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GAB». 7«

Marburg, Donnerstag, 29. März 1877.

xn. ^e|rgaig.

Obcrhchillhc Jrilniig

dem römischen Cardinal und StaatSsecretair Simonis I dieser Mäßigung abgegeben, so kann doch kein Mensch i« päpstlichen Gesandten an den katholischen Lösen mit I Voraus berecbnen. was a,k»-h-n MMH »iniMAl

von

Die Exp. d. Oberh. Ztg.

zu

Der General Jgnatieff, der flch mehrere Tage in Wien aufgehalten und dort mit dm maßgebenden Persönlichkeiten conferirt, hat, wie uns von unterrichteter Seite versichert wird, die Gewißheit erlangt, daß die österreichisch-ungarische Regierung zunächst an ihrer abwartenden Politik festhalteu, keinerlei Pression auf die Entschließungen der Pforte auS- üben und flch darauf beschränken wird, au ihrer Südgrenze ihre Gamisonen zn verstärken, ohne eine Mobiltstrung irgend welcher Truppenthcile herzustellen. Oesterreich wird so lauge neutral bleiben, als das Waffenglück flch nicht zu sehr auf die Seite der Ruffen neigt. Sollten die Bal kanübergänge in die Hände der Ruffen fallen und eine ungeheure Armee in Bulgarien sich ausstellen, so würde allerdings Oesterreich aus seiner Neutralität heranStreten und flch Garantien von Seiten Rußlands zu verschaffen suchen, daß dieses seinen Marsch nicht nach Konstantinopel ausdehnt. In gleichem Sinne wird, wir wir hören, auch England handeln, das nach Ausbruch des russisch-türkischen Krieges militärische Vorbereitungen treffen wird, um erfor drrlichen Falles ein größeres Truppencorps in Konstan- rincpel anö Land setzen zu können. Die Lokaliflrung des russisch-türkischen Krieges hängt demnach nur noch von der

den päpstlichen Gesandten an den katholischen Höfen mit der Aufforderung zugeschickt sei, alle ihre Anstrengungm dahin zu concentriren, daß die durch die italienischm Ge­setze dem Papste verbürgte souveräne Stellung, die gegen wärtig bedroht erscheine, erhalten und befestigt werde. Man fürchtet also im Vatikan, daß der römische Papst in seiner Freiheit die katholische Bevölkerung dieses ErdtheilS zum Angriffe gegen die Staaten zu organistrcn, welche sich keine Gesetze von Rom aus vorschrriben lassen wollen, ihre Souveräailät vielmehr auf festeren und breiteren Grund

Voraus berechnen, was geschehen wird, wenn einmal die russtschm Waffen die Oberhand über hie. türkische« ge- Wonnen und sich de» russischen Nationalgeistes eine Bewe­gung bemächtigt hat, die weit über die ursprünglich gehegten Pläne der russischen Regierung hiuauSgehen wird. Dma daran kann heute schon kaum gezweifelt »erben, daß die türkische Armee aus dem Kampfe mit Rußland nicht al» Sieger hervorgehen wird. Die Streitkräfte Rußlands sind den türkischen numerisch zu sehr überlegm. als daß letztere auf längere Zeit dem «ndrange der ruistjchen HeereSmassen Stand halten könnten. Doch mag es heute noch müssig erscheinen, über die Eventualitäten de» russisch, türkischen Kriege« sich in Combinationea zu ergehen, die in Bezug auf die Erhaltung des allgemeinen Frieden« Besorgnisse erregen könnten. Die deutsche Friedenspolitik wird jeden­falls Alle« aufbieten, um den unvermeidlich gewordmm russisch-türkischen Krieg zu lokalistren und eS mag uns einst­weilen die Hoffnung genügen, daß die Bestrebungen dieser Friedenspolitik von Erfolg gekrönt sein werden.

Web. in gsgesch. sirurgie. u. Ho» aminat. iabotat Sxamin. i. • anat Patho» r. The- pler: Lursus. atrifche iootien.

