Marburg, Dienstag, 27. März 1877.
Sir. 72
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Obcrhcffchk Mutig.
Die Sxp. d. Oberh. Ztg.
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hatte ich solches Rollen nicht vernommen und nun schienten die Thür zum Wohnzimmer, einem unfreundliche«, es gar mir zu gelten. Es war ein Ereigniß. Ehe ich engen Raum mit kleinen Fenstern, von denen zwei nach
roch zum Fenster eilen konnte, um meine unter solchen
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die Reichsregierung offenbar auf die Berbefferung unserer wirthschastlicheu Zustände und ist dieselbe eifrig beschäftigt, diejenigen Reformen auf diesem Gebiete durchzuführen, von denen sie für die Milderung der Claffengegensätze das meiste erwartet. So z. B. hören wir, daß die Frage wegen des VerhältniffeS der Lehrlinge und Gesellen zu den Arbcit-
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der Giebelseite und zwei nach der vorderen Front VeS Gebäudes zu lagen. In diesem engen Raum hatte fich das blutige Drama gestern Abend abgespielt.
Die Leiche wurde herringebracht, die auSgehobeue HauSthür mußte als Secirttsch dienen. Dir Aerzte begannen ihre Thäligkeit.
Die Todesursache war bald ermittelt. Hinter dem linken Ohr zeigte sich die Oeffnung eines Schußkanal», welcher durch die zerschmetterte Wirbelsäule hindurch und
unter dem rechten Ohr auSlief. Die Zerstörung der Wirbelsäule hatte da» Ende des Unglücklichen her- bcigeführt. Der Tod mußte plötzlich und schmerzlos ein- getreten sein.
Nachdem die Sektion beendet, schritt ich zur Vernetz- a ung der Wittwe Uhlich. Das arme Weib, die einzige Zeugin des entsetzlichen Vorfalls, bekundete Folgende«:
Am Montag den 10. November war ihr Mann, mit dem sie allein das Haus bewohnte, Abends um 6 Uhr au« dem Walde zurückgekehrt. Müde von des Tages Arbeit und um sich zu erwärmen hatte er auf der Ofenbank Platz genommen, so daß seine linke Seite den Giebelfenftern, die rechte dem in der die Wohnstube vom Hausflur scheidenden Wand angebrachten Sawin zugekehrt war, während er mit dem Rücken gegen den großen Kachelofen lehnte. Iw Samin ftanv ein brennende» Licht, bei vrffen Scheine Uhlich in einem auS der Leihbibliothek in H. entliehenen Bache la». Frau Uhlich war — es mochte tndeß gegen 7 Uhr geworden sr'n — mit Zubereitung des AbendbrodeS beschäftigt und kehrte ihrem Manne den Rücken. Plötzlich erlischt daS Licht die Frau vernimmt einen dumpfen Schall und als fie fich zum Tode erschreckt, umwenvet, bemerkt str trotz der etngettetenen Finsterutß, wie ihr Manu lautlos von
Ich hatte eine weitläufige Amtswohnung im Gerichts gebäude inne, an welches zur rechten Seite das Gefängniß, links ein von einem stillen Manne mit seiner geistig schwachen Frau eingenommenes Wohnhaus stieß.
Wir schrieben also den 11. Nov mbcr 186*. DaS heißt, wenn wir eS schreiben wellten, so müßten wir, trotz dem die Glocke auf dem rahm RathbauSthurme schon die achte Stunde verkündete, erst eine künstliche Licktwerdung in Scene setzen. Der junge Tag schaut trüb und grämlich zu den Fenstern herein.
„ Ich schlürfe den Morgmkaffee, dm meine alte Auf wä :ertn mir gebracht, al» das leichte Rollen eines Wagen» von der Straße herauf sich hörbar macht, um plötzlich dvr meinen Frvstem zu verstuwmm. Seit vierzehn Tagm
bitten wir, um vollständige Exemplare liefern können, vor dem 28. März gefälligst machen wollen.
