Einzelbild herunterladen
 

Ur. 6S»

Marburg, Donnerstag, 22. März 1877

xn. Zahrgarg.

j1

OdcrhkUihc Icitung

Raffel und Hannover; LH- Dietrich in Frankfurt a. M.; Btein & Bögler in rt a- M, Berlin, Sein* In rr ; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. re.

sn;p für das 2 Quartal öffentlichen oder Privstschulen angestellten oder anzustellen

Mle P-N'«eN-UUUgra jur oas a, den Lehrern gegenüber verhalten. Ausgenommen sind die

Cr aul # aus fremdem Staats» oder Schuldienst übrrgetretenen

Bberhessische Zeitung

In

rooUen.

eine ziemliche Aus-

Die Exp. d. Oberh. Ztg.

::

>

।

tu

kU

an reu,

zu zu

am 22. d. auf der selbigen Tage wird

>

Die Kaiserin von Rußland wird Durchreise in Berlin eintreffen; am Großfürst Konstantin erwartet.

867, dien inds.

eit«

tte

ein wilde« Handgemenge erfolgte.

Der Müller hörte und sah nicht mehr und hieb alle- vor sich nieder; ebenso Peter, welcher den dicken Knoten- stock de« Müller« mit hereingebracht hatte und damit so wuchtig und gewaltig um sich hieb, daß jeder Getroffene blutend zu Boden stürzte.

E« war ein gräßliche« Gemetzel und erst nach einer halben Stunde und nachdem außer dem Grasen und dem Junker noch zehn Personen niedergeschlagen waren, die fast leblo« in ihrem Blute schwimmend am Boden lagen, gelang e« der Heber macht der im Schlöffe anwesenden Ritter und Knappen, die beiden Rasenden zu überwältigen und mit Ketten belastet in den Kerker dc« Schlöffe« abzuführen.

Die Grafen von Seeburg waren nicht unerheblich ver­wundet, wie auch der Silbermüller und Peter mit Wunden bedeckt warm. Nachdem der alte Graf einigermaßen sich erholt, fertigte er ein« Boten nach Merseburg ab, um den

Korps, die Regierung beharrt dagegen auf einfacher Kennt- nißnahme. — Der „ Pestet Lloyd- meldet: Montenegro sabe die Forderung von Spizza und Nikstcz fallen lasten, dagegen halte t« die Garantien zu Gunsten der Flücht- inge und die Forderungen de« Moracza« Gebiet« aufrecht; m Weigerungsfälle werde Montenegro die Verhandlungen abbrechen.

M.; Jnvalrdendank, A Rete* ♦ ineger in Berlin; Carl Schütz»

ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

dc« Junker« und sich jetzt nicht mehr halten konnte, mit donnernder Stimme. „Ist da« Edelmanns Art, schamlos Schmach auf Schmach zu häufen und eine unschuldig Ver­führte mit Schande zu bedecken?"

Im selben Augenblicke sprang er auf dm Junker zu, faßte ihn mit beiden Händen an der Kehle und schrie:

„Widerrufst Du Deine Nichtswürdigkeiten, meineidige Kanaille, oder ich erwürge Dicht-

Da riß d«r unbewaffnete Graf eine Fuchspeirsche von der Wand und hieb kräftig auf den Müller rin, der jetzt förmlich rasend gemacht, den Junker, der bereit« betäubt war, dröhamd zu Boden warf und sich dann auf den Grafen stürzte, ihm die Peitsche entriß und ihm damit so gewaltig über« Gesicht hieb, daß sofort da« Helle Blut hervoripritzte und der Gras wie leblos zu Boden sank.

Jetzt drangen, durch den Lärm herbeigelockt, von der einen Seite die Diener, von der andern Peter herein und

Blick nicht erstchtlich.

