XII. J^rgaig
3Har6urg, Dienstag, 20. Februar 1877.
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nach Siebenbürgen dirigirt werden, eine größere Truppenausstellung von russischen Armee abhängig gemacht Alle überein.
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»Thal Wägte." — Und der Bräutigam stand noch dimmt und ungepudert vor dem Spiegel da, die weißen ein am Kopfe.
Der .Pol. Korr." geht von kompetenter Seite eine authentische Darstellung der russischen Streitkräfte zu, der wir daS Folgende entnehmen: Die türkische Regierung hat im Kriege gegen Serbien «nd Montenegro wohl nicht jene Anstrengungen gemacht, welchen sie sich jetzt unterzieht. Trotz der Anspannung aller Kräfte ist es ihr aber bis jetzt nicht gelungen, mehr als etwa 100,000 Mann in Bulgarien und 60,000 Mann in Armenien zu versammeln. Gegenüber diesen türkischen Streitkräften darf die bis heute aufgebotene russische Militärmacht für mehr als ausreichend angesehen werden. Die mobilen russischen Armeen bestehen im Augenblicke aus 20 Infanterie Divisionen (von 48 Divisionen der Gesammt-Armee, 3 Schützen-Brigaven (von 8), 9 Kavallerie-Divisionen (von 20), 150 fahrenden, reitenden und GebirgS Batterien und einem BelagerungS- materiale von mehr als 500 schweren Geschützen. Das sind zwei Fünftheile der gejammten Armee. Davon stehen in Transkaukasien 115,000 Mann, am Schwarzen Meer von Kertsch bis Ackermann 100,000 Mann, in Bessarabien 200,000 Mann. Die Reserve der Süd-Armee bei Kiew beträgt 75,000 Mann, außerdem Kosaken-Rcserve 10,000 Mann, und andere Ersatzkörper 100,000 Mann. Alles in Allem besteht die militärische Macht-Entfaltung, welche Rußland seiner orientalischen Politik als Folie zu geben für nothweudig erachtete, in mehr als 600,000 Mann, von welchen ungefähr die Hälfte an den Grenzen auf- warfchirt ist und nur des Befehls harrt, den Kampf auf-
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mit Heldenmuth gebracht, die größten Leiden, als Mann, getragen haben — aber dieser Moment vor dem Spiegel, während die Dorfuhr schlug, rieb seine Kraft auf.
Er warf zum dritten Male die Kleidung ab, und setzte sich im Schlafrocke vor den Pudertisch, um sein Haar zu kräuseln. — Auch hier störte ihn ein schadenfroher Dämon. Bald standen die Seitenlockea zu hoch, bald zu tief. Es war nichts Zierliches heraus zu bringen. In Eilfertigkeit und Zerstreuung — denn er studirte noch immer Anreden, und notirte beiläufig da« Best- davon mit Bleistift in die Schreibtafel — verdarb er immer, was er vorher ziemlich leidlich gemacht hatte. — Dreimal schleuderte er mit Wildheit Kamm und Puderquaste zu Boden, und hob sie dreimal wieder auf; denn es war nun einmal BerlobnngStag, und es ließ sich nicht ändern.
Schlechter denn jemals frifirl, doch nicht fo unausstehlich übel, als er selbst glaubte, erhob er sich endlich. Er war im Begrifi, feine Conzepie von Komplimenten noch einmal zu durchfliegen — da schlug die behexte Dorfuhr elf; und die fromme Betglocke brummte zum Uebeifluffe noch dreimal hinterdrein.
Herr Quint ward blaß vor Schrecken. Er hatte keinen Augenblick zu fäumen. Bor halb ein Uhr konnte er jetzt unmöglich in Pyk's Hanfe sein. — Ein weiter Weg, ein ungewöhnlich heißer Tag — zu Verlobung — man denke!
