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Marburg, Sonnabend, 10. März 1877.

xii. Zahrraig.

(!)bfrl)rllild|f Zeitung

Anzcrgen nimmt entgegen: dte Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux »on LH. Dietrich & So. in gaffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a. M; B* lein & Bögler in rta-M, Berlm,Leiv. In ic; Rudolf Moffe .«"Berlin, Frankfurt a. M. re-

Erscheint tLglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der «»chentlichen Vellagedurch dieAspeditt°n («och'sche Buckdruckerei) bezogen 8i Warf, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 3 Wert 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). - IuserttonSgebühr für die gespaltene geile 10 Pf«. Buchdruaeret) »ejogen v, Z^^dition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 35 Pf«, berechnet.

von ® L Daube L Sv. in Frankfurt a. M-: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Juvalidendank, Ä- Stete* ♦ meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Lch-oSPortchL

Drr Reichskanzler hat dem BundeSrath den Entwurs eines Gesetzes für Elsaß-Lothriugeu betr. die Errichtung von Apotheken zur Veschlußnahme votgelegt.

Die Angelegenheit der Berltn-DreSicner Bahn ist im vundeSrathe noch nicht so weit gediehen, wie eS neuerliche Meldungen erscheinen lassen. Die Sache ist a«S dcm Justiz Ausschüsse noch nicht in da» Plenum des Bundes ratheS zurückgelangt. Soviel kann indeß über die im LundeSrathe herrschenden Anschauungen gesagt werden, daß sich derselbe nicht sür kompetent hält, die Rechtsfrage m untersuchen, sondern sich dahin resolviren wird, zur Er ledigung der Angelegenheit ein Schiedsgericht einzusetzen. Ob hierzu der höchste Gerichtshof der Har.sestidte in Lü­beck gewählt wird, kann zur Zeit noch nicht als sicher be­zeichnet werden.

In dem ReichSmilitäretat erscheint in den „Einmaligen Ausgaben" eia Betrag von nicht weniger als 9,035,992 für Bauten neu in Ansatz gebracht. Dieser ansehnliche Betrag, welcher sich lediglich au« einzelnen Ratenzahlungen zusammensetzt, die also auch in den künftigen Etat» figu- riren weiden, ist für folgende Garnisonbauten in Aussicht genommen: eine Kaserne für die zwei Bataillone Infanterie in Aachen (mit einem annähernden Kassenbetrag von 200.000 Mk, zweite Rate) dann ein Landwehrdienstgebäude in Barmen (mit 50,000 Mk, erste Rate), eine Kaserne für zwei Bataillone eines Garde-Infanterieregiments in Berlin (mit 700,000 Mk., dritte Rate), eine Käfern« für die Ariillerie-Schicßfchule in Berlin (mit 400,000 Mk., erste Rate), eia Schießplatz für ein nach Berlin zu verlegendes Garde-Infanterieregiment (mit 1,265,000 Mk.), ein Detail' Erercierplatz für das Garde-Pionir- und Garde-Schützen­bataillon, sowie die Trainbaraillone des Garde- und 3. Armeekorps in Berlin (mit 840,000 Mk), eine fertig zu bauende Jnjanteriekafernr in ftafiel (mit 303,000 Mk., letzte Rate), eine Kaserne für das Tratnbataillvn in Äofitl (mit 400 000 Mk., erste Rate), eine Nrben-Ariillcriekaserne in Köln (mit 100,000 Mk., erste Rate), eine Kaserne für ein Jnsantertebataillon in Küftiin (mit 328,950 Mk., letzte Rate), ein Landnehr-Dienstgebäude in Dortmund (mit 50,000 Mk., erste Rate), rin Exerzierplatz für die Gar­nison Erfurt (mit 66,580 Mk), eine Kaserne in Flens­burg (mit 692,712 Mk., letzte Rate), eine Kaserne für ein Jnfanteriebataillon in Frankfurt a. M. (mit 300,000 M., nste Ra:e), ein neuer Exercie-platz in Halberstadt (mit 130 830 Mk.), ein Julenrantur-Dienstgtbäude in Han novcr (mit 120000 Mk., erste Rate), eine Artilleriekaserne 1 in Reiste (mit'120000 Mk., letzte Rate), ein Militär*

arresthaus in Reiste (mit 100,000 Mk., erste State), eine Kaserne in Rendsburg (mit 180,000 Mk, erste Rate) und ein Garnisonlazareth in Düsseldorf (mit 250,000 Mk., erste Rate).

