XII. ZatzrMttH.
Marburg, Mittwoch, 28. Februar 1877.
$r. H9,
Fliedens ehrlich zu thun sei. Nicht minder ungerechtfertigt
»-inen
werde
he,
1^-
ixpe-
Seltsam I Derselbe lahme Gottlieb, der am Pfingstfcste
gesucht
8 'm mit aller Entschiedenheit gegen Silber Röschen» Trauung
___L—_ _.. oriiM-. -11—t» s, mit h.rf.lhtn
Niklas eiferte, trat h ute mit derselben Entschiedenheit
mit
utrisn
u-Reg«»
ad
. N
r Hau»
findet
zur [246
h Wit heile, ürseu
Ein. Ulf [462
„Ihr wißt, lieben Leute, daß eS von Alters her Brauch und Sitte ist bei unseren Festlich!!iten, daß der Patron unseres Dorfes, der hochwürdigste Bischof Thilo von Trotha in Merseburg, daS Recht hat, die Jungfrau, welche die Königin des Festes fein soll, selbst auSzuwöhlen und zu bcstimwen. Nur wenn der Patron nicht an Ort und Stelle zur Zeit der Festlichkeit ist, steht eS den Burschen der Gemeinde frei ihre Festköuigin selbst zu wählen. Be dingung aber bleibt immer dabet, daß dazu daS schönste ! Maschen im Orte genommen wird und diese nur aus ganz besonderen Rückstchtcn bei der Wahl übergangen oder von
mich verstanden?"
.Ja, ja!" ertönte eS von allen Seiten aus der Der« sammlung.
Die Gtebichensteiner und Eröllwitzer jubelten, die Trothaer gabm ihren Unwillen durch ein dumpfe» Gemurmel kund, daß ein Zwischenfall ihre Verhandlungen gestört.
Dieser räusperte sich indeß, wie Jemand, der eine Rede zu halten Willen« ist, zog aus der Brusttasche seine» WamseS ein Papier, faltete eS auseinander, that einen Blick hinein und begann nach einigen Augenblicken:
dieses Schreiben vom Bischof erhalten, worin derselbe mich benachrichtigt, daß er diesmal zur Johannisfeier selbst nach hier kommen werde und die Festlichkeit in seiner Anwesenheit vor sich gehen solle. Somit versteht e- sich dann von selbst, daß wir eS ihm überlasten, von seinen PatronatS- rechlen Gebrauch zu machen, und mästen wir alle wetteren Verhandlungen bis zu seiner Ankutrft auSsetzeu. Habt Ihr
Ritt 0*.4 , 47 *6.91,71 , SS, St
Denn, daß nun keine andere als Silber.Röschen, die Nixe von Trotha, zur Nlxenkönigia gewählt «erden würde,
Anschauung der englischen Regierung für die P'vrte sLlech terding« nothwendig ist. Die anderen europäischen Kabinett, um ihre Ansicht befragt, haben sich in einem bestär- lenden Sinne ausgesprochen. Die Verhandlungen — bis her vertraulicher Natur — werden einen amtlichen Charakter annehmrn, sobald der Frieden zwischen der Türkei und den Fürstenthümern wiederhergestellt ist.
Auch heute liegen alarmtrende Nachrichten aus Wien vor. Das Zustandekommen des Friedens mit Montenegro wird für unwahrscheinlich erklärt, und daS privilegirte Lürkenorgan, die „SReue Freie Presse" erfährt sogar aus Konstantinopel, daß die FriedenSverhanslungen mit Serbien fuspendirt worden seien. AuS Jasiy wird ferner gemeldet, daß die Bühnverwaltungen beauftragt worden seien, sich für den bevorstehenden Transport russischer Truppen bereit zu halten. Indem wir von diesen Meldungen Notiz neh men, bcmerken wir, daß die neuesten Alarmnachrichten, welche von Wien auS verbreitet worden sind, im Wesentlichen unbestätigt geblieben sind.
für dir Wahl zur Nxenkünigln ein.
„Hallo, Ihr Bursche, ist das wahc?" fragte der
Silber»Rasche».
Sine Dorf-Novelle von Rudolph Weitnau.
(Fortsetzung.)
Deutsche» Reich.
