XII. Zatrgütg.
JUatßurg, Sonntag, 18. Februar 1877.
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einer solchen Maßregel nicht zustlmmen wollte, trat Baron Berliner Memorandum nicht beitrat, efl doch keineSweg« Sennyey von selbst zurück. Unterlasten hat, der Türkei zu erklären, daß dieselbe nicht
Sowohl der BerwaltungSrath der Gotthardbahn wie auf eine materielle, sondern höchstens ans eine moralische der schweizerische BundeSrath hat den von der Direktion Unterstützung England« rechnen könne.
Politische Woche» * Uebersicht.
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Ministerium nur übernehmen zu können, wenn er zur so lauf die im Blaubuch veröffentlichten Depeschen beziehen, fertigen Kammerauflösung schreiten dürfe. Da die Krone | durch welche seftzestellt wird, daß, wenn auch England dem
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In Spanien herrscht große Aufregung wegen der bevorstehenden Gemeinderaths- und Provinzialwahlen.
Der Eröffnung des englischen Parlaments folgte in der ersten eigentlichen Sitzung eine kurze «erathung der Adresse, welche in Erwiderung der Thronrede an die Kö nigin abgesa-rdt werden sollte. Dieselbe gab zu einer langen oder erregten Debatte kaum Anlaß, weil die Opposition oen Beschluß gefaßt hatte, zuvörderst die Beröffentlichung der amtlichen Aktenstücke über die Thätigkeit der Regierung in der orientalischen Frage abzuwarten. Nachdem diese in nächster Sitzung erfolgt, nahmen die Anfragen und Inter- pellationen an die Regierung im ausgiebigsten Maße, ins besondere im Unterhause, ihren Anfang. Wie im Oberhause die Lords Derby und Beaconsfield die Politik der Regierung dem Führer der Opposition, Lord Granville, gegenüber verthetdtgten, so wußten im Unterhause Northcote und insbesondere der Unter-Staatssekretär Bourke die Angriffe Gladstone'S, Fawcett'S unv Campbell'» erfolgreich abzuwehren und konnten sich in den meisten Fällen einfach
der Feierlichkeit, in der et die Hauptrolle spielen mußte, hätte lcSkaufen können. Fast wäre ihm seine ganz- Liebesgeschichte verleidet.
„WaS hat auch die Narrenwelt davon," sprach er bei sich selbst, indem er halb angekleidet sein Zimmer mit schnellen Schritten auf und ab lief, „waS hat sie auch davon, daß sie die Natur zum Firlefanz verkehren und di- einfachste Sache von der Welt zum Fratzenwerk verzerren will? O Bätely, warum mußten wir Beide mit diesen Herzen, mit diesen Gefühlen in eine Welt, wo man nur Rcck und Braten sieht? — Die Wilden sind glücklicher. Zwei aneinander schlagende Herzen, da« ist die wahre Verlobung "
Inzwischen half die Protestation gegen der Welt Narrheit nichts zur Sache. Die Augenblicke eilten davon. Man mußte sich anklciden, und zwar diesmal ein wenig sorgfältiger denn gewöhnlich; man mußte noch hin und wieder manches in der Wirthfchast ordnen; man mußte endlich auch wohl beiläufig darauf beiten, waS man den Zeugen und Ehrengästen, der Braut und der Tante, und der For- maliiät willen auch dem Oheim sagen wollte, um nicht im entscheidenden Zeitpunkte wie ein Stock dazustehen, fich zu kvmpromtttiren vor der Braut und der. sämmtlichen Verwandtschaft.
Während fich Herr Quint die Kleider zusammensuchte, studirte er emsig an zierlichen Redensarten und Höflich- keitSerwiderungen. Aber -S war, als wenn sein Geist ihm diesmal olle Dienste versagen wollte. Er sand keinen Sinn und keine Worte. Die« mehrte seine Aengstlichkeit. Im tiefen Nachfinnen vergaß er, die rechten Kleider zu wählen. Er holte dergleichen ans allen Schränken und kleidete sich an, und wurde am Spiegel belehrt, wie unp affend er den Anzug auSzelesen, wie bunt, wie geschmacklos er dastand, in weißen Beinkleidern, schwarzseidenen Strümpfen und veilchenfarbenem Rock.