H ut sollt.' die Sektion der Leiche und die Feststellung des Thatbestande» erfolgen; der Staatsanwalt überbrachte mir den Auftrag des KretSgericht» dazu und wollte der Verhandlung selbst beiwohnen. Rasch ließ ich den Proto- kcllsührer rufen und in weniger als einer halben Stunde befand auch ich mich in dem merkwürdigen Wagen nach Fährwiese.
Wenige Schritte hinter der Stadt nahm un» die Haide auf, die Räder knirschten in tiefem Sande, kalte Nebel zogen um un» her und hingm in diäten Wolke« in den Ben Zweigen der Tarn n. So - ging e» in langsamem Schritt fast zwei Stundm weit im rodesstillen Walde.
Endlich langten wir an. Ein einsam'» Fvrsthau» — Fährwiese — lag auf einer kleinen Waldblöße vor uns, nie auSglstorben. Bei unserm Rahen traten uns einige fürstliche Forstbramte entgegen, die die Sunde von dem swr-cklichen Vorfall herbeigezogen. Ja dem niedrigen Hausflur empfing un» — ein Bild des Jammers — die W ttwe des Ei mordeten. Da» Hau» «ar einstöckig gebaut. Recht« öffnete fich dem in dm Hausflur Eintreten»
Die freie Volkswitthschaftliche Vereinigung de» Reichstages bereitet einen Antrag vor, wonach dir Regierung ersucht werden soll, die ProduktionS- und Absatzverhältniffe der deutschen Industrie einer Untersuchung zu unterwerfen, und vor Beendigung derselben keine HandelSverttäge abzuschließen.
Der Wirkliche LegationSrath Dr. Aegidi scheidet in diesen Tagen aus seiner Stellung im AuSwärtiqm Amt, die er seit sechs Jahren bekleidet hat. Derselbe ist in Anerkennung der von ihm geleisteten Dienste zum Geheimen
gebern in Folge der im Reichstag durch den Antrag der deutsch konservativen Partei gegrbenm Anregung nmerdingS im Retchskanzleramt dm Gegenstand ernstester Prüfungen und Erwägungen bildet.
Die Budgetkommission des Reichstag« hat im wetterm Verlauf ihrer Verhandlungen da« Ordinarium des Mili- täretatS, sowie den gesammten Marine-Etat erledigt, vorbehaltlich der zweiten Lesung einzelner Positionen und der näheren Prüfung einiger Fragen durch eine dazu niedergesetzte Subkommisston. Bei den einmaligen Ausgaben des Milttäretat» sind 305,000 Mark abgesetzt worden. Im sächsischen Militär Etat ist die zum Neubau de» Kaserne- mentS für die von Pirna nach Dresden zu verlegenden zwei ESradrons des Garde - Reiter - Regiments geforderte Summe bewilligt und dabet zugleich die Zustimmung zu der zwischen dem Reiche und der kinigl. sächsischen Regierung hinsichtlich der Verlegung der Kasernen in Dresden und des Austausches der betreff «den Grundstücke getroffenen Vereinbamng genehmigt worden. — Beim Marine- Etat hat die Commission sich gegm die Umwandlung der auS 3 Compagnien bestehenden See Artillerieabthcilung in 4 Matrosen Artillerie-Compagnien erklärt. Im klebrigen sind beim Ordinarium von den zum Bau einer Korvette als Ersatz für die Korvette „Hertha* geforderten ersten Rate 600,000 Mark abgesetzt und beim Extraordinarium überhaupt 2,731000 Mark abgestrichen worden, nämlich 896,000 M. zum Bau der Panzerkorvette E. geforderte erste Rate, 510 000 M. zum Bau des Aviso D. geforderte erste Rate, 325,000 M. von der zum Bau von 3 Panzer kanonenbooten F., G. und H. geforderten ersten Rate und 1,000,000 M. zum Bau und zur Ausrüstung eine« Tran», portdawpfer» zu oceanischen Reisen. Seiten» de» ReichS- kanzleramtS wurde, der Budgetkommisston die erfreuliche Mitthetlung gemacht, daß au« der französischen Kriegsentschädigung unter die Staaten de« vormaligen Norddeutschen Bunde» demnächst 20 Millionen Mgrk und nach einiger Zett weitere 13 Millionen Mark zur Bertheilung gelangen werden.
