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XII. Iichrgasg.

JRarßlirg, Sonntag, 11. März 1877.

OdecheWe Jfitim«

Blf rle bet o» ler des

Snaeigen nimmt entgegen: die tettbitton d. Blatt ei sowie bte Armoncen-Bureaux von 8. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäaer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä- Stete« ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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P-littschc Wochen. Ukßerstchl.

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Seit Sonnabend weilte bis zum Mittwoch der russische votjchaster für Konstantinopel, General Jgnatkff, in Berlin, litte mit dem Reichskanzler wiederholte Unterhaltungen mb sprach auch die dort anwesenden Botschafter anderer tzroßmichte. Derselbe ist nach Paris weiter gereist. Der lichste Za-tck seiner Reise soll RathScrholung bei Berliner ,nd Pariser Augenärzten gewesen sein — indeß wird wohl ton Niemandem daran gezweifelt, daß der General zugleich nid wohl hauptsächlich in diplomatischer Sendung reist. Kürst Bismarck hat am Sonnabend seine parlamentarischen jlbendgesellschaften wieder eröffnet und soll dort seine Neber- pigung ausgedrückt haben, daß andere europäische Mächte ch von jeder acticen Einmischung in den gegenwärtigen «ssisch türkischen Streit fern halten werden. Die erste kession des preußischen Landtages ist am Sonnabend Rach« gütig durch den Vice Prästrenten des Staatsministeriums, kamphauseu, im Auftrage des KdnigS geschloffen worden. )er deutsche Reichstag Hst, nachdem er am Sonnabend

ie erste Lesung des Patent Gesetzentwurfs erledigt und die lfltR iorberathung durch eine Kommission beschloffen hatte, leider liegen Mangels an vorbereitetem Arbeitsstoff feine Plcnar. itzungen bis zum Donnerstag aussetzen wüsten. Inzwischen st die Budget Vorlage vollständig eingelangt, daneben ein _ Gesetzentwurf wegen umfassender KaseruirungSbauten sür to» 108 deutsche Heer mit einer Kreditsordrrung von 163 Mill. ! Mark. Auch aus dem Schooße der Fraktionen sind be­reits mehrere Anträge, z B. von Seiten der Konservativen ar Reform der ReichS-Gewerbeorrnung, eingebracht.

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Das wieder ernannte Ministerium Tisza hatte gleich

>ei feinem ersten Auftreten im ungarischen Abgeordneten laufe heftige Angriffe von Seiten der sogenannten .Un­abhängigen" und dec äußersten Linken zu bestehen. Im isterreichischen Reichürath ist eS noch zu keiner Debatte über den Ausgleich gekommen. Das Abgeordnetenhaus trlebigte den von der Regierung vor gelegten Gesetzentwurf über die mit der Südbahn abgeschlostenen Verträge.

Die Räthe der schweizerischen Bundesversammlung iud am Montag (5. März) zur Fortsetzung ihrer gesetz.

Iberischen Arbeiten wieder tn Bern zusammengetretcn.

Die italienische Zweite Kammer hat sich über das »genannte UnverelnbaikeitSgrsetz, welches eine Anzahl von Beamten von der parlamentarischen Wählbarkeit ausschließt

inb welches schließlich am 3 d. mit großer Stimmenmehr eit angenommen wurde, ganz unnöthiger Weife erhitzt, übern eine Bestimmung desselben sogar zu einem Vcr« wuenSvolum für daS Mini etium aufgebaufcht wurde.

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Während die monarchistischen Parteien im stanzö- ischen Senate sich zu einer Koalition zusammmgethan eben, um ihre Candidaten gegen die republikanischen durch- psktzen und dieses Bündniß am Sonnabend durch die Wahl ton Dupuy de Lome an Changarnier'S Stelle eine neue

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Silber-MSche«.

fine Dorf-Novelle von Rudolph Wellnau.

(Fortsetzung.)