Die Garderobe mußte von neuem gemustert werden.
Der von Kischinew nach Odessa übergefledelte Groß- ürst Nikolaus ist noch keineswegs so weit wieder herge« teilt, daß er den Oberbefehl über die Südarmee wieder mit Thatkraft übernehmen könnte; im Gegentheil heißt es, daß er auf dringenden Rath seiner Aerzte, sobald e» sein Zustand gestattet, stch nach Italien begeben werde.
Die türkischen Friedensverhandlungen mit Serbien und Montenegro nehmen ihren ruhigen, aber etwas schleppenden Fortgang. Der serbische Senator Christitsch hat ich im Auftrage Milan'S zum endgültigen Abschluß nach Konstantinopel begeben; mit Montenegro ist man tndeffen noch nicht über die Vorbesprechungen hinauSgekommen. ES stellt stch immer mehr heran-, daß die Ursache von Mid- hat'S Sturz in einer von Mahmud Damad angezettelten Palast-Jntrigue und in dem allzu stark entwickelten Eigenwillen des überenergischen Reformator» selbst zu suchen ist.
In Griechenland beschäftigt stch da» Abgeordneten' Haus mit dem Budget, das für die gewöhnliche Staatsverwaltung auf 36 Millionen gestellt ist, ungerechnet die außerordentlichen Ausgaben für die militärischen Vorbereitungen, welche der Mtnister-Prästoent KumunduroS am 9.
solche gelhan die einfachste: hilf Himmel, dazu wachen, herumstehende
der schweizerische BundeSrath hat den von der Direktion mit dem Gottharbtunnel Unternehmer Favre abgeschloffenen
Vertrag genehmigt.
Der Papst hat auf den Rath de» Cardinals - Congre, gtums von einer Fortsetzung des vatikanischen CoucilS Ab tand genommen; das nächste große Conststorium ist auf den 19. März festgesetzt worden.
Der Sturz Midhat'S hallte in der französischen Deputirtenkammer am 9 Februar in so schrillen Tönen nach, daß DecazcS darüber fast den Kopf verlor. Proust forderte Ausschluß über die verspätete Mittheilung der Depesche über die letzte Katastrophe in Stambul an da« in- teressirte Publikum. DecazeS suchte die Verschleppung zu erklären, bestritt aber auffallend genug die politische Wichtigkeit von Midhat'S Sturz', und erging sich in Beschul- dtgungm gegen diejenigen, die stets das Schlimmste anzunehmen stch beeilten. Der Zwischenfall hatte in der Kammer weiter keine Folgen; die schon öfter dageweseneu Gerüchte über den Rücktritt des Ministers des Auswärtigen traten aber in den folgenden Tagen entschiedener auf, haben stch indeß nicht nur nicht bestätigt, sondern zu einer Berstän digung mit Simon geführt, dem Decaze» das Versprechen ertheilte, seine Politik mehr nach den Wünschen der Thieristen einzurichten und da« Buhlen um Rußlands Gunst aufzu
„Jungfer Pyk, ich bin Ihnen gut!" Aber, welch eine Miene wüßte das gute Mädchen wenn nun die ganze im feierlichen Zirkel verehrliche Gesellschaft über die lakonische
eiwn nimmt entgegen: tto* d. Blatte», i^bie Annoncen-Bureaux 1$. Dietrich & 6o. in d unb Hannover; Th. rich in Frankfurt a- M.; senstein & Vogler in rt a. M. Berlin, Leip- «öln rc; Rudolf Mosse Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Herr» Q«i«t'S Sctl»b»»e.
Humoristische Novelle von H. Zschokke. (Fortsetzung.) 18.
Erklärung in Gelächter auSbräche, oder die Rase rümpfte, oder in die Schnupftücher bifit, um daS Gekicher zu verheimlichen I
Er stand wieder auf. Mit dem Schreiben ging'» auf keine Weife. Vielleicht glückte ein Jmpromptü. Er trat vor den Spiegel, um mit lächelnder Miene, schmeichelnder Stimme etwas Schönes zu sagen. — Za dem Augenblicke brachten ihn zwei verschiedene Dinge außer stch selbst.
Erstlich, er fand sich angekleidet, aber sein Haar noch ganz in der nächtlichen Verwirrung, nngekränselt.
