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Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d. Blattet, otoie die Annoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & Co. in gefiel und Hannrver; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; S' lein & Bögler in rta-M, Berlin, Leip- [n rc; Rudolf Moffe i/öerlin, Frankfurt a. M. rc.
Marburg, Freitag, 16. März 1877.
XII. Jatreaig.
®btrljt|lifd)c Jrilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die EMedttion d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureanr von S. L. Daube & Co. in Stantfurt a. M.: Jäaer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, Ä- Rete» mryer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
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Zur Feier deS 81. Geburtstages deS deutschen Kaisers jnb fast aus allen Staaten Europas Offiziere in Berlin mgcmeldet. Ferner hören wir, daß außer den Königen von Baiern und Württemberg sämrntliche deutsche Fürsten persönlich der Feier beiwohnen werden.
In diplomatischen Kreisen circulirt daS Gerücht von einem zwischen Rußland und der deutschen Regierung ab; geschlossenen Vertrage für gewisse Evcnlualitäten deS russisch; türkischen Krieges. Danach hätten beide Mächte sich für dm Fall, daß Oesterreich die polnische Frage wieder anrege, Uer gemeinsame militärische Operationen vollständig geeinigt.
Eine Aeußerung des Fürsten Bismarck in der Reichs- pgSfitzung vom 10. Mä z soll der besten Informationen »folge, den Chef der kaiserlichen Admiralität, Staatsmi- riftet Stosch veranlaßt haben, seil e Entlassung einzureichen. Der authentische Wortlaut der fraglichen Aeußerung ist ,ach dem amtlichen stenographischen Berichte folgender: .Der Vorredner" (Äbg. Richter (Hagen) „weist uns im oesentlichen an, auf die Bestände zurückzugreifen, d. h. vom Kapital zu zehren und die Wege zu betreten, die große und befreundete Nachbarrreiche — ja, ich glaube, nicht zum dauernden Heil ihrer Finanzwirthschaft — betreten haben. Er hat stch in dieser Beziehung ermuthigt igefühlt durch einen Erfolg, den er im vorigen Jahre auf Ktm Gebiete der Marineverwaltuug mit großer Leichtigkeit mit einer mich üherraschenden Leichtigkeit erfochten hat. Da muß ich aber doch erwähnen, daß ich selbst einen ähnlichen Erfolg der Marineverwaltung gegenüber in den Mo- vatkn, die der Vorlage vorhe> gingen, vergeblich zu erstreiten »ersucht habe. (Hö-tl) Ich muß ja dm einzelnen Ressorts glauben — sie verstehen dir Sache, ich kann ste nicht kontrolireu — daß die Forderungen, die sie stillen, berechtigt find. Mit der Martneverwaltung habe ich im vorigen Jahre einen monatelangen und mit vielem diattklischen Aufwand geführten Kampf gehabt, um eine noch höhere Forderung, als die im Budget damals eingestellt gewesene der Reichsfinanzverwaltung, dem Herrn Reichsfiananzmi oister gegenüber (Heiterkeit) — als solchen sehe ich den Herrn Präsidenten deS ReichSkanzlerarnls an — durchzu- ,tz n. Ich habe zuletzt vermöge der mir durch die Bei- afsung verliehenen Berechtigung, die Sache für die miniere Summe und gegen die Marineverwaltung entschieden unb konnte deshalb nicht erwarten, baß die Autorität oder die UeberredungSgabe deS Herrn Richter (Hagen) um so diel stärker wte die rnetnige auf die Marineverwaltung wirken würden, daß bereit« in der ersten Sitzung diefe lrtziere Verwaltung einsah, daß ste mit einem noch g rin-
geren Satz auskommen könnte, als den von mir schließlich bewilligten und im Anfang bestrittenen."