Ich will, ich muß sie selbst sprechen," begann er

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• hierauf im lauten Selbstgespräche, „es ist das letzte Mittel, »oe ich ergreife, das letzte Mittel der Gü:e und — wehe ihr, wehe ihm, wmn eS nicht fruttetl*

- , Raschen Schrittes eilte er dahin und bahnte sich einen KB Weg durch d-e dichten Volksmasten. Da stieß er plötzlich io» tof den lahmen Gottlieb, welchen er schnell bei Seite zog SU tob ihm in'S Ohr raunte:

,Gottlieb, willst mir einen Gefallen thun?

Warum nicht; aber was hast vor, waö willst thun?

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Gern," sagte dieser; „zwei für einen; was willst?" Willst mir unter der Hand und ohne Aussehen zu

kin Stück auf Dich, kannst mir schon etwas vertrauen, che Du Dich unbesonnen in Gefahr begibst. Denn daß Du etwa» ganz Apartes auf dem Korn hast, kannst mir Ächt verfchwcigen; da- sagt mir Dein G.firtl"

„Na sollt'- erfahren, Gottlieb, komm!" sagte Niklas tob zog bett Alten mit sich fort in den Felsenbruch unter d« zwölf Linden am Trothaer Kirchhof, wo sie sich eben a ^sanden.

J „Siehst, Gottlieb," begann NiklaS im flüsternden Stone; »tn kennst meine Geschichte mit dem Silber Röschen." — । „Aha, ich merke jetzt schon, wo Du hinaus willst!" Äperbrach lebhaft Gottlieb.

*551 „Wtllfl mir unter ver Hand und oyne AUtfeyen zi 97s «regen, sämmtliche Burschen nach dem Tanzzelt schicken?" 103t fragte NiklaS.

„Warum nicht; aber was hast vor, waö willst thun?" M forschte Gottlieb. Weißt, ich bin Dir zugethan und halt 11m J1 ___£ IX IammR ***{«■ (Xam —4 — .____4___- —_

Weihe erhalten soll, läßt der Graf Ehambord von Görz auS eine Art Manifest in den legitimistischen und ultra- montanen Blättern veröffentlichen, in welchem er die Bo« napartisten als Abenteurer behandelt, von Lug und Trug der Gegner, vom Pgitimen König spricht und daS Land auffordert, seinem Erretter aus Noch und Elend, seinem angestammten König, der in Person erscheinen werde, die Pfade zu bereiten. „Union", „Gazette" und „UniverS" hatten schon seit Wochen von dieser Kundgebung geredet und zu beweisen gesucht, daß Frankreichs Wohlstand im Innern und seine Ehre im Auslande nur durch die Wie deraufrichtung deS Thrones der Bourbonen herzustellen und zur Zeit das Land kopflos sei. Das Manifest wendet sich direkt an Geistlichkeit und Armee. Um diese drehen sich überhaupt gegenwärtig die Umtriebe und der Streit der Parteien. Wie eS heißt, werden die Kammern sich vom 25 März bis zum 1. Mai einmal wieder vertagen.

Die Aufhebung der Sonderrechte in den spanischen Nordprovinzen hat auf keinen erheblichen Widerstand mehr zu rechnen. Der Karlistenhäuptling Mendiri ergab sich am 5 d. MtS. dem Marschall Quesada und jeden Tag unterwerfen sich andere kirlistische Offiziere.

Im englischen Unterhause hat Wyndham mit seinem Anträge, daß England seinen Rücktritt von der Pariser SeecechtS Deklaration erkläre, kein Glück gehabt. Bezeich« nenb für die Haltung des britischen CabinelS mag dir Nachricht sein, daß daS englische Mittelmeergeschwader vom PiräeuS nach Malta zurückbcordert ist; über eine Herab­setzung deS StärkeverhäitniffeS desselben verlautet bis jetzt noch nichts; auch die bisherigen Meldungen, daß Derby sich bemühe, für die Türkei eine bestimmte Frist zur Aus fühiung der beabsichtigten Reformen zu erlangen, haben eine Bestätigung noch nicht erhalten. Der mit einer be­sonderen Sendung beauftragte türkische Agent Wahan Ef feudi ist in London angckommen und von Lord Derby empfangen worden.

