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ISr. 71

Marburg, Sonntag, 25. März 1877.

xn. Lahrgarg

Änietgen nimmt entgegen: die «rpedittvn d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux gon Th- Dietrich & So. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; öaafenftein & Boiler tn Frankfurt a M, Berlin, Lew» jig, Köln k; Rudolf Moste tn Berlin, Frankfurt a. M. re-

OberhcDcht Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die E»edition d. Blatte» sowie bu Annoncen-Bureanx von 8. L- Daube & So. in Frankfurt e. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Invalidendani, Ä- Stete« meyer in Berlin; Sari Schüß- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ASnftrirte» Gönnt»,»dlatt" durch die Srpedition (Roch'fche Buchdruckerei', bezogen 3^ Wart, durch die Postämter be# Deutschen Reiches 3 Warf 50 Pf,. (ejL Bestellgebühr). - JnfertionSgebübr für die gespaltene Zeue 10 Pf,. Mr in der Srvedition ,u ettbeilenbe Äu'ku.st und Annahme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet.

Die Exp. d. Oberh. Zig.

nächst zur Berathuug kommen.

12. d. find aml ernt erstem der l

ZU zu

formen. Das britische Cabinet nahm an dem Wortlaute de» Schriftstückes zunächst einige Abänderungen vor, tn«> besondere betonte es die Frage der russischen Abrüstung. Gortschakow, welchem da» so verbefierte Protokoll unver­züglich übermittelt wurde, stellte in einigen Punkten deu früheren Wortlaut wieder her und ließ da» Schriftstück dann aus'S Neue der englischen Regierung unterbreiten. Diese ist indessen, wie fie in beiden Häusern des Parlament» mitiheilte, über ihre Stellung zu der neuesten Fassung noch nicht schlüssig geworden; die SbrüstungSfrage ist und bleibt der Stein des Anstoßes. General Zgnatieff, welcher in der britischen Hauptstadt aufs Glänzendste empfangen wurde und auch eine Audienz bet der Königin trhielt, kehrte nach Paris zurück. Der frühere englische Botschafter bet der Pforte, Str H Elliot, wurde von dem Minister de» Auswärtigen aufgefordert, sich wieder auf seinen Posten nach Konstantinopel zu begeben; er erklärte seine Bereit­willigkeit dazu, doch bat er wegen seiner angegriffenen Gesundheit uoch nm weiteren Urlaub, welcher ihm alSdann ertheilt wurde.

DaS erste Parlament de» osmanischen Reiche» ist am 19. d. durch den Secrrtär de» Sultan» mit einer geschickt abgefaßten Thronrede eröffnet worden, die nach einer historischen Auseinandersetzung über die Ursachen de» Verfalles eine Anzahl der nolhwendigsten Gesetze, darunter solche über die Wahlen, die Provinzial- und Gemeinde» Eintheilung, den Etvilprozeß, das Gerichtswesen, Beamten» besörderung und Pensionen, Preflr, Rechnungshof, öffentlichen Unterricht und Budget aufzählt, die dem türkischen Reiche und insonderheit seinem schwer geschädigten Kredit wieder auf die Beine helfen und in zwangloser Form denjenigen Theil der Confereaz - Forderungen erfüllen sollen, welcher nicht gegen die Würde und Unabhängigkeit des Reiche» verstieß. Mit dieser Wendung bot sich den Berfaffern der Thronrede gleichzeitig die Gelegenheit, dem Bedauern der Pforte über das Scheitern der Coufereoz Ausdruck zu ver­leihen, ohne weder die Mächte zu verletzen, noch ihrer eigenen Würde etwas zu vergeben. Der Friedensschluß mit Serbien hat durch die Ueberbringung des neuen Fermans nach Belgrad seinen officiellen Abschluß gefunden, dagegen gehen die Verhanolungea mit Montenegro sehr langsam von Statten, trotzdem der Fürst seine ursprünglichen For­derungen mehr und mehr abschwächt und bereit« aus de» Erwerb eines Seehafens verzichtet hat.

ie Psst.Beftell«vge« für das 2. Ouarial auf die

Dsterhessische Zeitung

nebst

Illustrirtem Sonntagsblan bitten wir, um vollständige Exemplare liefern können, vor dem 28. März gefälligst machen wollen.