Ueber den Inhalt de« Protokolls, welche«, nachdem die russische Antwort auf den Entwurf in London ringe troffen ist, jedenfalls bald unterzeichnet wird, schreibt der TempS: „Das nach den Bemerkungen Englands umge- änderte Protokoll erinnnert an die von der Konferenz verlangten Reformen und hält deren Nothwendigkeit aufrecht. Es legt der Pforte keine Frist für die Ausführung der Reformen auf. Die Mächte find nur übereingekommen auf die Beschlüsse der Pforte, jedoch ohne Anwendung von Drohungen, einen Druck auszuüben. Das Protokoll wird von den sechs Großmächten unter­zeichnet und der Pforte mitgctheilr werden. Man zählt darauf, daß die Türkei in Anbetracht der Mäßigung der Mächte ihre Zustimmung ertheilen wird. Ick Protokoll ist nicht die Rede von der Abrüstung. Dieser Punkt, so wie die Frist, binnen welcher die Pforte ihre Reformen auSzusühren hat werden der Gegenstand eine« besondern Abkommens der Mächte fein."

Aus Wien wird telegraphisch gemeldet: Die Mächte verlangen keineswegs die Unterzeichnung des Protokolls von der Pforte, sondern bloße Kenntnißnahme. Der Ab- nm>sch von Verstärkungen vcr Südarmee aus Russisch- Polen ist ststirt worden. — AuS Belgrad trifft folgende Meldung ein: Fürst Milan verweigert dem Empfang des türkischen Spceialageuten Perteff Effendi und die Annahme des Frieder SfermanS, weil einige ferblsche Positionen noch von ven Türken besetzt sind. Pertiff verlangt die feierliche Verlesung des FermanS in Gegenwart de« diplomatischen

Lehrer, welche sich im Besitz deS Doktortitel befinden; elbstverständlich findet auch die Führung eine« honoris causa verliehenen Doktortitels keine Beschränkung.

Die Geburtstagsfeier deS Kaisers scheint sich diesmal zu einem wahren Nationalfeste gestalten zu sollen. Nicht nur, daß die Souveräne der sämmtlichen deutschen Staaten, und wo sie nicht persönlich erscheinen, durch nahe Ander wandte bei der Feier vertreten sein werden, auch die Com- munalbehörden in sämmtlichen größeren Städten deS deutschen Reichs haben beschlossen, sich bet der Geburtstagsfeier zu beteiligen. Vor Allem wollen wir hier der wahrhaft groß artigen Festlichkeiten gedenken, welche in dcr baierischen Hauptstadt für den 22. März vorbereitet werden. Man mag hieraus aus die Stärke der nationalen Partei in München schließen, welche dort im Gemeinderathe da« Ueber gewicht über den Anhang hat, auf welchen die vierhundert in München fungirenden römischen Priester gewöhnlich zählen können.

Die Vorlage der Regierung, durch welche dieselbe er wächtigt werden soll, die Ausgaben d,s Reichs naL dem zur Zeit gültigen BierteljahrSetat so lange leisten zu dürfen, di« der Etat pro 1877/78 festgestevt ist, wird dem Reichs tage heute (21.) zugehen. Der G-sttzeniwurs wird als dann bis zum Sonnabend in 1., 2. und 3. Lesung erledigt werden. Der Reichstag wird hierauf am Sonnabend seine Ferien antreten und seine Verhandlungen unmittelbar nach den Osterfesttagen wieder aufnehmen.

Der Kultusminister hat in einem an die Provinzial- Schulkollegien und Bezirksregierungen gerichteten Erlaß bestimmt, daß innerhalb der preußischen Verwaltung der Doktortitel von AmtSwegen nur denjenigen Personen bei­gelegt werden soll, welche ihn entweder auf einer preußi- sä en Universität resp. der Akademie zu Münster, oder auf einer nichipreußischen, nach preußischem Gebrauch, d. h nach Ablegung einer mündlichen Prüfung und Einreichun einer gedruckten D sserlation erworben haben. Namentlic । die Provinzial Schulkollegien sollen sich hiernach den an

Eilte, K»che»

6ine Dorf-Novelle von Rudolph Mellnau.

(Fortsetzung.)