Ge- iotik b. ations« Külz: affet:

Ser.

lagen als bisher zu stellen bestrebt sind — beschränkt werden wöge und daß am Ende die Abnormität im emo päischm Staatensystem beseitigt werbe, wonach ein katho­lischer Geistlicher, ber gar keinen weltlichen Besitz, keinen Staat und kein Volk hat, alle Rechte eines Souveräns ausübcn soll, ohne baß dieser die internationalen Pflichten, die jedem Souverän durch daS bestehende Völkerrecht vor- gczetchnet, zu beachten brauchte. In der Thal wird die römische Aufhetzerei ihre Früchte tragen und die Staaten und Völker immer mehr darüber aufklären, daß die souve­räne Stellung eines Bischofs heutzutage nicht mehr mit dem Staats, und Völkerrecht zu vereinbaren, wie dasselbe sich in unserer modernen Zett herausgebildet hat.

Kirchen- Theol. Übungen ymbolil. Zwing, ikachptü.

Tagesbericht.

Dem BundeSrath ist seitens de« Reichskanzler« ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, welcher namentlich das Interesse militärischer Kreist beansprucht. Die Bestimmung diese« Entwurfs iß, von dem erklecklichen Reingewinn, den die Herausgabe des GeneralstabSwerkeS, über den Krieg von 1870/71 ergeben wird, zur Allerhöchsten Ver­fügung Se. Majestät des Kaisers die Summe von 300,000 M. zu stellen. Diese Mittel sollen zur Errichtung einer den milttair-wissenschastlichen Zwecken des Generalstabes de« deutschen Heere« dienenden Stiftung, sowie zu Unter- stützungen verwendet werden. Die Verwaltung der Stif tung und die Verwendung der Erträge erfolgt nach Maß- gäbe der vom Kaiser genehmigten StiftungSurkunde durch den Chef de« großen Generalstabes.

Bon den neuerdings bet dem deutschen Reichstage eiu- gegaugenen Petitionen find noch folgende zu erwähnen: Ed. Schultz und Genossen zu Görlitz bitten im Wege der Reichsgesetzgebung zu verordnen: 1. daß der Geschäftsbe­trieb der Wanderlager, sobald er in einem geschlossenen GefchästSlokale stattfindet, nicht zu dem Gewerbebetrieb im llmherziehen zu rechnen, sondern dem stehenden Gewerbe beizuzihlen sei rc., und 2. daß der Geschäftsbetrieb der Wa^derlager auf die Zeit der Jahrmärkte in den Städten beschränkt werde. Der Verein deutscher Invaliden für Ham­burg, Altona und Umgegend, erbittet die Einführung eine» einheitlichen Pensionsgesetze«,

lhrmat. Exam. bungen : Na- »rutsch, ganb: >p.»bot. gricola Bolls-

Sem. ungen. iued:

Ger» Perser, em. f. traten.

Gc- uellen- kap. b. schichte erikaS, ential» Mine»

Deutsche, Reich.

•• Berlin, 27. März. Ja Betreff der Angelegenheit deS Generals von Stosch verlautet noch genauer, daß der Kaiser in Bezug auf den sachlichen Anlaß der hervorgetre» teven Differenz der Auffaffung des Reichskanzler« grund­sätzlich beigetreten sei und nach den von Seiten des Reichs­kanzlers und des Chef« der Admiralität vorliegenden Be- richten die Ueberzeugung habe aussprechen können, daß der Fürst-Reichskanzler mit der bezüglichen Aeußerung im Reichstag den Chef der Admiralität nicht habe verletzen wollen. Diese Ueberzeugung vom Kaiser selbst ausgesprochen dürfte zur Beruhigung deS General» auSreichea. Die JnspectionSreise desselben ist übrigen» etwa» verschoben worden, er wird fich zunächst nur auf einen Tag nach Wilhelmshaven und dann Mitte April voraussichtlich mit den kronpti^zlichen Herrschaften zusammen nach Kiel be- gebm. — Wie mitgetheilt wird, steht aus der heu­tigen Tagesordnung des BundeSraths die Berathung de» Gesetzentwurfs über den Sitz deS Reichsgerichts. Es wird voraussichtlich die heutige Befchlußnahme eine ausschiebende fein, um der sächsischen Regierung Zett zu lassen, zu der durch die Annahme de« LaSker'schen Antrages in das Gesetz gebrachten Veränderung ihrerseits Stellung zu nehmen. Die Entscheidung deS BundeSraths wird erst nach Ostern stattfiaden. Die hier und da austauchende Meinung, daß die sächsische LandeSvertretuag darüber zu entscheicen habe, ist irrig, da da» betreffende Gesetz durch Beschluß de»

cnold; Examin, attilum. mbelten« cerus: - Han» t 1815. wat» u. eusschm , P-r» lecht.

