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Marburg, Dienstag, 27. Febmar ld77.

XII. |attgaifl;

llMexgen nimmt entgegen: We Expedition d. Blatte», faite die Hnnoncen«8ureauj ien Yb. Dietrich & Co in «.fiel und Hannover; Th- xietrich in Frankfurt a- M.; iiaasenstein & Vogler in Lmffiitt a- M, Berlin, Sein» L Cüln ic; Rudolf Stoffe ^Berlin, Frankfurt a. St. rc-

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Anzeigen nimmt entgegen; dieExpeditton d. Blatte» sowie bte Ltmoncen-Bureauk von S L Daube & So. in ntOMjUu <L VU. f(^C LuchhaMung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A Stete» menet in Berlin; Carl Sch üb­ler m Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

scheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,, II» stritte« ronnta,»»latt" durch die Sipebition («och'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 8 Mark 5® Pf». (e$L Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ettheileude LuStttnst und Annahme von Adressen werden 85 Pf», berechnet.

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Zilustriites Sonntagsblaü

»erben von allen Postanstalten, wie auch von der viterzeichneten Expedition entgegengenommen. Die Exp. d. Oberh. Ztg.

LaS»-ch«richt.

Der .Reichs-Anzeiger" hebt anläßlich der Entsendung eines britischen Schiffes zum Schutze der mißhandelten nmtschen Untcrthauen in Nicaragua die dankmSwerthe Be InitwiÜigkett hervor, mit der England an einer Stelle, wo !stk deutschen Kriegsschiffe nicht gleich zur Hand waren, mit inner Seeftreitmacht für die Deutschen eintrat und damit cn Grundsatz der Solidarität befreundeter Mächte bezüg 1 tch des Schutzes ihrer Angehörigen in fernen Ländern chcrmala bewährte.

DerA. A. Z ." zufolge finden im Schoße der Reich»- «gierung Erwägungen statt, w.lche die Bermchrung der eigenen Einnah en de« Reichs zunächst durch Erhöhung kr Tabakszölle und durch Uebertragung der Stempelsteuer uf das Reich zum Zwecke haben.

Der Widerspruch zwischen dem auffälligen Schweigen md der Reserve der russtjchen Diplomatie seit einiger Zeit mb den von allen Seiten gemeldeten kriegerischen Borde» mtungen, wenn auch diese zum Theil verfrüht sein mögen, »ird dadurch erklärt, daß Rußland eiaetseitS Englands flathfchlägen zuvor kommen will, der Türkei eine gewiffe frist für die Ausführung der Reformen zu gewähren und inzwischen zu entwaffnen, wie das Derby neulich im Par- iamtnt angedeutet hat. Andererseits wird vermuthet, Ruß lanb wolle die Türkei überfallen, stch durch vollendete That stchcn zum Herrn der Lage machen und nach dem gehofften i ii,en und siegreichen Feldzuge der Türkei ohne Ein- »ifchung Europa'« den Frieden diktiren. Das europäische Ranbat, da» so lange scheinbar erstrebt wurde, würbe stch Pbann überflüssig erweisen.

Au« Pest wird der Wiener Preffe gemeldet: »Eine »sfische Armee steht in Bestarabien schlagfertig und in «er Stimmung. Alle Berichte über typhöse Krankheiten «rdrn von den Ruffen verbreitet, um die Türken sorglos