»«Lssrsrtcht.

Bei der am Nachmsttage des Kaiserlichen Geburtstages . im Rittersaale de« Königlichen Schlosses zu Berlin erfolg-

P-Mfche Lösche» • Urb erficht.

Unser allverchrter Kaiser Wilhelm fehrte am Donners­tag im rüstigen Wohlbefinden seinen einundaLtzigsten Ge­burtstag mit besonderem Glanze. Das sächsische Königs paar, sowie zahlreiche andere deutsche Fürsten waren p r- söhnlich erschienen, Oesterreich, Rußland, Baiern und Wür<- temberg haben fürstliche Vertreter zu dem festlichen Tage nach Berlin entsandt. Der Deutsche Reichstag hat die Woche hindurch feine Budgetberathungen und zugleich an­dere wichtige Vorlagen der Erlediguug entgegengeführt. Der Reichstag wird sich mit Schluß der Woche über das Osterfest vertagen, und da demnach das Reichsbudget für 1877 bi» zum Anfang des neuen Etatsjahres (1. April) nicht mehr zu Stande gebracht werden kann, hat die Reichsregierung eine Vorlage an den Reichstag gelangen lasten, durch welche der bisherige Etat als Norm über den Monat April ausgedehnt wird. Eine Ausgleichung deS zwischen dem Chef der Marine, General v, Stojch, und dem Reichskanzler eingetretcnen ZerwürfnisteS ist bis­her nicht gelungen.

Ja Folge eines gemeinsamen BeschlusteS de» ö st er­reich ischea-ungartfche n Ministeriums sollen die Dele­gationen zum September einberufen, die AuSglüchSvor. lagen aber gleich nach den Osterferien den beben Paria menten vorgelegt werden. Die Gesetzentwürfe wegen An­lauf» der Braunau Straßenwalchener Bahn und Bewilli -'ung eines StaatSvorschusteS von einer Million Gulden an die Prag Duxct Bahn wurden vom österreichifchen Ab xeordnetenhaufe genehmigt. Ein von dem Abgeordneten Sturm ausgearbeiteter Antrag auf Abänderung deS Delega- tionSgefetzeS, welcher in einer gemeinsamen Sitzung der österreichischen VersastungSpartei gegen die Stimmen des Fortschritts abgelehnt wurde, ist trotz dieses Mißerfolges im Abgeordnetenhause eingebracht worden und wird dem-

Papst die Eeremonie der Verleihung deS rothen Hutes an zwanzig Lardinäle, im letzten aber die Schließung und Oeffnung des Mundes bei den elf zuletzternannten vor­nahm. Mit diesen Festlichkeiten stehen zwei Allocuttonen in Verbindung, die in der Heftigkeit ihrer Sprache vieles von dem bisher schon Dagewesenen noch übertreffen und zu einem mißbilligenden Rundschreiben des italienischen Justizministers an die Staatsanwaltschaft Veranlassung gegeben haben. Die eigentliche Ursache zu der Heftigkeit dieser Auslastungen hat das Gesetz über die Mißbräuche der Geistlichkeit abgegeben. Der Papst betrachtet sich da durch ganz unbegründeter Weise tn seiner Redefreiheit ge­hemmt und foll dieserhalb bereits bei verschiedenen Höfen Vorstellungen erhoben haben oder aber durch den Carbi nalstaatSsrcretär Simeoni eine zu versendende Note vorbe- reiten lasten.

