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Jltarßurg, Dienstag, 13. März 1877.

xil La-rgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattet, sowie die Snnoncen-Bnreaur eon Tb. Dietrich & 60. in jkaffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M-;

aasenstein & Bögler in »rankfnrt a- M, Berlin, Sei»« dg, töln rc; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc-

ObcrhcWe Zrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattet sowie dre Snnoncen-Bureaux von ®. L- Daube & So. in

a. M.^Iäavc'sche lnkfurt a. , „____L. Sete«

meyer in Berlin; Carl Schaß» let in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen na» Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „3ln«tiirtet Con*tegt»Iatt“ durch dieKpeditton («och'fche Buchdruckerei) bezogen Sß Warf, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgeba-r für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.

Ler-esKtricht.

©er Justizausschuß de» BundeSratheS beantragt, wie die „N. 8. C." vernimmt, in Bezug auf den Streit zwischen Preußen und Sachsen wegen der Berlin»DrcSdener Bahn, die streitenden Parteien aufzufordern, durch kommis« sarische Verhandlungen eine Verstindigung unter einander zu suchen. ____________

Rach einer Mittheilung de» Reichskanzlers an den Reichstag find neuerdings die nachb zeichneten Länder und Kolonien in den Weltpostverein ausgenommen: 1. Britische Kolonien: Ceylon, StraltS, Settlements (Singapore, Pe- nang, Malaceo), Labuan, Honkong, Trinidad, Britische Guyana, die BermudaS-Jnseln, Jamaica und Mauritius nebst Zubehör (Siy hellen, Amiranten, die Insel Rodri­guez u. s w ); 2. sämmiltche niederländische Kolonien; 3. da- sapantsche Reich; 4. sämmtliche ponugiefische Kolo nien; 5. da« Kaiserreich Brastlim; 6. die spanischen Ko» Ionien, namentlich: Fernando-Po, Anobom, CoriSco, Cuba, Portorico und Philippinen Die einheitliche Postlaxe für dm Verkehr mit den genannten Ländern beträgt somit: 40 Pfennige für fraukirte Briefe, 20 Pfennige für Post karten, 10 Pfennige für Drucksachen, Waarenproben und Geschäftspapiere. Dieselbe kommt in Anwendung^ vom 1. April für die unter 1 genannten Gebiete, vom 1. Mat für die unter 2 genannten Gebiete, vom 1. Juni für Japan, vom 1. Juli für die unter 4 genannten Gebiete. Was Brasilien und die spanischen Kolonien betrifft, so wird eine endgültige Festsetzung des Zeitpunktes, von wel chem ab die VereinStoxe für diese Gebiete angewendet werden soll, in nächster Zeit stattfinden. Für da« Ber- einSgebiet ergiebt fich durch den Beitritt der obigen Länder bezw. Kolonien ein Zuwachs von ungefähr 85 Millionen Einwohner, so daß da« Gesammtgebiet de« allgemeinen Postverein« nunmehr nahezu 710 Millionen Einwohner umfaßt. Auf den Briefverkehr Deutschlane« mit Canada werden vom 1 April ab dieselben BeceinSportosätze An Wendung finden, wie für den Verkehr mit den Beretnigten Staaten von Amerika, nämlich 20 Pfennige für frantlrte Briefe, 10 Pfennige für Postkarten, 5 Pfennige für Druck­sachen, Waarenproben und GeschästSpapilre.

Die Fraktion der Deutschen Conservarivm hat fich nunmehr constitnirt und zum Ehrenprästrenten den Feld­marschall Grafen Moltke, zum Borfitzenden den Abgeord­neten v. Seid-«itz, zu besten Stellvertreter die Abgg. v. Helldorff und Ackermann und zum Schriftführer den Abg. Grafen v. Kleist Schmenzin gewählt.

Perfien verlangt dem Welipostvertrag beizutreten.

