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f. 39.

Marburg, Freüag, 16. Februar 1N7

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und ihr Besttzthum zu bitten, was jederzeit durch die Türken, besonders durch die muselmännischen GuegneS und Hirten, bedroht ist, die vollständig bewaffnet daS Land durchstreifen und sich völliger Straflosigkeit erfreuen. Alle Klagen ihrer Opfer sind vergeblich. Die Behörden sind dort taub, denn

e protegiren die Türken, welche, indem sie die Christen idten oder berauben, ja im Geiste des Propheten handeln.

Wenn ein Uebelthäter gar zu genau bezeichnet wird, be-

onders wenn er sich an einen Fremden wagt, so wird er arretirt, um aber bald darauf, sozusagen ohne Garantie, wieder in Freiheit gesetzt zu werden, und ohne daß von seiner Bestrafung mehr die Rede ist. Letzthin habm Türken vie christlichen Wächter der Besitzung des Herrn G. Präs, sakaki, eine« französischen UnterthanS, tvdtlich verwundet. Auf die ernstlichen Vorstellungen der Konsuln entschied sich der Gouverneur dazu, einige Maßregeln zu ergreifen, und die wirksamste von allen war, nach Möglichkeit militärische Detachements als Sicherheitswachen auszusenden. Nach diesem haben dort die Verbrechen ein wenig nachgelaffen.

In Ipek überfielen die Türken die Christen, als sie sich zu der außerhalb der Stadt gelegenen Kirche begaben, um der WeihnachtSmeffe beizuwohnen, und tödteten vier Geistliche, drei Frauen und vier Kinder von drei bis vier

ehre. Die übrigen Gifte wolltm nicht mit Arttgketteu zurückbleiben. Em wogender, schnatternder Haufe, um­ringte daS arme Mädchen, welches schamroth wegen 6er* rathener Liebe (sie glaubte nur Gott und die Tante wüßten darum) mit gesenkten Blicken, in sich selbst verloren, oder vielmehr, wie vernichtet dasaß.

Mit weitgeöffneten Augen und Ohren trat Herr Pyk inS Zimmer und sah und hörte den komplimentirenden Haufen. Sein Plan war verrathen, zerstört; er runzelte die Stirn; er blieb stehender zupfte, unwillig seine Hals- krause mit der rechten Hand, während er zugleich mit der linken in der Westentasche den weiten, großen, rothseidenen,

auf seinem Lager. Der Himmel, von den Strahlen des Mondes überfloffen, leuchtete hell durch die Scheiben der Kammerfenster.Keine Rose ganz ohne Dornen! Nicht einmal daö einfache Bekeontniß der Liebe, der Schwur, sich ewig anzugehörrn, ein Schwur, der schöner und roür diger in der Einsamkeit und unter Thränen abgelegt wer den würde! O ihr armen Menschenkinder, warum quält ihr euch so gern selbst? Warum lastet ihr keine Freude in euer Herz schleichen, ohne sie durch eine Thorheit mit einem SchmerzenSzoll zu belegen?*

Das Alles half nun freilich nichts. Herr Pyk ließ sein System nicht fahren. Er reiste des Morgens in aller Frühe ab. Die Gäste wurden eingeladen, NotariuS und Pfarrer verschrieben, das Gastmahl bereitet kurz, am Sonntag Morgen war Alles angeordnet, was zu einer Verlobung und zu einem kleinen häuslichen Feste, aus dem Stegreife, vonnöthen sein konnte.

Um zehn Uhr Vormittags erschien im Hause deS OheimS, von der Tante begleitet, Bätely, obwohl das gute Kind, das man zu überraschen gedachte, nicht wußte, daß heute der Tag seiner Verlobung sei. Oheim und Tante waren dahin übereingekommen.

Um halb elf Uhr erschienen Pfarrer, NotariuS und Vettern und Muhmen in Feierkleidern, mit lautem Ge­trätscht, schaarenweiS. Nur der Bräutigam fehlte noch.

Henn Quint'S Berlodung.

Humoristische Novelle von H. Zscholle- (Fortsetzung.) 16.

