Einzelbild herunterladen
 

xii. )ahrga«g.

Marburg, Dienstag, 6. März 1877.

a. St» SN

Obcrhcfsiilhc Icilung

It.

z-

nei

M.

>reffm

>8 m

>tbim Leo- », s°- Le»'

rth» m btt frei« Füß-

st, doch von einem förmlichen Kriegszustände mit aller Serechttgung sprechen kann. Die tiefe Verstimmung zwischen Türken und Miriditen datirt auS der Zeit der montenegri­nischen Kriegsbegebenheiten. Bekanntlich haben die Miri­diten bis zum letzten Momente die türkischen Ansprüche auf hre HeereSfolge gegen Montenegro unberücksichtigt gelassen. In der Ungewißheit, wie sich die Dinge weiter bezüglich Montenegros gestalten werben, haben die Türken neue Anstrengungen gemacht, um die Miriditen für die Zukunft zu bindenden Abmachungen zu vermögen. Da alle güt­lichen Einflüffe erfolglos blieben, nahm man türkischerseits zu anderen, nicht immer loyalen Mitteln seine Zuflucht, um zu seinem Ziele zu gelangen. So wurde jüngst Sali Pascha nach Tiriaua entsendet, um die muhamedauischen Bergstämme von Dibra und Mattia gegen die Miriditen aufzuhetzen. Derwisch Bey aus PriSren wurde zum Kai- makam der Miriditen ernannt. Der mit den türkischen Autoritäten eng liirte Miriditen-Kapitän Dod Ghega wurde mit türkischen Truppen nach Puka entsendet, um die Mi riditen scharf zu observiren. Zum gleichen Zwecke wurden nach Miet, Alejsto, Tirana und Durazza starke türkische Garnisonen gelegt. Unter Einem bemühten sich die tür­kischen Lokalbehörden, den Fanatismus der muhamedantschen Albanesen gegen die Christen anzufachen und einen Re- ligionSkrieg zu provoziren. Die Dinge sind so weit ge­diehen, daß eine Kollision stündlich zu gewärtigen ist. Wenn irgend Etwas die Hoffnung auf eine Beilegung des drohenden Konfliktes noch erhält, so ist es der Umstand, daß die Miriditen weder Munition noch Lebensrnittel be­sitzen, um längere Zeit das Feld halten zu können/

aufgehoben sei und nunmehr der Tanz seinen Anfang nehme.

Diesen mußte nach alte^- FcsteSbrauch der Patron des Dorfes, wenn der zugegen »ar, mit der Nixenkönigin er­öffnen. Da aber der Bischof selbst nicht tanzte, so über­ließ er de» EröffnuagSreigen ebenfalls seinem Stellvertreter dem Junker. Als dieser dahinschwebte mit dem reizenden Röschen am Arme, da ward eS dem Niklas brühsiedendheiß ums Herz; denn er mußte sehen, wie Röschen sich ganz glücklich und selig bett ziemlich bemerkbaren Zärtlichkeiten bei Junkers nicht nur überließ, sondern dieselben sogar nicht weniger auffällig erwiederte ES pochte in seiner Brust und die Gräfin fühlte das Zittern seiner Hand in der ihrigen, als er jetzt, wie ihm als Sieger gebührte, mit der Gräfin den zweiten Tanz »öffnete.

Der dritte Tanz mußt- von Niklas und der Nixen- königin zusammen ausgeführt werden und schon war er im Begriff, denselben gegen allen Brauch ganz auSzuschlagen, als der Junker ihm mit dem freundlichsten Wesen Röschen zuführte und ihn gleichzeitig um die Ehre bat, für die Dauer deS Feste- der Ritter der Nixenkönigiu bleiben zu

dürfen.

DaS hörte fich so offen und ehrlich an, daS war so treuherzig gesprochm, daß RiklaS stch seine- Verdachtes zu schämen begann. Er sagte gern und willig zu und konnte ja eigentlich auch nicht wohl anders, da er ja ebenfalls

Jndrß kam auch das andere junge Volk an die Reihe deS Tanze-, während welcher Zeit die Uebrigen Muße hatten, auch ben anderen Lustbarkeiten deS Tanzzeltes ihre Aufmerksamkeit zuzuwendm.