Innerhalb der Fraktion der deutschen Conservativen fand über die Frage bezüglich des Sitzes de» obersten Reichs- Gerichtes eine vorläufige Besprechung statt. Die Ansichten sind auch hier, wie wohl in allen Fraktionen getheilt. Von der einen Seite wurde für Leipzig geltend gewacht, daß man die Centralisation aller ReichSbehörven unb Inst tute in der ReichShauptstabt nicht begünstigen solle, da nicht überwiegende sachliche Gründe sie erforderu. Andererseits hielt man die sachlichen Gründe für die Concentration der höchsten Behörden deS Reiches doch für so erheblich, daß man Berlin den Vorzug geben müsse. Allseitig war man dahin einverstanden, daß kein politisches Lebürsniß vorliege, für biese oder jene Entscheidung der Sache von ©eiten der Fraktion in geschlossener Einheit einzutreten.
Dem Anträge der deutschen conservativen Fraktion, betreffend die Novelle zur Gkroetbc Drbnung, stab noch weiter beigetreten die Abgg. v. Goßler, v. Levctzow, Wichmann, v. Busse, v. Bärensprung, v. Brand, Graf Holstein, Graf zu Eulenburg, v. Batotzky, Uhben, Graf Mottke und v. Gerlach.
Das Londoner Cabinet hat den von Jgnatieff gemachten Protokollvorschlag berathen, aber noch keine Entscheidung getroffen, doch versichern die Blätter, daß England zustimmend antworten werde, thbet den bezüglichen Protokollvorschlag wird heute von verschiedenen Seiten lieber; einstimmcndeS berichtet; die Unterredung deS Generals Jgnatieff mit einem Redakteur deS „Tewpß" (vgl. unten „Paris") und mit einem Correspondemen der „Jndepen- dü'ce" (vgl. unten „Brüssel") sind ziemlich identisch, waS vielleicht nicht nur auf die Auskunft deS Generals, sondern auch vermutdl'ck auf die Identität der beiden Interviewer zurückzusühren ist. Rußland will die Konferenzbeschlüsse durch einen internationalen Akt fancticnirt wissen, ohne daß stch die Mächte zu Zwangsmaßregeln verpflichten, wohl ober mit bet stillschweigenden Voraussitzung, daß im Falle der Unfähigkeit ober Ui,Pünktlichkeit bet türkischen Regenten, die Reformen — bis zu welcher Frist, scheint nicht bestimmt zu sein — zur Ausführung zu bringen, Mne der Signatarmächte gehalten sei, die Unv rletzlichkeit oder Untheilbatkeit deS OSmanenreichS zu vertreten.
Deutsches «eich.
Berit«, 14 März. U-ber den gewerblichen Noch stand und die Staatshülfe schreibt nach einer amtlick m Denkschrift die „Ptov -Corresp ": Die seit dem Jahre 1873
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Gitter-«»Scheu.
Eine Dorf-Novelle von Rudolph Wellnau.
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(Fortsetzung.)
Die Spinastube wat da« Echo des DorflkbenS. In ter Epinnstube erzählten die jungen Leute einander, wovon man draußen in jeder Hütte sprach. Der Silber Müllet und sein Kind, das Silber-Röschen, waren in Aller Munde, und de« Strebe« im Dorf, in den Hütten wie auf den Gasse» nahm kein Ende mehr. Jeden Tag gab e« etwa« neues von des MüllerS Wundermädel zu berichten, jrden Tag trug sie wieder ein feinere« Kleid ober ein noch kostbareres Mieder, ober sonst etwas Aparte» an ihrem prächtigen A zuge, daß die andern Mädchen hätten mögen blind wervcn von dem Glanz, und grün und gelb vor Neid und Aerger.
\ f Jede Woche ei>i paar mal wenigstens kam ein Bote dem Schlosse und brachte an Röschen ein sein B.ieflein, »Nd jeden nächsten Tag mußte Der Mühlbursch von RSS chen inen ebenso feinen Brief hinüber iir’s Schloß tragen tia6 Bethältniß zwischen dem Junker und der MüüerStochter hatte also auch während der Krankhest deS elfteren unge litten Fortgang.