Nmetze» nimmt entgegen: die «jchedttion d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von <S L- Daube & Ko. in
LegationSrath befördert und zum ordentlichen Honorar- Profeflor bei der juristischen Fakultät der Berliner Uni- versttät ernannt worden. Sein Ausscheiden besiegelt ge- wiflermaßeu dir seit Jahr und Tag veränderte Haltung deS AuSwärttgen Amte» gegenüber der Presse.
Der „KatholikMag* in Oesterreich, auf den die Ultra, montanen aller Länder so große Hoffnungen setzen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach keineswegs so glänzend auS- fallen, wie Mancher denkt. Die Ungarn werden an dem- selben gar nicht theilnehmen, und auch die Czechen, die den großen feindlichen Charakter der Versammlung ahnen, werden sich zurückhalten. Die Polen und Ultramontanen auS Ober - Oesterreich werden freilich alle Hebel ansetzen, um den schon längst gehegten Plan der Gründung einer „katholischen Reichspartei* zur Verwirklichung zu bringen; da« österreichische Rationalttätengemisch steht tndeffen der Au«- sührung dieses Planes als ein großes Hinderniß entgegen, und e» wird sich von Neuem zeigen, daß die Racenunter« schiede in Oesterreich mächtiger auf dir Entwickelung des staatlichen Lebens wirken, als die konfessionellen Unterschiede.
Die Rundreise des General» Jgnatieff durch die Hauptstädte der europäischen Mächte, an welche die Friedensfreunde so große Hoffnungen geknüpft hatten, ist, wie fich nun herauSgestellt und wie wir schon lange ptognosticirten, ganz erfolglos gewesen. Der rusflsche Staatsmann hat in London und Part» noch weniger ausgerichtet als in Berlin, und in Wien, wohin sich jetzt der General begibt, wird mau fich sicher nicht aus der bisherigen abwartenden Politik herauSdräugen lassen. Die Dinge find nun einmal auf dem Punkt angekommen, wo diplomatische Vermittelungen nicht» mehr nutze« und die militärische Action die diplomatische ablöst. Die» fühlt man in Konstantinopel am meisten, wo eine energische, kräftige Hand vermißt wird, welche die oberste Leitung übernimmt, um da» morsche Reich noch einmal an» den furchtbaren Gefahren zu retten, welche von allen Seiten auf dasselbe einstürmen. Die Zurückberufung Midhat Pascha» wird deshalb immer stür- Mischer gefordert und der Sultan wird nicht umhin können, dieser Forderung nachzugeden. Ganz ruhig wird r» aber dabei in der türkischen Hauptstadt nicht abgehen; dmn die Zahl der Verhaftungen, die unter den Muhamedanern vorgenommen werden, steigt mit jedem Tage, der un» an di« Verwirrung erinnert, die im türkischen Reiche herrscht.
An» Wien wird telegraphisch gemeldet: Die Diplomatie hat geringe Hoffnung, daß zwischen England und Rußland noch eine Vermsttelung möglich sei. Als letzter Frieden», anker wird neuerding« eine Verständigung zwischen Rußland und der Pforte erachtet; die »lliirten Rußland« dürften einer solchen zustimmen. Aus Konstantinopel wird gemeldet:
Der Marder derdichtig.
Einer wahren Begebenheit nacherzühlt von W. v. S trachwitz.
(Nachdruck verboten.)
(54 war am 11. November 186*.
Seit etwa 14 Tagen war ich wohlbestallter Kreisrichter tu H., Vorstand der dortigen Gerichts-Kommission.
