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XII. Iahrgaig

Marburg, Mittwoch, 21. Februar 1877.

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(Fortfchuns folgt.)

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[geb. 1847), Mehemed-Buhran lldvin (geb. 1849), Nur- Eddin [geb. 1851), Suleiman [geb. 1861), die indetz als Kretins gelten. Außerdem hat bekanntlich Abdul Aziz vier Söhne hivterlaffen, im Alter von jetzt 20, 14, 10 und 8 Jahren. Das find die traurigen Ueberrcste vom Stamme

Erhaltung man fich so viele Mühe giebt. Der präsum tive Thronfolger ist also zunächst Mehemeb Reschab.

einen tiefen Seufzer, zum andern Male die stille, verwatsete Wohnung.

Jetzt schlug die Glocke des Kirchthurms zwölf Uhr recht, als hätte ste boshaft seiner geharrt, um ihm eine Stunde nach der andern ins Ohr zu brummen. Dies raubte dem guten Manne, der nun schon einen ganzen Morgen von Angst und Pein umhergetrteben war, und nie von der Stelle kam, Muth und Trost. Selten ist man abergläubiger, als wenn man fürchtet und hofft; und selten hofft und fürchtet man mehr, als wenn man liebt. Herr Quint nahm fein bisheriges Ungeschick als unfehlbare Wei. jung, daß Bitely für ihn nicht bestimmt fei. Mit dem besten Herzm, mit der reinsten Liebe fand er sich deS Mädchens nicht würdig, weil ihn alle Umstände verdammt hätten, lächerlich zu werden. Nichts aber ist lächerlich, ohne verächtlich zu fein.

Diese Betrachtungen munterten ihn wenig auf. Lang' sarn schlich er den gewohnten Weg dahin, voll liefen Miß mmheS. Er ging, er wollte dennoch zur Verlobung, und dem Schicksale trotzen. ES war aber nicht mehr der Liebe Magnet, welcher chn zur Burg deS Herrn Pyk zog, Verzweiflung war'S. Er wüthete gegen 'fich selbst. Er wollie das Schwerste ertragen, und auch dem Uebelsten keinen Halm breit aus dem Wege gehen.

Eigentlich aber/ so redete er sich selbst an,eigentlich aber ist Er, Er mit all seiner eingebildeten Weisheit, ein Tropf. Er selbst ist au allem Unheil Schuld. Ein wenig früher au» dm Federn, ein wenig systematischer in Seinem Tagwerke, rin wenig bedächtiger in Seinem Thun und NichUhun, und die Teujelei wär' Ihm nicht widerfahrm. Geh' Er jetzt; laß Er fich derb auslachen; komm' Er zu Seiner Verlobung, wenn die Andern, deS WartmS müde, am Tische fitzen und abgegeffen habm; stell' Er flch hin, Herr Pinsü, und mach' Er .Seine Bücklinge links und

3 @e-

Herrn Qnint'S verlsbnng.

Humoristische Novelle von H. Zschokke.

(Fortsetzung.)

Sein Mißbehagen zu vermehren, fühlte er starke- iust. Sein wohlabgerichteter Magen kannte die gewohnte Mittagsstunde und hielt aus alte Ordnung. Unter solchen Uaftinben stand eS mit der vorgeblichen Krankheit schlecht. über seine Roth war noch nicht zu Ende.

ES wehte vorn Strom herüber ein schmeichelndes Kühl- Elchen, welches Herrn Quint gewiß wohl gethan haben »ürde, wenn es rhm nicht vom Nacken hervor, über die ^4ultern, einen Schwarm Haare geblasen hätte. Er drehte sich hastig um. Niemand war da. Er fuhr mit der Hand in den Nacken; da sand fich daS Unheil. Ent »edrr war der Haarbeutel vergeffm, oder unterwegs ver- loreu.

Hier blieb keine Zeit zu verlieren. Er sprengte um jagte vollen Sprunge» nach Hause zurück.

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20.

Jeder Andere, waS würde er in der Lage deS Unglück- pigen Manne» gethan haben? Noch einmal den Ver­lach erneuern, zum Verlobungshause zu kommen? Oder d<cheim bleiben und ein sreundliche» Schicksal abwarten?