„DaS lügst D«, nichtswürdiger Bube!" schrie der Tlldermüller, der längst zitterte und bebte, bei den Worten

. । >

11

, । >

<i

>

Deutscher Reich.

•# Berlin, 20. März. Der General v. Stosch hat gestern die Geschäfte der Admiralität niedergelegt und die­selben dem Contreadmtral Henk übertragen. Er hat sich aus „Gesundheitsrücksichten" nach seiner eignen Motivirung deS Urlaubsgesuches auf seine Besitzungen nach Oesterreich begeben. Die Nachricht, daß Herr v. Stosch dem Kaiser eine Denkschrift über die zwischen ihm und dem Reichs­kanzler schwebenden Zwistigkeiten eingereicht und dieselbe vom Kaiser dem Reichskanzler zur Beantwortung überwiesen sei, ist irrthümlich. ES verhält sich vielmehr umgekehrt. Der Reichskanzler hat dem Kaiser eine Denkschrist über die betreffenden Vorgänge überreicht, welche Herrn, v. Stosch zur Gegenäußerung zugegangen ist. — Die Debatte über daS Reichsgericht ist nach dem Hebet gewicht der Gründe und dem Eindrücke der Reden entschieden für Berlin aus­gefallen. Besonder« wirkungsvoll war die Rede des preu­ßischen JustizministerS Leonhard. ES scheint, daß nur wenige Mitglieder der nationalliberalen Partei ihre Sum­men für Leipzig abgeben werden. Was die Rede de« Abg. Frankenburger betrifft, die weniger für Leipzig als gegen Berlin war, so ist sie eigentlich ein Zusammenfasien von allen den Angriffen, welche die Fortschrittspartei seit Jahren gegen alle preußischen Institutionen gerichtet hat, und in­sofern ein Beweis, wie diese von ihr geschäftsmäßig betriebene DiSkreditiruvg Preußens in Süddeutschland gläubig aus­genommen und eine mißgünstige Stimmung erzeugt hat. — Mittheilungen au« Colmar im Elsaß über dem dortigen BezirkSprästdenten v. Ernsthausen gemachte« Anerbieten, die Stellung des Unterstaatssekretär« im Ministerium de« Innern zu übernehmen, sind mit solcher Bestimmtheit aufgetreten, daß sie fast in allen Blättern im Glauben an ihre that- sächliche Richtigkeit Aufnahme fanden. Wie wir hören, sind dieselben vollständig irrthümlich, da in neuerer Zeit gar keine bezüglichen Verhandlungen mit Herrn v. Ernst­hausen stattgefunden haben.

Darmftadt, 20. März. Prinz Karl, der Bruder deS GroßheizogS, ist lebensgefährlich erkrankt, fo daß an feiner Wiedergenesung gezweifelt wird. Prinz Ludvig, dkffen Sohn ist telegraphisch hierher berufen worden und gestern hier eingetroffen. Die neuesten Bulletin« über den Zustand deS Prinzen Karl lauten: „19. März, nachdem

7

.3*0.

75 9|.

Siavt 1 per i der [697 Mar- k für mkeit

nebst

Zllußiirtem Somrtagsblatt bitten wir, um vollständige Exemplare liefern können, vor dem 28. März gefälligst machen

Au« Parts wird wieder einmal regung stgnalisirt. Ueber die Beziehungen zwischen Deutsch- and und Frankreich werden alarmirende Gerüchte verbreitet; mit diesen Machinationen steht auch die vor Kurzem er­wähnte Nachricht in Verbindung, daß dem früheren Kriegs- Minister, General Clffey, wichtige Papiere gestohlen worden ein sollen. Auch die Reise deS Botschafters, Fürsten Hohen- ohe, nach Berlin wird von den aufgeregten Parisern in einem pessimistischen Sinne gedeutet. Welchen Zweck diese beklagenSwerthen Wühlereien haben sollen, ist auf den ersten

Ge- i»ert t.

[384 n der

Laßt ruhen heut die Kämpfe der Parteien Und legt der Freude Festgewänder an; Wir wollen nicht dem Kaiser Weihrauch streuen, Wir feiern Ihn als Deutschland« größten Mann. Drum Heil dem schönen Tage, der das Leben Dem Schöpfer Deutscher Größe einst gegeben.

