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Sr. SS

Marburg, Mittwoch, 7. März 1877

xii. ZtchMig.

Anzeigen nimmt entgegen: btt ExpedMon d. Matter, sowie die Annoncen-Bureaux von LH. Dietrich & So in Hrffel und Hannover; LH. Dietrich in Frantfutt a. M.; kaasenstein L Bögler in Skontfutt a. M-, Berlin, Lech. ,ig, Löln k ; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. u.

Obcchchlchc Icilung

Anzeigen nimmt entgegen: die EÄeditton h. Blattes sowie b« Annoncrn-Bureaur von 0. 2- Daube & So. in Frantfutt a. M.: Jiger'sche Buchhandlung in Frantfutt a. M.; Jnvalidendant, L- Rete- ♦ meyer in Berlin; Earl Schüß»

ter in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Wetttagen nach Somi» und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JInAvttter EonutagSdlatt durch die S;veditiou(Aoch fche Buchdruckereif bezogen 31 Mark, durch die Postämter deS Deutschen RttcheS 3 Mark 50 ®f|. ^kl. Bestellgebühr). —- Jnfertior^gebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Srpedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf«. berechnet. _

am ausgedehntesten und am meisten geachtet find, nament­lich in Betracht der Ausländer, welche stets in Nicaragua die wohlwollendste Aufnahme gefunden haben, wie alle Net« sende bezeugen können, die jenes Land besucht haben."

»«Sesbericht.

Ter Kaiser konfnirte Sonntag und Montag mit dem Fürsten Bismarck und empfing Montag Nachmittag um vier Uhr den General Zgnatieff. Letzterer wird später auch eine Audienz bei der Kaiserin haben. — General Jgnaticff hat wiederholt mit dem Berliner russischen Bot. übafter v. Oubril Berathung gehalten. Sonntag Nach- mittags 4 Uhr begab er sich zum Fürsten Bismarck, wo er mit seinem Secretär über eine Stunde verweilte und später auch dtnirte. Abends war derselbe wieder längere Zeit mit Oubril zusammen. Soweit bisher bestimmt, wird der General am Mittwoch nach Paris abreisen.

Die neueste Nummer des „Reichsgesetzblattes" publizirt die Konkursordnung und das EinsührungSgesetz, welche snterm 10. Februar d. I. vom Kaiser unterzeichnet worden find. _________________

Die „Fanfulla" bringt folgende offiziöse Notiz: „Der Abgeordnete Martini hat in seiner gestrigen Interpellation auf die im „Courier d'Jtalie" erfolgte Veröffentlichung eines inedirtcn vertraulichen Berichts Nigra's an den Prinzen von Carignano über die diplomatischen Vtthandlungrn aus dem Jahre 1866 hingewiesen. Informationen aus ange­sehener Quelle setz.'N u'nS ia den Stand zu behaupten, daß das Auswärtige Amt in keiner Weise für diese Veröffent­lichung verantwortlich gemacht werden kann. Der vom Courier d'Ztalte" gedruckte Bericht war persönlich an den Prinzen von Carignano gerichttt. Das Ministerium des Aeußern hat weder das Original noch eine Abschrift davon besessen. ______________

DaS Gerücht, daß der Schnif von Mekka, der die höchste priesterliche Stellung in dem Reiche des Islams einnimmt, dem Scheck - ul - Islam ein Dekret gesandt, in welchem er eine Kriegserklärung gegen Rußland als eine religiöse Nothwendigkeit verlangt, wird jetzt von verschie­denen glaubwürdigen Seiten her bestätigt. Der Scheik- ul-JSlam wird diese kitzliche Frage dem großen Rathe der Pforte oder dem türkischen Parlament vorlegen.

