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Marburg, Donnerstag, 15. März 1877
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Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatt ei, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & 60. in Raffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a. M.; naafenffein <t Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Löln tc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. re.
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Anzeigen nimmt entgegen: die «qreditt»» ». Blattes sowie die Amwnceo-Bureauk von ® L Daube & So. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Franksutt a. M.; Jnvalidendank, Ä- Rete- meper in Berlin; Earl Schäffler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Lagesdertcht.
Gutem Vernehmen nach schlägt der Justizausschuß les BundeSratheS dem Plenum vor, die Angelegenheit der Berlin Dresdener Bahn dem obersten Gerichtshöfe der Hansestädte zur Prüfung der Rechtsfrage und Füllung eines Spruche« zu überweisen. Unsere ursprüngliche Meldung bestätigt sich somit. (S. auch unsere •• Corrrspondenz aus Berlin.)
Die „Nationalzig." schreibt zu der Re'chstagSdebatte über die freikonservative Gewerbegesetz-Jntetpellation: „Der Sbg. LaSk r trat Namens der nationalliberalen Fraktion mitten in die Frage ein, indem er die Absicht erklärte, den Punkt, bezüglich dessen sich eine allgemeine Meinung heran gebildet habe, das Lehrlings wesen, noch für diese Session in die Hand nehmen zu wollen, wie von Seiten der konservativen Partei bereits ein formulirter Gesetzesvorfchlag vorliegt. Hier ist Platz und Gelegenheit für positive Arbeit, und man darf annehmen, daß die Anstrengungen aller Parteien auf diesem Felde sich vereinigen werden."
Au» Berlin wird von gestern telegraphirt: In parlamentarischen Äreifen verlautet, der Senatsminister Ge ne toi v. Stvsch habe in Folge der Rede BiemarckS in der ReichStagSfitzung vom Sonnabend seine Entlastung gefordert. — Außer der höheren Btsteuerung von Bier uud Tabak wird auch die Erhöhung des Kaffeezolle« am maßgebender Seite befürwortet. — DaS hiesige Stadtgericht verurtheilte heute den Schriftsteller Guido Weiß aus Anlaß eines Artikels in der Wochenschrift die „Waage" wegen MajeftätSbeleidigung zu dreimonatlicher Festungshaft.
Wie auS Wien mitgelhetlr wird, gehen die Bemühungen des General» Jgnatieff dahin, eine Einigung der Mächte darüber zu erzielen, daß ein internationater Akt über Re formen erlassen und die Überwachung der Ausführung derselben durch Konsuln verlangt wild. Zuerst soll Die Pforte abrüsten, nachher Rußland, welche» zur Abrüstung bereit sei. Unter solchen Bedingungen sei Rußland bereit, abzurüsten, falls die Ptorte darin vorgehe.
Man schreibt der „Pol. Corr." aus St. Petersburg, 8. März: Wie wohl selbstverständlich noch nichts Näheres über den Inhalt und den Erfolg der Coufirenzen des Ge- ntraie Jgnatieff mit dem Fürsten Bismarck in die Oeffent lichkett dringen kann, so darf doch schon jetzt mitgktheilt werden, daß Jgnatieff auS den Unterhandlungen mit dem deutschen Reichskanzler die Ueberzeugung gewonnen und bestätigt gefunden hat, daß Rußland unter jeder Bedingung und unter allen Verhältnisten auf die moralische Unterstützung seines deutschen BundeSgenosten und auf den Einfluß vieseS seines Nachbars auf Die ihm befreundeten
Silber-RiSche».
Eine Dorf-Novelle von Rudolph Wellnarr.
(Fortsetzung.)
Nun ja, r» waren in der That gar seltsame Dinge geschehen und wenn dieselben auch nicht den Charakter weltgeschichtlicher Ereigniste hatten, für das sonst so eng begrenzte und beschränkte Leben eine» DörfleinS waren dieselben immerhin von solcher Bedeutung, von so großem historischen Jntereste, alS für die Geschichte einiS ganzen Volkes große Kriege und gewaltige, erschütternde StaatS- umwälzuugen.