An Stelle des vom Amte zurücktretenden Grafen Ar* nim-Bohtzenburg wird wahrscheinlich der seitherige Bezirks- Präsident in Metz, v. Puttkamer, zum Ober-Präsidenten der Provinz Schlesien ernannt werden.

Die „National - Zeitung" spricht sich über die gegen­wärtige Lage der orientalischen Krisis folgendermaßen aus: „In Wahrheit hängt Ruhe und Wohlergehen Europa- Heute ab nicht mehr vom eigenen Willen und Jntereste Europas, nicht einmal von den Entschließungen, die zu St. Petersburg fallen, sondern von der Laune seines Feinde- zu Stambul. Was ein körperlich und geistig schwacher Mann auf dem OSmancnthron oder ein Wüst­ling des Serails von heute auf morgen ersinnt, das ist heute Gesetz für Europa. Ob Sultan Hamit, heut Nacht von bösen Träumen mißgelaunt ward, ob sein Schwager Mahmud von dem Einfall erfaßt wird, diesen oder jenen Minister zu verjagen oder aus der Staatskaste ein neues Vergnügen sich bezahlt zu machen — da» bedeutet Krieg oder Frieden für Europa, bestimmt über da» Wohl und Wehe des WelttheilS, der die Erdkugel zu beherrschen meint. Dahin hat uns die Orientfrage geführt. Nirgend mehr ist ein fester und auf gemeinsam europäischen Znteresten gegründeter Wille zu spüren. Europa ist ein Spielball des Serails geworden. Mit steigender Ungeduld frägt die Welt: auf wie lange noch. Da« gestörte Vertrauen, die dadurch verstärkte wirlhschaftliche Krisis, das wachsende Unbehagen — AlleS drängt auf dttt endliche Entscheidung. Und wie sie fallen möge, schlimmer kann sie kaum sein, als der Zwischenzustand, den sie endet."

Der „Ä. Ztg." wird von Berlin telegraphisch mitge- theili: „Man soll in London besorgen, daß, wenn auch die von Rußland angeregte gemeinsame Declaration wegen Ausführung der Reformen keine etwaigen ZwangSmaß- .egeln Seiten- der Mächte festsetzte, Rußland daü Recht dazu sür sich auS einer solchen Declaration herleiten könnte, im Widerspruch mit Artikel 9 deS Pariser Frieden-. Auch sollen die veriraulicheu Aeußerunzen Rußland- noch immer auf active Garantieen zurückkommen, waS eine verschiedene Auslegung zuläßt.

Ein gänzlich unverbürgtes Gerücht will wisten, Gene­ral Jgnatirff fei mit den Ergebnisten feines Berliner Aufenthalts zi rnlich unzufrieden gewesen und hätte bei seiner Abreise Anspielungen auf bessere Geschäfte in Paris

fallen lasten. Das Gemachte dieser Nachricht leuchtet in die Augen. Ueber die Mission de- Grafen Jgnatiesf sind heute verschiedene Versionen in Umlauf. Nach der einen Angabe wäre der russische Botschafter beauftragt die MÜ« Wirkung der französischen Regierung dazu zu erlangen, um einen Druck auf die englische Regierung au-zuübeu und die Türkei zu nöthigeu die Vorschläge der Konferenz an­zunehmen. Nach anderen Meldungen gelten die Be­mühungen des russischen Diplomaten der Aufhebung de» Pariser Vertrages. Das Nächstliegende scheint e» indeß zu sein, daß General Jgnatieff beauftragt ist, die durch das russische Rundschreiben vom 31. Januar angeregte Angelegenheit in Fluß zu bringen und die Antwort der Mächte zu beschleunigen.

Sadforl «eich.