Berlin, 26. Febr. Der Thronrede deS Deutschen Kaiser spendet vaS englische Blatt „Standard" von seinem Standpunkte das höchste Maß des Lobe» dadurch, daß eö schreibt, die kaiserliche Thronrede Härte durch Lord Derby aufgesetzt sein können — so maßvoll, leidenschaftslos und objektiv fei sie gehalten. Der Grundton der Rede, so bemerkt daS konservative Blatt, ist Friede, uvd im Munde eines kaiserlichen Herrn so vieler Legionen ist die» von guter Vorbedeutung. W nn ein Potcutat von der Machtstellung deS Deutschen Kaiser» seinen Glauben in die Er« halrung de» Friedens aussprcche, so gleiche dies sehr einer Andeutung, daß Deutschland jeden Versus, ihn zu brechen, mit Mißvergnügen berrachten würde. Gleich England wünsche auch Deutschland so wenig als möglich zu dem beizutragen, wo» in paradoxer Weiss die „Lösung" der orientalischen Frage genannt werde. Fürst ViSmarck enthalte sich in ent« schloss.ner Weise, sein Vaterland zu einer Politik. deS Zwanges oder der Drohung, gleichviel ob gegen die Türkei oder gegen Rußland, zu verpflichten. Was aber dieser mit Recht bewunderte Staatsmann für weise erachte, könne unmöglich dem auswärtigen Minister Englands als Unklug heit angerechnet werden. Im weiteren Verlaufe deS Artikels wird der Reichskanzler gegen die Verdächtigung, als ob er ganz Europa in einen Krieg verwickeln wolle, um freie Hand gegen Frankreich zu haben, mit Entschiedenheit in Schutz genommen. Für solche teuflische Absichten deS Fürsten Bismarck laste sich auch nicht der geringste Beweis aufführen. Im Gegmthctl bekunde feine bisherige Haltung gegenüber Rußland und der Türkei, daß es ihm um Bewahrung des
" für bett Monat März , „ auf die
Bt'krhkssische Zeitung
mit ihrer Gratisbeilage
Austrittes Somttagsölatt werden von allen Postanstalten, wie auch von der unterzeichneten Expedition entgegengenommen.
Die Exp. d. Oberh. Ztg.
Dem Abgeordneten-rufe ist. Seiten» des Kultusministers eine Nachweisung der in Folge dis Gesetzes vom 22 April 1875 im E aiSjahre 1876 eingestellten Leistungen auS Staatsmitteln für römisch-katholische BiSlhümer und Gttst vche zugegangen. AuS derselben ergibt sich Folg ndeS: Sopitel 118 (BiSlhümer und zu denselben gehörige Znstt- tute), Sollausgabe: 1,242872 M. 60 Pf ; davon sind 18.6 gezahlt: 219,731 M. 91 Pf.; K pit.l 120 Tit. 1, «acholische Geistliche und Kirchen, Besoldungen und Zu jchüfle, Sollausgabe: 1,319,671 M 34 Pf., davon sind 1876 gezahlt: 189,898 M. 54 Pf.; Kap. 127, Tit 3 (iut Verbesserung der äußeren Lage der Geistlichen) 180,207 M. 36 Pf.; davon sind 1876 gezahlt: 52,344 M. 37 Pf
Die „Corr. Elefant" bringt folgende« Dementi: „Eine epische au« Rom an die auswärtigen Zeitungen sagt, tz man zwischen dem Papst und den Kardirilen die age der Wählbarkeit eine« nichtitalienischen Kardinals sum Papst eröi tert habe. Diese aus daS künftige Konklave bezügliche Notiz ist au« der Luft gegriffen. Wie wir schon
r ol« gemeldet haben, wurden im Vatikan Bcschlüste grfäßi wegen der Freiheit de« künftigen Konklaves, aber icht in dem Sinne der bisher beobachteten Wahlfreiheit, a keine Bulle tpfttit, welche die passive Wahlfähigkeit für jirgmd eine Nation beschränkt. Di.se Wahtfceiheil ist nicht ‘hi Frage gestellt worden, und die Versammlungen beim Papst, von denen wir drei kennen, haben nur den Zweck, die Freiheit deS künftigen Konklave« sicher zu stellen. In besten ist da« ganze zur Berathung gestellte Thema noch dicht völlig durchgesprochen."