War eS doch kaum erst wenige Monate her, seit die große Johannisfeier in Trotha stattgesunden; jene Johannisfeier, welche so großartig begonnen und so tragisch geendet hatte.
Waren doch die Grabhügel beter auf dem Friedhöfe von Trotha noch ftijch uud nicht mit GraS bewachsen, welche bei dem unglücklichen AuSgange jener Feier ihr Leben eingebüßt hatten. Und welche andere gewaltigen Er- innerungen halte Jene n.Mckliche Feier zurückgelaffenl
Wahrlich man konnte eS den jungen Leuten in der Epinustube nicht verargen, wenn sie patt aller andeni Unterhaltung immer und immer wieder auf die Begebenheiten am JohanniSfeste zu sprechen kamen, deren Inhalt noch lange nicht erschöpft war und deren Folgen noq eine unendliche Tragweite haben sollten.
Während der Sommerzeit hatten sie dazu weder Muße doch Gelegenheit gehabt. Alle Hände waren vollauf de swästigt und an viele Zusammenkünfte, wo man sich der 8ä.ige und der Breite nach gehörig hätte aussprcchen können,
Mächte rechnen könne. Fürst Bismarck schließt sich den gerechten Forderungen des CabintteS von St. Petersburg rückhaltslos an.
D«tscheS Reich.
•• Berlin 13 März. Die Mittheilungen über den Nachfolger de« P-ästenten Hegel sind umsomehr verfrüht, al« derselbe die erbetene Entlaffung noch nicht erhalten hat. Die von einzelnen Blättern gebrachten Notizen scheinen nur die Bedeutung zu haben, Wünsche auszudrücken und auf Personen hinzuweisen. ES kann versichert werden, daß in den betreffenden Äreifen über den eventuellen Nachfolger noch keine bestimmte Meinung obwaltet. — Mit Bezug auf die gestrige Verurtheilung des Grafen Hermann Arnim als Mitarbeiters der „Reichs,stocke" ist daran zu erinnern, daß derselbe in einem am 24. Januar in der „Kreuzzeitung" veröffentlichten Briese jede Verbindung mit der „ReichSglocke" in Abrede stellt und nur seine Hochschätzung Derselben auSdrückt. D ie Vermthrilung stellt immerhin die Wahrhaftig! it deS Grafen Hermann Arnim in ein eigen thümlich-s Licht. — DaS Auftreten des Abgeordneten von Kleist-Retzow in der gestrigen ReichStagSfitzung hat in den verschiedensten Kreisen die größte Beachtung gefunden, da derselbe sich mit voller Entschiedenheit und Wirme auf den Boden der nur reichsfreundlichen Parteien gestellt und namentlich die Forterhebung der Matrikularbeiträge vom Standpunkt bet Befestigung deS Reichs anticipirt hat. Nach Dem gestrigen Auftreten bet führenden konservativen Depu- tirten ist mit Sicherheit zu erwarten, daß ein reichSfeind- lieber PartikulariSmuS nie ihre und demnach der konservativen Partei des Reichstags eine Unterstützung finden wird. — Die gestrige Debatte übet die Gewerbeordnung hat das allgemeine Bedürfniß einet Revision derselben klargelegt. Nach den Leußerungen von konservativer und nationallibe- raler Seite ist nicht zu bezweifeln, daß namentlich in Betreff der LehtlingSfrage seht 'bald eine Einigung erzielt werden wird. Ueberhaupt ließ der ganze Ton der gestrigen Debatte erkennen, daß die DiSenssion von praktischen Erfolgen begleitet sein wird. — Aus dem BundeSrath liegt ein Antrag des Ausschusses für Rechnungswesen vor, daß die 1875 durch zinsbare Anlegung der Bestände der französischen Kriegskosteaentschädigung gewonnenen Z nsen im Betrage von 4,322,415 Mark an die einzelnen am Kriege beih-iligt gewesenen Finanzgemeinschaften pro rata verlheilt werden. Ferner haben die vereinigten Ausschüsse für Land- Heer, Festungswesen und für daS Rechnungswesen b. antragt, mit Bezugnahme aus die eingegangenen Liquidationen die alS gemeinsame KriegSkosten liquitiden Beträge zusammen auf 5,216 655 Mark festzustellen. Davon kommen auf den Norddeutschen Bund 4,796,436 Mark und aus Baiern 37,619 Mark — ES bestätigt sich die Meldung, daß bet JastizauSschuß beantragt hat, daS Ober-Appellationsgericht tn Lübeck um einen Schiedsspruch in der zwischen Preußen
war nicht zu denken gewesen. Darum auch waren nun die Zungen um so geschäftiger, die ganze Angelegenheit rach allen Seiten hin und mit allen Einzelheiten mit einander durch zu gehen und war für diesen Winter jedenfalls an nichts Anderes zu denken.