(Fortsetzung folgt)
Gegenüber anderweiten Meldungen über die in der letzten Sitzung des BundeSrathes erfolgte Annahme de« Antrages des JvstizauSschußeS, betreffend den Sitz be» Reichsgerichts in Berlin, ist an« dem Sitzungsprotokoll zu constatiren, baß nur bte ben Sitz des Reichsgerichts betreffende Petition bei Stadtraths unb btt Stabtverord» neten Leipzigs bem Justtzansschuffe überwiesen würbe.
Man schreibt der „AugSb. Allg. Ztg." aus München, 14. Februar. WaS die Frage betrifft, welche Stadt al« Sitz des Reichsgericht» bestimmt werden soll, so wird hier versichert, bte bayerische Staat-regierung werde im Plenum de» BundeSrath» bem Anträge bet sächsischen Regierung beistimmen, und sohin sür Leipzig votiren; e« soll indessen nicht zu bezweifeln sein, daß die Mehrheit de« BundeS- rath» sich für Berlin entscheiden wird.
Die Tribüne erzählt folgende kleine, von ihr verbürgte Geschichte: Eine Anzahl deutscher Industrieller au» allen Theilen des Landes war in diesen Tagen in Berlin ver-
llnterdkfsen gingen die glücklichen Einfälle wieder verloren, welche er zum Kompliment mühsam zusammen gestoppelt hatte. Er ließ die Kleider zurück, und setzte sich in halber Wulh an» Schreibpult, um für den äußersten Norhfall einige anzubringende Artigkeiten anszuzeichnen. Er fühlte mit TodeSverdruß seine Untauglichkeit io großer, glänzender Gesellschaft. Er verwünschte tausendmal die Verlobungen und die Rtesenpläne dr» Herrn Pyk, und die Eitelkeit aller Oheime. Er schrieb:
„Jungfer Braut — Eie sehen mich hier —" CS ist aber noch die große Frage, ob man Bätely sogleich Braut nennen darf? Die» ist fie doch wahrscheioltch nur erst nach dem BerlobungSakt. Besser also: »Jungfer Pyk, Sie sehen mich hier al» den glücklichsten Menschen, der, indem Sie ihm Ihre überaus schätzbare Hand, die —" das Ding geht nicht. E« kommt steif heraus. Und doch, wa» ist Die ganze Wirihfchaft mehr oder weniger, als steife Schnei- oeret? — Eine Art Liebeserklärung muß einmal heraus-
Nicht ihm allein, sondern auch Herrn Onint war der heutige Tag ein Quertag. Der Mensch ist nicht Gebieter fckie» Schicksals. Die Tage nehmen ihn; nicht er nimmt die Tage.
Der ganze Vormittag war unserm Philosophen unter Beschäftigungen entronnen, die ihm völlig fremd waren. 6t schrieb Anreden, Danksagungöreden, und putzte fich ftattsich zur BerlobungSseier.
Ein Stubengelehrter, der Seiner Majestät dem Könige Pt^euiitt werden soll — ein Kandidat der Gottelgelahrt W, der bei voller Kirche seine erste Predigt halten soll ~ ein in Schulden seufzender Kaufmann am Lottrrietage, da» große Loos helfen, die Niete ben Untergang bringen könnte — Keiner von biesen Sterblichen allen kann befere Angst empfinben, als Herr Quint wirklich ewpfanb, leit er am Morgen von schweren Träumen erwacht unb be» Gedankens mächtig geworben war: heut' ist Verlo- bvugstags
Da sah er im Geiste eine Geliebte, bie er nie eigentlich gesprochen, ber er nur Albernheiten gestammelt hatte, et mit seinem Riesen erschreckt, mit seinem Tanze aus p® Berge ohne Zweifel in Furcht gejagt, mft seiner Ab- «htt in die Bergtiese zur Flucht getrieben hatte — da 7. kt neunzehn Zeugen und Ehrengäste, ihm fast alle »udfremde Personen, entsetzliche Gratulanten, steife Kowpli- ®kmenschneidet, und er fich mitten darunter, sein Thun
Lassen der Kritik preiSgegebev, von allen Basen und fiuhmen begafft l Et fluchte im Herzen auf die Eitelkeit
Pomplust des Herrn Pyk. Er hätte mit Freuden eine Tonne Golde« hivgewotfev, wenn er sich damit von
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kommen, um so mehr, da bis jetzt von keiner Seite eine worden war. Die schönste Erklärung wäre
Anzeigen nimmt entgegen: die Erpedttion d. Blatte» sowie die Amwncen-Bureemr von iS. L. Daube L So. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete» ♦ meyer in Berlin; Satt Schütz, ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
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Änt täglich außer den Werttagen na» Sonn» und Feier'tägen. Preis für da- Quartal «jt der wSchentlichm Beilagedurch die ^^Buchdruckerei) bezogen Watt, durch di« PostSmter des Deutschen Reiche» S Wett 50 ff», (exl. Bestellgebühr). - WerttonSgebühr für dre gespaltene gelle 10 V».
