JllQÜÖurg, Freitag, 23. März 1877
k r. 69
XII. Latzrgü»g.
Die Exp. d. Oberh. Ztg.
Die Wege der Vorsehung
— wem sollten in bei
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Thrt Gottes Gnadenfügungen für ihn selbst und für sein
Lbron seiner Väter bestiegen, — erst scchszehn Jahre ist
es, daß der nunmehr achtzigjährige Fürst als König ge-! deutschen Nation das Vaterland einer so Gott will segenS krönt wurde. z reichen Zukunft eotgegenzusühren.
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Die Poft-BefteS-mgei» für das 2. vrrartal
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Volk in diesem Fürftenleben nicht sichtlich entgegentreten I Der einstmalige Prinz Wilhelm schien von vorn herein 'überhaupt nicht zur Thronfolge bestimmt, — und als er die Aussicht auf dieselbe erhielt, konnte er doch nicht ahnen, daß er den Bruder, der nur einige Jahre älter war, so lange überleben sollte.
Erst im vierundsechSzigsten Lebensjahre hat er den
meinen verlorenen Seelenfrieden wieder geben und — ich danke Dir, mein Sohn, ich danke Dir nächst Gott, dem Allgüttgen und «llbarmherzigen l Jetzt aber laß mich weinen Dank auch durch die Thal beweisen, darum zu Deinen eigenen Angelegenheiten zurück. Du erinnerst mich an jene» unglückliche Johannirfest in Troth>, und e» ist gut, daß die« gerade in dieser Zeit geschieht, wo ich empfänglich für dergleichen Erinnerungen bin. Auch von dort her datirt stch eine große Schuld und ich bin bereit, sie endlich abzutragen, wozu bis heute meines Herzens Härtigkeit mch nicht kommen ließ. Meine Anwesenheit in Trotha ward ein Fels der »ergerniß für viele, mein Sohn, auch für Dich! Ich war Schuld an Deinem Verg:hcn; um meinetwillen mußtest Du iü .f Jahre und länger unstät und flüchtig herum irren! Ich trage eie Schuld an dem Unglück, das über die Familie des Silbermüllers hereingebrochen; ich trage die Schuld an Röschens Verführung und an der Kerkerhaft ihres Vaters, der die Schmach fcines Kindes blutig gerächt! Ach, und erst j ne Unglückövögel konnten meinen harten Sinn erweichen, erst der heutige Tag konnte mir die ganze Schwere meiner Schuld zu Ge« mütbe führen!"
Niklas war der Erzählung des Bischofs mit der gespanntesten Aufmerksamkeit gefolgt und stand jetzt fast von Staunen erstarrt da. Er hatte viel vernommen und doch nur wenig verstanden. E« wirrte und summte in seinem Kopfe durcheinander, ohne daß c< zu einiger Klarheit darin kommen konnte. Hatte ihn bi» j.tzl eigentlich nur die Sehnsucht nach seinen Eltern arqaält, so erreichte durch di« Andeutung des Bischof» seine Ungeduld, zu erfahren, welch
Der Bischof schwieg erschöpft und ließ stch in einen am Fenster stehenden Seflel gleiten. NiklaS blickte, tief ergriffen von der Erzählung, gerührt und mitleidig dem Kirchcnsürsten in das kummervolle Gesicht, endlich sagte er:
„Ihr solltet Euch den beklagenswerthen Vorfall nicht allzujehr zu Herzen nehmen, hochwürdigster Herr! Wir sind alle nur zu schwache Menschen; Ihr habt geirrt, aber ein Mörder seid Ihr nicht; wenn Ihr aber in der Hitze und Uebereilung d.S Zorne» zu hart gewesen seid, so wird Gott in seiner Gnade und Barmherzigkeit Eure tiefe Reue und Buße, die Ihr an den Tag legt- indem Ihr Euch zum Mörder bekanntet, als vollständige Sühne annehmen uns gelten lasten 1 Ihr habt weder an« Vorsatz noch aus Fahrlässigkeit gehandelt und Gott laste Ruhe und Frieden in Euer geängstigtes Gewiffen wiederkehren, hochwürdtgster Herr, Ihr seid kein Mörder!"
