iÄr. 6»
Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte», sowie die Lnnoncen-Bureanx von Th. Dietrich & So. in -affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in zraiüfurt a. M, Berlm, Leipzig, 661» rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Ult. re.
JRarßurg, Sonnabend, 17. März 1877.
(ilbfüljcllildir Inlung.
XII. lettgaig.
Lrueigen nimmt entgegen: dieWxpediti»» » Blatte» sowie dre Lnnoneen-Bureanx von ®. L Daube & So. in
Frankfurt a. M : JKgrr^chr Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, L. Sete- meyer in Berlin; Sari Schüß» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
«r'cheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichni Beilage ,, 3«* Wertet Eouutn,»blutt" durch die Kp«ditton(1k o ch'fche Buch druck erei> bezogen Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Wert 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). - ZstrsertronSgebühr für die gespaltene gelle 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werde» 35 Pf«, berechnet.
Der aewerbUche Nothstaud und die Staat-» hülfe.
In einem zweiten Artikel schreibt die „Pro». Correip " hierüber:
Unter dem Druck deS bestehenden Nothstunde« und theil- weise unter starker Uebertreibung desselben wird nun aber der Versuch gemacht, den Staatsgewalten die Schuld an dem Nothstande zuzuschreibcn und dem Staat gegenüber ein sogenanntes Recht auf Arbeit in Anspruch zu nehmen. In diesem Sinne haben die Sozialdemokraten in Berlin lund anderwärts Beschlüsse gefaßt und dieselben zur Kennt- xrftß der Regierung gebracht. Dieser Anspruch und die darauf begründeten Agitationen fordern die SlaatSregie- b*tung zur größten Vorsicht bei ihren weiteren Schritten auf. | Ein Rert auf Arbeit gegenüber dem Staat bei Aus- 1 bruch einer geschäftlichen Krifis, wie ste in jedem industriell L höher entwickelten Lande von Zeit zu Zeit in bald größe- st rem, bald geringerem Umfange eintritt, ist entschieden nicht «anzuerkennen. Die Anwendung außerordentlicher Maß P nahmen, wie die Ausführung von Bauten, welche andern ' falls überhaupt nicht oder doch zu ganz anderer Zeit in Angriff genommen würden, müßten in hohem Maße bedenklich und gefährlich erscheinen. Sie würden sehr bald Anspiüche an den Staat hervortreten lasten, welchen der selbe in keiner Weise genügen könnte. Der schon jtzt laut gewordene Ruf nach Umgestaltung der ganzen bestehenden sozialen Ordnung würde nur um so stärker ertönen, je mehr die Regierung unter Aufgeben der Grund- sätze und scheinbar unter dem Drucke der in Volksversammlungen gefaßten Resolutionen sich nachgiebig erwiese, i Tie StaotSregierung wird allerdings die geplanten und bewilligten Bauten eifrig fortfetzen; hierzu find die Weisungen ergangen, aber jede Ueberstürzung würde auch hier vom Uebel sein, weil bei der Unsicherheit über die Dauer der KristS eS sich nicht empfiehlt, die gesnmmte Bauthitigkeit auf ein Jahr zufammenzuviäagen. Es würde dies aufs Neue ungesunde Zustände, Lohnsteigerungen u. s. w. zur Folge haben, während in den folgenden Jahren beim Mangel weiterer Arbeiten der Sturz um so sicherer s-in würde. Es muß auch hier auf eine Reserve Bedacht genommen werden, welche auch für spätere Zeiten die Hülse darbittet.
Außerdem wird nicht außer Augen zu lasten sein, daß in erster Linie nicht der Staat, sondern die Gemeinden und die weiteren Kommunalverbinde dazu berufen sein würden, bei eintrttenden Nothständen Veranstaltungen zur Unterstützung der Rothleidenden zu tr.ffen. Die kom. n.unen sind auch bester im Stande, mit der erforderlichen Beschleunigung Zweckentsprechendes zu leisten, da sich in
daß mit dem Aufhören des Zuflüsse« der Arbeitsuchenden nach den großen Städten und den sonstigen Industrie« ttätzen wieder eine angemessenere Vertheilung der arbeitenden Kräfte im Lande eintreten werde.
zusehen.