Gräfin Hedwig bat RiklaS, da fle bereits ein wenig erhitzt sei vom Tanze, ste hinaus in die heitere und wohl« thuende Nachtluft zu führen, und Arm in Arm beschritten beide den Festplatz.

ES war ein wunderbarer Anblick, die hellerleuchtetm Zelte und daS frische fröhliche Leben überall zu schauen. Ueberall Spiel und Lustbarkeiten, überall Kurzweil und harmlos» Scherz. Am prächtigsten nahmen fich die Berge und Felsen ringSmu aus, aus baten Gipfel unb höchsten Spitzen bie sogenannten Freudenfeuer brannten, deren Helle Flammen einen weithin leuchtenden Schein verbreiteten und alle- rings umher mit einem röthlichen magischen Schimmer übergossen. Die Nacht selbst war wunderbar schön. Am tiefblauen Himmel flimmerten die unzähligen goldenen Sterne und dazwischen wandelte ruhig und still d» silberne Mond. Eine laue milde Luft umsäuselte die heißen Schläfe b» Wandelnden und kühlte mit balsami­schem Hauche ihre brennenden Wangen.

Bi- jetzt hatte RiklaS unb bie Gräfin nur üb» baS sie Umgebende fich unterhalten. Unbemerkt und es selbst kaum wiffend, waren ste jetzt üb» den Festpiatz znrückge- kehrt und fanden stch außer dem B»eiche desselben. Dichte Finsterntß umgab ste, welche trotz dem Sildnschimmer bet Monde» immer noch stark genug abstach gegen den eben verlaffenen, fast bis zur TageShelle erleuchteten Festplatz. Die Gräfin stand plötzlich still unb fragte RiklaS fast ängstlich:

besten Unteroffizi»nsatz liefern, ist eS im Allgemeinen ge bräuchlich, die Söhne nach der Konfirmation — also durch­schnittlich mit 15 Jahren — dem künftigen Lebensberuf zuzuführen. Wo nun ausgesprochene Neigung für die Unteroffizierschule vorhanden ist, tritt mit dem bezeichneten Lebensalter Verlegenheit ein; die Eltern sind gepöthigt, ihre Söhne zunächst eine andere Richtung einschlagen zu lasten, in welcher dieselben dann entweder definitiv ver­bleiben, oder in welcher sie die Jahre bis zum Eintritt in das militärpflichtige Alter mit Unlust verbringen, was mit mannigfachen Gefahren für fernere Entwickelung, nament­lich in sittlicher Hinsicht, verbunden ist. Die Unteroffizier' schule würde bestimmt sein, dergleichen junge Leute im Alter von 15 Jahren aufzunehmen. Bci militärisch» Er­ziehung würden sie dort hauptsächlich Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick ans ihren militärischen Beruf, sondern auch mit Rücksicht aus ihre künftige Verwendbarkeit im Civil- dieust wünschenswert- ist. Der Schulunterricht würde vorwiegend durch Civillehrer, in einzelnen Gegenständen auch durch Offiziere ertheilt werden. Daneben würde der körperlieren Entwickelung unb Ausbildung unter speciell» Berücksichtigung der Anforderungen des militärischen Be­rufs besondere Aufmerksamkeit zugewandt werden. Die eigentliche militärische Ausbildung bliebe jedoch der Unter« oifizierschule Vorbehalten, in welche die Zöglinge nach zwei­jährigem Kursus in der Vorschule übertreten würden. Nach zweijähriger Ausbildung in der Unteroffizierschule würden die junge» Leute in der Regel als Unterotfizine den Trup- pentheilen überwiesen werden. Die Zöglinge der Unter- osfijiervorschnle sollen nicht Personen des Soldatenstandes, also nicht der militärischen DiSeiplin unterworfen fein. Die Aufnahme in die Unteroffiziervorschule begründet die Verpflichtung, für jede« Jahr der Ausbildung zwei Jahre in der Armee zu dienen, jedoch soll eS den Eltern frei» stehen, ihre Söhne aus der Vorschule zurückzunehmen und ste einen anderen Beruf »greifen zu lasten, wenn ste die Kosten der Ausbildung in der Vorschule »statten. ES wird beabsichtigt, die Unteroffiziervorschule unb zwar für 250 Zöglinge in Weilburg zu errichten, wo bie« unter Benutzung bet vorhandenen Garnisoneinrichtungen mit verhältnißmäßig geringen Kosten möglich ist. Die Schule würbe am 1. Oktober 1877 eröffnet werben. Die Ent­schließung barüber, ob etwa noch einige ähnliche Anstalten zu errichten wären, wirb wesentlich von ben mit bem Weil­burger Institut zu machenden Erfahrungen, sowie davon abhängig bleiben, wie stch die Ergänzung deS Unteroffizier- korpS im Allgemeinen fernerhin gestaltet.