„Du giebst mir das Leben wieder mein Sohn," rief der Bischof, der unverwandt und mit immer freudigerem, verklärtem GefichtSauSdruck der Rede deS jungen Mannes
die deutsche Kaiserwürde erneuern und übernehmen würbe, um unter diesem Wahrzeichen der alten Herrlichkeit der
gelauscht. „Deine einfachen Worte bringen tiefer in mein Gemüth, als bk auSgeklügelste Rebe meiner gelehrten Stan- beSgenoflen! Da steht der stolze «irchenfürst beschämt und niebergevonuert vor bem schlichten Hanbwerker und empfängt von ihm die Verzeihung seiner Sünden! Ja, ich fühle und
Achtzig Jahre.
Ein fürstlicher Geburtstag, wie wir ihn am 22. März feiern, ist in Preußen und Deutschland noch niemals und mit gleich erhebenden Gefühlen wohl überhaupt niemals begangen worden: kein König von Preußen, kein deutscher Kaiser hat da» achtzigste Lebensjahr vollendet, und wenn die Geschichte von regierenden Fürsten in solchem Alter be- richtet, doch von keinem, der auf dieser Lebenshöhe in so rüstiger Kraft zugleich auf der Höhe seines Fürsten- und HeldenruhmS und inmitten deS freudigsten Schaffens für fein Reich und sein Volk gestanden hätte, wie unser Kaiser und König.
Es ist ein wunderbares L ben in jeder Beziehung, das dem erhabenen Füisten beschieden war: er selber hat cS erst neuerdings wieder ausgesprochen, wie es wohl wenig Menschen gegeben, welche den Wechsel der Geschicke in so greifbar bedeutungsvoller Weise erfahren, von der Zeit des tiefsten Falls der Armee und deS Staates bis zu den höchsten Höhepunkten irdischer Macht — besonders in der Zeit seit der eigenen Thronbesteigung seien die Wege der Vorsehung sichtlicher gewesen, wie je bei einem Menschen. „Aber", fügte der Kaiser hinzu, „auch welche inneren Kämpfe zu so großen Entschlüssen!"
LagsSSerrchr.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist zum Erb Ober- landjägermetster deS HerzogthumS Pommern ernannt worden.
Die „Prov.-Eorr." schreibt: Der Reichstag wird am nächsten Sonnabend seine Sitzungen über da« Osterfest vertagen. Die Wiederaufnahme der Arbeiten de« Reichstages dürfte spätestens am Montage nach Ostern erfolgen, und es werden daher jedenfalls noch drei Wochen im Monat April zur Feststellung de« Etats disponibel sein.
«iS Ergebniß der letzten Sitzung des Reichstag« wollen wir an dieser Stelle noch hervorheben, daß mit dem Gesetzentwürfe über den Sitz des Reichsgerichts zugleich die Frage entschieden ist, ob das Königreich Sachsen einen
Was hat unser König, was hat unser Volk in dieser kurzen Zeit erlebt und errungen!
„Dem Aufrichtigen läßt eS der Herr gelingen", — das ist ein Wort, daS in bem Walten der göttlichen Vorsehung während der Regierungszeit unseres Königs und Kaisers die erhebendste Bestätigung gefunden hat: dem ernsten, ge wiffenhaftm und aufrichtigen Streben des Königs ist nach allen Richtungen hin fast wunderbare« Gelingen beschieden gewesen.
Durch die gesammte RegierungSthätigkeit des Kaisers und Königs geht ungeachtet der mannichfachen Bewegung und großartigen Entwickelung ein unverkennbar einheitliche« Gepräge, vermöge der ernsten und tiefen Grundauf- faffung seines Berufs, wie ste der König vom ersten Augenblicke klar und bestimmt ausgesprochen hat.
„Meine Hand soll daS Wohl und da« Recht Aller in allen Schichten der Bevölkerung hüten, ste soll schützend und fördernd über diesem reichen Leben walten."