Die Urtheile über die Jgnaiikff'sche Mission wider­sprechen sich noch sehr. Nach dem Pariser „TernpS" würde der Reisezweck deS Generals Jgnatieff sich darauf beschränken die Unterzeichnung eine« Protokolls herbeizuführen, in welchem alle durch die Konferenz von der Türkei geforder­ten Reformen aufgezählt würden nnd das nichts weiter enthalten würde, als eine bestätigende Wiederholung der von den Konferenzbevollmächttgten ausgesprochenen Wünsche. Daflelbe würde keinerlei Drohung gegen die Türkei ent­halten, und von einer Aushebung des Vertrages von 1856 würde in keiner Beziehung die Rede fein.

Der „Pol. Corr." schreibt mutt aus Petersburg: Zur Deckung der Bedürfnifle der bereits im Felde stehenden Armeen, welche circa 700,000 Rubel täglich abforbiren und der aufzustellenden neuen Armeekorps wird eine neue innere Anleihe von 200 Millionen Rubel Papier in Aus­sicht gmomm.n. Dieselbe büdte in zwei Terminen zu je 100 Millonen Rubel auf den Ma ki gebracht werden und ebenfalls wie die letzefinanziite die Form von 5perzentigen Bankbilleten haben. Der SubfcriptionSpreiS wird 90 Perzent betragen und werden bereits die nithigen Anord­nungen getroffen, um die Finanzirung des ersten Theile« Der neuen Anleihe in der allernächsten Zeit zu ermöglichen.

AuS Konstantinopel wird gemeldet: Dienstag wird das Parlament eröffnet; kS wird iss demselben alsbald an die Regierung eine Interpellation gestellt werden über die Schritte, welche sie zu thun gedenke, um dm erdrückenden bewaffneten Frieden auihörm zu lasten. Pester Blätter haben verläßliche Nrchdchten erhalten, wonach die Reife JgnatieffS den Frieden bringen werde; nmerlich fei von ter bereits rebudrten Forderung Rußland« auch die Heber» wachungSkommifston weggelastm.

DentfcheS Keich.

Berlin, 10. März. Unter ben vom BundeSrathe gefaßten Entschließungen bezüglich der in voriger Session vom Reichstage gefaßt n Befchlüste wird mitgeiheilt, daß die erforderlichen Schritte behufs Fertigstellung des Ent­wurfes einer deutschen Militär-Strafprozeß Ordnung ein# geleitet sind; ferner, daß die Ausstellung eines Gefctzent- wmseS über den Vollzug der Freiheitsstrafen bereits er­folgt ist, die Vorlegung inbcffen noch nicht in Aussicht sieht, da die Vorbrrathung noch längere Zett in Anspruch nimmt. Sodann, daß der Abschluß der tm Reichskanzler» Amt eingeleiteten Vorarbeiten über den Betrieb de« Apo- thekergeweibeS bevorst ht. Bezüglich deS Antrages auf neue Untersuchung übet die Eisenbahntariffrage wird eingehend auf die bekanntm Konferenzen hinzewiesen und mitgetheilt, daß der BundeSrath, gestützt auf diese Resultate, Folgende« beschiosten habe: 1. Vom Standpunkte des Reichs ist gegen

die Einführung deS au« ben Beratungen von Verwal­tungen deutscher Staats- und Privatbahnen hervorgegangenen Tatifschemas im Allgemeinen mit der Maßgabe nicht« zu erinnern, daß die Zahl bet Spezialtarife drei nicht über# chreiten darf und die Feststellung der Maximaltarifsätze durch die Landesregierungen Vorbehalten bleibt. 2. Zu­gleich wird die Erwartung ausgesprochen: a) daß übet die Zahl der Spezialtarife und über die Einreichung der Fracht- gegenstände in diese Tarife eine Einigung erzielt wird; b) daß bei Feststellung der den einzelnen Eisenbahnen nach Maßgabe ihrer besonderen Verhältnisse unter Vorbehalt periodischer Revision vorzuschreibenden Maximalsätze für die verschiedenen Tarifklasten und bei Einreichung der Fracht- gegenstände in dieselben nach Maßgabe deS Art. 45 der Verfassung und der bisherigen Beschlüste deS BundeSrath« eine Mehrbelastung des Verkehrs thunlichst vermieden, viel­mehr auf die möglichste Erleichterung desselben und nament­lich auf die Beseitigung der durch BundeSrathSbeschluß vom 11. Juni 1874 zugelastenm provisorischen Frachtzu- schläge, soweit die Betrieb»- und Finanzverhältnifle der betreffenden Bahn eö gestatten, Bedacht genommen wird; c) daß vorbehaltlich koazesstonsmäßiger Rechte die Ein­führung von Ausnahmetarifen, sowie von Differentialta­rifen von bet Genehmigung bet Aufsichtsbehörde abhängig gemacht wird; 3. der Reichskanzler wird ersucht, zum 1. Oktober 1877 feststellen zu lasten, in welchem Umfange das System zur Einführung gekommen ist, und von dem Resultate der Bundesregierung Kenntniß zu geben. 4. End­lich sollen die beteiligten Regierungen bis zum 1. Januar 1880 über das von ihnen durchgeführte Tarifsystcm an ben Reichskanzler berichten, und namentlich darüber, ob als Grundlage eines einheitlichen Systems eine allgemeine offene Wagenladungsklaste einzuführen fei. Die Ausfüh­rung dieses BeschlusteS ist von den Landesregierungen alS- bald in die Hand genommen worden.