Hurtig ergriff er Stock und Hut, warf den stäubenden Schlafrock ab, zog das veilchenfarbene Kleid an — aber damit war's wieder nicht abgethau. Da war noch hier zu bürsten und da. Auf die Schuhe war Puder gefallen; der Hut hatte am Bette gehangen und Federdaunen aufgefangen; man hatte noch Hausgeschäfte, die abgethan werden mußten, und von keinem Andern abgethan werben konnten.
ES schlug halb zwölf Uhr und Herr Quint stürzte verzweifelnd zum Haufe hinan».
Laufen hilft nicht zum Schuellfein. Er verlor bald
Herr» Quinl'S Kerlabung.
Humoristische Novelle von H. Zschokke.
(Fortsetzung.)
nimmt entgegen: on d. Blatte», ie Snnoncen-Bureauk , Dietrich & ko. in gnb Hannover; Th.
in Frankfurt a- M ; jein & Bögler in «rtaM, Berlin, Leiv- Sln rc; Rudolf Moste
LBges-ertcht.
Kaiser Hai die Eivilprozeßordnung und das Ein- -Sgesetz zur Eivilprozeßordnung unterm 30 Januar d. «gen. Diese Gesetze werden in der nächsten er deS Reichsgesetzblatts publicirt werden. — Der --Anzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, der elsaß-lothringische Landesausschuß die Befug- nhilt, statt eines Stellvertreters dcS Vorsttzenden deren zwei zu wählen.
Va» Deficit im ReichShauShalte für 1877/78 wird ichteter Seit« auf ungefähr 25 Millionen Mark net. Bei der allgemeinen Abneigung gegen die Erder Matrikularbeiträge wird wohl zu neuen Sim- «'schritten werden müffen. Das neue Jahr hat Übersicht begonnen. Die verschiedenen Zölle und Versteuern, welche eine Haupteinnahmequelle des Reichs ., zeigen nach dem Ausweise pro Januar durchgängig erheblichere Verschlechterung gegen das Vorjahr. Rach scheinen die Prophezeiungen, daß die .schlechten ihren Höhepunkt erreicht, sich noch immer nicht zu wollen.
ie.Kreuzztg." meldet, daß in einzelnen Gegenden landS auffallend große Pserdeankäuse stattfinden.
6t liegt im Charakter großer Minner, daß fie durch widerwärtigsten Ereiguiffe nicht außer Faflung gebracht können. Alle« Große, Ungeheure, Erschütternd- Sleichsam zu ihrem Wesen und Werke. Hingegen •n - -Men find oft Sieger über fie. So achtet der Löwe S.7S.E s»hu des Tigers kaum im Kampfe; er fährt aber beim ■ A der Mücke auf.
ist nun Alle», was fich zur Ehrenrettung be» P* Quint sagen läßt. Die schwersten Opfer «
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Au« Wien wirb geschrieben: Ich kann Ihnen heute, Deutsche, «eich. m
die Mitthetlung machen, baß an maßzebenber Stelle nun j Berlin, 17. gebt. Die Ansprache, welche Se. Ma-
mehr bet befinitive Beschluß gefaßt worben ist, bie schon i ........ Q h 6,1
vor längerer Zeit in Aussicht genommene theilweise Mobi- istrung ber österreichisch-ungarischen Armee sofort nach Dem Vormarsch bet russischen Südarmee zur Thatsache werben zu laffen, ohne Rücksicht daraus, ob zwischen Ser bien und der Türkei ein Frieden abgeschloffen worden ist oder nicht. Rur bezüglich deS Punktes, an welchem die mobilistrten Streitkräfte zur Aufstellung gelangen sollen, weichen die Angaben von einander ab. Nach den Einen hätten die Truppen (man spricht von zwei di« drei Armeekorps) den Bestimmungsort: Südungarn resp. Slavonien und Kroatien, während Andere behaupten, in diesen Gebieten werden bloS die Grenzwachen verstärkt, die mobili-
ie uns au» Paris mitgetheilt wird, geht dort das ht, daß der Graf von Chaudotdy in kurzer Frist an Stelle des Herzog» von DecazeS als Minister der »irtizen Angelegenheiten treten werde. Auch in amt- i Kreisen hat sich dieses Gerücht bereits Glauben ver- ft Zwar theilt die „Cotrespondence Universelle" , baß der Graf von Chaudordy demnächst von dem Gall Mac Mahon in Abschiedsaudienz empfangen dann auf seinen Posten nach Madrid zutückkehten ,, be. Gleichzeitig finden wir tndeß in der meist gut ldlpn.n raten .Patrie" die Notiz daß Chaudordy's Abreise bis au ; i Ordre vertagt sei. Jedenfalls wäre e» intereffant, nirftfli 1 Mann als Leiter der auswärtigen Politik Frankreichs bQbet Bt zu sehen, der von einem franzöjstschen Blatte al« , chchörer" offen bezeichnet worden ist.