Berlin, 8. Mä z. Die „Nordd. «llg. Ztg." schreibt: „Die an dieser Stelle gemachten Andeutungen über die Stellung der Regierung zur Frage nach dem Sitz de» Reich-gerichicS sind mit einer gewissen Beflissenheit dahin mißdeutet worden, als wäre auf Seiten der Regierung überhaupt jeder politische Gesichtspunkt in Abrede gestellt, während wir nur Verwahrung eingelegt haben gegen das politische Pathos gewisser Blätter, welche eine Niederlage Preußens um jeden Preis in der Abstimmung de» Bunde-« ratheS finden wollten. Wir haben gegenüber dem Jubel einerseits und den Klagen andererseits über eine" solche Niederlage nur die Bemerkung gemacht, daß Gesichtspunkte preußischer Sonderpolitik gar nicht in Frage kommen und daß solche in den Verhandlungen gar nicht betont worden, daß vielmehr lediglich sachliche Gesichtspunkte geltend ge­macht worden sind. Die überall abgedrucklen Motive zu der ursprünglichen Vorlage beweisen die Richtigkeit dieser Behauptung. Damst steht nicht im Widerspruch, daß bet der Berathung im BundeSrathe, gegenüber den Gesichts­punkten partikularistischer Politik, seitens der preußischen Bevollmächtigten und besonder» auch von dem Staat», secretir deS ReichSjustizamteS Erwägungen allgemeiner poli­tischer Art unter Betonung deS nationalen Jntereste» her« vorgehoben wurden. Nur da» muß ganz bestimmt bestritten werden, daß die Angelegenheit durch Preußen irgend» e vom Gesichtspunkte der preußischen Hegemonie oder deS preußischen UebergewichteS behandelt worden sei und daß in dieser Beziehung, wie die Angelegenheit auch schließlich erledigt wird, von einer Niederlage Preußens die Rede sein könne." — Die Gerüchte über da» Abschiedsgesuch de» Lonststorialpristdenten Hegel bestätigen sich. Da» Gesuch ist, wie man hört, bereit- vor 14 Tagen eingereicht worden. ES ist richtig, daß schon seit Jahren ein grundsätzlicher ! Gegensatz zwischen den Austastungen Hegel- und de« Ober»

Silbe,-Milcheu.

(Knc Dorf-Novelle von Rudolph Welluau.

(Fortsetzung.)

Und doch wird sich schwerlich etwa» von Deiner Seite dagegen thun lasten, mein Sohn," anwortete achselzuckend der Priester; „da Vater und Kind eben selbst nicht- thun wollen. Ich kann Dir nur rathcn, die beklagenöwerthe Jungfrau ihrem Schicksale zu überlasten und e- Gott anheim zu stellen, ob er ihren verblendeten Sinn erleuchte und die Verirrte wieder zurückjühre/

„Da- ist freilich ein leidiger Trost, ehrwürdiger Vater," sagte traurig und tief seufzend Rikla». „Und ich kam mit der frohen Hoffnung und der fast gewisten Zuversicht zu Euch, daß Ihr mit beistehen würdet, daß Ihr Euer ge wtck.tige- Wort zu Gunst« Eure- Beichtkindes in die Wagschaale legen möchtet und nun ist auch die letzte Hoffnung dahin l Könnt ihr denn gar nichts in der Sache thun, ehrwürdiger Vater."

„Ich beklage Dich von ganzem Herzen, mein lieber Sohn, aber t$un kann Ich nicht« sür Dich!" sagte mit Entschiedenheit der Priester. „Wenn ich e» auch wollte, ich habe die unzwciselhaste Ueberzeugung, daß e- zu nichts führen würde. Ich mische mich in eine für mich höchst peinliche Angelegenheit, ohne weiter etwa» zn erreichen, al» den Haß und die Feindschaft meiner obersten geistlichen Behörden ans mich ,u laden. Bedenke selbst, mein Sohn, der Junker Bodo von Seeburg ist der Verwandte des hochwürdigsten vstchof», die Seeburg» selbst sind stolze und mächtige Herren, und selbst der Silber-Müller ist in s 'ner Art ebenso stolz und hoffährtig wie dir Seeburg«. Run bedenke, mit welchen L uten wir eS zu thun haben und überlege, «a» mit ihnen anzufangen ist! Nein, mein

lieber Sohn, laß die Verblendeten und gied sie ruhig dahin, eS wird in kurzer Zeit ein schreckliches Gericht über sie ergehen und sie niederdonnern von den stolzen Höhen dl» Hochmuths und der Hoffart I"

