w.Sr. 61
>al
n! Anzeigen nimmt entgegen: dir «MrdMo« d. Blatte«, sowie die Lnnoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & So- in u, gefiel und Hannover; Th. ll» Dietrich in Frankfurt a. M.; tt» Laasenstein & Bögler in 11 Frankfurt a M, Berlin, Leip- 11 | Ag, Sölu ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. re.
ZNarSurg, Mittwoch, 14. März 1877.
xii.
Mtrhefsilche Jdlung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Lxveditio» d. Blatte« sowie ote Annoncen-Bureaux non @. L Daube & So. in Frankfurt a. M.: ISger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä- Rete- meyer in Berlin; Sari Schüß- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
nb;
Erscheint täglich außer btn Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JInArirte« kon«»,«blatt" durch die Srvedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen Wett, durch die Postämter d«S Deutschen Reiches S Mark 5» Pf«, (exl. Bestellgebühr). - JnfettionSgebühr für die gespaltene Zeile !• Pf«.
Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
K
ung
ben
312
inst rche litt, fltn zen
ZkZ. nat* pro ei« CTtO 833
ifld
i.
Ve>
e in
SafiHBttW.
Der Reichstag hat unterm 11. Dezember v. I. be schloffen, eine Zahl von Petitionen wegen AbSnderung der Gewerbeordnung in Bezug auf die Wanderlager und Waaren- auktioneu dem Reichskanzler mit dem Ersuchen um Anstellung von Erörterungen darüber, ob und in wie weit den behaupteten Mißständen bei Rcvifion der Gewerb ord- nung oder sonst wie im Wege der Gesetzgebung zu begegnen sei, zu überweisen. Der Bu-ideSrath hat die Resolution dem Reichskanzler überwiesen; die Eiö'terungen find durch das Reichskanzleramt eingeleitet. — Beim Reichstage find neuerdings einige interessante Petitionen eingegaogen Der größte Theil derselben bezieht sich auf die Abänderung der Gewerbeordnung bezüglich der Lehrlingsverhältnisse; die Zahl dieser Petitionen hat sich um wettere 61 gesteigert.
Wie der Reichskanzler dem Reichstage mtttheilt, find die erforderlichen Schritte behufs Fettigstellung des Entwurfs einer deutschen Militärstrafprozeßordnung eingeleitet. Die vorläufige Aufstellung des Entwurfs eines Gesetzes, bett, deu Vollzug der Freiheitsstrafen, ist bereits erfolgt. Eine alsbaldige Vorlegung dcflelben kann jedoch noch nicht in Aussicht genommen werden, da die Borberathung noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird.
Die Rote, mit welcher die Pforte die sofortige Au» sührung der Reformen verspricht (vergl. den Artikel London in gestr. Nr.), kann wohl als ein geschickter Schachzuz gegenüber der Jgnatitfi'schen Mission betrachtet werden. Die Wiener Presse schreibt hierüber: „Das Programm der russischen Forderungen hatte sich wesentlich aus jencS Ausmaß reducirt, das den Inhalt der Andrafiy'jchen Rote vom 31. Dezrmber 1875 bildet, nur bezüglich Bulgariens ist eine Erweiterung eingetreien, insofern als für diese Provinz noch insbesondere allgemeine Entwaffnung gefordert «ttd. UeberdieS bileei auch die Ausschließung der TschnKffen aus dem Heeresdienste überhaupt einen Punkt des Programme». Die Pfo.te scheint von dichm neuesten Schritte Rußlands vorzeitig Kenniniß erlangt zu haben, sie ist so in die Lage versetzt geworden, daS Prävenire zu spielen und hat diesen Vorthtil in ihrer Art auSzenützt. In der Reihe der Reformen, die Savfet Pascha in seiner Rote vom 8. März al« „unmittelbar durchzuführende* auszählt, sind alle diejenigen enthalten, die Rußland in sein neue» Programm ausgenommen hat und noch einige darüber. Die Pforte versucht damit Rußland» Aktion und Jgnatirff» Milston gegenstandslos zu machen. Was Eng land anbelangt, so wird es gewiß nicht verfehlen, daraus ausmerksam zu machen, daß r» einer neuerlichen Form» lirung der europäischen Forderungen nicht bedarf, da die Pforte Alles, was man von ihr verlangen könnte, im Vor. hinein freiwillig zugesagt hat.*