Wohl steht daS Haus der Deutschen Einheit fertig In seinen Mauern sind wir wohl beschirmt, Doch nagt manch' gfft'ger Schwamm schon gegenwärtig Am Grundstein, drauf das mächt'ge Haus gethürmt. Drum lasset uns mit reinen Händen walten, Den Feind zu banne» und dann fern zu halten.

Wir stimmen nicht in hergebrachter Weise Ein Phrasen-Loblied auf den Kaiser an, Wir sprechen nicht zum achtzigjährigen Greise, Wir feiern heut den achtzigjährigen Man», Der mit der Kraft, die einst gestählt Sein Walten, Den mächt'gen Bau auch schirmen wird und halten.

Und jeder Deutsche wird mit Herz und Händen Mitstreiten für dies Ziel so edler Art.

Wo auch des Reiches finstre Feinde ständen, Wir kämpfen 2UIe, bis der Sieg uns ward. Ihm aber, der ein Mächtiger und Weiser Gleichzeitig ist, — ei» Hach bei» Deutsche» Kaiser!

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Anuoncen-Bureanx oon Th. Dietrich & So in

Orfi'int täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlrchm Berlage "JSn^rtrte« EvU»ta»«»latt durch die Expedition (kochsche «uchdr ucker ei) bezogen 3h Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiche« 3 Mark 50 ff». <°kl. vestellgebichr). - KrserttonSgebübr für die gespaltene Serie 10 ff». Für in der Expedition zu ertherleude Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 ff», berechnet.

Bischof von dem Geschehenen zu unterrichten. Nach we­nigen Wochen kam vom Bischof die Entscheidung zurück, wonach die beiden Uebelthäter, die nach den Begriffen der damaligen Zeit den Tod verwirkt hatten, au« besonderer Gnade zu lebenslänglicher Kerkerhaft verurtheilt wurden, welche Haft sie in dem Kerker de« festen Felsenschlosses Giebichenstein verbüßen sollten. Außerdem wurde dem Müller noch aufgegeben, eine ungeheure Summe Gelbe« an den Grafen von Seeburg zu entrichten.

Einige Wochen nach Eingang diese« Urtheil« waren die beiden Gefangenen soweit hergestellt, daß ihre Hebetfiebe lang von Seeburg nach Giebichenstein vor sich gehen konnte, um weiche Zeit auch die Uebergobe der Sichelmühle an einen andern Pächter geordnet wurde. Der neue Pächter der Silbermühle aber war Niemand ander« al« Nikla« Vater, der bisherige Pächter des Vorwerks Serben. Ob er bei der Pachtung an feinen unglücklichen Sohn Niklas dachte, von dem Niemand wußte, wo er geblieben wat? Ob er Hoffnung hatte, Niklas werde zurückkehren und alles werde noch gut gehen? Wir wtffen e« nicht!

DaS aber roiffen wir, daß der neue Pächter voll Mit­leid und Theilnahme gegen des SilbermüllerS Weib und Ktud sich christlich und menschlich erwies und nicht Böse« mit Bösem vergalt Beide lagen noch immer krank dar­nieder. Der neue Schreck, die Gefangenschaft befl Vaters, sowie die Auszahlung der großen Geldsumme, welche bei­nahe daS ganze Verwögen deS Müllers ausmachte — das waren Schläge, die einen Gefunden niederzuwersm im Stande find, wie vielmehr kranke Frauen. Beide hatten einen Rück­fall ihrer Krankheit und ihre Genesung dehnte sich somit vielleicht noch lange, seht lange aus. Der [neue Pächter der Silbermühle räumte beiden eine bescheidene Wohnung ein und beließ sie in seinem Hause unter seinem Schutze und feiner Obhut.

Anzeige» nimmt entgegen: dieLxpebitisn d. Blatte» sowie bte Amwneen-Bureanx von ®. L. Daube L So. in