zu machen. Es befinden fich im ganzen Landstrich am Pruth aufwärts und abwärts, von Kifchinew hinab bi« Bender^ und von Akjermann hinauf bis Beltschi, Men 120,000 Mann dislocirt. lieber den Pruth sind an sieben Stellen bequeme Brücken auf acht Mann Breite (für raschen Heber gang) geschlagen. Völlig adjustirte Pontons wurden auS Kifchinew mit geheim gehaltener Bestimmung abgesendet, muthmaßlich für den Dvnau-Uebergang bestimmt und be­reits dahin birigirt Falsch ist die viel verbreitete Ansicht, daß die russischen Bahntransporte wegen DifferirenS der Eisenbahn-Spurweite nicht im AuSlande verkehren können, da die Geleise mit russischer Spurweite bis Jaffy liegen und daher Alles bis Jaffy tranSportirt werden kann; dort erst muß die Umladung stattfinden. Ja d n morastigen Niederungen von Jaffy bis Galatz giebt es keine Waldungen; die russischen Truppen werden darum Holz zur Feuerung und zum Kochen mttführen; Tausende leichte zweirädige Karren stehen hierzu in Bessarabien an allen dem Pruth nahegelegene» Truppenstattonen bereit. Man glaubt in Kifchinew, binnen zehn Tagen werde die Kriegserklärung erfolgen. Man kann erst nach der Erklärung und bei mil­derem Wetter den Pruth überschreiten. Heute herrscht noch strenge Kälte. Mau wird dann noch drei Wochen brauchen, um in Rumänien an die Donau zu gelangen. Die Türken haben ihre Proviantdepots centraliftrt, vornehmlich in Schum» la und Nisch; eine Kirche in letzterem Orte ist vollständig mit BiScuit angefüllt. (?) Alle an der Donau gelegenen türkischen befestigten Plätze haben starke Besatzungen."

Die türkische Botschaft in Wien theilt den Blättern mit, die National»Versammlung werde am 13. März in Konstantinopel zusammentreten. DieReue Freie Preffe" meldet: Fall» die Ruffen über bett Pruth schreiten, werden bie Türken Kalasat (Wibbin gegenüber, auf rumänischem Gebiet) besetzen; Vorkehrungen seien bazu getroffen.

Deutsches Reich.

Berit», 24. Febr. Die Angelegenheit der Berlin» Dresdener Bahn soll vor dem BundeSrath zum Austrag gebracht werden. Diesem ist seitens des Reichskanzler« ein Antrag Preußen« zugegangen, welcher die Erledigung der zwischen den Regierungen Sachsen« und Preußen« be­züglich der Berlin Dresdener Eisenbahn bestehenden Strei­tigkeit bezweckt. wird in diesem Anträge zunächst mit« getheilt, in welcher Weise sich diese Streitigkeit herauSge- bildet hat. Die sächstsche Regierung habe eS abgelehnt, ihre Zustimmung zu dem Vertrage der preußischen Regie­rung mit der Bahngesellschaft zu ertheilen, dagegen sich be­reit erklärt, die ihr inzwischen von der Gesellschaft zum Kauf angebotenen, auf sächsischem Gebiete belegene Strecke der Bahn für den sächsischen Staat zu erwerben und

mit der preußischen Regierung in Verhandlungen einzu­treten, durch welche die Zustimmung der leiteten zu dieser Abtretung herbeigeführt werden solle. Dieser Vorschlag Sachsens sei unvereinbar mit den Principien, welche in den von den Regierungen beider Staaten über die Aus­führung der Bahn am 6. Juli 1872 abgeschlossenen Stäatsverträgen zum Ausdruck gelangt seien, die preußische Regierung leite dagegen aus eben diesen Principien die Verpflichtung bet sächsischen Regierung her, zu bem von Preußen mit der Gesellschaft geschloffenen Vertrage die Zustimmung mit der Maßgabe zu ertheilen, daß die ihr nach dem StaatSveitrage zustehenden Rechte und Vorbe­halten nicht geschmälert werden. Die preußische Regierung habe daher dm sächsischen Vorschlag abgelehnt und glaube nach einem nochmaligen fruchtlosen Versuche, die Zustim­mung Sachsens zu erlangen, nunmehr die Erledigung der bestehenden Streitigkeiten durch den BundeSrath aus Grund be« Artikels 76 der Reich «Verfassung anrufen zu müssen. ES wird sodann auf Grund jene« Staatsvertrages die Berechtigung be« preußischen Vorschlages betaillirt und der sächstsche Vorschlag alS unberechtigt znrückgewiesea und schließlich beantragt:Der BundeSrath wolle die zwischen beiden Staaten bestehende Streitigkeit auf Grund des Ar­tikels 76 der RiichSverfaffung dadurch zur Erledigung bringen, baß bie Verpflichtung ber sächsischen Regierung festgestellt wird, zu dem von der preußischen Regierung mit der Berltn-Dre-dener Eisenbahngesellschaft unter dem 5. Februar d. I. vereinbarten Vertrage mit der Maßgabe ihre Zustimmung zu ertheilen, daß bie ihr uach dem Staatsvertrage vom 6. Juli 1872 zustehenden Rechte nicht geschmälert werden."