Die herrschende KristS ist vorzugsweise durch die maßlose Steigerung der Produktion hervorgerufen, welche namentlich in der Periode von 1870 biS 1873 stattgefunden und dahin geführt hat, daß gegenwärtig die Produktion«- fähigkeit der Industrie de« Lande« außer allem Verhält- niffe zu dem vorhandenen Bedürfniste steht, während andererseits in Folge der Erhöhung der Arbeitslöhne und der Materialienpreise eine Vergrößttung der Selbstkosten ein» trat, die eine unverhältnißmüßige Verlheuerung der Produktion bewirkte und damit die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie auf den Absatzmärkten beschränkte.
Um für die neuen Unternehmungen und die ausgedehnten in Betrieb stehenden Werke die nöthigen Arbeitskräfte
In diesen GesundungSprozeß einzugkeisen, kann durchaus nicht als rathsam erachtet werden.
E« würde die Rückbildung zu normalen Vnhältniste« n ihrem natürlichen Verlaufe unterbrochen werden, wenn gegenwärtig durch außerordentliche Unternehmungen de» Staate« in dm großen Städten oder in dm Jndustriebe- zirkm große Arbeitermasten in Thitigkeit gefetzt und dadurch für längere Zeitdauer au ihren jetzigen Wohnplitzeu estgehalten werden sollen.
L«ü<-P«1cht.
Der „Staat« - Anz." publirirt da« Gesetz, betteffenb einige Abänderungen der gesetzlichen Vorschristev über die Veranlagung der Grundsteuer, der Klasten- und klasststzirtm Einkommensteuer. Vom 12. März 1877.
Dem BundeSrath ist der Entwurf eine- Gesetze- für Elsaß-Lothringen betreffend dm Gewerbebetrieb im Umher- ziehen zur vefchlußsastung zugegangen.
den engen Kreisen da- Maß des Bedürfniste« richtiger I dustrie entbehrlich werdmdm Arbeiter wieder zu dm frü- bemtheilen und mit besserem Erfolge die den Personen und | her von ihnen betriebenen Berufsarbeiten zurückkehren und Verhältnissen anzupafsenden Mittel und Wege auffinden ~n u «-«» *■-* “
laste, wie den Bedürftigen zu helfen ist. Gelegenheit zur Ausführung gemeinnütziger Arbeiten, namentlich an Wege» besterung, Kanalisationsarbeiten, Wasterwerken und sonstige Bauten, pflegt bei den Kommunen nicht zu fehlen, und Pläne zu solchen Anlagen von geringen Dimensionen lasten sich ohne großen Zeitverlust beschaffen, während dieS bei größeren StatSbauten der Regel nach nicht der Fall ist.
ES liegt aber noch ein wichtigerer Grund vor, von außergewöhnlichen Bau-Uvternehmungen des Staat- ab-
zu erhalten, trat in den erwähnten Jahren eine nie ge- tanrte Nachfrage nach Arbeitern ein und durch Anbieten hoher Löhne wurden solche aus entfernten Gegenden nach den Mittelpunkten der Industrie hingezogm. Das Zu- stlömen von Arbeitern nach den großen Städten deS Landes und sonstigen Jndustrieplätzen nahm einen bedenklichen Umfang an. Es hatte den doppelten Nachtheil im Gefolge, daß dort durch die plötzliche Vermehrung der Bevölkr- rung ein erhebliches Steigen der LebenSmitielpreife eintrat, die sich nach und nach auch auf andere LandeStheile übertrug, während anderntheilS anderen Berufekreisen namentlich der Landwirihschasl die nöthigen Arbeitskräfte in be denkiicher Weise entzogen wurden.
Der nvthwendige Ausgleich zwischen der Produktton und der Konsumtion hat nunmehr begonnen. In diesem Ausgleich, in der Beseitig» eg der eingetretenen Ueberpro duklion, sowie in der damit in Verbindung stehenden Zu- rückführung der Arbeitslöhne auf ein angemestcneS Maß ist das natürliche Heilmittel zur Gesundung der wirlh schaftlicken Zustände zu erblicken. Die Ermäßigung der Arbeitslöhne wird nach allgemeinen wirthschaftlichen Gesetzen und Ersahrungm auch ein Herabgehen der LebenS- mittelpreise nach stch ziehen.