„Ich halte fest an d n Ueberlieferungen Meines Hauses, wenn Ich den vaterländischen Geist Meines Volkes zu heben und zu stärken Mir vorsetze. Möge es Mir unter Gottes Beistand gelingen, Preußen zu neuen Ehren zu führen."
„Meine Pflichten für Preußen fallen mit Meinen Pflichten für Deutschland zusammen. AIS deutschem Fürsten liegt eS Mir ob, Preußen in derjenigen Stellung zu kräftigen, welche es vermöge seiner ruhmvollen Geschichte, seiner entwickelten HeercSeinrichtungen unter dm deutschen Staaten zum Heile Aller einnehmen muß."
„Ich werde Mich bemühen, die Segnungen deS Friedens zu erhalten. Dennoch können Gefahren für Preußen und Deutschland Heraufziehen. — Möge dann jener gott- vertrauende Muth, welcher Preußen In seinen großen Zei tcn beseelt, stch an Mir unc Meinem Volke bewähren und dasselbe Mir auf Meinen Wegen in Treue, Gehorsam und Ausdauer fest zur Seite stehen."
So sprach König Wilhelm, als er Preußen« Thron bestieg; er konnte nicht ahnen, in welch hohem Maße er die Ziele seine« erhabenen Strebens für Preußen und Deutschland erreichen würde, zu wie großen neuen Ehren er Preußen, zu weicher Macht und Größe er Deutschland führen sollte, er konnte vor Allem nicht ahnen, daß er zehn Jahre darauf am preußischen KrönungStage im Schlosse zu Versailles auf den einmütigen Ruf der deutschen Fürsten und freien Städte mit der Herstellung de« Deutschen Reiches
Diierhkssische Zettuna
nebst
MustrirLem SonniagsbL'att bitten wir, um vollständige Exemplare liefern können, vor dem 28. März gefälligst machen wollen.
Anzeigen nimmt entgegen: die (trpebttto* d. Blatte« sowie bte Annoncen-Bureaur oon G L Daube & Lo. in Frankfurt a. M.j Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a M.; Jnvalideudank, Ä. Rrte- ▲ meyer in Berlin; Lari Schütz- ” ter in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Amwncen-Bureaux von Ih. Dietrich & Eo. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M ^Berlin, Leipzig, Löln k; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
„Aber auch welche inneren Kämpfe bis zu solchem Gelingen!" — welche Kämpfe des treuen lande-väterlichen Herzens in den ersten schweren Jahren der Regierung de« Königs, welche inneren Kämpfe ehe er das Schwert zu den ersten entfiteibenben Äiiegen zog, — welche Kämpfe des fürstlichen GewiffenS fort und fort unter ben sich stets erneuerten gewaltigen Aufgaben bet Regierung, — welche Kämpfe für ben europäischen Frieden, dkffcn mächtigster Hort der Deutsche Kaiser geworden ist!
Aber dem Aufrichtigen läßt eö der Herr gelingen! Die Wahrheit dieses Wortes muß dem ebenso demüthigen, wie erhabenen Fürsten und zugleich unserem Volke in diesen festlichen Tagen wieder recht lebendig zum Bewußtsein kommen.
Mit unserem Königlichen Hause, mit ben Fürsten an« särnmtlichen regierenden Häusern Deutschlanb«, welche zur Feier beS Kaiserfeste- in ungewohnter Zahl herbeigekommen stnb, vereinigen stch die Abgesatchten der größten Nachbarstaaten, um dem Kaiser den AuSbruck einer Verehrung dar- zubringen, wie ste höher und reiner kein Fürst jemals erfahren hat.
Und mit den Huldigungen, welche bem geliebten Monarchen vor Allem aus dem Herzen des preußischen Volke« dargebracht werden, vereinigen stch die Kundgebungen innigster Theilnahme aus allen Gebieten deS großen Deutschen Vaterlandes. In freudiger Gemeinschaft vereinigen alle deutschen Stämme ihre Segenswünsche für da« allverehrte Oberhaupt des Deutschen Reiches. In der Liebe und Dankbarkeit einer großen Nation, sowie in der Achtung und Verehrung Europas mittete der hochherzige Monarch die herrlichste gesegnete Frucht der Mühen und Kämpfe eine« langen, dem Glücke seine«'Volke- geweihten Lebens. (Pr. Corr.)