nebst

Zlustrirtem Sonntagsblatt bitten wir, um vollständige Exemplare liefern können, vor dem 28. März gefälligst machen wollm.

Zite POst-Beftevvage« für das 2. Quartal

$> auf die

Bberhessische Zeitung

«rlchttnt täglich außer bat Wertigen nach 6mm» unb Feiertagen. Preis für ba« Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Jluftrirte« durch die «rvebition lKach'tMe

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Anzeigen nimmt entgegen: die EqwdMon d. Blatte» sowie die Annomen-Buteaux von 8. L- Daube L Eo. in Frankfurt a. At.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendänk, Ä. Stete» ♦ meyer in Berlin; Karl Schütz-

ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

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Wir haben schon vor einiger Zelt darauf hingewiesen, daß die römische Curie einen klerikalen Heereszug gegen Deutschland und Italien vorbereite und auf der ganzen Linie der vorn römischen CleruS beherrschten LandeStheile ...... „ , „ ________,_______7

eint größere Bewegung erkennbar sei. Jetzt erfährt man, l Mäßigung de» russischen CabinetS ab/Hat nun auch die daß die bekannte päpstliche Allocution vorn 12. März d. J.j russische Politik durch ihr bisherige» Verhalten Proben

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eiter.

De, MsrdeS verdächtig.

Siner wahren Begebenheit nachetzählt von W. v. 8 ktachwitz. (Schluß).

Aber war der Schuldschein wirklich am 10. November ausgestellt? diese Frage stellte auch der Untersuchungsrichter an den Zeugen.

Ulmer wurde unsicher.

„Woher wußten Sie das Datum, sahen Sie den Kalender an?"

„„Nein, Müller nannte mir den Sag1*"

»Der zehnte November war, wie Sie au» diesem Klender ersehen können, ein Montag, erinnern Sie fich dessen?"

--«-34 erinnere mich genau, daß ich an eint ■ Sonn- tafl bei Müller war. Montag war eS bestimmt nicht, an einem solchen, al« dem WöchemnarklStage würde ich die Reife nicht unternommen haben.""

„Das können Sie beschwören?"

.„Ja, das kann ich beeiden."»

Ulmer leistete den Zeugeneid.

Müller, ans dem GefSngniß vorgeführt und mit Ul «er» Aussage bckannt gewacht, verrieth einige-Bestüriuna. »ber nur Sekunden währte e«, so hatte er fich gesammelt.

„Nun, e» ist wohl möglich, daß ich mich im Datum geint. Ganz recht! Ulmer war am Sonntag bei mir, ich wollte den Nachmittagsgottesdienst besuchen und wurde durch den Besuch abgehaiten. Also der zehnte November war ein Montag. Erlauben Sie mit, mich zu besinnen. — — Montags nach Ulmet« Besuch wat der Arbeiter Wend'andt bi« AbendS 6 Uhr bei mir beschäftigt und hat sodann wohl noch eine halbe Stunde mit dem Abendbrodt m m rn Gegenwart zuoebracht. Dann habe ich selbst «deubbrodl gemacht, einige Bries« geschrieben, und sodann ;

wacher, habe aber noch immer eine solche Vorliebe für dm Wald und dessen Leben, daß et häufig darin herumsireife, namentlich in den frühen Morgen- und späten Abmdstun» den, um da« Wils zu beobachtm. Auf diesen Streifereien sei er denn zuweilen dem Müller begegnet. Dieser sei zwar immer sehr zurückhaltend gewesen, da« häufigere Zusammen- tt-ffen auf den einsamen Spaziergängen habe indeß doch eine gewisse Annäherung herbeigesührt, und da er, bet Schuhmacher, Müller für einen heimlichen Jagdfrmnd ge­halten, so habe er ihm den Schlupfweg gezeigt. Müllet habe fich seht dafür interesstrt und ihm einig« Groschen geschenkt.