„Ihr wiffel nicht, was wahre Liebe heißt, mein Vater," erwiderte verzweifelt NiklaS; „ich kann sie nicht dahn geben, ich kann sie nicht ihrem Schicksale überlasten, ohne alles, auch da- letzte zu ihrer Rettung versucht zu haben I Und sollte e» mein eigenes Leben kosten, ich gebe eS gern dahin, wenn ich sie nur gerettet weißl"

„Hochherziger, edler Jüngling, ich beklage Dich," sagte bewundernd der Pfarrer; „ober es bleibt Dir nicht« mehr zu thun, Du hast allcS versucht und wa« Dir jetzt noch bleibt, ist mit Gefahr sür Dein eigene« Leben verknüpft. Glaube mir, ich kenne diese Dinge, m‘t großen Leuten ist nicht gut Kirschen esten, sagt da- Sprichwort, laß Dich warnen I"

„Ich will selbst zum Bisschof gehen! Er ist ein gar frommer Herr, er muß mich hören und kann dergleichen Frevel seine« leichtsinnigen Verwandten uimrnet zugehen!" rief NiklaS von neuer Hoffnung begeistert.

„Du argloses Gemüth, wie wenig kennst Du die Welt und die Menschen!" meinte wehmüchig lächelnd der Priester. „Aber hier hören meine Worte auf, ich darf nicht» weiter reden. Damit Du aber stehst, wie gut und «^richtig ich es mit Dir meine, will ich Dir zum Schluß noch eine Fabel erzählen, und wohl Dir, wenn Du mich verstehst!"

„Ein junger, kecker Hahn wagte sich- mit einem Hühn­chen zu weit vom Hofe und beide ergingen sich gar lustig am Rande des nahen Waldes, al« p'ötzlich ein junger Fuchs au« dem Gebüsche schlich, da« Hühnchen ergriff und mit ihm davon eilte. Der junge Narr in seiner Uner­fahrenheit eilte zum alten Fuchse und verlangte von diesem Gerechtigkeit und Schutz gegen dieBrUtcklitälseine« Jungen.

Der alte Fuch« sagte zu und forderte den Frevler vor sich. Dieser gestand seine That frei und offen ein."

„Da« hast Du brav gemacht, mein Sohn," sagte ver­gnügt der Alte; „und zum Lohn dafür friß auch Deinen Ankläger noch, so wird er'» nimmer wagen, Dich ferner zu verklagen." —

„Jetzt aber lebe wohl, mein lieber Sohn, und beherzige meine Worte!"

Der Geistliche drückte NcklaS hierbei die Havd und dieser rief, indem er hinauSeilte: - .

„Ich danke Euch, mein Vater, aber da« sage ich Euch zum Abschied: geht c« nicht mit Güte, geht e« mit Ge­walt I"

Adte» Kapitel

Pin blutiger AnSgan«.

Sus dem Festplatze ging es noch immer überaus lustig zu. Obgleich eS heute schon am Nachmittage deS zweiten Tage« war, so hatte die allgemeine Lust und Fröhlichkeit noch lange ihr Ende nicht erreicht. Noch nicht einmal hn Abnehmer! sondern in steter Steigerung begriffen, schien die Bevölkerung weder ermüdet noch gesättigt zu werden von dem großen und allgemeinen Vergnügen, und im krei­senden Wirbel drehten sich noch Alt und Jung im Spiel und Tanz.

Die Alten hatten Recht, wenn sie sagten, daß sie solch «ine Johannisfein noch nicht erlebt und noch von keiner solchen vor ihnen hätten erzählen bören. Auch an eine Verringerung der fremden Festgrnoffcn war noch lange nicht zu denken. Im Gegeniheil, aus den Dörfern ström­ten immer neue Schaaren herbei, um Thell zu nehmen an der Lust und Freude des Festes.

Auch Silbermüllers Röschen, die Nixe von Trotha, schien de« lustigen Treiben» nicht mü-e zu »erben; sie