Wie da« „Memorial diplomatique" au» London er- ihrt, hat Lord Derby dem britischen Borschafter in St. etereburg, Lord Loftus, Instruktionen zugchen lasten, um die Verhandlungen mit dem Fürsten Gortschakvff wegen der Frist von einem Jahre zu eröffnen, weiche nach der
Krlcheint tügliw außer den Werttagen nach Svun« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichenBeilage .,&**£** Evnut»«»»latt" durch di-Ssveditton («»ch'sch. Buchdcuckecei, bezöge-., «art, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 «art 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in der Expedition za ertdeilend« Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», deresnet.
sei die Besorgniß, daß ihn nach neuen kriegerischen Abenteuern lüste, um einige dunkle Wolken im Innern Deutsch land« zu zerstreuen. Zu solch erbärmlichen HülfSmittel sich ein Staatsmann seine« Kaliber« nimmer herbei
ehe rk.
je«, r». rr«.
offen. Fürst Bismarck werde im neuen Reichstage so gut, wie im allen seine Stellung zu behaupten verstehen. Er ohne sich schwerlich nach neuen Kriegen und werde kaum Itlage führen, wenn Rußland durch vernünftige« Etnlenken hn in den Stand fetzen werde, den Rest seiner Tage in lieblichem Genüsse seiner bisherigen großen Thattn zu »et« eben. „Morning Post" versichert ebenfalls, daß die Thronrede allgemeine Befriedigung hervorbringen werde. Denn ohne das russische Rundschreiben zu berühren, «erde jed- weve in Petersburg bisher möglicher Weise aufgetauchte Hoffnung, daß Deutschland seine Hand zu ZwangSmaß' regeln gegen die P'vrte reichen werde, zu Nichte gemacht. Klarer hätte sich Über diesen Punkt der Kaiser kaum auS- sprechen können. Seinem kaiserlichen Neffen an der Newa habe er außerdem einen deutlichen Fingerzeig gegeben, daß er durch einen Krieg mit der Türket nichts greifbarere» als eine Verbesserung deS Looses der Christen gewinnen könne. Da aber dieser Wink in Petersburg unzweifelhaft richtig verstanden werdei wird, lasse sich die kaiserliche Thronrede al» eine Bestätigung der Hoffnung betrachten, daß der Friede uob erhalten bleiben werde. In ähnlicher Weise spricht sich der „Dai-Y Telegraph" au», der seinen betreffenden Artikel mit folgenden Worten schließt: Zwei Dinge sind vor Allem, die au» der kaiserlichen Thronrede am meisten hervorstechen: di-Ausdrücke, die einen zuversichtlich m Glauben in einen friedlichen Ausweg aus den schwebenden Schwierigkeiten kundgeben, und die der kaiserlichen Regierung gesicherte vollständige Freiheit für den Fall, daß sich diese Voraussetzung nicht verwirklichen sollte. Deutschland kann mit seiner ungeheuren Kraft entweder ruhig zuschauen oder sie nach jeder Richtung hinschleudern; und eine gerechte Würdigung dieser Thatsache dürfte möglicher Weise nicht daS wirkungsloseste Moment zur Herbeiführung de» von uns Allen gewünschten glücklichen AnSgangeS sein. Im Gegensatz zu den Morgenblättern findet das conservative Abendblatt, der „Globe," daß die kaiserliche Thronrede mehr eine Aufmunterung als eine Abschreckung Rußland» bezwecke, in so fern, als sie klar genug andeute, daß Ruß' land bei einem Angriffe gegen die Türkei keinen Widerstand Deutschland« oder irgend einer anderen Macht zu besorgen haben würde.
Simburg, 20. Febr. Unter dem Vorsitze de» Dom- Dea anten Dr. Klein hat sich in unserem BiSthum in jüngster Zeit ein Diöeesan-Priester-Verein zur Dotirung deutscher Missionen gebildet, dem fast simmtliche Geistlichen der Diicese als Mitglieder beigetreten sind.
Sache nun einmal nicht« ändern und mußte es schon dabei sein Bewenden haben.
Man hatte nun weiter nicht« mehr zu thun, al» die sonstigen Vorbereitungen zum Feste zu ordnen und fest- zustellen, alle« Neblige aber bi« zur Ankunft de» Bischof» zu verschieben.