In der Silber-Mühle daheim ging e« aber nicht so »uzestört fort. Der Müller war vornehm geworden und k« dünkte ihm jetzt viel zu gering, sich noch groß um sein Geschäft za bekümmern. Die Mühlknechte machten sich Nt« zu nutze. ES kam n Veruntreuungen vor, von denen der Müllet oft kaum etwas wußte. Es kamen Verschlep
pungen und Verzögerungen vor, wo« die Kunden fottbki- It’i ließ und sie bewog, sich nach der Schloßmühle in ® ichenstein zu wenden.
j Und wie mit der Mühle, eben so schlimm utb übel kn es mit der Feldwirthschast bestellt. Die Müllerin'
konnt's und dUlfl'S nicht halten, wenn sie nicht alle Tage Höllenqual leiden wollte, und mußte endlich, so weh es ihr auch thtt, so schlimm eS ihr auch ankam, mitmachen und die vornehme Dame spielen, wie eS Mann und Kind von ihr verlangten. Unter solchen Verhältnissen mußte eS natürlich alle Tage mehr rückwärts gehen beim Silber- Müller. Die Leute im Dorfe sprachen immer lauter vom gänzlichen Verfall der Silber-Mühle, schüttelten immer bedenklicher die Köp'e und einer meinte zum andern:
„Gibt Acht gebt Acht, in der Silber-Mühle nimmt'« kein gute« End!'" —
Mittlerweile war der Winter vergangen und der junge Frühling hielt seinen fröhlichen Einzug in die neu erwachenden Lande.
Die Spinnstubenabende erreichten ihr Ende. Hinaus rief die muntere Lerche den Landmaiin auf« Feld, um dort zu schiffen und zu walten mit emsig geschäftiger Hand.
Mit den Spinnstubcn Abenden hörte auch das Gerede über die Angelegenheiten in der Silbermühle etwa« auf, man hatte keine Zeit mehr, sich um alles zu kümmern, was dort geschah und überließ es den Leuten selbst, zu thun und zu treiben nach ihre« Herzen« Gelüste, wie eS ihnen baß beliebte. Nur hie und da flüsterten stch die jungen Dirnen in die Ohren, wie Silber-Röschen wohl gänzlich nach dem Schlösse übergesiedelt sein müsse, da sie von dort fast nicht mehr heran« komme, und wie cS am Ende doch wohl noch Ernst werden möcht', daß die Müllerstochter eine Edelfrau würde. Al« aber der lahme Gottlieb einmal so ein Gerede mit angehört, lackte er hell auf unv rief:
„Edelfrau, Ihr albernen dummen Dinger? DeS Müllers von Trotha Dirne Edelfrau." He, wartet'« ab, was die für’n Beantschmuck kriegen und was für'» Kränzlcin deren hochmütiges Köpfchen zieren wird I Werder'« wahrlich nicht darum beneiden, glaub' ich, »artet’« ab!"
eingetretene rückgängige Bewegung, welche dem großen Aufschwung der gewerblichen Thätigkeit in Preußen gefolgt war und welche zunächst und vorzugsweise die Großin. dustrie, nach und nach aber auch das Kleingewerbe in fühlbarster Weife ergriffen hatte, hat in den letzten Monaten in einzelnen LandeStheilen entschiedene Nothstände herbei- geführt. In einigen vorzugsweise industriereichen Bezirken hat stch die Lage neuerdings besonders dadurch in erheblichem Maße verändert, daß der Steinkohlen - Bergbau, welcher bis dahin in schwunghaftem Betriebe und in steigender Förderung verblieben war und gerade in den Jahren 1875 und 1876 eine bis dahin nicht gekannte Höhe der Produktion erreicht hatte, stch vorzugsweise in Folge de« ungewöhnlich milden Winters zu einer sehr erheblichen Herabminderung der Förderung genöthigt sah. Besonder« wurde der Westfälisch - Nieder - Rheinische BergwerkSbeztrk dadurch betroffen, in welchem die Förderung im Jahre 1860 85 Millionen Gentner, im Jahre 1873 Dagegen 322 Millionen und im Jahre 1876 sogar 357 Millionen Gentner betragen hatte und bis zum November 1876 