Leipzig, 22. Febr. In der Rächt zum 22. d. MtS. starb nach längerem Leiden auf Schloß Knauthain bei Leipzig bie verwitwete Gräfin Karoline v. Hohenthal, ge­botene Freiin v. Berlepsch. In erster Ehe vermählt mit Wilhelm II., Kurfürsten von Hessen (f 1847), heirathete bie Verstorbene im Jahre 1852 den damaligen Königlich sächsischen Gesandten, Grafen v. Hohenthal, den sie nur um ein Jahr und wenige Monate überleben sollte. Ihr gastliche» Hau« bildete während ihres vieljährigen Aufent­haltes in Berlin einen Sammelpunkt der Berliner Gesell­schaft. Die Gräfin hatte am 9. Januar da« 57. Lebens- jcchr vollendet.

Weimar, 22. Februar. Die Vertragsentwürfe über bie Errichtung eines für alle thüringischen Staaten mit Ausnahme von Sondershausen gemeinsamen Ober-LandeS« geeichtes zu Jena und über die.Aufhebung des Ober» AppellationSgerichtS daselbst stad, wie man demDr. I." meldet, am 19. in einer Konferenz von Regierung-Ver­tretern aller betheiligten Staaten enbgültig angenommen worden. Der hiesige Landtag Hai den General Etat

Silber«Rsöcheu.

Eine Dorf-Novelle von Rudolph Welluau.

(Fottsetzimg.)

Laut weinend und schluchzend warf sie stch der Mutter bie Brust und bat diese mit verzweifelter Stimme ihr «zufiehen und zu Helsen gegen den harten und grausamen

Diese aber sagte, traurig den Kopf schüttelnd:

Du kennst Deinen Vater noch nicht, mein armes Kind. Ras er einmal will, das führt er au« und sollte Alles »rüber zu Grunde gehen. Jedes Wott ist vergeblich bei im und bestärkt ihn nur in feinem hatten Sinne."

Nun, so möge Gott mir helfen 1" rief Röschen und Mte ihrem Vater nach.

L Dieser aber hatte schon die Vorstcht gebraucht und die Rür verschlossen, an welcher Röschen ohnmächtig zusam- Weusank.

j Während dem dies hier in der Wohnstube geschah, Dar der Silber-Müller dranßm mit dem Niklas zu Ende ckommen.

Der Letztere hatte seine Sachen gepackt, nahm von dem «beten Knappen Abschied und bat den Müller, zu erlau- «, wenigstens Mutter und Tochter Lebewohl sagen zu kfett

Ist nicht vonvöthev," sagte dieser,hab'« schon besorgt, fkt hast Dein Geld, geh mit Gott!"

Gott verzeih'« Euch und laß'« Euch nicht entgelten I" fM NiklaS in heftiger Bewegung.

1Mach Dir keine Sorge darüber geh!" rief der Füller und geleitete Nikla« bis vor den Hof.

L einen Augenblick stand dieser saft vnwirtt auf der W«ße.

Lange noch schaute er nach ber Mühle, wo er sein Glück, sein Herz, sein Alles, bie Geliebte, bk er nicht einmal sehen, der er nicht Lebewohl hat sagen dürfen, zu­rückließ.