Altona, 2. März. Nach dem nunmehr vollständig ermittelten Wahlresultate hat Karsten 14237, Hartmann 12,803 Stimmen erhalten, somit ist Karsten zum Reich«» tagsabgeordneten gewählt. (Die Socialdemokratie hat also : den Bezirk Altona verloren und ist damit im Reichstage ; auf 12 Sitze rebudrt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 3. März. Dem ReichSmilitäretat ist eine Denkschrift betr. die Einrichtung einer Unteroffiziervorschule in Weilburg beigegeben, in d» e« heißt: „Den Unteroffi- zierschnlen, welche für die Ergänzung des Unteroffizierkorps d» Armee eine fo große Bedeutung gewonnen haben, hat eS zwar in neuner Zeit nicht an Ersatz gefehlt. Anderer­seits waren bie Anmeldungen nicht zahlreich genug, um einen so strengen Maßstab an dir Qualität deS Ersatzes stellen zu können, wie zur Erzielung deS größtmöglichen Nutzens auS den Unteroffizierschulen nothwendig wäre. UeberdieS aber kann selbst nicht mit einiger Sicherheit da­rauf gerechnet werben, baß sich auch b» Zahl nach in Zukunft immer ausreichender Ersatz für dieselben staben wird. Sehr wahrscheinlich dagegen erscheint eS, daß man einen der Zahl nach sehr ausreichenden und bezüglich der Qualität allen Anforderungen im hohen Maße entsprechen­den Ersatz finden würde, wenn man den Kreis d» Aspi« ranten sür bie Unterosfizierlausbahu in ähnlicher Weise erweiterte, wie man in Preußen durch Errichtung von Präparanbenanstalten für Ergänzung bet Schullehrerseminare gesorgt Hai. In ben bürgerlichen Kreisen, welche ben

etlte,,Rttchnl.

Eine Dorf-Novelle von Rudolph Wellnau.

(Fortsetzung.)

Bald waren Beide in d» lebhaftesten Unterhaltung begriffen und die Gräfin hatte Gelegenheit warzuuehmen, daß b» schöne Bursch gar nicht so ungeschickt im Reden war, wie die meisten Landbewohner, da auch sein sonstiges Wesen und Benehmen gar nichts Ungefälliges an sich hatte.

In gleichem Maße wie Hedwig unb RiklaS sich ganz ungezwungen bewegten unb beinahe vertraulich mit einnander »»kehrten, fanb dies auch bei ber Nixenkönigin und Junker Vodo statt.

Dem BundeSrath ist der Entwurf eines Gesetze« be­treffend die Ausnahme einer Anleihe zur Durchführung der aDgemeinen Kasernirung de« ReichSheereS nebst Motiven vorgelegt worden.

Bei ber Beurtheilung ber Frage über ben zukünftigen Sitz dcS Reichsgericht« darf nicht außer Acht gelassen wer­den, daß bisher nicht das Geringste verlautet hat, woraus m schließen wäre, daß Preußen durch Anwendung irgend eine« politischen Drucke» den Vorschlag deS Reichs-Justiz- ,wte« habe zur Annahme bringen wollen. Vielmehr hat die Haltung Preußens im BundeSrath den sachlichen Ge- fichlSpunkten von der einen wie von der anderen Seite in Mig unbefangener Weise Raum gelassen. Der weitere verlauf der Sache hängt übrigens zunächst von der Ent­schließung deS Reichstags ab.