Die französische Deputirtenkammer hat fich einmal etwas eifriger mit den Geschäften befaßt und die Abschaf­fung der Seifensteuer für« Innere befchloffen, der Senats ausschuß beantragt aber die Versagung ter Zustimmung; man sagt ihm nach, weil er fürchte, die Republik möchte dadurch ein zu sauberes Aussehen für die Provineialen ge­winnet,. Der Kampf zwischen den großen und kleinen Eisenbahngesellschasten wogt in der Deputirtenkammer seit drei Sitzungen; eS kam zu einem Compromiß, da der ÜrbeiSmtliister Chriftvphle, ver ein Anhänger der Eisen­bahngesetzgebung von 1859 und ein Gegner der von 1865 ist und nichts Gutes von kleinen Gesellschaften erwartet, >s vorzieht, durch etwa« Nachgiebigkeit sich über dem Master zu erhalten. Um nicht ganz au« dem gewohnten Geleise zu gerathen widmete die Kammer dem Streite über die gerichtliche Verfolgung deS Bonaparlisten Castagnae eine volle Sitzung, bewilligte schließlich jedoch zum großen Verdruste der monarchischen Blätter die Etlaubniß, dem ungeschlachten Gesellen den Prozeß zu machen. Der Se nat beschäftigte sich mit der Beraihuog de« Lode Rural, besten erster Titel, die Vicinalwege betreffend, am 19. d. zur Annahme gelangte. Der KammerauSschuß über den Lai- fam'jchen Antrag betreffend den Kriegsdienst sprach sich nach Thier'« Wunsche mit sechs gegen fünf Stimmen für Bei­behaltung der fünfjährigen Dienstzeit au«. Thiers be­kämpfte im Ausschüsse die Einrichtung der einjährig Frei­willigen, denn gänzliche Beseitigung oder deren Beibehal­tung unter Verdoppelung der Dienstzeit er empfahl, nach­dem Pascal Duprat und Laisant die gänzliche Abschaffung befürwortetet hatten.

Al« der General Jgnatiew den Grasen Schuwalow, welcher in Paris mehrere Betaihungen mit ihm gehabt I hatte, nach London zurückbegleitete, begannen die Verhand­lungen mit der englischen Regierung über das von ten Uebergabe des Festgeschenke« der deutschm Fürsten und Rußland vorgeschlagene Protokoll über die türkischen Re-'freien StÄie an des Kaisers Majestät richtete Se. Majestät

Der Ta» Hit Setza» i* Himmel.

»Es braust ein Ruf nie DonnerklangI" — Schalll's jubelnd die Straße zum Himmel entlang, St. Peter steht sorgend am Himmelsthor Und kratzt sich verlegen hinter dem Ohr, Denn Reihe an Reih' in geschloffenem Glied, Ein Hause von Kriegern zum Himmel zieht. Sie donnern an’» Thor mit gewaltigen Streichen, St. Peter thät bi« auf die NaSspitz erbleichen, Und eh' er noch recht sich besinnen kann, Stürzt krachend ba« Thor, und Mann an Mann Zieht'» jubelnd und singend zum Himmel ein Za Pickeihaubigen blitzenden Reih'n.

St. Peter läuft spornstreich» zum Herrn der Heerschaaren, „O Herr, uns drohen grausame Gefahren!

Biel tausende KriegSleut' brachen hersür Und nahmen im Sturme die Himmelsthür, O, rette uns, gnädiger Herr und Gott, Bor dieser himmelanftürmenden Rott'!' Doch der Herr in seinem milden Sinn: „Da geh' nur zum alten Fritzen hin, Der weiß doch am Besten »a« da zu machen, In solchen bedenklichen Kriegessachen.' — Rex Friedrich saß justement im KriegSrath, Hao stritt mit dem Blücher desperat, Wer von ihnm Beiden am besten rnanöverirt Und die Truppen von Sieg zu Sieg geführt. Da zogen die Krieger singend ein, Mit brausendem Klange die Wacht am Rhein, Und aus allen Ecken der himmlischen Au'u Dr lief es herbei die Soldaten zu schau'n.