Drei Personen bildeten in allen Gesprächen und Erzählungen den Havptgegenstand: die Nixe von Trotha, Niklas und der Junker von Seeburg. Diese drei find aber die Hauptpersonen unserer Erzählung und werden wir somit auch in diesen Spinnstuben-Abendeu erfahren, was aus diesen feit jenem Feste geworden ist und wohin fle ihr eigentliches Ende genommen haben.
S Iber • Röschen ober die Nixe von Trotha und den Junker Bodo von Seeburg verließen wir tn bet Silber- Mühle, wohin sie gemeinschaftlich aus dem Tanzzelte vom Festplatze gebracht worden waren.
Röschen lag einige Wochen krank darnieder, erholte sich dann aber um so rascher und war jetzt wieder so wohlauf und munter wie j mal«. Der goldene Leichtsinn, der bei ihrer sonstigen HerzenSgüte ein hervorstechender Zug ihres Charakters wat, half ihr seht bald übet alle ihr geschehene Unbill hinweg und machte die ganze Kata strophe so ziemlich bergeff en bei ihr.
Der Junker von Seebutg dagegen lag noch fest an feinen Betletzungen. Seine Brust hatte ganz bedeutend gelitten, er spie jetzt noch Blut und e» war nicht abzufchen, wie lange er noch zubringen würde, ehe einigermaßen auf Befferung bei ihm zu hoffen war. Nut ein paar Wochen hatte bet Bifchof eS zugelasien, daß der Junker in der Wohnung des Silbtt Müllet» verblieb. Sobald aber der Arzt dm Transport de» Ktankm nach dem Schlöffe Gie- htchensiein gestattete, wat die Ueberfiedelung vor sich ge»
und Sachfen schwebenden Streitigkeit betreff» der Berlin- Dresdener Bahn anzugehln.
Mai«), 10. M^rz Bischof Kettelet hat gegen die beiden letzten Urtheile des Bezirksgericht» Berufung eingelegt. — Gegen die in deS BtsckofS Pamphlet gegen die Altkatholiken geschlingerten Angriffe veröffentlicht der Vorstand des hiesigen „Vereins zur Unterstützung der katholischen Reformbewegung" eine Erwiderung mit dem Nachweise der Widersprüche deS Bischof» bezüglich de« vatikanischen Dekrets von der Unfehlbarkeit, des Widerspruch« dieser Lehre selbst mit Schrift, Tradition und Vernunft und seiner (Ketteln'«) antioatikanischen Definition de« kirchlichen Lehramte» aus Grund der authentischen Akten, der eigenen Schriften des Bischofs und des am hiesigen Priestetseminar von ihm eingesührten Lehrsystem«. Schließlich wird von dem Bischof der Beweis gefordert für seine Behauptung bet „Bekenntniß- und GlaubenSlosigkeit" der Altkatholikm, wenn hierin nicht eine „bewußte Unwahrheit" erblickt werden solle. Im Falle bet Nichterfüllung dieser in Ansehung deS bischöflichen Amtes um so höheren „Pflicht" scheinen weitere Sch.itte in Aussicht zu stehen.