Darmstadt, 9. März. In der gestrigen Sitzung bet Stadtverorbneten wurde die Anforderung von etwa 700,000 Mk. für ben Bau einer Reiterkaferne, wogegen das Reich etwa 14000 Mk. JahreSmiethe entrichten soll, mit allen gegen eine Stimme zurückgewiesen.

Butzdach, 7. März. Der hiesige Krieger-Verein hat in seiner letzten Sitzung beschiosten, eine Statuten Amberung eintreten zu lasten, dahin gehend, daß in Zukunst ein ehe» maliger Soldat, welcher ein Anhänger der focialdernokra- tischen Partei ist, nicht in dm Verein aufgenommen werden kann, ferner sollen die Socialdemokraten, welche dem Ver­ein angehören, aus demselben entfernt werden.

Karlsruhe, 9. März. Ja einem von Mitgliedern beider Kammern und Bürgermeistern der bebeutenberen Städte unterzeichneten Ausrufe, ben die „Karlsruher Zig." veröffentlicht, werden die Bewohner Baben« zu Beiträgen

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Silbe, »Kirche».

•ine Dors-Novelle von Rudolph Mellnau.

(Fortsetzung)

Die Beine der jungen Mävchm waren nicht zu er­müden, da« sah man hier; denn e« war zum Erdrücken voll und die Tanzluft schien noch lange nicht ihr Ende erreichen zu wollen.

N-klas' Augen flogen wie bltz nve Pfcile im großen Raume umher, als suchten sie etwas. Der Ausdruck seines eben noch heiteren Gesichts schien sich schon wieder ver­düstern zu wollm, da er jedenfalls nicht sand, was feine Augen fo eifrig suchten. Plötzlich aber zuckte und flammte es in seinem Antlitz und fein blitzender Blick hastete fest auf der Stelle int Saale, wo sich Vie KönigSloge befand, die extra für die Nixmkö igln und den König des Festes bestimmt und eingerichtet war.

In dieser Loge nun faßen die jedenfalls von Niklas Gefuchtm, Junker Bodo von Seeburg und die N x nkö- nigin. Der Ritter hatte feinen Arm um des schönen Mädchen« Leib gelegt, währmb seine rechte Hand auf Röschen« Echooße mit beten Lilienfi a gern spielte. Beide schienen in vertrauliche Zärtlichkeiten verliest und bet Junker mußte dem Mädchen ganz besondere Dinge sagen, da die« öfter über nnd Über enölhete und die Augen verschämt zu Bobm fentte ober aber auch öfter« laut und schelmisch auflachte und dem schönen Ritter bann lange innig und zärtlich in die biitzmden Augen sah.

Rikla« preßte die Hand fest auf« Herz bei diesem An- blicke, fein GestchiSauSdruck nahm wieder jme düstere Un Heimlichkeit an und ft ine Augen leuchteten von gr-llem F uer Er fchim noch einmal einen letztm Kampf zu kämpfen, aber die Zaubergewalt bet verführerischen Nixe

trug auch in diesem letzten Kampfe Den Sieg davon und der unglückliche Jüngling blieb ihrem Banne verfallen.