Im dänischen Reichstag ist das LandSthing nun­mehr in der Sage, das Budget nach dem von feinem Aus­schüsse erstatteten Bericht in Berathung zu nehmen; nur drei Stimmen haben sich für die Annahme der vom Fol- keihing der Vorlage gegebenen Faffung ausgesprochen. Auch daS Militär strafgesetz ist aus dem Folkething bereits an'S LandSthing abgegeben worden.

Rußland rüstet feine im Süden zusammengezogene Armee nicht nur nicht ab, sondern hat neuerdings wieder einen Schritt weiter gethan. Unterm 3. d. hat der Kaiser besohlen, die in den Militärbezirken Petersburg, Wilna, Moskau und Warschau vcrtheilten Divisionen zu neun Armeekorps zu formiren, wovon eines ein Grenadierkorps fein soll. Der Kriegsminister läßt zwar durch sein Organ, den „Invaliden," erkiären, das gehöre zur Ausführung der schon seit vier Jahren geplanten Umgestaltung des russischen Heerwesens; damit ist aber box- wohl nur gesagt, daß b»e!

„Na siehst," fuhr NiklaS fort; ich hab wegen ihr mit dem Silber Müller gerebt, und mit dem Pfarrer auch, und es hat mir nichts geholfen. Ich wollte nun das letzte thun, und mit dem Mädchen selber reden, wenn das dann auch nichts nützt,--"

„Dann wirst in die Saale springen und Dich «säusen — hahaha!" lachte Gottlieb dazu aus vollem Halse. „Was Ihr doch für närtt schon Burschen seid, eines Mäd­chen» wegen, daß es nicht einmal werth ist, Euch'S Leben zu nehmen! Na, meinetwegen, immer zu, aber was soll ich dabei thun?

„Läßt mich ja nicht auSreden, Gottlieb höre doch erst," mahnte Niklas. „Aufzeben kann ich nun einmal daS Röschen nicht, eS ist meine Liebe von Jugend auf und die ist fo eins mit meinem Herzblut geworden, daß sie erst mit meinem Leben selbst aufhört l Wenn mein Reden mit ihr auch zu nichts führt, fo entreiße ich sie ihrem Verführer mit Gewalt und dazu brauche ich die Hülfe der fämmtl'chen Burschen."

„Höre NiklaS," entgegnete Gott! eb mit tiefem Ernst und nachdenklich gerunzelter Stirne, „Du bist auf dem Wege einen reit dummen und leichtsinnigen Streich zu begehen, der Dich schwer zu stehen kommen kann, weißt Du daS. Höre die Warnung eines alten Mannes und — laß es bleiben! Du bist ein guter braver Bursch und — eben deshalb ist das Mädchen nicht werth, Dich zum Manne zu bekommen. Du kannst sie nicht aufgeben, und glaube mir, sie hat Dich schon längst aufgegeben. Du willst mit ihr reden, na stehst, das wird Dich grab fo viel nützen, als Dein Reden mit dem Vater und dem Pfarrer! Du willst sie ihrem Verführer mit Gewalt en treten! hast denn auch schon daran gedacht, wer ihr Verführer ist? E«

neun Armeekorps nicht sofort in'S Feld rücken, sondern zunächst nur formirt werden sollen. Die Südarmee wird noch bedeutende Artillerie Verstärkung und Zuzug der Dou- unb Ural Kosaken erhalten. Die russische Regierung be­harrt, wie daS Preßorgan ihres auswärtigen Amte«, da« „Journal be St. PeterSbourg" erklärt, dabei, daß da« Loos der christlichen Untertanen der Pforte gebessert wer den müffe und die bisherige unentschiedene Lage der Dinge nicht länger dauern dürfe, als unumgänglich nöthig sei. Großfürst Nikolaus Vater ist angeblich so weit hergestellt, daß er ohne Beschwerde zu Pferde steigen und seinen Ober befehlshiberpflichten nachkommen kann.