Silber-Rische«.
Eine Dorf-Novelle von Rudolph Mellnau.
(Fortsetzung.)
„Nun, so vernehmt, hochwürdigster Herr," begann der Jüngling ermuntert durch des Bischof« freundliche« Wesen; „ick bin NiklaS jener unglückliche Sohn Eures Pächters in Seeben, der bei jener unglücklichen Johannisfeier in Trotha vor fünf Jahren, die Ihr mit Eurer hochwür- digsten Gegenwart beehrtet, von Eifersucht dazu getrieben, beinahe den Junker Bodo von Seeburg erf-tlug. Fünf Jahre der schwersten Reue und Buße, unter stets mg-nben dewiffenSqitalen, irrte ich in der Welt umher, suchte Frieden und fand ihn nicht, verzehrt von heißer Sehnsucht nach der Heimath, nach Frieden und Versöhnung!" Endlich konnte ich nicht länger wie ein Geächteter in der Fremde tnnhcrirren. Und so bin ich hier und flehe Euch an, hoch- tvürdigster Herr, mir die leidenschaftliche That meiner Jugend jn verzeihen und mir gnädigst die Erlaubisiß zu ertheilen, frei und ungehindert zu meinen armen Eltern zurückkehren i« dürfen!"
Der Bischof hatte stch in einem mit violetten Sammet ausgeschlagenen L-hnstnhl niedergesetzt und mit großem Wohlgefallen und mit zunehmender Rührung der Rede des jungen Manne-, der in der That NiklaS war, zugehört. >ls derselbe jetzt geenbet, stand er auf, nahm ihn bei der Hand, führte ihn an das vorher angedeutete Fenster und fegte mit sichtlicher Bewegung:
„Mein Sohn, Du bist glücklicher als ich! Du hättest beinahe in der Hitze der Leieevschaft einen Todtschlag bedangen, ich aber beging vorsätzlich einen Mord! Siehe dort hin l Jene Raben krächzen mir täglich die schreckliche Sri . f'. rung in der Seele wach, daß ich ein Mörder bin! Stile Ring, der dort auf dem Tische liegt, ward vor nicht pttgcr Zeit von mir vermißt. Alle- Suchen und Forschen
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS r»unt««ttlatt" durch die «rvedittou (Stow'lwc «nchdruckereil bezogen Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches l Mark 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgedübr für die gespaltene Zelle 10 Vf«.
Sur in ver 6r»eb«tio« in ertdeilenve WnOtur.ft und Annahme von Adressen werden -5 Vf«, beregnet.
darnach blieb umsonst, und die Meinung, er sei mir gestohlen, gewann Raum in meinem Herzen. Der Verdacht fiel auf einen meiner Diener und b.ieb trotz aller Betheuerungen feiner Unschuld auf ihm hasten. Im unseligen Moment der Leidenschaft beging ich die Grausamkeit und ließ _____IW_____,...... u hmv
ihn hängen! Bor einigen Tagen zog ein schwere« Gewitter j empfinde, daß Deine herzlichen und einfachenU mir über unsere Stadt herauf und entlud sich über uns. Der' ' — . ..
Blitz schlug in jenen Thurm de« Schlosses dort und zerstörte die Kuppel. AIS am nächsten Tage der Schieferdecker hinaufstieg, um ben angerichteten Schaden zu repa- riren, fand er dort oben in der zerstörten Thurmspitze ein Rabennest und in demselben eine Anzahl Kleinodien, unter welchen ich zu meinem Entsetzen auch den mir gestohlenen Ring vorfand. Der unglückliche Diener ist unschuldig hingerichtet und ich — bin sein Mörder! Jene raublustigen Vögel flad die Diebe des Ringe« l"