1,50 b. >60 6 50 t» 1056. __6.

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Deutsches Reich.

(Berlin, 14. Februar. DerReichs- und St.-Anz.* chreibt: Verschiedene Wahrnehmungen neuester Zeit ergeben, daß der Verzicht der Kaiserlich deutschen Regierung auf Betheiligung bei der nächsten Pariser Ausstellung nicht allgemein als unwiderruflich angesehen wird. Gegenüber einer Auffastung, welche Angesichts der deutschen Srwtedc- rung auf die ergangene Einladung nur auf völligem Miß- verständniß beruhen kann, ist im Interesse deutscher In­dustrieller hervorzuheben, daß die Sachlage, welche seiner Zeit für die endgültige Entscheidung maßgebend war, ihrer Natur nach die Möglichkeit einer «enberung ausschließt. Ebenfalls ist auch bereits amtlich daraus aufmerksam ge­macht worden, daß daS Reglement der Ausstellung den direkten Verkehr einzelner fremder Aussteller mit der General- AuSstellungSkomwisston nicht zuläßt, die Betheiligung ein­zelner deutscher Aussteller somit ausgeschlosten ist. Die Prov.-Corr." schreibt:Die Berathungen deS Staat» »auShalteS im Abgeordnetenhause dehnen sich über jede ursprünglich gehegte Erwar ung aus. Da abgesehen von anderen geringeren Abschnitten besonders noch der gesammte Etat deS Ministeriums der geistlichen und UnterrichtSver- waltung zu berathen ist, bei welchem vorausstchtlich wieder eine Reihe von grundsätzlichen Erörterungen, namentlich von Seiten der ultramontanen Partei, angeregt werden dürste, da ferner noch eine Anzahl von Fragen aus an­deren Etats zur Vorberathung an die Budgetkommisston gewiesen ist, deren demnächstige nochmalige Erörterung im Hause selbst bevorsteht, so wird die zweite Lesung deS Etats sich wohl bis gegen Ende der nächsten Woche auSdehaen und die dritte kaum vor Schluß deS Monats Februar beendigt sein. Daneben wird daS Abgeordnetenhaus noch Zeit gewinnen müffen, um einige Vorlagen von dringlicher Bedeutung, welche die Staatsregierung neuerdings noch einzubringen veranlaßt war, namentlich in Betreff der Theilung der Provinz Preußen und der Berlin Dresdener Bahn in weitere Berathung zu nehmen. Wenn auch daS Herrenhaus nach seiner gewohnten GeschäftSbehandlung sowohl den StaatShauShallSetat, deffen einzelne Theile inzwischen in der Commission vorberatheu werden, wie auch die vom Abgeordnetenhause hinüber kommenden Gesetzent

t 5*,4. ,87,11.

rget.

In Theffalonich haben sich die christlichen Landleute ti der Umgebung schaarenweiS an die Konsuln und den outieraeur gewandt, um Schutz für ihr Leben, ihre Ehre

Laseshericht.

; Der Justizausschuß des BundesratheS hat beantragt, w Gesetze, wonach daS Reichsgericht in Berlin seinen $ haben soll, zuzustimmen.

«Die in Sachen der Tarifreform am Montag in Berlin GNMengetretene Konferenz deutscher Eisenbahn erwal- LtN ist bereits Dienstag Nachmittag wieder geschloffen 'Ken Dieselbe hat, wie dieNationalztg." hört, zu i m befriedigenden Resultate geführt, indem der DreS- er Entwurf mit einer Reihe von Modifikationen, die ' Publikum Vergünstigungen bieten, angenommen ist. L hat fctzvnnirtes Eisen, Stabeisen, Eisenblech durch Absetzung nach dem Speeialtaris II. eine wesentliche Er

Wguug erfahren.

17.