jestät der Kaiser und König am 9. d. M. bei Gelegenheit deS Eintritts Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm n das 1. Garde-Regiment z. F. gehalten haben, hat fol- gendeu Wortlaut: „Ich hätte gewünscht, Meinen Enkel, der heute in das öffentliche und Dienstleben tritt, dem Offizierkorps de« 1. Garde - Regiments selbst vorftellen zu können, wie Ich e» 1849 mit Meinem Sohne ihun konnte, aber in dieser Jahreszeit muß Ich Mir bei Bewegung im Freien Schonung auserlegen. Daher habe Ich Sie, die nunmehrigen Vorgesetzten Meines Enkels, berufen, Ihnen denselben beim Beginn diese», für ihn neuen LebenSab- schniites vorzustellen. Ihre Ausgabe wird eS sein, ihn im Dienst und zu den Ausgaben deS Soldaten zu erziehen. (Sich zum Enkel wendend): Au« der Geschichte weißt Du, wie alle Könige Preußens, neben ihren anderen Regenten- pflichten, stet« eines ihrer Hauptaugenmerke auf das Hey gerichtet haben. Schon ber Große Kurfürst hat durch per» sönlichen Heldenmuth feinen Schaaren ein unübertroffene« Beispiel gegeben. Friedrich I. wußte sehr wohl, daß, al« er sfth die Krone aus das Haupt setzte, er diesen kühnen Schritt zu vertheidizen genöthigt sein könne. Er wußte aber auch, daß seine schon erprobten Truppen ihm . die« ermöglichen würden. Friedrich Wilhelm I. Hai in bet Garnison, welche Du nun beziehst und die man gern die Wiege der preußischen Armee nennt, den festen Grund zu ihrer Organisation durch die strenge DiSciplin gelegt, welche er Offizieren und Soldaten einprägte, ohne welche keine Armee bestehen kann und dieser — sein — Geist lebt heute noch in ihr fort. Friedrich der Große übernahm mit seinem angeborenen Feldherrntalentp diese festgegliederten Truppen a!« Kern seiner Armee, mit der er die Kriege führte und die Schlachten schlug, die ihn unsterblich gemacht. Friedrich Wilhelm II mußte zuerst einer veränderten Kriegsart begegnen, welcher gegenüber da» Heer doch nicht ohne Lorbeeren aus dem Kampfe hervorging. Mein Königlicher Vater begegnete dem gleichen Feinde, und ein schwere» Geschick traf Vaterland und Heer. Ader da« Alte, Unhaltbare beseitigend, reorganifirte er die Armee und gründete ste auf Vaterlandsliebe und Ehrgefühl. So erreichte er mit ihr
Erfolge, welche aus ewige Zeit in den Annalen der preußischen Armee verzeichnet stehen. Mein schwer geprüfter Bruder, König Friedrich Wilhelm IV, sah mit Genug- thuung auf seine Armee, die in schweren, schmerzlichen Tagen fest zu ihm stand, die er zeitgemäß sorthildete und neue Lorbeeren pflücken konnte. So fand Ich die Armee. Wenn es je eine Regierung von erst kurzer Dauer gegeben, deren Geschicke sichtlich durch die Vorsehung guibig gelenkt wurden so ist es die der letzten Jahre. Unbj wieder ist eS bb
den Äthern; man mußte langsamer gehen, und bett Schatten suchen, benn bie Sonne stach gewaltig.