.. Herr Quint wählte mit rühmlicher Entschlvffenheit das Der quästionirte Haar beutel von schwarzem Taffet A wirklich aus dem Schreibtische neben dem Fernrohre, ^ide Mobilien leisteten Herrn Quint sonst immer aus Spaziergängen Gesellschaft; diesmal und gerade da» wich-

»kik versäumten fie ihren Herrn.

o Die Haartasche am gebührenden Orte im Racken, da» in der Hand, verließ Herr Quint, nicht ohne

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81 n an

de» 19. Jahrhunderts und Glieder desTenkervolkeS" dürfm wir nicht einm l historische Aktenstücke wiedergeben, ohne selber an ihnen das klägliche Handwerk des Censors zu üben.* Dir Voffische Zeitung spricht ihre Billigung dieser AuSlaffungen zum Ueberfluß noch ausdrücklich aus, indem ste hinzufügt:Die Kritik ist bitter aber leider wahr/ Wenn ein Organ deS verbissen­sten PatrikulariSmuS und des äußersten Radikalismus, die Frankfurter Zeitung, unsere Verhältnisse mit denen deS römischen Kaiserreichs in der Periode der äußersten De- pravation und mit denen Spaniens zur Zeit Philipps III. vergleicht, so ist das begreiflich. Daß aber daS älteste Blatt Berlins so etwas wiederholen darf, ohne daß ihm feine Lefer in Maste ihre Entrüstung kund geben daS ist doch trotz aller bisherigen Erfahrungen unverständlich.

In diplomatischen Kreisen wird der Infinitive FriedenS- schlutz zwischen Serbien und der Pforte in kürzester Frist erwartet. Die Entsendung deS serbischen Senators Christitsch al» Unterhändler mit der Pforte, wird an fich als ein Unterpfand des Friedens betrachtet. Auch in Rußland scheint die friedliche Strömung herrschend werden zu wollen. Die Kundgebungen der panslavistischen Komiis'S beginnen mehr und mehr ihren Einfluß auf daS Volk zu verlieren. Was die russische Cirkularnote betrifft, so scheint namentlich Eng« land entschlossen, feine Antwort auf biefelbe möglichst zu verzögern, bi» bie Kriegspartei in Rußlanb noch mehr Boden verloren haben wird. Jedenfalls hat die Berliner Depesche derPall Mall Gazette/ wonach die zwischen den Mächten vertraulich gepflogenen Unterhandlungen be­treffs der auf die Cirkulardepesche zu ertheilenden Antwort zu einem Abschluß gebracht worden seien, keine thatsäch- ltche Begründung. ES haben zwar Besprechungen über den fraglichen Gegenstand stattgefunben; indeß ist zur Zeit noch keine Vereinbarung über eine gleichzeitige und dem Sinne nach indentische Beantwortung bet Note getroffen worden.

Wenn ein so ausgesprochenes Türkenorgan wie dieNeue Freie Presse" in Wien, davon spricht, daß Sultan Abdul Hamb Symptome der Gehirnerweichung zeige, so dürfte es wohl an der Zeit fein, den präsumtiven Thronfolger Abdul Hamid'S ins Auge zu fassen. Ganz ebenso gingen ber Entthronung Sultan Murad's allerlei Melbungen von seiner Erkrankung voran. Abdul Hamid hat noch einige Brüder, Mehemeo Reschad (geb. 1844), Ahwed-Kemaleddin

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Anzeigen nimmt entgegen: bitÜ&rtttte« d. Blatte» sowie bie Annonuv-Bureanx von B L- Daube & So. in

Deutsch« «eich.