Karlsruhe, 12. März. Die großherzoglichen Httt- schaftm treffen von ihrer Reise nach Italien zurück in dieser Nacht 2 Uhr hier wieder rin; jeder officielle Empfang ist verbeten. — Heute Abend langte endlich wieder ein Telegramm vom Medicinalrath Dr. Schenck ou8 Palermo Über das Befinden des Prinzen ein. Daffelbe, von heute Vormittag, meldet in Temperatur, Puls und befriedigendem Allgemeinbefinden eine wesentliche Befferung.
München, 11. März Dem „Nürub. Kort." wird geschrieben: Der „Volköfreund" hatte auS der „D. R. Z." die Notiz gebracht, „daß gegenüber einem Vorschlag deS Finanzministers v. Bert auf umfassendere Heranziehung deS Kapitals zur Besteuerung die Aktiengesellschaften in dem Minister de» Innern v. Pfeufet einen warmen Vertreter deS Kapital» gefunben hätten und daß Herr v. Pfeufet in einem schriftlichen Expose seine Bedenken gegen die projectirte Steuerreform geltend gemacht habe". Diese Notiz gab nun Veranlassung, daß dem Blatt die Erklä- rung zuging, „daß ein derartiges Expose deS Ministers des Innern nicht existirt und nach dem bermaligen Stande Der Verhandlungen ein solches noch gar nicht votliegen kann". Diese Erklärung ist nun jedenfalls nach zwei Seiten bemerkenSwerth: von den Mittheilungen des „Volks- freundes" wird nut der Angabe, „daß Herr StaatSwinister v. Pfeufet seine Bedenken bereit» in einem sLristlicheu Expose geltend gemacht habe, widersptocdeu, andererseits aber zugegeben, daß Verhandlungen im Gange sind, nach deren „bermaligem* Stand „ein solches Expose noch gar nicht vorliegen könne". ES wird darnach angenommen werden dürfen, daß der oben erwähnte Vorschlag des Herrn Finanzmintster» vorhanden ist und Verhandlungen über denselben staltfinden. — Die neue katholische Bewegung
gangen und hier lag der Junker jetzt noch fest auf dem Krankenlager darnieder.
AIS deS Junkers Vater, ter alte stolze Graf von Seebutg, das Schicksal seines Sohnes erfuhr, wat er außer sich vor Wuth und Grimm und es bedurfte de» ganzen Ansehens des Bischofs, um ihn zu besänftigen, daß er nicht einen gewaltigen KriegSzug gegen das kleine Trotha unternahm, daffeibe mit Roß und Reisigen, mit Feuer und Schwert furchtbar zu rächen. Der Bischof überzeugte ihn endlich, daß ja eigentlich nicht die Einwohner von Trotha die Schuldigen, sondern daß eben der frühere Geliebte Röschen», der Niklas, einzig und allein die ganze Schuld trage und daß überdies die Theilnehmet an bet Rauferei hinlänglich bestraft feien, indem außer den Tobten soviel Verwundungen vorgekommen wäeen, daß das Dötflein für alle Zeit daran genug haben werde.
Die Hauptsache bei der ganzen Geschichte wat und blieb nun noch Nikla«. Aber wo wat bet hin? Auf diese Frage wußte Niemand eine Antwort zu geben, soviel man auch bis jetzt alle möglichm Nachforschungen, natürlich nur von Seiten de« Bischof« und de« Grafen von See- bürg, übet seinen Verbleib angestellt hatte. Et war und blieb wie von der E-de verschwunden.
Bon Seiten bet Trothaet und aller übrigm Landleute bebauerte man ihn aufrichtig und freute sich nur, daß e« ben Bischöflichen nicht gelang, ihn aufzufindm, denn der Galgmbetg wäre unzweifelhaft sein Loo» gewesen.
Bon Silbtt Röschen, der leichtm Dirne, wie man sie allgemein bezeichnete, wollte Niemand mehr etwas wiffen und eS wat Allen schon recht, daß sie den Kopf so hoch und die Nase alle Tage höhet trug, sich bester dünkte wie alle andern und weder ihren Jugendfreundinnen und Ge-