Währenb be« Galopps, welchen Herr Quint sonst selten zu nehmen gewohnt Mir, hatte er eigentlich an nichts benlen können. Erst bei langsamen Füßen wurde sein Ge- dankenlauf schneller. r- •
Er fühlte, baß schon Alle» verfehlt sei. In jebem Falle mußte die versammelte Gesellschaft beim Herrn Pyk über daS Ausbleiben des Bräutigams in Bestürzung ge» ratheu, in jedem Falle mußte die Jungfer Braut ob der Ungezogenheit deS Bräutigams empfindlich sein; in jedem Falle hatte Herr Pyk da« Recht, zu zanken; in jedem Falle mußten Entschuldigungen dagegen gestellt werdet^ — in jedem Falle standen die Sachen so schlimm, daß man hä te Postpferde nehmen und bis Archangel ober Kamtschatka jagen mögen.
Außer seinem Geburtstage, ohne welchen et nie ben heutigen Tag gesehen haben würbe, hatte Herr Quint in seinem Leben keinen wichtigem gehabt. Unb gerade dieser heutige mißglückte so sehr. Wirklich stand er still, um sich bester seine» Thun« zu besinnen. Er sah rückwärts, vorwärts, hinauf gegen die Alpen, hinab gegen den Strom; guter Rath war in allen Ecken theuer.
Die glühende Schelhe der Mittagssonne hing sengend über dem Thale. Die Schatten krochen zu den Wurzeln der Bäume zurück. Die kahlen Felswände an ben Ge- birgSrippm blendeten da» Auge; jeder Fußtritt wehte Über die schmachtende Flur eine Staubwolke.
Herr Quint hatte sich nie so übel und unbehaglich gefühlt. Er kam fast aus ben Entschluß, heimzukehren unb b n ganzen Plunder von Verlobung, Schmaus unb Fest fahren zu lasten unter bem Vorgeben, er sei plötzlich erkrankt. Roch hatte er eine Stunde zu «andern, erst eine halbe zurückgelegt. p
(Fortsetzung folgt.}
Telegraphisch wird gemeldet: Well nicht viel Aussicht Abschluß de« Frieden« mit den Fürftenihümern, bi» Ablauf be« Waffenstillstanbe« vorhanden, wünscht die
, den Waffenstillstand ans einen Monat zu ver- maqcgirt ।
Der Sturz Edhem Pascha'« wird stündlich er-1 zunehmen.
Die .Neue Freie Preffe" meldet: Der Sultan I
Symptome von Gehirnerweichung. I
Anzeige» nimmt entgegen: bteembitio* d. Blatte» sowie die Amwuceu-Bureaur von ® L. Daube & So. in Xranlfurt a..M.: JLger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Juvalidendank, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; Karl Schütz» ler in Hannover; K. Schlotte in Bremen.
- ji Zweitens, In der Kirche des NachbardörfchmS ffchlug 0, 1*1 zchn Uhr, und bie andächtige Christengemeinde kam vom Ktüdienste zurück, über alle benachbarte Wege unb Stege titdtet
* l: Au kalter Schauer überfloß ihn. Er hätte fast an in 71»r fori glauben mögen, benn er stand im Wahn, es könne zu °icht neun Uhr sein. Gesetzt, er hätte sich sporn- [370 «ich- auf den Weg gemacht: so mußte er volle anbert» —"" Stunden bis zur entlegenen Burg be« Herrn Pyk
6 Dann wat'« elf und ein halb Uhr.
Äflflt1? Vchrscheinlich versammelte sich gege roärtig schon die 18J7. DalsbungSgesellschast — wahrscheinlich war er nun schon Zrdc Gegenstand der allgemeinen Unterredung — wahr- , z^nlich war Bätely mit der Tante schon dort; benn um Sonnenhitze zu entgehen, hatte fie vermnthlich bie kgenkühle benutzt, brei Stunden Weges zu machen, im
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