vielleicht am alletschlechtesten: er muß nicht nur bem Saraffen, sondern auch bem Dol­metscher noch seinen Tribut entrichten, ba bte Söhne be« Orients gegen ben Fremben, ben sie al« eine auszupressende Citrone betrachten, mit lobenswertem Lokalpatriotismus gemeinsam Front machen. Ihre größte Unterstützung aber finden die Operationen der Saraffen durch bie eigemhüm- licheu Gelbveihältniffe im Orient, beten Berständniß bem sprachunkundigen Fremden besonder« bei kürzerem Aufent­halte fast unmöglich ist. Beispielsweise hat eine Goldlira im Grunde einen Werth von hundert Piastern, und wird on den öffentlichen «affen (Steuer, Post, Telegraphie u. s. w.) auch nur zu diesem Course angenommen, zu welchem indessen im gewöhnlichen Leben noch da» je nach dem Stande des Goldes zum Kup er mehr oder minder beträchtliche Agio hinzutritt. Da« Papiergeld hat wieder seinen besonderen

Cour«. Alle diese Werthverhältniffe wechseln von Tag zu Tag, find aber auch nicht einmal an demselben Tage für alle Verhältnisse maß gebend, indem die einzelnen Läden, Hotel«, Restaurationen rc. ihre besonderen, vielfach sehr abweichenden Tarife haben, nach welchen sie da« türkische Gelb berechnen und annehmen. Dieses Tohuwabohu, dem gewöhnlichen Menschen ein Gräuel, ist da« Ideal de« Saraffen, der ihm einen nicht unbeträchtlichen Theil seine« Verbiet, ste« verdankt Nebenbei macht der Saraffe je nach dem Kapital das er besitzt, noch die verschiedensten sonstigen Geldgeschäfte und Börsenspekulationen, mit gelegentlichen Abschweisungen auf andere, dem eigentlichen Geldwechslergewerbe nicht zu fern liegende Erwerbsgebiete, al« da find An- und Verkauf von alten Münzen, Ebelsteinen, Ringen, Uhren und sonsti­gen Pretiosen. Auch da« Pfanbleihgeschäft ist ihm bekannt und lieb, sei e» in bet kleineren Form de« Geldvorstrecken« gegen Sicherheit in Weither,, oder in der größeren der Bezahlqpg türkischer Beamten und Offiziere, welche von der Regierung ihr Gehalt nicht br kommen können. Da alle türkischen Staatsangestellten bi« hinauf zu ben Pascha« ihr Einkommen nur in sehr unregelmäßigen Fristen aus­bezahlt erhalten, bet kostspielige Haushalt und etwa vor- kommende besondere Ereigniffe aber doch da« Vorhandensein eine« gewissen Kapital« mit zwingender Nothwendigkeit erheischen, obgleich ein nicht geringer Theil der lausenden Ausgabenauf Pump" bestritten wird, so können die meisten Würdenträger der Vermittelung de« Saraffen nicht entrathen, der gegen Zinsen, die sich je nach der Beschaf­fenheit der Verhältniffe auf 50 bi« 250 Prozent belaufen, den Bep» und Effendi« ihre Eilik« ausbezahlt, um solche zu geeigneter Zeit, wenn sich gerade einmal eine Quelle öffnet, von der hohen Worte wieder einzuziehen. Die Zinsen erscheinen auf den ersten Blick allerdings un­menschlich hoch, doch wolle man geneigte^ bedenken, daß viel Gefecht bei der Sache ist. Obgleich die meist« Saraffen allerdings durch solche Operationea reich