Mehrere Blätter melden übereinstimmend, daß die eng lischt Antwort aus auf die Januarnote Goitschakoff'S be­reits in Petersburg eingetroffen sei. In derselben soll der Vorschlag gemacht sein, der Psorte zur Ausführung der vcn ihr begonnenen Reformen eine einjährige Frist zu ge währen. Daß England dies beabsichtigte, ist schon früher bekannt geworden. Aus welche Aufnahme dieser Vorschlag in Petersburg zu rechnen hat, ersteht man au« einem Ar tild der offiziösen „Agence generale Raffe", welche sich auf das erste Gerücht hin von der bezüglichen Absicht Englands folgendermaßen äußert:

„ES ist natürlich genug, daß die Türkei um einen

lufschub für die Einführung der von den Mächten ge­orderten Reformen bittet und das Londoner Kabinet diesen Aufschub auf ein Jahr bestimmt. WaS aber noch viel natürlicher wäre, das wäre, daß dieser oder jeder an dere Aufschub einmal angenommen, zugleich im Voraus bestimmt würde, welche Maßregeln von den Mächten zu ergreifen wären, falls die Reform nicht im Termin auSge« ührt würde. Wir wollen nicht untersuchen, ob nun ge- rade die Pforte ein Jahr braucht, um die Reformen aus­zuführen. Was -uns aber aus einer gewissenhaften und inparteiischen Beurtheiluvg der Sachlage hervorzugehen cheint, ist, daß es keineswegs gewiß, vielmehr ganz unge­wiß ist, daß die Dispositionen der Pforte wie die „Anderer" et d’autres encore) nach der Demobilistrung noch die« elben sein würden, die im Augenblick sind, wo eine russische ilrmee, über deren Stärke und Konsistenz man endlich die Wahrheit erfahren, in Kischinew konzentrirt und bereit ist, die Grenze zu überschreiten. Gewiß zieht Rußland eine friedliche Lösung einer durch die Waffen vor, waS Ruß land aber nothwendig ist, was Rußland verlangt und will, daß ist, zu erfahren, wie RuSland daran ist (ä quoi s’en tenir). Für die Geschäfte tot Allgemeinen, wie im Besonderen, sür das Land ist die bewaffnete Ungewißheit einer bewaffneten Lage, die alle Mißstände deS Krieges mit sich bringt, viel unheilbringender als der Krieg selbst. Rußland kann somit nicht heute abrüsten, um in einigen Wochen oder Monaten abermals zu rüsten. Bis zum Maimonat, mit dem militärische Operationen möglich wer­den, hat die Pforte alle Zeit, durch Thatsachen zu beweisen daß eö ihr mit ihren friedlichen Absichten und Reform- plänen in Bezug auf die Christen Ernst ist. Rußland würde dann erkennen, welchen Grad von Zuversicht diese Thatsachen ihm einzuflößen im Stande wären. Aber de- mobiltsiren, bevor Thatsachen dieser Art Platz gegriffen, oder ein formelles Abkommen unter den sechs Großmäch­ten, die an der Conferenz Theil nahmen, diejenige Sank­tion gefunden, welche jetzt die Armee in Kischinew allein personifizirt, das hat gewiß noch kein Kabinet von der kaiserlichen Regierung verlangen wollen.

Der Geschäftsträger der Republik Nicaragua in London publizirt folgende Note: „Mehrere (französische) Blätter reproduziren eine Berliner Depesche, nach welcher sich ein englisches Kriegsschiff in die Gewässer von Nicaragua be­geben hat zum Schutze der Deutschen gegen die Gewalt thätigkeiten, welchen ste Seitens der Landeseinwohner aus­gesetzt sind. Wir sind in der Lage zu bestätigen, daß sich diese Affrtre auf eine vereinzelte Thatsache revuzirt. ES hat ein Raufyandel zwischen einem Deutschen und einigen Landesangehörigen stattgefunden, aus dessen Veranlassung die Behörden von Nicaragua unmittelbar die geeigneten Maßnahmen zur Bestrafung der Schuldigen getroffen haben. Die Republik Nicaragua ist eines der Länder von Amerika, wo die gesetzlichen, individuellen und sozialen Garantien

Deutscher «eich.