Berlin, 19. gebt. Dem Bundesrath ist von bem Ausschüsse für Handel und Verkehr ein Antrag behuf» weiterer Durchführung des MünzgefetzeS zugegangen, nach welchem weitere 40,000 Pfund Gold in Kronen und halben Kronen auszuprägen find. Die Summe der bereits aus­geprägten Silbermünzen beträgt 33,109,616.30 Mark, es soll nun noch eine Prägung von Zweimarkstücken im Be­trage von 19 Mill. Mark und von Fünfzigpfennigstücken im Betrage von 25 Mill. Mark stattfinden und bann mit der weiteren Herstellung von Reichsstlbermünzen bis aus weiteres ganz inne gehalten werden. Die Nachricht der Montagszeitung", daß noch keine Bestimmung über den Termin der Reichstagseröffnung getroffen sei, ist irrthüm- lich, der Kaiser wird Donnerstag, am 22., Nachmittags It/, Uhr, bie neue Session eröffnen. Die fortschritt­lichen Blätter flnb noch immer bemüht nachzuweifen, baß bie Bewilligung bcS Dispositionsfonds auch von Seiten der Nationalliberalen kein Vertrauensvotum für den Mi­nister bes Innern einfchließe. Diese Bemerkung ist sehr müßig. Der Minister hat niemals bie Bewilligung biese» Fonds als Vertrauensvotum verlangt, sondern nur auf Grund staatlicher Notwendigkeit. Es liegt aber immerhin eine Genugtuung für bett Grafen Eulenburg batin, daß der Abgeordnete Miquel konstatirte, derselbe habe mehr für die Ausbildung der Selbstverwaltung gethan als irgend ein liberaler Minister vor ihm. Es ist schon oft erwähnt, daß in Folge deS Druckes, der aus Handel und Industrie in Belgien lastet, sich die Zahl der hilfSbedürftigm Arbeiter in diesem Lande von Tag zu Tage mehre. Der Minister de» Innern hat daher in einem Rescript die Provinzial- behörden angewiesen, die Arbeiter durch Bekanntmachungen im Amtsblatt oder auf sonst angemessenem Wege zu warnen und fie besonders darauf aufmerksam zu machen, daß ihnen Seiten» der belgischen Arbeitgeber nur auf Vorwei» oder Hinterlegung eine» ordnungsmäßigen Reisepässe» ein Ar­beitsbuch gegeben wird, wo» in Belgien zur Erlangung von Arbe t unbedingt uothwendig ist. Jede andere Legiti­mation, wie Tauf- oder Trauschein, Militärpapiere rc. ist ungültig. Die französischen Blätter fahren fort, ihren Unwillen über den Ausfall der elsässischen Wahlen kund zu geben und können keinen Grund dafür finden. Sie treiben ihre Conjecturm fo weit, zu behaupten, daß fich die elsässische Bevölkerung in großem Maßstäbe durch die deutschen Beamten habe täuschen lassen. Es scheint den Blättern ganz zu entgehen, welche erstaunliche Naivetät ste den Elsässern mit dieser Unterstellung zuschreiben, eine

Ot(<beint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,J«»ftrtrte» C»ttttte»»»latt" durch die «Spedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 3fc Watt, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 ff», (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.

rechts. WaS will Er denn antworten? Wa» will Er ausbringen, um die Blöße Seiner Albernheit nur halb zu bedecken? Studir' Er wenigstens auf einen Einfall, den man zur Noch anhören mag!"

Indern er fich also den Text selbst la» und mit Vor­würfen kasteite, ward er in der Ferne einige ihm entgegen kommende Personen gewahr. Er zitterte und blieb stehen. Wahrscheinlich find fie abgeschickt, dich zu suchen was willst du sagen?" Er verging vor Scham. Er legte ba» Fernglas an die Augen. Wirklich sah er hell und deutlich zwei festlich gekleidete Männer; ste gingen mit scharfen Schritten ihm entgegen. Er beschloß, ihnen auszuweichen, um Zeit zur Erfindung irgend eines Mährchen» zu ge­winnen. Recht» lag die Brücke über den Strom. Wie­wohl ihm die» einen Umweg von einer Stunde verursachte, indem er schlechterdings am Ende des Thales wieder über den Strom zurück mußte, um zu Herrn Pyk« Behausung zu kommen, setzte er doch eilfertig hinüber. Die Furcht ließ ihm keine Befinnung. Wie ein Sünder schlich er schamhaft hinter den Gebüschen weg, um von bett Abge­sandten nicht ansgespäht zu werdest.

Er entkam ihnen zwar glücklich aber welch eine Strecke Wegs lag nun vor ihm!