Der „K. Zig.* wird aus Berlin telegraphirt: Der Text des von Jgnatirff vorgeschlagenen gemeinsamen ActeS ist noch nicht bekannt. Nachrichten zufolge, die auS ruf' fischen Beweisen zu stammen scheinen und daher noch näherer Feststellung bedürfen, solle die von Jgnatieff vor- geschlagene Declaration keineswegs Zwangsmaßregeln an- drohen, vielmehr diejenigen Punkte enthalten, welche die Psorte auf der Conferenz angenommen hatte und zu welchen sie sich den Mächten gegenüber verpflichten solle. Ist da» richtig, so können sich die Bedenken Englands, wie sie bi« in die letzten Tage vorhergesehen wurden, nur dadurch erklären, daß England die Ablehnung der Pforte als wahrscheinlich ansehe und besorge. Rußland möchte au» der Declaration oder dem Protokoll trotz deS unscheinbaren Inhalts das Recht der Einmischung krast eines europäischen Mandats fclgern.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Dir Eröffnung des Parlaments ist bis Ende der Woche verschoben. Die Einberusung sämmtlicher Flottenreserven ist angeordnet. An den Straßenecken find Plakate angeschlagen, welche die Entfernung Mahmud Damad Paschas und des KriegS- minister» Redif Paschas fordern.
Deutsche, «eich.
h Berlin, 12. März. In parlamentarischen Lorre- spondenzrn wird vielfach gemeldet, daß man die Feststellung des R-ichshaltSetat- bis Ostern ungeachtet des Streben» deS Präsidenten v. Forckenbeck für unmöglich halte. Dieselben Correspondenzen fügen hinzu, daß in diesem Falle die Regierung, wie e» früher wiederholt im preußischen Abgeordnetenhause geschehen, eine außerordentliche Ermächtigung zur einstweiligen Fortführung der Ausgaben erbitten werde. Dagegen ist zu bemerken, daß in maßgebenden Kreisen die Hoffnung auf Erledigung deS Etat» bis Ostern noch nicht ausgegeben ist und boß^uau den lebhaften Wunsch hegt, die auf rechtzeitige Erledigung gerichteten Bestrebungen des Reichstags - Präsidenten gelingen zu sehen. — Der Reichskanzler hat in seiner Rede am Sonnabend bestimmte Absichten der Regierung in Betreff der demnächstigen Behandlung der Steuersragen im Reich angekündigt. Die ost verlangte Steuerreform soll im g-nzen Zusammenhang zum nächsten Winter in Angriff genommen werden. Bi« dahin hat es die Reichsregierung nicht für angemeffen gehalten, ihrerseits mit einem einzelnen Steuerprojekt vorzugehen, und darum sich auf die Matrikularbeitrige beschränkt. Daß die» der versaffungSmäßig normale Weg sei, hat der Kanzler unter Hinweis auf Art. 70 der Verfassung betont Die Position, v-e der Kanzler in dieser Beziehung genommen, beruht unzweifelhaft auf ausdrücklichen Beschlüssen innerhalb der RüchSregierung und gewiß ebenso deS preußischen Staatsministeriums und des Reichskanzleramts. ES
ist deshalb auch ein ganz müßiges Beginnen, die Abwesenheit des Finanzministers Camphausen in der Sonnabendsitzung als ein Zeichen deuten zu wollen, daß er Bedenken getragen, seinerseits für die Stellung der verbündeten Regierungen zu den Fragen des Haushalts einzutreten. Es darf vielmehr versichert werden, daß über die Behandlung des Reichshaushaltes unter allen Betheiligten vollkommenes Einverständniß obgewaltet hat. — DaS Reichs-Justizamt, welche- jetzt noch im Gebäude de« Reichskanzleramt-, zu dem es bis vor Kurzem noch al- Abtheilung gehörte, un» tergebracht ist, soll demnächst den ersten Stock im v. Decker'schen Hause beziehen, die Räume, welche schon seit Jahren sür Zwecke deS auswärtigen Amtes gemieihet waren. Falls der Ankauf dieses GmndstückeS nach Genehmigung be« Reichstags perfekt wird, dürften auch andere Zweige der Reichsverwaltung in den leicht zu erweiternden Gebäuden Raum finden vorbehaltlich der etwaigen Bestimmung über die bisher noch unbebaute Fläche des Grundstücks. Es wurde schon darauf hingewiesen, daß der Beschluß darüber vollständig Vorbehalten ist. — Der Krei» und Stadt Chodziesen wird in Folge allerhöchster Bestimmung den Namen Krei- und Stadt Kolmar führen. Die Krei-ver- iretung und die Stadt hatten diesen Namen wiederholt erbeten al« Anerkennung sür den jetzigen Landrath v. Kolmar, der sich großer Beliebtheit erfreut und den Bezirk auch im Reichstag und Landtag vertritt.