Berlin, 5. März. In der am 3. d. M. geschlossenen Sitzungsperiode de» Landtage« der preußischen Monarchie, welche mit dem 12. Januar d. I. ihren Anfang genommen, also rund 7 Wochen gedauert hat, haben die Zustimmung beider Häuser des Landtags nachfolgende 20 Gesetzentwürfe erhalten: 1) Gesetzentw., betr. die Feststellung de« Staat« »auShalt« - Etat« für da« Jahr vom 1. April 1877/78. 2) Gesetzentw, betr. die anzusertigendeu und zum Verkauf zu stellenden Stempelsorten. 3) Gesetzentw., betr. die Ein­stellung der Erhebung der Meßabgabe in Frankfurt a./O. 4) Gesetzentw., betr. die anderweitige Einrichtung de« Zeug­hauses zu Berlin. 5) Gesetzentw., betr. die Deckung der Kosten der anderweiten Regelung der Grundsteuer in den Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau, sowie im Kreise Meisenheim. 6) Gesetzentw., bett, die nach dem Gesetz über das Kostenwesen in AuSetnandersetzungS- sachen vom 24. Juni 1875 (G. S. S. 395) zu gewähren­den Tagegelder, Reisekosten und Feldzulageu. 7) Gesetzentw., betr. die Umzugskosten der Staatsbeamten. 8) Gesetzentw., betr. einige Abänderungen der gesetzlichen Vorschriften über die Veranlagung der Grundsteuer, der Klaffe«' und klasst- ficirten Einkommensteuer. 9) Gesetzentw., betr. die Ueber- nahme der Zinsgarantie des Staat« für eine Priorität«, anleihe der Berlin-Dresdener Eisenbahngesellschast bi« auf Höhe von 22940,000 Mark 10) Gesetzentw., bett, die Verwendung von Beständen sür außeroldentttche Bedürfnisse der Bauverwaltung im Eiatejahr 1877/78 und die Auf­nahme einer Anleihe zur Deckung der Ausgaben für Bau­ausführungen auf den Staatseifenbahnen. 11) Gesetzentw., betr. die Theilung der Provinz Preußen. 12) Gesetzentw., betr. die Aufhebung de« LehnSverbande« im Geltungsbe­reiche de« ostpreußischen Provinzialrecht«. 13) Gesetzentw., betr. die Auflösung des LehnSverbande« der dem sächsischen Lehnrechte, der Magdeburger Poltzeiordnung und dem longo- bardischen Lehnrechte, sowie dem Allgemeinen Preußischm Landrechte unterworfenen Lehne in der Provinz Sachsen. 14) Gesetzentw., betr. die Verpflichtung zum Halten der Gesetz Sammlung und des AmtSvlatte« im Kreise Herzog« thum Lauenburg. 15) Gesetzentw., betr. die Ausdehnung des FtschereigesetzeS sür den preußischen Staat vom 30. Mat 1874 auf den Krei« Herzogthum Lauenburg. 16) Gesetz- entwurf, betr. die Revision — beztehentl. Abänderung — des Reglement« der öffentlichen Feuersocietäten. 17) Ge­setzentw., betr. die Umgestaltung der sür den Landdroftei- bezirk Osnabrück bestehenden Gebäude- und Versicherungs- Anstalt. 18) Gesetzentw., betr. eine Abänderung de« sü» da» vormalige Königreich Hannover zur Anwendung kom

Silber, RiSche».

Sine Dors-Novelle von Rudolph Wellnau.

(Fortsetzung.)

„Das ist eS nicht, mein Freund," entgegnete Hedwig, die sich ihrer Furcht zu schämen begann; „laßt unS ruhig weilen und sagt mir doch, waS sind das für weiße Gegenstände, die hier um uv« der Silberschein deS Mondes beleuchtet und denen sein magischer Schimmer ein so gespenstiges Aussehen gibt?"

„Erschreckt nicht, schöne Gräfin, e« sind die Todtcnmale aus den Grabhügeln de« Trothaer Friedhöfe«," flüstette Rckla«.

Ein leise« „Achl" ließ sich au« dem Munde der Gräfin hören und sestet drückte sie ihre« Arm an Nikla«. Ein augenblickliches Zittern durchfuhr ihren zarten Körptt, sie ließ plötzlich NiklaS Arm fahren, legte aber dafür ihre Hünde auf seine Schultern und lehnte ihren Kopf und ihr Gesicht an seine Brust. Niklas nahm sich jetzt den Muth und umschlang mit feinem linken Arme die zarte Gestatt, neigte seinen Kopf ganz zu ihr herab und flüsterte mit leifer zärtlicher Stimme:

„Wird Euch unwohl gnädg e Gräfin? O, ich bitte Euch laßt un« umkehren, mir bangt sür Euch !"