Am andern Tage, Montag» früh, kam die Kunde von Giebichenstein nach Trotha, der Bischof von Merseburg, Thilo von Trotha, sei eingetrvffen und habe auf dem Bischofssitze, dem Felsenschlosse Giebichensten, Quartier genommen. Der Bischof «ar nicht allein, sondern mit einem zahlreichen glänzenden Gefolge angekommen uvd hatte außerdem noch einen sehr nahen Verwandten in der Person de« JunkerS Bodo von Seeburg mitgebracht.
Schon am nächsten Tage kam der Bischof unter Begleitung dcS Bodo nach Trotha, um den Ofüeiuu Jnsizgm seines Stamm- und ErbfitzcS feinen Besuch obzustatteu.
Sein erster Gang galt dem Silber-Müller, dem langjährigen Pächter der Gutsmühle.
Dieser war natürlich hoch erfreut über die Ehre, die der hochwürdige Bischof seinem Hause zu Theil werden ließ, um so mehr, als dies seit länger al» zehn Jahren nicht wieder geschehen und überhaupt der Besuch de» hohen Gutsherrn für die ganze Gemeinde ein freudige« Ereig- niß war.
Der Silber-Müller nötigte seinen hochwürdigen Gast, ein Frühstück bet ihm einzunehmen, wa« Thilo von Trotha denn auch nicht ansschlug.
Da» Beste, wa« de» Müller« Küche zu bieten hn Stande war, wurde aufgetragen und der Bischof und fein Begleiter ließen e« sich ganz trefflich munden.
Nicht wenig erstaunten indeß die vornehmen Gäste
Anzeigen nimmt entgegen: t Expedit!»» b. Blatte», iontie die Aimoneen-Bureaux von Dietrich & Co. in xnffel und Hannover; LH. Dietrich in Franlfurt a M; öaafenftein & Vogler in Stantfurt a. M-, Berten, Leip- üg, 68ln k ; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt o. M. rc
»Kaffe r$ 1871
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte» sowie btt Annoneen-Burraur von 8. 8. Daube & To. in Frankfurt a. M.: Jüger'sch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Juvaliderrdank, Ä. Rett- ♦ meyer in Berlin; Carl Schütz-
ler in Hannover; 6. Schlotte ix Bremen.
....___.v„ .........o.„ t______ ________ einen so vortrefflichen Wein bei dem schlichten Müller zu
da» war Allen*im°Voraü« klar" Doch ließ fich an der' staden, wie ihn dessen Töchterlein Rö-cheu dm fremdm
Schnitze.
hobenei ß n Gewiß so ist e»l" rief ein Trothaer; „die, welche i nach altem Brauch zur N xenkönigin gewählt wird, soll da« schönste Mädchen au« den drei Dö fern sein. Da ?on Or «her somit ohne Zweifel die Wahl auf Silber Röschen, die, Abon« Äipe von Trotha, fallen muß uvd durch di.se erst bei dem letzten Feste Händel entstanden stad, so wollen wir diese nicht berfelben ausgeschlossen werden kann. Heute nun habe ich »nd soll fie deshalb von der Wahl ausgeschlossen bleiben. - - -- ....... ..... --
it aufgf* Da« ist Alles!"
„Aber da» ist auch genug, Kinder," meinte der Schultze;
-i „denn Ihr müßt wissen, daß Ihr vollständig hn Unrecht seid und durch Euer Unrecht eben die anderen in Harnisch bringt. Wie würde da» der Silber-Müller, der reichste mtb geoch etste Mann im Dorfe, anfnehrnen, wenn Ihr seine Tochter, gegen Brauch und Herkommen, von dieser Dahl auSschließen wolltet? Habt Ihr da» bedacht? Er wüßte eS für eine absichtliche Beleidigung seiner Tochter »njehen, und daß er da» nicht ruhig auf sich beruhen lassen würde, könntet Ihr wohl bebenten. Rein, nein, Sinder, ba» geht nicht, unmöglich l Aber da bin ich gerade zur ttchten Zeit gekommen, um Euch etwa» mitzutheilen, wo durch Ihr Alle zufrieden gestellt werdet. Hört mich an!" Eine Todesstille trat ein und Alle waren begierig, zu drrnehmen, wa» der Schultze ihnen Wichtige» berichten würde.