Kol», 10. März. Heute Nachmittag tagte von 3 bi- 61/2 Uhr im Hansasaale eine Anzahl rheinischer und west, fältscher Industriellen, deren Zahl vom Vorsitzenden, Herrn v. Rath LauerSfort, aus etwa 400 geschätzt wurde, zur Besprechung der wirihschaftlichen Rothlage. ES kamen folgende Beschlüffe zu Stande: I. Die seit Jahren andauernde wirth. schaftliche Rothlage in dem neugestalteten Deutschland ruft aus Anlaß de» bevorstehenden NeuabschluffeS der Handelsverträge und Zolltarife die Nothwendigkeit hervor, daß Landwirthfchaft, Gewerbe und Industrie, solidarisch wie sie eS in Wahrheit sind, fernerhin auch thatsächlich vereint vorgehen, ohne die außerhalb dieser wirchschastlichen Interessen bestehenden rein politischen Auffaffungen des Einzelnen irgendwie zu präjudiciren. II. Zur Förderung der allgemeinen wirihschaftlichen Jutereffen bedarf e- a) der Erhaltung und Entwickelung der vaterländischen Production als erste Bedingung für daS allgemeine Wohlergehen, b) Zur Erreichung dieses Zwecke» sind die hauptsächlichen Factoren billige Frachten, wohlabgewogene Handelsverträge und Zolliarife, sowie rationelle Steuer- und Gewerbegesetzgebung — alles bastreud auf den thatsichlich vorhanseneu Bedürfnissen. c) Die Ermittelung dieser vorhandenen Be- dürsnifle ergibt sich durch die Befragung und Mitwirkung von Fachmännern, d) Die Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Bergwerkssteuer, sowie die Besteuerung der Aktien« Gesellschaften involviren, theil» direci, theil» durch die Ein»
Silke, «Risch«.
Eine Dorf-Novelle oon Rudolph Mellnau.
(Fortsetzung.)
eM 103
3*4 y,i. 661 6,71
10Ä SN 97 95
lOÄ 55i 971
103t 13, 63) 981
253 86
108 46
136 98
BTT
Al» NiklaS in die Loge selbst eindringen wollte, sprang der Jnker wie rasend ihm entgegen, und führte einen jo gewaltigen Schwertstreich nach ihm, daß er ihm unfehlbar den Kopf gespalten hätte, wenn der erstere nicht dem Schlage durch einen raschen Seit.nspiung glücklich anSge- wichen wäre. Mit kräftiger Faust entwand er auch dem Junker die Waffe und schleuderte sie zwischen die Kämpfenden, schlug ihn dann mit einem riesigen Faustschlage zu Boden und hieb ihn mehreremale zum Zeichen der Schändung mit der flachen Hand laut klatschend in» Gesicht, daß dem Junker das Blut stromwei» aus Mund und Nase floß.
„Nimm da» für den unverschämten Burschen! Jetzt zu meiner Nixenkönigin! rief vor Wuth seiner Sinne nicht mehr mächtig NikiaS und wandte sich z» dem roch immer in Ohnmacht liegenden Silber Röschen.
Dieser riß er das Diadem vom Haupte und zertrat es, gleichzeitig entkleidete er sie aller ihrer Zeichen und Insignien, die au ihre Königswürde erinnerten, spie mehrmals vor ihr au- und überließ sie ihrem bewußtlosen Zustand. «l« et jetzt auf den Junker blickte, schien et etwas zu sich selbst zu kommen, er empfand einen geheimen Schauder und eiskalt lief es ihm Über den Röcken. Der »nglück.iche Junker schwamm in einer Blutlache, leichen hast war sein Gesicht und anscheinend leblos lag tr da. Der Gedanke eines Morde» stand mit allen Schrecken vor Sükla» Seele. (Er ergriff die Hand de» Junker», sie war eiskalt und schien gänzlich erstarrt zu sein.