Die Ernennung des Herrn Maybach zum Unterstaats Secretär im Handelsministerium hat wunderliche Kommen­tare hervorgerufcn. Man spricht u. a. von Differenzen des Reichskanzlers mit dem früheren Präsidenten de« Reich«- Eisenbahnamts, — obwohl die Berufung des Herrn May­bach auf den jetzt besonders wichtigen Posten im Handels­ministerium dann gewiß nicht »folgt wäre. Im Gegen« theil weist Alle« darauf hin, daß ber Kanzler selbst bie Berwenbung einer so bedeutenden Kraft, wie die deS Herrn Maybach, in der Preußischen Eisenbahnverwaltung für vünschenSwerth hält. Wegen Wiednbesetzung deS Präsi­diums des ReichS-EisenbahnamtS scheint noch keine defini­tive Entscheidung getroffen zu sein.

Die „Kreuzzeitung" schreibt: Seitens ber Fraktion d» deutschen Konservativen wird beabsichtigt, bie Frage einer Revision ter Gewerbeordnung, insbesondere hinsichtlich der Beschwerden de« Handwerkerstandes, im Reichstage zur Sprache zu bringen. Wahrscheinlich wird deshalb zunächf eine Interpellation an die Reich-regierung gerichtet werden.

Zur orientalischen Frage ist zu berichten: Der Aufstand bricht von Neuern aus. Nach einem Telegramm d» „Polit. Korrespondenz" aus Cattaro hat der ganze Stamm der Miriditen die Waffen »griffen und belagert das aus der Straße nach PriSren gelegene türkische Fort Puka. Derwisch Pascha hat von Skutari auS Truppen zum Entsätze von Puka entsendet; auch von PriSren aus sind türkische Truppen In Anmarsch, um den Aufstand der Miriditen zu bewäl- tigen. , u

Hebet die Veranlassung hierzu wurde schon neulich dem selben Blatte aus Skutari, 15. Februar, geschrieben: „Die Verhältnisse zwischen ber Pforte unb ben Miriditen haben stch im Laufe der letzten vier Wochen so verschlimmnt, daß man, nenn es auch noch zu keiner Gewaltsamkeit gekommen

‘nge: 255

1t e- n. )8 n

[510 aietha )92.

Anzeige» nimmt entgegen: bie (roebitien b. Blatte« sowie bie Amwneen-Bureanx von ® L. Daube & So. in Frankfurt <u M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendant, A. Rete- ♦ menet in Berlin; Carl Schüß- let in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Der Letztere war ganz überglücklich, als er endlich der schönen Nixe sich wieder nähern durfte, und da et längst sehr wohl bemerkt, wie eS mit Röschen in Bezug auf Nikla« stand, so freute eS ihn ungemein, baß Gräfin Hedwig biefen jo ganz in Beschlag genommen, wodurch et fich ungestört ber reizenden Müllers - Tochter widmen unb überlassen konnte. , ,

Zwar blickte RiklaS sehr oft nach Röschen unb sanbte dem Junker mit flammenben btttzenben Augen wahre Dolch stiche zu; ab» immer von Neuern worb er von ber reizenden ..0....... —, .-------,----- - .

Hedwig so eingenommen, baß »zuletzt gleichgültig» gegen-schon für baS ganze Fest stch zum Rttt» ber Gräfin hatte RbSchm wurde und ste vollständig gewähren liefe, wogegen in Beschlag nehmen lassen. Röschen war so zutraulich, so n sich aan» und aar b» höchst UebeuSWÜrbigen Gräfin! freundlich »ns zärtlich, daß Niklas vollkommen besänftigt «! heimaab !unb beruhigt an ihr» Seite dahinfchwebte unb nach been«

Endlich gab der Fest Hnold ein Zeichen, baß bie Tafel bigtem Tanze ste zu bem Junker zurücksührte.

^scheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartalmitder wSchenllichen Bellte ,,z»uMrte« r,nnt»,«»latt" durch die Mediti°n(«och'sch- Buchdrucketei) bezogen 2b Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Wart 50 Ps». (exl. Bestellgebühr). Jnsettion-gebübr für die gespaltene Zeile 10 All

Buqdtu-etei) neigen in ber Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet.

ist eil I V» [446

—■* n.

Anzeigen nimmt entgegen: Ke Expedition d. Blatte«, o»ie die Annoncen-Bureaux gon LH. Dietrich & Co. in jkffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a- M-; ,aasenstein & Bögler in rankfurt a- M.Berlm, Leip- ja, Söln ic; Rudolf Moste , Berlin, Franksutt a. M. ic.

' [141

amps- nst

[32

tt-5‘A b 82,4t