• Mr in der Srp-ditio» zu erthellende Austunst und Annahme von Adreffen »erde» S5 Vf«, berechnet.
leitSwit Am Sonntag hielt unser Kaiser als König von Preußen en sch« gg am 18. Januar vertagte „KrönungS- und OrdenSfest" bet» j * unb vollzog — persönlich in erfreulichster Rüstigkeit —
" He wesentlichen Akte in hergebrachter Weise, nur daß die rauer in Folge deS noch so naheliegenden Todesfall S der rau Prinzefstn Karl diesmal einen dämpfenden Schatten iet ben sonst herkömmlichen Glanz des Feste S warf Hin htsich des Friedens im Orient werden aus die bisher ^timistifchen Stimmen mehr kleinlaut. Am vorigen Mitt den W Doch (7. Februar) gab Fürst Bismarck ein parlamentarisches .nq«i Einet, bei welchem er dem gestürzten Großvezir Midhat anben Pascha ein rühmliche« Zrugniß staatsmännischer genialer tens bi Tüchtigkeit ausgestellt, In Betreff der Aussicht ans Krieg »d Frieden zwischen Rußland und der Türkei ein bestimmtes Weil nicht ausgesprochen haben soll. In den sonstigen diplomatischen Kreisen zu Berlin überwiegt die Anficht, — Hchland werde fich zum Kriege entschließen. Im prcußi
cheu Abgeordnetenhause schreitet die zweite Lesung der Etats 3 in Folge bet unerschöpflich n Beschwerdereben aus bem \ Centtum, welche häufig gar kein Antrag auf Streichung iA md sogar überhaupt gar kein bestimmter Antrag begleitet, O i unerwartet unb unerträglich langsam vorwärts. Dagegen I »«ben bie Positionen, wie bk Regierung sie aufgestellt har, »II schließlich fast alle unveränbert mit großen Mehrheiten ge nehmigt. Auch bet Gesetzentwurf wegen anberweiter Einrichtung beS Zeughauses würbe mit übetwiltigenbet Mehr heit, hauptsächlich gegen baS Centtum unb bie Socialdemo traten, nach warmer Befürwortung durch den Abgeordneten
1877. \
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Virchow, angenommen.
----- Die oft gemeldete und ebenso oft wieder bementirte ruar «mtsterkrise tu Oesterreich-Ungarn ist nun endlich
i doch wenigstens sür bie ungarische ReichShälfte zu einer Tatsache geworden. Koloman Tisza hat sür sein ganzes Habinet bie Entlassung gegeben. Der König nahm biefelbe an unb forberte ben abtretenden Minister-PrSstdenten auf, einen Nachiolger vorzuschlagen. Tisza nannte ben Führer ,r der Opposition bet Rechten, ben Baron Paul Sen-.y-y, «d dieser sowohl wie ber Jubep Curiae Majlath wurden «ach Wien beschieden. Der Name Sennyey rief aber im ----- Auswärtigen Amte heftigen Widerspruch hervor. Andraffy drohte sür ben Fall ber Berufung eines KabtnetS Sennyey Azsft Majlath mit feinem sofortigen Rücktritt. Bereits burch- -schwtrrten Gerückte über seinen etwaigen Nachfolget, ben Äwnfervativen Grafen Scecsen, bie Luft. Indessen der Führet bet Rechten im ungarischen Reichstage erklärte, das