„Er ist toktl Allmächtiger Golt, was habe ich gethrn!" schrie N klaS mit wilder verzweifelter Stimme unter die im äußern Raume Kämpfenden, Laßt ab, hört auf, einen Mörder zu vertheidigen, Kameraden, es ist genug! Er ist todt! Ich h be einen Mord begangen!*
Mit liefen Worten eilte NiklaS mit raschen hastigen Schritten au» der Königsloge, drängte sich durch die dichten Haufen im Tanzzelte hindurch und erreichte glücklich den Au-gang.
Aus dem Festplatze herrschte ein ungeheures Getümmel Die Landleute aus allen drei Dörfern war n herbeigeeilt, bekümmert um das Schicksal der Ihrigen, und Jammern und Wehklagen der Frauen und ML'chen erscholl auf der Stätte, wo kurz vorher noch der lauteste Jubel, die hellste Freude geherrscht.
„Bringt die Streitenden auseinander und versöhnt sie Über der Leiche be» Junker» von Seeburg!* tief Nikla» Allen zu. „Ich habe den Junker erschlagen, lebet wohl!*
Hastig eilte er vorwärts, dem Ufer der Saale zu, wo er in Nacht und Finstern iß verschwand.
Neues Entsetzen hatten die Worte Nikla»' unter die Versammelten gebracht. Nikla» den'Junker erschlagen, den Verwandten de» Bischof»! Heiliger Gott, «a» sollte da» geben! Man that es den Kämpfenden im Tanzzelt kund; aber es half nicht», die Parteien waren bereit» viel zu sehr erbittert, al» daß sie auf gütliche Worte gehört hätten. Uebrigen» hätte e» nicht lange mehr gewährt und sämmt- liche Ritter wären tobt auf bem Platze geblieben, ba die Bauern die Ritter niederschlugen, die mit ihren Schwertern in dem dichten Drange be» engen Raumes s^st gar nichts auSzulichten vermochten unb ihren Gegnern eigentlich ziemlich wehrlos gegenüber stanbcn. Da erscholl plötzlich bet laute Ruf te» Schulzen von Trotha:
„Im Namen unseres hochwürdigsten Bischof» halttt ein, e» soll Euch Recht werden!*
Dennoch aber bauerte e» ziemlich lange, ehe sich bie wüthenben Bauern soweit beruhigen ließen, baß sie ben Kampf einstellten. Aber jttzi sah man erst, wa» man au- gerichtet. Dreizehn Ritter schwammen tobt in ihrem Blute am Boden, von den Landleuten dagegen nur drei. Die größere Anzahl war verwundet, iudeß bei deu Rittern nur »enige verwundet waren.
Da» erste, wa» der Bischof that, war, daß er in die KönigSloge eilte und einen Ruf de» Schrecken- au-stieß, al- er ben Junker vom Blute überschwemmt unb entstellt, leblos vor sich liegen sah. Der mitgekommene Arzt jeboch erklärte, baß der Junker noch lebe, aber schnelle Hülse fei vor Allem nölhig.
Man brachte jetzt ohne weitere Zögerung ben Krö« nungSwagen herbei, auf welchen man ben Junker unb auch Silber-Röschen unb be de, da ben Weg nach dem Schlöffe Giebichenstein der Arzt für zu weit und bedenklich erklärte, im langsamen Schr.ilte nach der Silber-Mühls, führte.
Nachdem dann auch die übrigen Verwundeten untergebracht waren, ließ sich der Bischof ben ganzen Hergang der schrecklichen Begebenheit erzählen und bebouerte nur, baß er nicht gleich zugegen gewesen, wodurch sich der ganze höchst bedauerliche Vorfall gewiß in Güte hätte beUegen lassen.
Der Bischof, der stch mit mehreren Freunden gegen Abend nach dem Schlosse Giebichenstein begeben, hatte von dec ganzen Angelegenheit erst erfahren, a4 man vorn Festplatz: au« einen Boten nach dem Schlöffe geschickt und um Verstärkung gib den hatte. Er hatte überhaupt von einem Zerwürfniß zwischen dem Junker unb Nikla», dem Festkönig, bi» jetzt nicht die leiseste Ahnung gehabt und