Herr Pyk fühlte sich an diesem großen Tage ganz in seiner Würde. Indem er daS Glück zweier tugendhaften Seelen, die ihm theuer waren, gründen wollte, hatte er zugleich Gelegenheit, feinen Wohlstand, der an Reichthum grenzte, zu entfalten. Die kleine List, den Zweck deS Fest­tags zu verheimlichen bis zur entscheidenden Minute, kitzelte ihn besonders. Er ging von Zimmer zu Zimmer, sagte allen Gästen etwas Schöne», hörte den Schmeichelspruch von Allen, gab Befehle in Küche und Keller, und drückte

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Amwncen-Bureaur von @. L- Daube & So. tn Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Sari Schütz;

(er in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

DerNordd. Allg. Ztg." wird aus Konstantinopel ge- Rieben: Die konstitutionellen Garantien, welche die ver- Ä ..«wörtlichen Großoeziere gegen die Willkür des Sultans wllffeißrchau« nicht zu schützen scheinen, beschützen unglücklicher- leise noch viel weniger die Christen in bett Provinzen gen die willkürliche Barbarei ihrer rnuharnedanischen Mü­

dem schüchternen Bätely zuweilen mit bedeutendem Lächeln die Hand.

Aber keine Rose ist dornenlos. Zwei Dinge störten die Laune des Herrn Pyk.

Seine Schwester, Bätely's Tante, hatte in der Wonne ihres Herzens in geschwätziger Freundlichkeit einer alten Gevatterin daS Geheimniß des Tage- vertraut. Die Ge­vatterin wäre lieber gestorben^ als dqß, sie das Geheimniß, welches auf ihyoc Zunge br-nutz, einen, Augenblick dem lieben Nachbar, dem Herrn Barbier von Thosa, verschwiegen hätte. Der Herr Barbier glaubte ans Amtspflicht, es allen seinen anwesenden Kunden entdecken zu müffen. Tie Kun­den veroffenbarten eS ihren Eheliebsten. Genug, binnen drei Minuten durchlief das Geheimniß alle vierzig vor­handenen Ohren; alle Gesichter wurden wichtig und feier­lich. Die betagte Frau Pfarrerin, der eS um das Seelen­heil der kleinen Bätely zu thun war, ging mit angemeffe- nem Schritt auf diese zu; hob eine förmliche Gratulation an ob der glücklichen Wahl deS Liebsten, und der Ver­lobung, und breitete sich nun in einet wahren Standrede fiber die christlichen Pflichten einer Verlobten Braut aus. Der Pfarrer, welcher ungern Andere fein Handwerk treiben sah, eilte hinzu, mit aufgehobenen Augen und Händen, und unterbrach den Sermon seiner gottesfürchtigen Haus-

Jahren.

WaS die Gefahr und Unglück der Christen noch ver­mehrt, 'ist, daß die ottomanische Regierung ihnen alle Waffen unter dem Vorwande wegnimmt, daß daö Volk nicht bewaffnet gehen dürfe, und daß ste alle Muselmänner bewaffnet unter dem Vorgeben, daß sie zur Nationalgarde gehören. Auch ist die Klage allgemein, daß im Kriegsfälle die Türken in mehreren Orten ein allgemeines Blutbad unter Christen anrichten würden. Sie erklärten laut, daß wenn die Konferenz die Autonomie der Bulgaren aner­kannt hätte, sie unverzüglich zur Ausrottung derselben ge­schritten wären.

In Philippopel haben sich Frauen aus den Städten und vom Lande an den Bischof und die Konsuln gewandt, um im Namen ihrer Männer, welche sich selbst zu kommen fürchteten, zu erklären, daß ste namens der christlichen Bevölkerung der ottomanischen Regierung überreichte Adresse welche DankeSbezeugungen enthielt, falsch sei, und nicht die Gefühle des Volkes ausdrücke.

In Stromnitza, einer Stadt in Mazedonien, erließen Bulgaren, welche in der That, wie in mehreren Theilen dieser Provinz Griechen find, Adreffen, worin fle gegen jeden Gedanken, wenn er in der Konferenz aufgetreten wäre, ihre Provinz an das vorgenannte Bulgarien anzu- schließen, protestirten.