Endlich ermannte er stch, schritt auf die Landstraße hinaus und schlug den Weg nach Serben ein.

Sechstes Kapitel.

Die Zohannisfeier in Trotha.

Einige Wochen waren vergangen, seitdem Niklas die Silber-Mühle verlaffen.

Er hatte bereits roieber eine Stelle und war jetzt Knappe in brr Steinmühle beS Amte« Giebichenstein, dem Nachbardorfe Trolha'S.

Röschen hatte eine leichte Krankheit als Folge der Entfernung des Geliebten davongetragen, von der ste jetzt aber wieder vollständig hergestellt war.

Mit der glücklichen Leichtigkeit der Jugend hatte sie den Schmerz abgeschüttelt, den ihr die Trennung von dem Geliebten verursacht, der ja bei leidensyastlichen Gemüthern nie tiefe Wurzel schlägt, sondern mehr in der Aenßertich- feit beruht und im ersten Augenblicke bis zur rasenden Verzweiflung steigert, um dann um so rascher über daS Geschehene hinwegzugehen.

Der Vater schien feine Tochter sehr genau zu kennen und hatte ganz richtig gerechntt, daß, wenn er den Gegen­stand ihrer Leidenschaft entfernte, ste denselben sehr bald vergessen würde. Und in der That würde Röschen gar bald sich im Besitze eine« anderen über Niklas getröstet haben, wenn dieser ein Gleiche« gekonnt hätte.

Aber Rikla« war ein stiller, tiefernster Charakter, der einen Gegenstand nur langsam erfaßte, aber dann mit jener Zähigkeit und Daun festhielt, welche nst selbst zu Grunde

gehen mußte, ehe sie denselben wieder ausgab. Er liebte Röschen rein und aufrichtig und diese Liebe war so innig mit seinem ganzen Sein und Wesen verwachsen, daß ste bereits ein Stück seine« Leben« auSmachte und erst mit seiner eigenen Vernichtung aushören konnte.

Er war daher einige Tage in ber Steinmühle, al« er auch sofort Anstalten traf, mit Röschen zusammeuzukommen. Die« war leichter bewerkstelligt, al« er geglaubt.

dJn ber ersten Zeit ihrer Genesung warb Silber-Rös­chen zwar von bem Vater scharf beobachtet. Da er aber, wie er vorausgesetzt, wahrnahm, daß ihr das Verhältniß zu Nikla« sehr gleichgiltig war, so schläferte seine Wach­samkeit bald ein und Röschen konnte seinetwegen wieder thun und lasten was ste wollte. Niklas halte bald Ge­legenheit gesunden, sie zu benachrichtigen, daß er in der Steinmühle sei nnd gab ihr auch Ort und Zett an, wo ste stch ungestört sprechen tonnten.

Bald war daS alte Verhältniß wieder hergestellt und der SUber-Müller hatte keine Ahnung davon. Dem Niklas wollte e« vorkommen, al« ob Röschen die frühere Innig­keit und Liebe zu ihm fehle, ob e« bei ihr jetzt mehr eine süße Tändelei sei und nicht wahrhafte aufrichtige Liehe.

Doch liebte er da« Mädchen viel zu innig und war zu glücklich, wenn er ste in seinen Armen hielt und von ihren Lippen da« Gestiudniß der Gegenliebe fottküflea konnte, al« daß er sich lange mit Grübelei über Tiefe, Gehalt und Wahrheit ihrer Neigung hätte aufhatten sollen ober wollen. E« war ihm genug, daß sie ihn liebte, ob etwa« weniger feurig unb leidenschaftlichwa« war da­bei; wenn ste nur sein wurde, und daß ste bas werben wollte, versprach ste ihm ja täglich von Neuem, und bas war ihm genug!

Sv wat bie Zeit um Johanni hervorgekommen, in