Und al» er nun auch diese fast durchlaufen hatte, al» nun vor ihm schon hinter den Gebüschen die Thürme und Dachgiebel von Thosa aufstiegen, und vom anderen Ufer de» Wasser» die alte Burg herblinkte, was half e» ihm? In der Kirche von Thosa schlug e» zwei Uhr, und man läutete zum nachmittäglichen Gottesdienste ein.

Es ist vorbei / seufzte Herr Quint außer aller Fassung, man erwartet dich nicht mehr. Du kommst in jedem Falle zu spät."

M.; Juvalidendank, L. Siete« mep« in Berlin; Earl Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

LaL«sd«richt.

Die Eröffnung de» Reichstage» findet am 22. b. M. i» 11/2 Uhr Nachmittag» im Weißen Saale bes könig- ßhen Schlosse» statt.

Graf Udo zu Stolberg-Wernigerobe hat in bet Bubget- Lnmjfion oe» Herrenhauses ben Antrag eingebracht, bas Herrenhaus wolle beschließen: bie königliche Staatsregie ium zu ersuchen: 1. ihren Einfluß.bei der Reichsregierung tabtn geltend zu machen, daß die Matrikularbeiträge der telftaaten, soweit thunlich, durch eigene Einnahmen des ssnchS ersetzt werden; 2. dir durch Fortfall der Matriku- ßibeiträge im preußischen Staatshaushaltsetat ersparten Summen zu einer weiteren Dvtirung der Provinzial- bezw. kreis- und Kommunalverbände zu verwenden.

Wir erfahren, daß die Verhandlungen zwischen der Kutschen Reichsregierung und dem Madrider Kabinet, die irmglich der Wegnahme deutscher Schiffe, die nach den Philippineninseln Handel trieben, eifrig fortgesetzt werden. Die spanische Regierung scheint entschlossen, den auswär« tzen Schiffen die Handelsfeeiheit mit den Philippinen zu -währen, jedoch unter der Bedingung, daß den injurgltten tzugeborenen kein Kriegsmaterial zugesührt werde. Ueber sie Schadloshaltung für die beiden deutschen Schiffe ist «ch keine Einigung erzielt.

Au« Anlaß der neulich in diesem Blatte erwähnten Schrijt La Marmora'« entnimmt die brave Vosstsche Zei- ium der eben fo braven Frankfurter Zeitung eine Klage, tafj es bie Praxis ber Gerichte im beuijqjen Reiche nicht nlaubt, biefe Schrift ganz wieder zu geben. Der von der 8-sstschrn Zeitung abgedruckte Artikel dtS Organs des Her» Sonnemann beginnt mit folgendem Satze:Jede diplomaiishe Publikation, welche die Anstchten eines frem­den Staatsmannes spiegelt, wird für uu» Deutsche, sobald wr der fremde Staatsmann nicht der Freund unserer Re­gierung ist, zu ein r Demüthigung." (Diese Demüthigung liegt nämlich darin, daß solche Dokumente angeblich nrcht ganz wiedergegeben werden können.) Und am Schluß fe.ßt es:So ist nicht blos das rasche Wort des Ta geSchlonisten von der Verfolgung bedroht, die Geschichte selber ist in den Bann gethan. Der Deutsche darf nicht »issen, wie Andere über Geschehene« denken, bei ihm ijt es Verbrechen, die wahre Phystognomie früherer Zeit- liuse erkennen zu wollen! Juvenal konnte unter einem linii'ch n Kaiser die Sitten deS römischen Kaiserreichs in bin dunkelsten Tinten malen; Bücher, welche da» abso- laie Königthnm in bet Wurzel zu vernichten suchten, duts- , _ _ .

tm unter Philipp III. von Spanien erscheinen. Söhne Osrnann's, ba« ist bie Hoffnung eine» Reiche», mit besten

Ur.

Mnjeigen nimmt entgegen:

Xe^icbttion b. Blatte»,

«u die Aimoncen-Bureaux . w Th. Dietrich & 60. in

kffd und Hannover; Th grlrich in Frankfurt a. M ; eefenftein & Boaler in

- "Jffurt a. M.. Berlin. Leiv-