Unserem Kaiser wurde zu seinem dieSjährigm Geburtstage vom König Victor Emanuel von Italien folgender Glückwunsch telegraphisch übersandt: „In meine« Namen und in dem ganz Italiens bin ich glücklich, heute den acht zigsten Jahrestag Ihrer Geburt begrüßen und feiern zu können. Eure Majestät weiß seit Langem welche Gefühle aufrichtiger Zuneigung ich für Sie im Herzen nähre, und wie sehr ich Ihnen durch die Baude der aufrichtigsten und herzlichsten Freundschaft verbunden bin. Ich bitte Gott, Sie lange meiner Ergebenheit und der Liebe Ihre» Volkes zu erhalten. Meine Gedanken werden heute ganz bei Ihnen sein, mit meinen Wünschen sür Ihr Glück und für das Wohlergehen des edlen Volkes, welches Sie so glorreich seiner hohen Bestimmung zugeführt haben.*
In politischen Kreisen geht daS Gerücht, die Reichsregierung werde Angesicht» der Ausschreitungen, die in der letzten Zeit an mehreren Orten von Seiten der arbeitenden Claffen vorgekommen, die Strafgesetznovclle vom Jahre 1875 in einer etwa» veränderten Form wieder vorlegen. Dem gegenüber können wir bestimmt versichern, daß die Reichsregierung die bestehende Gesetzgebung für vollkommen ausreichend erachtet, um die Gesellschaft vor den Gefahren der Sozialdemokratie zu schützen, zumal «ach der Gegen - bewegung, welche bei den Nachwahlen zum Reichstage so energisch unter dem deutschen Bürgerthum hervorgetreten ist, auch in der Bevölkerung eine Stütze der Regierung documentirt ist. Die polizeilichen Kräfte haben sich außer dem überall hinlänglich stark erwiesen, um vielfach beabstch
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JJlie Post-Bestellungen für das 2. Onaetal ff auf die
Dberhefsische Zeitung
nebst
Ilustrirtem Sonntagsilatt
Frankfurt e. M.; Jiaer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» ♦ meyer in Berlin; Earl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertage». Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jünftrirte» Lvurtta,,blatt" bat* die Ervedition IKock'scke Buchbruckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 3 Wart 50 Pf,. (eyL Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für die gespaltene Jtole 10 «ft. Für in der Ervedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf,, berechnet.
Auzetgen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», »wie bie Annoncen-Bureaur »on Th. Dietrich & So. in Raffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Logier in Frankfurt a- M^Berlm,Leipzig, Eöln re; ckubolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
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Umständen verzeihliche Neugierde zu befriedigen, öffnete sich die Thür, mein Studienfreund, der Staatsanwalt au» der Kreisstadt, trat ein, gefolgt von zwei Herren, die er mir als den Kreisphyflku» und den Kreiswundarzt vorstellte. Da» sah sehr amtlich auS und nach kurzen Begrüßungen Es war die» meine, de» im Staatsdienst nun fast schon [und Entschuldigungen traten wir dem Zwecke de» uner- ergrauten Vierzigjährigen, erste „Anstellung*. Damals ja arteten Besuch» näher
In frühester Morgenstunde hatte den Staatsanwalt
waren die Berhältuifle dem Juristen weniger günstig als je.,
H. war und ist noch ein kleine», tobte« Nest. Ein' ein Bote mit der Meldung geweckt, daß am Abend vorher alter Pastor, der am Tage der HauSgärtneret, Abends der Forstwärter Uhlich zu Fährwiese in seiner Wohnung dem Scat sich zu widmen liebte, ein nicht mehr junger von Mörberhand erschossen worden sei.
Arzt und ein mit allen al» Eigenthümlich ketten seines Standes angesehenen Eigenschaften auSgestatteler Apotheker bildeten die Spitzen der Gesellschaft. Durch den Tov meines BmtSvorgänger» hatte der Pastor seinen „dritten Mann" verloren und nun sand auch er e« langweilig in meiner neuen H imath.
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,(j tigte Ruhestörungen zu verhindern. Den Hauptwerth legt
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