Auf tiefe Eröffnungen hin erwirkte bet Staatsanwalt sofort einen neuen Haftbefehl gegen Müller, und mit diesem unb dem Schuhmacher traf et unerwartet auf dem Gericht In H. ein. Müller wurde aufs Neue zum Untersuchungs­arrest gebracht. Der Staatsanwalt, ber Schuhmacher unb eine Gericht«-Commission begaben sich zur Aufsuchung be« fraglichen Pfades an Ort unb Stelle.

Wie schon erwähnt, beginnt unmittelbar hinter H die fürstliche Haide, in welcher das ForsthauS Fährwiese liegt.

Schuhmacher aus Nikolsdorf, nahe bei H. Er habe ge-.Zwischen letzterem Orte unb H zieht sich in einem zlew- hört, warum man die Untersuchung gegen Müller einge ltchen Bogen mitten durch den Wald die Trine ein tiefe» stellt und wolle einen Jrithum ausklSten. ES gäbe einen! reißendes, tückisches Gewässer mit hohen unb steilen Ufern' nähern Weg von H. nach Fährwiese, auf bem man die Längs desselben, seinen Windungen folgend, führt die Straße Entfernung zwischen beiden Orten bei raschem Gang sehr, über eine oberhalb telegene Brücke nach M, von welcher wohl in zwanzig Minuten zurücklkgen könne. Derselbe sei! nach Ueberschreitung der Brücke der Fahr- und Kußwea außer ihm vielleicht nur noch Einem bekannt, und dieser nach Fährwiese links eiabiegt. Der Schuhmacher lieft die Eine heiße — Müllet. In seinen jungen Jahtm habe Straße unbeachtet seitwärts. Durch Gebüsch unb ßaibe» er, der Schuhmacher, mit einigen Jugendgenossen ziemlich; traut ging e« vorwärts, von einem betretenen Wege sahen Btel gewildert und haben sie habet dies.n, ganz zufällig: wir keine Spur, ein dumpfe» Brausen kündigte au entdeckten Pfad als Schleichweg benutzt. Man habe da-!daß wir uns dem Flusse näherten: durch scheinbar mal« aber die Wilddiebe verschiedene Male tüchtig auf die'unentwirrbares Gestrüpp bahnte sich und un« der Schub-' Finger geklopft und so hätten sie cenn ihre Jagdliebhaberei j machet einen Pfad; plötzlich standen wir vor einer AuS- ausgegcben. Seine damaligen Genossen seien alle .hinüber"?Weitung d«» Fluffe», dir flacheren Ufer, da» seichte Wasser

Der al« Zeuge vernommene Arbeiter Wendlandi be- [tätigte Müller« Angabe, ebenso der Postbeamte, auf Grund seiner Bücher.

Damit hatte Müller sei-, Alibi zur Evidenz nachge- wiesen. Der Weg von H. nach Fährwiese wat von einem guten Fußgänger bei angestrengtem Laufe nicht unter ein und einer halben Stunde zurückzulegen, Müller konnte also unmöglich zwischen Vg7 und i/28 Uhr den Weg hin unb zurück gemacht hohen.

Die Untersuchung gegen ihn wurde eingestellt und er auf freien Fuß gesetzt.

• •

Monate waren vergangen. Die Cam-ral - Verwaltung des Fürsten von zu dessen Forsten die Fährwieser Halde gehörte, hatte eine Belohnung von 100 Tvalern auf die Entdeckung be« MöiberS gesetzt. Es mochte acht Tage seitdem her fein. Da verlangte eines TageS ein alter Mann in ländlicher Kleidung ben Staatsanwalt zu sprechen, um ihm eine wichtige Mittheilung zu machen. Es war ein

dies- nebst einer Postanweisung üb-r 25 Thaler für Ulmer, unb wohl auch die damaligen Forstbeamten. Er, der SLub- bie mir am «onutag zu ben 500 Thalcrn fehlten gegen' --«• -—--

1/28 Uhr zur Post gebracht.»