„Oh, nicht doch, laßt un« bleibe«, mein Freund fl-'sterte Hedwig ebenso zurück; „und wen« Euch für mich E la gt, bann möchte ich wohl immer hier verweilenI Bleibt,

ich bitte Euch darum I"

Fester drückte sich Hedwig au Rckla«, fester Md tnutgn

umschlang der junge Bursch die Gräfin. Ein wunderbare« Gesühl durchbebte seinen Kö-per, nie geahnte Empfindungen durchschlichen seine Seele. Süße wonnige Schauer durch­zitterten seine Worte, immer siedender strömte sein Blut durch die Ader«, immer schneller flogen seine Pulse, seine Sinne wurden von entzückendem Taumel ergriffen, sein ganzes Wesen schwamm in elystschem seligem Rausche! Fester und fester drückte er die Gräfin an sich, diese wehrte es r icht, sondern schmiegte sich ebenfalls nur um so fester an ihn an. Kein Wort kam von beider Lippen, stumm hielten sie sich umschlungen, aber die Herzen sprachen und führten eine lautere und beredtere Unterhaltung al« die Lippen e« vermocht«. •

Nikla« befand sich in einem Zustand, wie er sich noch in keinem ähnlichen befunden zu haben erinnerte. Wenn er Röschen an seine Brust gedrückt, wenn er ihre süßen Küsse geschlürft, so hatte er sich auch glücklich und selig gefühlt, aber eine so himmlisch süße BerausLung, so über­aus wonnige Entzückungen hatte er niemals empfunden, wie er ste jetzt am Busen der schönen Gräfin empfand.

Diese dagegen ließ von Zeit zu Zeit einen tiefen Seuf­zer vernehmen und NiklaS, in der Meinung, ste befinde sich dennoch unwohl, NAßto seinen Kopf abermals zu ihr herab, um sie zu fragen. Dyc süße Aihem ihres Munde« wehte ihm hierbei so wunderbar an, daß eS ihm immer seltsamer zu Sinne wurde und plötzlich, al« ob ein gewal­tiger unwiderstehlicher Zauber ihn begriffen, preßte ec seine heißen Lippen auf den brennenden Mund der Gräfin und sog sich im Moment fest daran. Seltsam! die Gräfin stieß ihn nicht zurück, sondern ließ ihn ruhig gewähren. Noch mehr! Sie nahm ihre Hände von seinen Schultern unb

umschlang bamit in leidenschaftlicher Heftigkeit ben Jüng­ling, ber seine fiebernden Lippen von chrem süßen Munde gar nicht loszubringen vermochte.

So standen ste, fest verschlungen unb verschmolzen, in ein« geflossen unb gegossen satt für bie Ewigkeit l Der llnbe Nachtwind fächelte kühlend ihre glühenden Wangen und der stille Mond lugte heiter durch die säuselnden Zweige der Linden und belächelte vergnügt die goldene Thorheit der Menschen.

Ein Gnäusch in der Nähe weckte Nikla« unb die Gräfin au« ihren elyfischea Träumen. Beide horchten und vnnahme« deutlich Stimmen, die gar nicht so weit entfernt fein konnten. Es mußte auf dem Friedhöfe sei«, dem ste sich jetzt leise und mit großer Vorsicht näherten, weniger in der Absicht zu stören, wenn e« Liebende sein sollten, al« sich eben nur zu überzeugen, wa« eigentlich vorgehe.

Da den Friedhof keine Mauer, noch sonst ein Gehege umgab, so befanden sie sich schnell auf demselben und lenkt« behutsam ihre Schritte zwischen den Grabhügeln hin, dem Geflüster, das fortdauerte, sich immer mehr nähernd.

Jetzt standen sie still. Das Geflüster war lganz in ihrer Nähe. Sie hielten ben Aihem ein unb lauschten. Wohl könnt« ste unterscheiben, daß eine männliche nab eine weibliche Stimme bie Unterhaltung führten, auch ver­stauben sie viele« von bem Gespräch, beonoch aber ver­mochten sie bie Stimmen selbst nicht zu erkenn«.

„Unb ist e« auch wahr, baß Ihr mich so über Alle« heiß unb innig liebt?" hörten sie die weibliche Stimme fragen.

,O wie kannst Du nur noch zweifeln, einzig geliebte« Mädchen! Bei dem Mond, der auf un« niednschaut, bei