Hier war neue Verschiedenheit in der Denkweise beider lilosophen. Herr Pyk liebte Pracht und Geräusch Er , 10b r*x ew Aristokrat und wäre gern ein Adeliger gewesen. yobU.Rtiu Haus war mit alten Heldengemälden auStapezirt, die F in öffentlichen Versteigerungen eingetauft hatte, um der 3,506. £rten«b5nter willen, die sie, nebst großen Wolkenperrück.n, "qm 8en- Bon den dreihundert und sünfuudsel Sjig Tagen 7ofc 3-hre» gehörten ihm die Werkeltage zu den gemeinen t»Mrgkru; Geburt» - und Namenstage waren RoturierS; b6 ^onn- und Festtage wahrhafte, von Gott ernannte Edel- <**tote, deren Patente und Diplome daS Alte und Neue hi T^inent verwahrt Er tanzte nur Menuetten mit Be- f»5 5 g an9 von Trompeten und Pauken, und zog die langen Sg. lvMdmanschetteu, wenn» hätte zur Wahl kommen müffm, 50 b. Untere und Oberhemd vor.

Unter solchen Umständen bleibt e» kein weitere«'hsel, dem blöden, guten Quint zu Muthe sein mußte, als M fr Herr Pyk schlechterdings zur Verlobung, außer dem Notar 90 ' Pfarrer, auch die nächsten Verwandten von Seilen Herrn Bräutigam- und der Jungfer Braut gezogen Riffen wollte, als Zeugeu.

Spät in die Nacht hinein wurde dieser Gegenstand handelt, und endlich bis zum folgenden Morgen vertagt. ** Summe der Gäste bei der Verlobung belief fich, ein Meßlich Braut und Bräutigam, auf zweiundzwanzig Per ''nen. Für ben Schmaus und die übrigen Feierlichkeiten sollte Herr Pyk unmittelbar selbst sorgen, weil die Ver­zug in seinem Hause gehalten werden sollte.

. Herr Quint blieb schlaflos.So ist doch keine Rose Dornen!* seufzte er, und warf sich unruhig umher

' Zn einem Artikeldie Regierung und die Sozialde- lifratie* weist dieProv. Corrcsp.* nach, daß die Regie- rechtzeitig die Gefahren der sozialdemokratischen Be­ug erkannt habe. Es erhelle dies aus den Reden Fürsten Bismarck und des Grafen Eulenburg bei Ge eit der Berathung der Strafgesetznovelle im Reichs ./vornehmlich bezüglich des Paragraphen, welcher eine «ge Bestrasung der öffentlichen Angriffe gegen die Jasti der Ehe, der Familie und deS EigenthnmS bezweckte. Paragraph wurde bekanntlich damals abgelehnt. Weiter --das Blatt:Die Regierung darf wohl erwarten, daß uar Gesichtspunkte, von welchen ste damals auSging, auf

. Md der neuesten Erfahrungen heute schon tn einem .u sprechenderen Lichte erscheinen, als eS vor einem Jahre *11 Fall war. Wenn die Wege, welche sie damals zum

hntze des Staatswohls einzuschlagen gesonnen war, zu- btwwJfö aus lebhaften Widerstand stießen, so wird eine der ^^ivgendsten Aufgaben der nächsten Zukunft fein, über die 1 i Sicherung der bürgerlichen Gesellschaft wirksam ein zu st er. chgenden Wege eine Verständigung unter allen wahrhaft ld- und-uservativen und staatserhaltenden Kräften herbeizuführen." »er für -------

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S StlAetacnnimmt entgegen: n nJtortbttion d. Blatte», für irt sÄeAnnoncen-Bureaur

E Ü- Drettrch & So. m ls<v0 4 und Hannover; Th. februo gch in Frantfutt a. M.; n toet -»stein L Bo-ler in ros, «arta-M,Aerlrn^Lerv- L2* (Mn k; Rudolf Moffe

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Buchdructere.) Bejogen -d JU Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 »« beteAnet

I AuS Petersburg wird die ernsteste Wendung gemeldet. Der Zar äußette gegen die Diplomaten: er habe eine ge­bundene Marschroute. Die Mobilistrung von weiteren sechs Armeekorps ist bevorstehend. Auch in Wien wird der Ernst der weiteren Situation bestätigt; deren Hochdruck dürfte das Ende der Ministerkrise beschleunigen.