Al« Nikla« feine Erregung abgeschüttelt, flog ein neues Lächeln über feine bleichen Wangen und et raunte feinen Kameraden zu:

„Es gilt! Gebt Acht!"

Diese z-rstreutn sich nach allm Seiten; einige gingen hinaus, einige tanzten und andere trieben Kurzweil mit Den Mädchen. NckiaS selbst ging zu den Musikern und bestellte einen Walzer, wenn das Stücklein, das eben auf» g fpi.lt wurde, zu Ende wat.

Hierauf begab et sich in die KönigSloge, begrüßte baS Paar auf das freundlichste und forderte, ohne den Junker weiter zu beachten, Silber - Röschen zum näLst.n Tanze auf. Diese schlug die Augen nieder uno gab keine Ant irort. In Nikla« längst erregtem Innern begann es zu sieden und zu kochen; aber er bezwang sich und fragte von neuem tm ruhigsten Tone:

„Run, antwortet die Festkönigin dem Festkönig nicht?"

Röschen blickte auf und sah auf den Jucker, beffen funtelnbe Au ,en blitzend auf NcklaS gerichtet waren, ohne daß er von diesem auch nur eine« Blickes gewürdigt wurde.

„Wenn meine Bitten nichts nützen," begann Neklaö von neuem, „so muß ich von meinem Rechte als Festkönig Gebrauch machen. Ich verlange mit der Fettkönigin ben nächsten Tanz zu tanzen! Erhebe Dich, Röschen, unb gib mir Deinen Arm!" ---

Rischen machte in der That Miene, der energisch auS gesprochenen Forderung des Festkö igS nachzukommen, als der Imker rasch ihre Hand ergriff unb st« zum Sitzen bldben bewog.

Nicht von der Stelle, Röschen, wenn e« nicht Dein freier Wtlle ist, mit diesem ziemlich unverschämten Burschen zu tarnen!" sagte er mit leidenschaftlicher Stimme.

„Den unverschämten Burschen gebe ich Dir nachher schon zurück," entgegnete Niklas mit flammenden Augen und zorngervthetem G.stcht; „laß mich nur erst mit dieser fertig werden. Entscheide Dich schnell, schöne Ntxer.königin, willst Du mit mir tanzen oder nicht?" wandte fich Nikla« noch einmal an dies?.

„Nein!" sagte Röschen, zwar mit zitternder aber doch lauter unb deutlicher Stimme und sah wieder zu Boden.

Eben wollte die Mustk den neuen Tanz beginnen, aber Nikla« erhob seinen Arm und winkte mit der Hand Schwei­gen. Den Regeln des Feste« zu Folge mußte die Musik Dem Festkönig Gehorsam leisten, roa« sie denn auch jetzt that, indem sie schwieg.

Im Augenblick halte sich eine Anzahl junger Burschen in« Ohr geflüstert, worauf diese schnell das Zelt verließen. Wie ein Lauffeuer Verb rettete sich auf dem ganzen Fest- platze die Nachricht, die Festkönigin habe dem Festkönig oen Tanz verweigert, roa« natürlich der größte Schimpf, Die ärgste Beleidigung war, die einem Festkönige onzethan werden konnte.

Alles drängte daher in der größten Entrüstung nach Dem Tanzz Ite und lies war in wenigen Minuten so ge­füllt, daß kein 9frei zur Erde konnte. Freilich brangen auch de« Junkers Freunde unb Getroffen mit hinein und e« standen sich sehr bald zwei Parteien im Tanzzelt gegenüber.

Ai« der Festherold die Ruhe hergestellt hatte, trat Nikla« auf eine Erhöhung und begann mit lauter Stimme:

„Kameraden und Festgenoflen, die Nipenkönigin hat dem Festkönig den Tanz verweigert; wa« gebührt ihr nach bat Regeln und Gesetzen de« Feste« dafür?"

„Entthronung!" erscholl c« laut von allen Seiten.

„Außerdem hat ein Fremder, ben wir al« Gast bei dem Feste geduldet unb dem ich die N zeukö igln al« Tän»