Utber« schichten verfahren worden waren, seitdem aber ein plötzlicher Rückschlag eintrar, durch welchen bis Mitte Februar die Entlaffung von 8000 Arbeitern herbeigeführt wurde und weitere Kündigungen in Aussicht genommen werden mußten. Die Staatsregierung hat den hierdurch entstandenen Verlegenheiten und Bedrängnissen von vornherein ihre volle Aufmerksamkeit gewidmet Von Seiten de« Hau- delsministers wurden alsbald umfassende Anordnungen getreten, um den entlass neu Arbeitern die Aufsuchung anderweitiger Erwerbsquellen zu erleichtern, zunächst durch Bewilligung billiger Eisenbahnfahrt, durch Unterstützung auS den Gewerkskassen, durch Anstellung bei den Arbeiten der Staatsbahnen u. f. w. Für die einheitliche Leitung bet Unterbringung wurde durch Goicentriurg dieser Angelegenheit bei dem Ober-Bergamt Dor?mund gesorgt. Auch dm Regierungen wurde empfohlen, ans die Unterbringung der Arbeitsuchenden bei den Ehaussee- und Wegebauten und bei ländlichen Meliorationen hinzuwirken. Auf jede thun- liche Weise wurde Seiten« der Staatsverwaltung dort und in allen anderen von dem Nothstände betroffenen LandeStheilen Vorsorge getroffen, dm entlassenen Arbeitern eine neue Thätigkeit zu verschaffen. Jawieweit von der gebotenen Gelegenheit überall Gebrauch gemacht wird, läßt sich noch nicht vollständig übersehen. Einstweilen steht e« nicht außer Zweifel, ob der Bergmann in weitem Umfange gewillt fein wird, seine bisherige Thätigkeit mit Erdarbeiten zu vertauschen. Für die Beurtheilung der Lage ist jedenfalls von großer Bedeutung, daß Seitens dc» Staate« kaum jemals eine so umfangreiche Bauthäigkeit entwickelt worden ist, wie in der letztverflossenen und gegenwärtigen 'Zett. Im vorigen Jahre allein ist aus den der Eisen-
DaS aber hatte seine Richtigkeit, daß Süber-RöSchen mit dem Beginn deS Frühlings mehr im Schloff- Gie- bichenstein war, als daheim in der Silbermühle.
Der Junker Bodo hatte den Winter über vollständig auSgekurt und gegen den Frühling zu ging seine Genesung mit Riesenschritten vorn Sri«, so daß er die sonnig schönen Tage, AuSgang« April, bereits in dem großen, schönen, herrlichen Schloßpark verbringen durste. Sein erste- habet war aber, daß er sich nach Gesellschaft sehnte, worunter er nicht« andere» verstand, al« sein Silber- Röschen bd sich zu haben. Er hatte kaum der (Beliebten diesen Herzenswunsch kund gethan, al« diese auch schon sich beeilte, Denselben zu erfüllen. Sie kam früh zu ihm herüber, blieb den ganzen Tag bei ihm und ging erst spät Abends wieder heim.
Das war ein Leben, eine Glückseligkeit, wenn die Beiden Arm in Arm die langen grünbelaubten Gänge de» Parkes durchwanderten, in dem süßesten Geplauder ihre Herzen ineinander fließen liefe n und vor lauter Wonne und Seligkeit oft nickt merkten, daß es Mittagszeit oder Abend geworden war. Mit dem Vorrücken der schönen Jahreszeit wurde dies Wonneleben immer noch bunter und freudenreicher.
Ter Mai mit feinen seligen Tagen, mit seinem BIS- thenregen unb Nachiigallengesang brachte die Liebenden gar nicht mehr auseinander unb Röschen war mit ihrem Bodo inzwischen scweit gekommen und so vertrant geworben, daß ste nunmehr nicht allein am Tage, sondern auch die Nächte im Schlöffe verblieb.
Silber-Röschen verlebte wonnige selige Tage in de» Junker« Gesellschaft, der ihr täglich sagte, wie sckön sie sei, wie lieb er sie habe.
Unb das unerfahrene Mädchen glaubte den Sckwüren bc» falschen Manne«, der sie zu seinem Weibe zu machen