Vor Allem aber ist zu erwarten, daß die bei der In
Die Mehrforderungen im Militär-Etat, soweit sie sich auf dir Errichtung von 105 neuen HauptmannSstellm beziehen, werden nnzweifelhast vom Reichstage bewilligt werden, da die rechte Seite des Hanfes mit den National« liberalen dem genehmigenden Anträge der Bndgerkommiffiou ihre Zustimmung ertheilen werden. Wir können die Haltung der Majorität der Reichsvertretung in dieser Frage nur billigen, so sehr wir e» auch bedauern mögen, daß unsere militärischen Anstrengungen noch immer nicht zum vollen Abschlüsse gebracht sind. Denn die Verantwortlichkeit für solche Maßregeln fällt nicht aus da- friedliebende Deutfchland, sondern auf die großartige« Vorbereitungen der Franzosen, in einem zukünftigen Kriege ihre frühere hegemonistische Stellung in Europa wieder zu erringen. Der Präsenzstand der Franzosen ist, was namentlich die Offizierchargen anlaugt, nicht nur wett stärker als derjenige DeuifchlandS, auch die Dislokation der französischen Truppen, welche in geschloffenen Armeekorps und zu zwei Dritt- theilen in dem östlichen Frankreich untergebracht stad, läßt darauf schließen, daß dir Franzosen in dem gegebenen Falle, sobald stch die Constellation der europäischen Verhältniffe zu ihren Gunsten ändern sollte, die Offensive ergreifen werden.
Silber »tzUScheu.
Eine Dorf-Novelle von Rudolph Weitnau.
(Fortsetzung.)
Zehnte« Kapitel.
Sine Osterdotschast und ihre Folgen.
Ein herrlicher Osttttag hatte sich herniedergesenkc auf dieMrde. Die Ostersonne schien so hell und freundlich dazu und die ersten Sommervigel jnbelirien so laut und fröhlich dazwischen, daß die letze EiSrinde, die noch um die eingewinterten Herzen der Menschen lag, schmelzen mußte, sie mochte wollen oder nicht.
ES war so recht ein Auferstehungsmorgen für die Natur uud die Menschheit, und als die feierlichen Glocken- klänge be« kleinen Trothaer Kirchlein« fromm herniedertönten und ihren Mahnruf ergehen ließen an die Menschen- herzm, zn kommen und zu begrüßen an heiliger Stätte den Anferftandenen, da sah man die andächtigen Einwohner de« Dörflein« wallen zu dem Kirchlein, um sich zu vereinigen im Tempel be« Herrn zur gemeinsamen Feier des herrlichen Auferstehung-feste«.
Auf der besonnten Steinbank am Hinterhause der Silber-Mühle saß ein liebliches Mädchen ein gar zartes und kleines Kindlein am üppig schwellenden Busen. Die Bläffe de- Mädchens erhöht die wunderbare Schönheit desselben und läßt ben jedenfalls nicht unrichtigen Schluß zu, baS- felbe müsse erst feit kurzem von einer Krankheit genesen sein. Ihre waflerblauen Bugen ruhen mit schwermüihigem Lächeln auf bem Antttz deS Kinde«, während der ernste Zug um den schön gesonnten frischen Mund un- in Zweifel läßt, wie überhaupt biefl Lächeln zu verstehen fei. Auch Wifi n wir nicht, haben wir die Mutter be« Kindlein« ober ein Geschwister desselben vor un», da da- Mägdlein ja selbst noch kaum «ehr al» ein Kind sein dürfte.
Und dennoch ist eS das deS Muiterglücke« und der Mutterfreude, wa« wir hier vor un« sehen. Ja, wir täuschen und auch ferner nicht, wenn wir in der jungen Mutter Niemand ander« al« — Silber Röschen, die N xe von Trotha, erkennen. Sie und keine andere ist e«, die jetzt bei den frommen Glockcnkiängeu die Hände faltet zum teilen stillen Gebet für ihr Kindlein.