»Eh bien, meesieurs, wa« soll mir da« heißen?' ikrtf Fritz, fcParbleu, ba« find gar wohl Preußen,

Die Armatur zwar ist mir nicht bekannt, Doch's eiserne Kreuz am schwarz-weißen Band, Die Cocarbe, ber blaue Rock nicht minder Beweisen unö, baß eS sind Landeskinber. Bataillon soll halten! Ein Offizier vor! Sol nun gebt Bericht dem himmlischen Chor, Wie ihr so sans fa$on kommt herein, Als müßte der Himmel euch gnädig sein.' „Verzeih'« Majestät, Sie lehrten ja schon, ®n jeder wird selig nach {einer Fcyan, Wir kommen von Spichern, von Weitzenburg, Wörth — Ward denn der Kanonendonner hier nicht gehört? — Und in den Tagen bei Gravelott', Starb mancher von uns den Heldentod, Da wurde der Franzmann zur Hölle spedirt, Und wir find darauf zum Himmel marschirt;

Und da un« St. Peter sah zweideutig an, Da brachen wir selber zum Himmel uns Bahn, ES ist unS da« Fliehen gar sehr zuwider, Im ersten Anlauf fiel'« Himmelsthor nieder, So stehen wir nun fiegreich vor Majestät hier, Und bitten um gnädig und freundlich Quartier.' „Was Teufel, ihr habt die Franzosen verhauen, Sie wacker vertrieben an« Deutschland« Gauen!' „Majestät, dahin find fie gar nicht gekommen, Wir haben die Lust dazu ihnm benommen, Mit Hurrah zog donnernd die Wacht am Rhein Ueber'n Rhein in'S tückische Welschland hinein. Die Sachsen, die Schwaben, die wackeren Baiern, Die wollten beim lustigen Tanz auch nicht feiern; So stand denn Alldeutschland Mann an Mann, Und zeigte dem Franzmanu, was Einigkeit kann.' „Blitz Donner!' ruft Friedrich, „bei meiner Ehr', Wer jetzt »och drunten auf (Erben wär',

General Quartiermeister Gneisenau, Nun such' er mit flugS bie lieblichste Au, Die irgend im Himmel nur auszuireiben, Da sollen die wackeren Jungen bleiben, Dori mögen fie schlagen ihr Zeltlager auf > ; Und ruh'n nach so blutigem Siegeslauf, Denn wer die Franzosen so mord thut lehren, Den kann man Im Himmel nicht hoch genug ehren. Doch etn« noch, ihr Braven, nun gebt mir Bericht, Wie ging'« zu End' mit ber welschen Geschicht'?' „Majestät, wir find leider nicht informlrt, Wir wurden zu früh abccmmanbirt;

Als man uns gab den Paß zue großen Armee, War Franzmann noch am Laufen, o fehl Mac Mahon kilometerte flott nach ChalonS, Unb Bazaine in Metz? Ha, hat ihm schon.' „Na so, bann setzt nur eure Gewehre . Zusammen und ruht aus verdienter Ehre, Ich werde nun selbst mal recogvoscirrn Und feh'n, ob bet Feind noch am Reririren. He, Ziethen, er alter Husar auS btm Busch, Reit' er mit bcch flugS mal zur Erde.' — Husch, husch War Ziethen schon unten und sah bei Sedan Voll Freude bie Capüulanon mit an, Sah ftreckcn den Degen unb ba« Gewehr Den fränkischen Kaiser samrnt seinem Heer, Ritt fing« bann zurück, um zu rapportieren: „Majestät, bie Franzosen nicht mehr retitlren, Sie habeu sich gründlich bie Rase verbrannt Unb Rnb bei Seb an in bie Falle gerannt Dort fing man ben Kaiser und bie mit ihm, alle, Mit deutschem Speck in der Mausefalle, Unb nahm Euern Degen der Onkel einst mit, Der Reffe gab seinen unb so find wir quitt.'