Am 1. d. ist der Friedensschluß zwischen Serbien und der Pforte zu Stande gekommen und im belgrader Regierungs-Anzeiger bereits dem serbischen Volke mitgetheilt worden. Fürst Milan hat darauf telegraphisch die verab­redete Note an den Großvezir gerichtet, ob zwar in weni­ger ehrerbietigen Ausdrücken, als man erwartet hatte, und Pertcw Effendi soll nun den neuen Ferman nach Belgrad überbringen. Inzwischen sind auch die montenegrinischen FricdenSvermittler in Stambul eingetroffen und haben am 5. d. Mts. bte erste Unterredung mit dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten gehabt. Ihre in vier Punkte zusammengeiaßten Forderungen gehen weit, indem sie Mon­tenegros Gränze nach allen Seiten hin, besonders am Skut niste, ausgedehnt wiffen wollen und u. A. auch de c Seehafen von Spizza begehren, ein Verlangen, dem die auf ihre Stellung am Avriatifchen Meere eifersüchtigen Italiener eben fo wenig wie die Oesterreicher zustimmen werden. Fürst Nikita hat eine Verlängerung des laufenden Waffer stillstandeS bis zum 21. d. Mts. bewilligt.

SentftH Reich.

Berlin 9. März. Die Feier deS Geburtstage- de- KaifeiS in den Volksschulen, welche alljährlich stattzufinden pflegt, wird sich an dem bevorstehenden 80. Geburtstage voraussichtlich besonders festlich gestalten. Der CultuS« Minister hat die näheren Anordnungen in dieser Beziehung den Provinzialbehörden überioffen und dabei bemerkt, e- laffe sich erwarten, daß Magistrate, Vereine, Schulfreunde' u. f. w. Geldmittel zu Erinnerungsgaben für Schüler und Schülerinnen zur Verfügung stellen werden. Sofern solche in Büchern beständen, sei darauf aufmerksam zu machen, daß kerne Werke gewählt werden dürfen, deren Jnhatt in confesstaneller Beziehung einen Anstoß geben könnte. Arn zweckmäßigsten würden Lebensbilder Seiner Majestät zu wählen fein, und unter diesen verdienten diejenigen den Vorzug, welche das Leben durch schlichte Zusammenstellung von Urkunden und Thatsachen in genügender Vollständig­keit und geordneter Folge dem Leser vorführen. Der Mi­nister bezeichnet als neuere Darstellung dieser Art insbe­sondere Kaiser Wilhelms Gedenkbuch von Ludwig Hahn.

wird ein Unglück geben für Dich und unser ganzes Dorf aber was Du erreichen willst, erreichst dadurch nimmer. Thu' mir die Liebe an und hör auf wich, laß die lose kütfinnige Dirn' laufen, sie verdient keinen so recht­schaffenen Burschen wie Du! So schön st« von außen ist, so häßlich ist ste von innen, uub daß Ihr nimmer ein Paar würdet, das ha'b ich schon damals angedeutet, beim Brauipaarsuchen. Laß sie laufen und such Dir eine andere, ein Burfch weDu findet deren zehn für eine, wenn auch nicht gor fo schön, so doch bester und rechtschaffener al« die garstige Nixe von Trotha! Wenn Du aber nicht ander« kannst und willst fie mit Gewalt haben, nun fo Watte nur noch eine kurze Zeit und — die Dirne ist um einen Spottpreis feil, den aber bet Schweinehirte von Trotha nicht für ste zahlen wird!"

„Du fprichst schreckliche Worte, Gottlieb," sagte düster und sich schüttelnd NiklaS; „Gott verzeih Dir Deine harte Rede! Aber was Du auch reden magst, ich kann nicht von ihr lasten, magS kosten, was es will, ich kann nicht anders! Willst mir den Gefallin thun?

„Ich wußt' eS ja," brummte ärgerlich der Alte und rückte sein Käppchen auf dem Kopfe hin und her; „daß ich mit meim n Worten auch nichts auSrichten würde Lei Närrifchen und Verliebten ist eben keine Vernunft ange« thaul Na, so fahre hin. armer Bursch, Du bist einmal der Zaubergewalt der bösen Nixe verfallen und sie zieht Dich mit hinab in die feuchte schaurige Tiefe de» Master«! Gebe Gott, daß eS Dir wenigstens wie jenem jungen Schäfer ergehen möge und Du den brausenden Finthen noch bei Zetten entrinnest! Aber hinunter mußt Du in das wogende Westergrab, da hilft Dir jetzt kein Gott mehr havon! Den Gefallen chue ich Dir gern. Lebe wohl,