So weit war es also gekommen, Silber-Röschen, das stolze herrliche Silber-Röschen, Mutter eines Kinde« und dies Kind die Frucht ihrer Liebe zu Bodo, der stch bis jetzt in bet Ettbermühle noch nicht wieder hatte sehen laffen. Heute aber wollte er kommen, da« hatte er gewiß versprochen und Röschen, welche, ohne es laut zu gestehens in ihrem Innern nut noch wenig von bet Treue und Aus»^ richtigkeit beS Junkers hoffte, wat nichts destoweniger bewegtet unb erregtet als je.
O wa« hatte ste etbulben müßen, bis zu bet schweren Geburt des wunderlieblichen KnäbleinS, was mußte ste jetzt noch erdulden an Schmach unb Spott, nicht von dem Vater, denn bet war ja ihr eigentlicher Mitschuldiger; nicht von bet Mutter, nein, deren HerzenSgüte ließ keine Härte zu, aber von ben Gefreunden und Nachbarn, von Gespielinnen unb andern, unb vor allem von ihrem eigenen Herzen unb Gewissen. In bem Wochenbette hatte sie Zeit gehabt, nachzudenken mit ruhigen Sinnen Übet bte letzte Zeit ihres Leben« unb ihr Herz unb Gewissen veruriheilten ste. Sie wurde stch ihres Vertaths an Niklas bewußt, sie gestand eS sich ein, daß sie ein aufrichtiges, treue« Herz gebrochen und dafür ein leichtfertige«, unbeständige« unb treulose« eingetauscht habe.
Ach, ste buchte auch jetzt an Nikla«, als sie ihre schönen wafferblauen Augen nach dem Mühlbusch hinüber schweifen ließ unb der herrlichen Stunden gedachte, die ste dort mit ihm verlebt. Wenn er ste jetzt noch liebte — aber nein, nein, jetzt ist e« zu späi i seufzte sie und ihre heiße«
Thränen fielen hernieder aus de« schlummernden Kinde» zarte weiße Stirn.
Jndeß kehrten die frommen Waller au- der Kirche zurück, Vater und Mutter, welche auch unter ihnen waren, eilten zn Röschen und setzten stch zu ihr — aber vom Junker von Seebutg zeigte sich noch keine Spur. Der Mittag ging vorüber, e« ereignete sich nichts. E« wurde 8benb unb Nacht — kein Junker ließ stch sehen.
Währmb der Nacht träumte Rö-chen von einem große« Feste, ba- auf Schloß Seeburg gefeiert werde. E« kam ihr vor, al« fei e« eine Johannisfeier, die dort vor stch gehe; aber nicht sie, Silber-RöSchea, sondern die Gräfin -von Wetttn sei die Nixenkönigin unb Junker Bodo der ° Festkönig, werde mit ihr vermählt.
Obgleich es nur ei« Traum war, so bewegte derselbe die Seele be« armen Röschen doch gewaltig am Morgen unb ste konnte bte abscheuliche Erinnerung baren nicht mehr au« ben Gedenken bringen. Sie erzählte ben Traum ihren Eltern. Der Vater lachte sie au« unb meinte:
„Papperlapapp! Träume stnb Schäume! Wa- gilt’« denkst jetzt nichts weiter al- das unb — da hast'« auch im Traume!"
Die Mutter nahm die Sache schon viel ernster auf und sagte mit bedenklich gerunzelter Stirn:
„Gieb Acht, gieb Acht, Kind, das bedeutet etwa» SchlimmeS!"
Nach dem Vormittag« - Gottesdienst tarn der Pfarrer herüber in d'e Silber-Mühle, worüber die Müllersleute gar höchlich verwundert waren. Silber - Röschen aber meinte in die Erde sinken zu müßen vor Scham.
„Na, na, brauchst nicht gar so schlimm zu thuu, liebe Tochter," sagte liebreich der Pfarrer uud reichte dem ver- schämien Röschen gar freundlich die Hand, „brauchst mir auch keine Beicht' zu thuu, ich weiß just alles unb werfe keinen Stein der Berdammniß auf Dich! Habe Vertraue«